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Montag, 23. Oktober 2017

179 | Mátala 2017


Natürlich wollte ich meinen Söhnen auch Mátala, den Hippie-Höhlen-Touri-Ort, zeigen, in dem ihr Vater vor einem viertel Jahrhundert seine Jugend genoss. Und so fuhren wir nach einer Poolrunde gegen Mittag hin, mit Flower-Power-Klängen aus der Mini-Musik-Box und heruntergelassenen Fensterscheiben.
Ich parkte wie letztes Jahr auf dem staubigen Campingplatz, wo ich Anfang der Neunziger gezeltet hatte.




Wir schlenderten durch den Ort, machten Fotos vom bemalten Fußboden, einem bemalten VW Käfer und sonstigem Love-&-Peace-Zauber. In dem Höhlenunterstand oberhalb der Kneipen verkauften die alten bärtigen Männer noch immer ihren Schmuck - und irgendwie auch ihre Seele. Sie ließen sich für Bier oder ein, zwei Euro mit Urlaubern fotografieren, die sogar ihre Gitarre halten durften. Dabei erinnerten sie mich an die For-Weed-and-Beer-Bettler vom S-Bahnhof Frankfurter Allee.
Als wir in der „Hakuna Matata“-Bar Cola tranken (wie 2016 mit meiner Freundin), bemerkte einer meiner Söhne, dass sein weißes Polo-Hemd beschmutzt war. Der Grund: Auf einem Kissen war - woher auch immer - graufettiges Schmiermittel drauf. Mein Shirt hatte auch etwas abbekommen. Ich gab das Kissen dem Kellner und versuchte das Zeug auf der Toilette mit Waschschaum und Spülmittel vergeblich herauszuwaschen. Statt einer Entschuldigung hörte ich vom Kellner nur: „3 Cola, 6 Euro.“ Trinkgeld gab es also keines.
Mit angesäuerten Gesichtern gingen wir zu den Felsenhöhlen auf der anderen Strandseite hinüber. Immerhin durften die Jungs dort kostenlos herumklettern, und für mich waren 2,-€ Eintritt okay. Irgendwie muss Griechenland ja zu Geld kommen.

Dann ging´s zum Baden in die Bucht. Die Jungs stürzten sich in heranrollende Wellen, schielten nach hübschen Bikini-Frauen und ich machte Fotos. Nur von den Jungs.



Nach einem Eis-Stopp (überteuert und unfreundlich) fuhren wir mit kretischer Radio-Dudel-Musik in unserem roten Miet-Fiat-Panda zurück nach Agia Galini, wo die nächste Poolrunde anstand.

Mein Fazit: Dank eines versauten Shirts kann mir Nepp-Mátala die nächsten Jahre gestohlen bleiben. Das Fazit der Jungs: Allein des Sandstrandes und klaren Wassers wegen gerne wieder.

Sonntag, 22. Oktober 2017

178 | Agia Galini 2017


Nach einem Jahr bin ich zurückgekehrt. Vordergründig nicht nach Kreta, sondern nach Agia Gallini, dem kleinen Ort an der Südküste der Insel. Diesmal mit meinen Zwillingen (13) und nicht mit meiner Freundin. Sie war deswegen auch ganz betrübt, als sie uns gestern nach Tegel brachte. (Unsere gebuchte Zeit kommt im Frühjahr.)
Das erste, was ich nach unserer Ankunft tat, war, mit meinen Jungs zum „Ilios“ zu gehen, um nachzuschauen, ob es noch existiert. Und das tat es.
„Manolis, my friend!“, begrüßte ich den Inhaber. „You remember me?“ Er schüttelte den Kopf. Doch während ich auf meinem Smartphone Fotos raussuchte, erkannte er mich. Er lachte, wir umarmten uns und ich stellte ihm meine Söhne vor.


