Pünktlich zu Halloween und einen Monat nach dem Berlin-Marathon humple ich wie die Inkarnation Quasimodos durch die Straßen Berlins. Sogar ein wenig farblos im Gesicht. Würde Mutter sagen. Ich aber sage jedem, der danach fragt, mit dem stoischen Heldenmut eines Kriegsveteranen: „Meniskus“. Mehr Worte bedarf es nicht. Doch es ist Halloween! Also setze ich was von „Kernspin(n!)tomographen“ nach (Mich faszinieren diese Fachtermini!) und einer „möglichen Operation“. Was nichts Besonderes ist unter uns Kriegsveteranen, Profifußballern und Sonstwiehelden.
Fragt mich jedoch einer, wie es passiert sei, winde ich mich: „Es war ..., also ich ... wollte auf einen Tisch ... für ein Gruppenfoto ... --- Und kam nicht rauf.“
Aus die Maus. Nix mit Held. Ironisches Grinsen statt penetranten Mitleids. Schnell weiter. Gehumpelt. Zum Beispiel den laufstegartigen U-Bahngang „Stadtmitte“ entlang. Durch die immer präsente melancholische Schifferklaviermusik eines Russen wirkt der Weg zwischen der U6 und der U2 beinahe metaphorisch. Deshalb bewahre ich meinen aufrechten Gang und blicke stolz in neugierige Gesichter. Weil Stolz immer das Letzte sein sollte, was vor die Hunde geht. Aber ich habe gut reden, ich bin ja nur ein Behinderter auf Zeit, ein Kriegsveteran ohne Waffe, ein Fußballspieler ohne Ball ... Und dennoch ein Mensch.
Was nährt den Stolz, wenn man von der Selbstüberhebung absieht? Potentiale? Der bereits auf einzigartige Weise zurückgelegte Weg? Schmerz negiert das Sein zu Schein, den wir aufrecht(er)halten, solange es geht. Absehbare Schmerzen können einem sogar wie Orden gut zu Gesicht stehen, die man (er)trägt, die man im Griff hat, so Muskelkater & Meniskusrisse.
Warum aber die Schmerzen, die dich beherrschen können, dir das Mark, den Willen zum Leben aus den müden Knochen saugen? Warum die Schmerzen, die in ihrer Intensität und lebenslänglichen Unendlichkeit zynischerweise verlässlich sind?
(Vorhin telefonierte ich mit meiner Großmutter, die bereits den Tod anbetet, weil ihr Glaube an das Leben nachlässt wie die Wirkung ihrer Schmerzmittel.)
Was ist schlimmer: seelischer oder körperlicher Schmerz? Beides lässt sich wohl nicht wirklich vergleichen. Der Vergleich wird immer – wie ich gerade – hinken. Wer seelisch leidet, hat keine Ahnung mehr von stechenden, bohrenden, hämmernden körperlichen Qualen. Und umgekehrt genauso: Dem äußerlich Verstümmelten muss jede Art innerlicher Verluste wie ein bloßes Konversationsthema vorkommen. Nur der wahnsinnige Wunsch nach Erlösung ist allen Leidenden so gleich wie das Unvermögen, sich an vergangene Schmerzen genau zu erinnern.
Doch genug gelitten. Zurück ins Leben und zurück zu Halloween: Halloween regte mich im Grunde stets auf. Halloween in Deutschland, wo es sich über die letzten Jahre wie ein Kürbis auswuchs. Weil die verkleidete Bettelklingel-Tradition eine moderne Leihgabe amerikanischer Filmkultur ist. (Aber, aber, wer wird denn im toleranten Berlin so spießig denken? Lass doch die Kinder. Ihre Eltern verkleiden sich schließlich auch, wo sie können, und eifern sonst wem nach.) Ja, ich weiß, dieser infantile Firlefanz bringt auch noch etwas Schwung in die von allen Heiligen verlassene Wirtschaft. Und von daher ist es immer gut, wenn die kleinen Geister, die ihre Eltern schon mal „Mom“ und „Dad“ nennen, dafür sorgen, dass der Euro beim Einzelhandel rollt. Nur wer sind hier die Trendsetter? Sie oder clevere Wirtschaftsstrategen? Was war zuerst da: der Kürbis oder die Kerze? Vorhin rannten 7 Kinder an mir vorbei, von Tür zu Tür. Blass- und blutiggeschminkt, mit gruseligem Bonbonblick „Süßes oder Saures!“ rufend. Sie waren wie die grotesken Personifizierungen unserer Schicksale: „Süßes oder Saures! Süßes oder Saures!!“ Und wie meinte schon Forrest Gump: „Man weiß nie, was man kriegt.“ Das hätte aber auch Konfuzius sagen können.
