<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089</id><updated>2012-02-17T04:38:53.044+01:00</updated><category term='Lyrik'/><category term='Prosa'/><category term='Tagebuch'/><title type='text'>Franks Unfug</title><subtitle type='html'>Schön, dass es dich hierher verschlagen hat. Nimm Platz und fühl dich wohl in meiner Leselounge. Lass dich zur Happy-Hour von ausgesuchten Worten verführen, lass dich zwischen die Zeilen fallen und vom Blues mancher Texte sonstwohin begleiten. Lass aber von dir hören und komm auf alle Fälle wieder.</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>180</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1050501004419232299</id><published>2010-09-25T05:58:00.001+01:00</published><updated>2010-09-25T05:59:44.473+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>108 | Hinter einer Tür</title><content type='html'>„Schreibt man erschütternd am Ende mit d oder t?“, fragt ein Junge seinen großen Bruder. Der Satz hallt im Treppenhaus nach.&lt;br /&gt;„Was?“, fragt der Große zurück. Der Große ist zwölf und gerade dabei, eine mit Aufklebern überzogene Wohnungstür zu öffnen. Vorsicht! Bissige Kinder! steht knurrend unter dem glotzenden Spion, Wilde Kerle schwarz daneben. Weiter unten umzingeln Piratensticker Reklame für den Heidepark Soltau. Und Bart Simpson lacht die Prinzessin Lillifee aus.&lt;br /&gt;„Du weißt schon“, lässt der Junge nicht locker, „erschütternd, wenn jemand erschüttert ist.“&lt;br /&gt;„Oder wenn ein Haus wackelt“, unterstützt ihn ein weiterer Bruder. Er ist der jüngste der drei.&lt;br /&gt;„Nein, nicht so!“, protestiert der Mittlere irritiert.&lt;br /&gt;Der Große dreht sich um, als ob ihnen jemand gefolgt sein könnte. &lt;br /&gt;„Geht erst mal rein.“&lt;br /&gt;Dann schließt er hinter seinen Brüdern und sich beinahe geräuschlos die Tür. Nur das Doppelklacken des Innenriegels wäre für jemanden, der jetzt draußen stünde, hörbar. Aber warum sollte ihnen jemand nachgegangen sein? Drei ganz normalen Kindern, die nicht unhöflicher oder lauter als andere auch sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie stehen zuerst unschlüssig im Flur der Wohnung. Es ist ihre Wohnung. In einem der Zimmer läuft sogar noch der Fernseher. Aber der ist eigentlich immer an. Nur wenn die jüngeren Brüder morgens trödeln, macht der Große die Kiste aus. Keiner dürfe zu spät zur Schule kommen, sagt er ständig, denn sonst gäbe es Probleme.&lt;br /&gt;Bereits an der Wohnungstür riecht es so wie in einem Turnbeutel mit ungewaschenem Sportzeug. &lt;br /&gt;„Zu Hause!“, freut sich der kleine Bruder und nimmt seinen Schulranzen von den Schultern. &lt;br /&gt;„Ich habe Hunger!“, sagt der mittlere und wirft seine Tasche hin.&lt;br /&gt;Der große Bruder blickt in den langen Flur. Die auf dem Laminatboden verteilte Kleidung, den Wäschehaufen weiter hinten, die mit Wachsmalern getaggten Korridorwände, all das sieht er nicht. Seine Augen tasten vielmehr, als wenn sie hören könnten, den Gang ab.&lt;br /&gt;„Wo ist die Kleine?“&lt;br /&gt;Der mittlere Bruder schiebt seine Tasche mit dem Fuß beiseite.&lt;br /&gt;„Weiß ich doch nicht.