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Freitag, 3. März 2000

Move over

Sein Auto fährt fast von alleine.
Im Fadenkreuz des Tunnelblicks
Erscheint ein Mädchen, seine Eine,
Die ihn verließ für neue Kicks.

Er dreht das Radio auf bei hundert,
Bei Heavy Metal gibt er Gas
Und denkt an das, was er bewundert,
Und das, was er zum Abschied las.

Mit E-Gitarren-Kriegsgeschrei
Im freie Fall die Straße lang.
Die Zeit der Umkehr ist vorbei,
Kein Bremsen, keinen Rückwärtsgang!

Bloß durch den Tunnel in die Weiten!
Wohin es geht, er weiß es nicht.
Er lässt sich von dem Auto leiten
Und von der eingeschränkten Sicht.

Die Welt da draußen ist ein Traum,
Der Horizont hat einen Riss,
Ein Baum im Ziel ist nur ein Baum,
Nichts weiter und kein Hindernis.

Montag, 21. Februar 2000

Nachts in aller Stille

Wohl hinter jeder freien Lichtung
Bleibt über Tag der Wald zurück,
Nur nachts wächst er in alle Richtung
Und alle Seelen Stück für Stück.

Schon naht die ernste Dämmerstunde,
Sie schlägt um Einlass an ein Herz
Und lässt so manche alte Wunde
Zur Ader mit vertrauter Terz.

Ein Celloton streicht durch den Wald,
Worin der Wind sein Licht verweht.
Der Mond gibt sich im Dunkeln Halt,
Weil er in seiner Mitte steht.

Die Bäume stützen sich auf Schatten
Und müden Wurzeln, weltalltief.
Die Vögel, die sie mittags hatten,
Sind fort, weil man sie heimwärts rief.

Kehr´n sie zurück ins schwarze Holz -
Wie aufgebäumter letzter Wille
Zersägt mit morgengrünem Stolz
Der Wald das Licht in aller Stille.

Montag, 3. Januar 2000

Mein Herz ist ein Terrarium

Mein Herz ist ein Terrarium
Mit Schattenwesen aller Art.
Skorpione sticheln dort herum
Und etwas, das mich ständig narrt.

Mit Hoffnung füttre ich die Brut,
Mit Sehnsucht und mit jungen Trieben,
Mit allem, was nicht in mir ruht,
Jedoch ein Teil von mir geblieben.

Mein Herz höhlt sich zur Grotte aus
Und kann das, was es fasst, nicht fassen,
Doch was es sticht, will nicht heraus,
Und was mich narrt, von ihm nicht lassen.