Donnerstag, 31. Oktober 2002
Sonntag, 27. Oktober 2002
040 | Noch 'ne Party
Gestern war ich zu einer Wohnungs-Einweihungsparty geladen. Mehr so ein ruhiges sit in. Die Schuhe konnten angelassen werden. Keine Selbstverständlichkeit bei Einweihungsfeiern. Obwohl es um 21.00 losgehen sollte, kam – wie immer - vor 23.00 kaum jemand. Verstehe ich nicht. Man hätte doch viel mehr von einer längeren Nacht. So macht mich das Warten müde und jeder Neuankömmling wird – statt mit Neugierde - mit dezentem Gähnen begrüßt. Was machen die Leute überhaupt so lange zu Hause? Wenn ich die Zeit vor dem Fernseher überbrücken will, komme ich von Stunde zu Stunde immer schwerer hoch.
Na immerhin hatte ich um 22.00 das Vergnügen, mit 8 Frauen in der Küche zu sitzen und sie zu belauschen:
Eine interessierte sich für die erleuchteten Hof-Fenster des Nachbarhauses. Mit einem Fernglas, sagte sie, könne man da abends wunderbar reinschauen. Aha. Sehr aufschlussreich. Es wurde sich über Jobs & Wirtschaftskrise unterhalten, aber auch über Netzstrumpfhosen, Frisuren, Klatsch & Tratsch. Natürlich lassen sich Frauen nicht auf diese Klischee-Themen reduzieren, aber diese Themen haben für Frauen offenbar den großen Unterhaltungswert, den man ihnen nachsagt. Auch wenn es nicht für alle Frauen zutrifft. Gespräche über Fußball und Autos interessieren mich ja auch nicht, wohl aber die meisten Männer.
Eine der Frauen trug ein schwarzes Motörhead-T-Shirt, sah sonst aber nicht nach Schwermetall aus. Auf meine Frage, ob sie Motörhead höre, sah sie mich verständnislos an. Motörhead hören? Sowas gehe doch gar nicht. Nein, aber das Logoprint gefalle ihr. Ich verstand. Sie war Designerin. Die Gastgeberin – aus dem westlichsten Westen des Landes – erklärte nicht ohne Stolz, wo sie ihre 70er-Jahre-Ostalgie-Möbel herhabe. So so. Eine Lampe erkannte ich von früher wieder. Wie ein vertanes Foto aus Kindertagen. Eine werdende Mutter naschte sich durch Pizza, Couscous und Nachos, zwei Freundinnen sabberten bei jedem Klingeln nach potentiellen Männern. (Kein neidischer Machospruch von mir, sondern das Zitat einer Frau.) Und der Mann, der nach mir kam, führte sich wie ein Hybride aus Hahn und Hirsch auf, bis er als uninteressant geschnitten wurde. Bessere Männer zogen später nach und einige Frauen wie Magnete aus der Küche ins Wohnzimmer ab. Oder sie blockierten gemeinsam den engen Korridor dazwischen. Wer sich zum Bad durcharbeiten musste, sah aus wie ein praktizierender Tai Chi-Anhänger. Wenn er oder sie nicht gerade über ein Glas zuviel stolperte. Und der Sitzplatz war dann weg. Ich auch gegen 2.00. Wie bei der „Reise nach Jerusalem“. Warum eigentlich nach „Jerusalem“?