Wo Susanne sei, wollte ich wissen. Erneutes Kopfschütteln. Ende letzten Jahres hatten sie zwei Wochen Urlaub in Deutschland verbracht, danach sei sie nicht mehr mit zurückgekommen. Und es gäbe keinen Kontakt mehr seitdem zu ihr. Traurig, nicht wütend sah Manolis aus, als er es erzählte. Ach, wie schade. Die drei Krimis, die ich für Susanne mitgebracht hatte, würde ich also wieder mitnehmen müssen - oder einem deutschen Urlauber schenken.
Das kretische Essen, das Manolis anschließend zubereitete, schmeckte auch meinen Jungs ausgezeichnet: cremig-dicker Tsatsiki zu Brot, dann griechischer Salat, Hühnerkeulen mit Kartoffeln und gegrillte Dorade. Dazu Cola und Mythos-Bier.

Was mich besonders freut: Agia Galini, dieser zum Saisonende entschleunigte Küstenort hat meine Söhne genauso verzaubert wie mich. Während ich jetzt von Kätzchen umlagert auf der Terrasse unseres Ferienhäuschens schreibe, baden sie im Pool.

Gleich dahinter breitet sich der Golf von Messara aus und über uns ziehen die Wildgänse lärmend weiter Richtung Afrika. Auch ich werde gleich dem Sommer hinterhertauchen und am Spätnachmittag auf Fotosafari gehen.




Samstag, 5. August 2017

177 | Vom Abenteuer, einen Roman zu veröffentlichen - Arbeits- und Auszeit



Diesen Sommer verbringe ich am Motzener See in Brandenburg. Beizeiten stehe ich auf, checke meine Mails und die News am Laptop, setze meinen Tages-Post bei Instagram ab und schreibe an meinem nächsten Roman weiter. Einem Gegenwartsroman, auch wenn er im Jahr 1999 spielt. So lange schleppe ich die Idee dazu und den damals gemachten Anfang mit mir herum. Weil die Story reifen durfte, mein Protagonist jedoch nicht, ist es beim Jahrtausendende geblieben. Mit DM und allem Pipapo.
Im August oder September möchte ich mich mit der freiberuflichen Lektorin Maria Koettnitz treffen, damit sie mir ihre Meinung zum Exposé und den ersten 50 bereits überarbeiteten Seiten sagt. Na, mal sehen.
Ich betreibe also täglich bis nach Mittag mein einsames Schreibgeschäft, während meine Freundin ebenfalls zu tun hat. Dann bin ich durch, laufe bei schlechtem Wetter um den See oder gehe bei warmem schwimmen. Letzteres natürlich am liebsten. Während der Kopf dabei runterfährt, schwirren Libellen an mir vorbei, beobachte ich aus dem glitzernden Wasser heraus Möwen, Haubentaucher, Kormorane und Segelboote. Zuweilen zeigen sich auch zwei Schwäne mit ihrem Nachwuchs im Uferbereich. Oder hoch oben, unter den Wolken, einsame, ihre erhabenen Kreise ziehenden Fischadler. Einmal, als ich mir Urlaub vom Schreiben gönnte und morgens mit dem Ruderboot rausfuhr, um zu angeln, sah ich sogar einen riesigen toten Marmorkarpfen vorübertreiben, den ich zuerst für ein verwesendes Wildschwein hielt.
Am Spätnachmittag gehe ich mit meiner Freundin spazieren, radfahren, auf Fotosafari oder Pilze sammeln.



Abends kommen selbstgefangene, filetierte Barsche in die Pfanne oder Brandenburger Pfifferlinge für ein Risotto. Manchmal holen wir uns zum Salat mit Gartenkräutern einen frisch geräucherten Saibling von Peter, dem Fischer aus Kallinchen. Manchmal grillen wir, besuchen Freunde oder lassen vor dem Fernseher Fünfe gerade sein. Mal mit, mal ohne Anspruch, mal mit, mal ohne eiskalten Chardonnay im beschlagenen Weinglas. Das nennen wir, das nenne ich Luxus. Dieses Gesamtpaket aus Ruhe, Kreativität und Urlaub, aus Lesezeit und kulinarischen Genüssen. Und da wir klugen Kinder wissen, wie schnell auch dieser Sommer vorbei sein wird, genießen wir unsere Lebenszeit um so intensiver. Einschließlich solch zivilisatorischer Errungenschaften wie WLAN und Fliegengitter. Mein Protagonist von 1999 hat übrigens nicht einmal ein Handy.