Na immerhin hatte ich um 22.00 das Vergnügen, mit 8 Frauen in der Küche zu sitzen und sie zu belauschen:
Eine interessierte sich für die erleuchteten Hof-Fenster des Nachbarhauses. Mit einem Fernglas, sagte sie, könne man da abends wunderbar reinschauen. Aha. Sehr aufschlussreich. Es wurde sich über Jobs & Wirtschaftskrise unterhalten, aber auch über Netzstrumpfhosen, Frisuren, Klatsch & Tratsch. Natürlich lassen sich Frauen nicht auf diese Klischee-Themen reduzieren, aber diese Themen haben für Frauen offenbar den großen Unterhaltungswert, den man ihnen nachsagt. Auch wenn es nicht für alle Frauen zutrifft. Gespräche über Fußball und Autos interessieren mich ja auch nicht, wohl aber die meisten Männer.
Eine der Frauen trug ein schwarzes Motörhead-T-Shirt, sah sonst aber nicht nach Schwermetall aus. Auf meine Frage, ob sie Motörhead höre, sah sie mich verständnislos an. Motörhead hören? Sowas gehe doch gar nicht. Nein, aber das Logoprint gefalle ihr. Ich verstand. Sie war Designerin. Die Gastgeberin – aus dem westlichsten Westen des Landes – erklärte nicht ohne Stolz, wo sie ihre 70er-Jahre-Ostalgie-Möbel herhabe. So so. Eine Lampe erkannte ich von früher wieder. Wie ein vertanes Foto aus Kindertagen. Eine werdende Mutter naschte sich durch Pizza, Couscous und Nachos, zwei Freundinnen sabberten bei jedem Klingeln nach potentiellen Männern. (Kein neidischer Machospruch von mir, sondern das Zitat einer Frau.) Und der Mann, der nach mir kam, führte sich wie ein Hybride aus Hahn und Hirsch auf, bis er als uninteressant geschnitten wurde. Bessere Männer zogen später nach und einige Frauen wie Magnete aus der Küche ins Wohnzimmer ab. Oder sie blockierten gemeinsam den engen Korridor dazwischen. Wer sich zum Bad durcharbeiten musste, sah aus wie ein praktizierender Tai Chi-Anhänger. Wenn er oder sie nicht gerade über ein Glas zuviel stolperte. Und der Sitzplatz war dann weg. Ich auch gegen 2.00. Wie bei der „Reise nach Jerusalem“. Warum eigentlich nach „Jerusalem“?
Sonntag, 20. Oktober 2002
039 | Shoppen
Gestern war ich wegen einer neuen Hose, Schuhen und Büchern unterwegs. Und weil ich herausfinden wollte, was der Unterschied zwischen "Shoppen" und "Einkaufen" ist.
Wenn es für die ideale Zielgruppe zwanzig- bis dreißigjähriger unverheirateter Großstädter einen Shoppingtag gibt, heißt er Samstag. "Samstag" klingt frischer als "Sonnabend", "Samstag" ist Tagesmagie pur, "Samstag" ist die Zeit bis zur sonnabendlichen Mitternachtsparty, die sich beim Shoppen besser als mit Hausarbeit überbrücken lässt, zumal die Geschäfte oft bis 16.00 Uhr aufhaben. Vorheriges langes Ausschlafen und ein kurzes, aber entspanntes Frühstück vor dem Fernseher verstehen sich von selbst. Brunchen gehen ist schlecht, weil durch die vorzeitig einsetzende Selbstzufriedenheit der Tag dann schon irgendwie gelaufen ist.
Nach dem Frühstück beginnt der entscheidende Teil in der Vorbereitung: Paare müssen trotz Morgenmuffligkeit rücksichtsvoll sein und dürfen sich nicht in die Haare kriegen. Sonst hat es sich schon am Anfang ausvergnügt. Und weil Männer erfahrungsgemäß eher Zweck- als Lustkäufer sind, bemühen sich in erster Linie deren Frauen um gute Stimmung. Einige wissen, dass sich der Einsatz am Ende bezahlt macht. Nicht weil der Mann am Ende bezahlt (Wo leben wir denn!), sondern weil er schlichtweg mal wieder dabei ist. Andere verzichten eben deshalb auf die Begleitung ihres schnell überfordert und zerstreut wirkenden Schattens, der von ihrer Typberatung so viel versteht wie von ihrem Innenleben. Also ziehen diese Frauen lieber alleine oder mit der Freundin los, nachdem sie sich bei Musik ausgiebig geduscht, vielleicht ihre Intimrasur erneuert, sich vor dem Spiegel geschminkt, gestylt, gedreht haben. Denn Frauen müssen sich vor der großen Shopping-Tour schön finden, sonst wird das nix. Sie müssen sich schließlich bei den unzähligen Spiegeln der Klamottenläden gern begegnen. Und wer sich gerade selbst nicht mag, verwöhnt sich lieber gar nicht und bleibt auf jeden Fall zu Hause.
Shopping ist eine Art Vorspiel für die Seele, der Kauf als Höhepunkt wünschenswert, muss aber - anders als bei den meisten Männern - nicht sein. Kommt sie anschließend wieder nach Hause und er fragt, was sie "eingekauft" habe, schüttelt er nur den Kopf, wenn sie "nichts" sagt, und dabei ergänzt: "Es war trotzdem schön ..." Das ist der Unterschied. Zwischen "Shopping" und "Einkaufen", zwischen Männern und Frauen. Ausnahmen bestätigen das. Doch welche Frau kommt schon ohne Plastiktütchen heim.
Die nettesten mir bekannten Läden Berlins gibt es am Hackischen Markt. Bei "Jimmy´s" (Oranienburger Str. 8) bekommt man nicht nur eine kompetente Beratung wie im "Hotel" nebenan, sondern auch schon mal ein Glas Prosecco vom Chef. Und das nicht bloß nach dem Kauf. Überhaupt ist von Kaufzwang nichts zu spüren. Man nimmt sich Zeit für die Kundschaft, ist entspannt und versteht sich nicht bloß als Verkäufer. Dagegen muss man in Konsumtempeln wie H&M, dem IKEA der Bekleidungsindustrie, häufig lange anstehen, will man in eine Umkleidekabine, oder findet in selbiger einen ganzen Fundus nicht weggehängter Klamotten vor. So erlebt in der Friedrichstraße. Das Personal war offenbar überfordert und machte den Laden bereits um 15.45 Uhr dicht. Dafür stand DUSSMANN bis 22.00 Uhr offen. Wer wie ich noch nicht genug hatte, fand sich vor den CD- und Bücherregalen ein. Nur ein kleines Mädchen war übermüdet und weinte auf dem Arm des Vaters, während sich eine lächelnde ältere Dame nach dem "Glücklichen Massenmord" oder so erkundigte.
Als auch bei DUSSMANN die Pforten schlossen und ich mich zu Hause längst bei Tagliatelle und Prosecco erholt hatte, raffte ich mich noch einmal fürs Kino auf. "Halbe Treppe" kam, einer der Low-Budget-Gewinner auf der letzten Berlinale. Gedreht im Stile von Doku-Soaps und Dogma-Filmen (wackelnde Handkamera!).
Es ging um die eingeschlafenen Beziehungen zweier Ehepaare aus Frankfurt an der Oder. Die Schauspieler waren brillant, die Dialoge teilweise improvisiert. Am Ende des Films gab es Applause und stille, glückliche Gesichter im Publikum. Weil es nichts auszusetzen hatte. Da war echte Tragik, komische Tragik und tragische Komik. Hier und da ein wenig Hoffnung und Erfüllung. So wie das Leben eben oft zwischen zwei Shopping-Touren.
Wenn es für die ideale Zielgruppe zwanzig- bis dreißigjähriger unverheirateter Großstädter einen Shoppingtag gibt, heißt er Samstag. "Samstag" klingt frischer als "Sonnabend", "Samstag" ist Tagesmagie pur, "Samstag" ist die Zeit bis zur sonnabendlichen Mitternachtsparty, die sich beim Shoppen besser als mit Hausarbeit überbrücken lässt, zumal die Geschäfte oft bis 16.00 Uhr aufhaben. Vorheriges langes Ausschlafen und ein kurzes, aber entspanntes Frühstück vor dem Fernseher verstehen sich von selbst. Brunchen gehen ist schlecht, weil durch die vorzeitig einsetzende Selbstzufriedenheit der Tag dann schon irgendwie gelaufen ist.
Nach dem Frühstück beginnt der entscheidende Teil in der Vorbereitung: Paare müssen trotz Morgenmuffligkeit rücksichtsvoll sein und dürfen sich nicht in die Haare kriegen. Sonst hat es sich schon am Anfang ausvergnügt. Und weil Männer erfahrungsgemäß eher Zweck- als Lustkäufer sind, bemühen sich in erster Linie deren Frauen um gute Stimmung. Einige wissen, dass sich der Einsatz am Ende bezahlt macht. Nicht weil der Mann am Ende bezahlt (Wo leben wir denn!), sondern weil er schlichtweg mal wieder dabei ist. Andere verzichten eben deshalb auf die Begleitung ihres schnell überfordert und zerstreut wirkenden Schattens, der von ihrer Typberatung so viel versteht wie von ihrem Innenleben. Also ziehen diese Frauen lieber alleine oder mit der Freundin los, nachdem sie sich bei Musik ausgiebig geduscht, vielleicht ihre Intimrasur erneuert, sich vor dem Spiegel geschminkt, gestylt, gedreht haben. Denn Frauen müssen sich vor der großen Shopping-Tour schön finden, sonst wird das nix. Sie müssen sich schließlich bei den unzähligen Spiegeln der Klamottenläden gern begegnen. Und wer sich gerade selbst nicht mag, verwöhnt sich lieber gar nicht und bleibt auf jeden Fall zu Hause.
Shopping ist eine Art Vorspiel für die Seele, der Kauf als Höhepunkt wünschenswert, muss aber - anders als bei den meisten Männern - nicht sein. Kommt sie anschließend wieder nach Hause und er fragt, was sie "eingekauft" habe, schüttelt er nur den Kopf, wenn sie "nichts" sagt, und dabei ergänzt: "Es war trotzdem schön ..." Das ist der Unterschied. Zwischen "Shopping" und "Einkaufen", zwischen Männern und Frauen. Ausnahmen bestätigen das. Doch welche Frau kommt schon ohne Plastiktütchen heim.
Die nettesten mir bekannten Läden Berlins gibt es am Hackischen Markt. Bei "Jimmy´s" (Oranienburger Str. 8) bekommt man nicht nur eine kompetente Beratung wie im "Hotel" nebenan, sondern auch schon mal ein Glas Prosecco vom Chef. Und das nicht bloß nach dem Kauf. Überhaupt ist von Kaufzwang nichts zu spüren. Man nimmt sich Zeit für die Kundschaft, ist entspannt und versteht sich nicht bloß als Verkäufer. Dagegen muss man in Konsumtempeln wie H&M, dem IKEA der Bekleidungsindustrie, häufig lange anstehen, will man in eine Umkleidekabine, oder findet in selbiger einen ganzen Fundus nicht weggehängter Klamotten vor. So erlebt in der Friedrichstraße. Das Personal war offenbar überfordert und machte den Laden bereits um 15.45 Uhr dicht. Dafür stand DUSSMANN bis 22.00 Uhr offen. Wer wie ich noch nicht genug hatte, fand sich vor den CD- und Bücherregalen ein. Nur ein kleines Mädchen war übermüdet und weinte auf dem Arm des Vaters, während sich eine lächelnde ältere Dame nach dem "Glücklichen Massenmord" oder so erkundigte.
Als auch bei DUSSMANN die Pforten schlossen und ich mich zu Hause längst bei Tagliatelle und Prosecco erholt hatte, raffte ich mich noch einmal fürs Kino auf. "Halbe Treppe" kam, einer der Low-Budget-Gewinner auf der letzten Berlinale. Gedreht im Stile von Doku-Soaps und Dogma-Filmen (wackelnde Handkamera!).
Es ging um die eingeschlafenen Beziehungen zweier Ehepaare aus Frankfurt an der Oder. Die Schauspieler waren brillant, die Dialoge teilweise improvisiert. Am Ende des Films gab es Applause und stille, glückliche Gesichter im Publikum. Weil es nichts auszusetzen hatte. Da war echte Tragik, komische Tragik und tragische Komik. Hier und da ein wenig Hoffnung und Erfüllung. So wie das Leben eben oft zwischen zwei Shopping-Touren.
Abonnieren
Posts (Atom)