“&lt;br /&gt;„Sei nicht immer so frech!“&lt;br /&gt;Ein typischer Erwachsenensatz. Der Große beherrscht sie alle.&lt;br /&gt;„Ich bin doch gar nicht ...“, setzt der Mittlere an, aber da sieht er, wie sich in der hinteren Flurecke der Wäschehaufen bewegt. &lt;br /&gt;Betont gelangweilt zeigt er nach vorn:&lt;br /&gt;„Da ist sie doch.“&lt;br /&gt;Aus dem Haufen taucht ein blasser Wuschelkopf mit tief liegenden Augen auf und sieht die drei verschlafen an. Der Große lächelt, aber der Wuschelkopf zieht ein schmerzliches Gesicht, hustet zweimal trocken und beginnt zu weinen. &lt;br /&gt;Da lässt der Große seinen Rucksack hinabgleiten und geht über Kinderklamotten voller Schuhdreck und Staubflocken zu ihr. Mit einem zerknautschten T-Shirt aus dem Wäschehaufen wischt er ihr die ersten Tränen weg.&lt;br /&gt;Ein wenig besorgt sieht er sie an: „Bist du krank?“&lt;br /&gt;Die Kleine nickt schniefelnd und schmiert mit dem Handrücken frischen Rotz auf ihre Wangen. Der Große wischt mit dem T-Shirt nach.&lt;br /&gt;„Ich habe Hunger!“, zieht der Mittlere die Aufmerksamkeit auf sich. &lt;br /&gt;„Ich auch!“, zieht der Kleine nach. &lt;br /&gt;Das Mädchen hustet erneut und weint leise weiter. &lt;br /&gt;„In der Küche müsste noch Brot sein“, sagt der Große und streichelt den Kopf seiner Schwester, der sich heiß anfühlt, in den Wäschehaufen zurück. Mit fiebrigen Augen sieht sie zu ihm auf. Er scheint ihr so weit weg zu sein, dass sie kaum versteht, was er sagt:&lt;br /&gt;„..., ob du auch Hunger hast!“&lt;br /&gt;Das Mädchen schüttelt den Kopf und schluchzt so tief auf, als hätte sie lange die Luft angehalten. Davon muss sie wieder husten.&lt;br /&gt;„Gesundheit!“, sagt eine überdrehte Zeichentrickfigur aus dem Fernseher von nebenan, während der Große das wirre Haar der Kleinen glatt streicht.&lt;br /&gt;„Versuch´ noch etwas zu schlafen!“&lt;br /&gt;Wieder einer dieser Sätze. Aber er funktioniert.&lt;br /&gt;Die Kleine nickt, schließt ihre Augen und dreht den Kopf weg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während die jüngeren Brüder bereits in der Küche sind, geht der Große ins Wohnzimmer und starrt durch eine Staubschicht in die Super-RTL-Welt des Fernsehers. SpongeBob wird gerade von einem Werbeblock unterbrochen: &lt;br /&gt;„Bist du mutig genug, ein Pirat zu werden?“ – „Du bist ein Transformer!“ – „Lust auf coolen Puddingspaß?“ - „Aus der Konditorei ...“ – „Tabaluga-Kids-Menue nur 3,99 an jeder Autobahnraststätte“ -  „Riesenfete bei McDonalds!“ &lt;br /&gt;Der Große reißt sich los und folgt seinen Brüdern. Die schmieren sich in der Küche im Stehen Margarine auf Toastbrotscheiben.&lt;br /&gt;„Brot, immer nur Brot“, mault der Mittlere. &lt;br /&gt;Der Große überlegt:&lt;br /&gt;„In meinem Rucksack sind noch zwei Bananen aus der Schule. Habt ihr auch was mitgenommen?“&lt;br /&gt;„Ich habe noch einen Apfel“, sagt der Kleine.&lt;br /&gt;Der Mittlere murrt weiter: „Ich will was Richtiges! Döner!“&lt;br /&gt;„Du weißt schon“, sagt der Große, „dass unser Geld wieder alle ist.“&lt;br /&gt;Aber der Wunsch des Mittleren ist größer als seine Einsicht: &lt;br /&gt;„Trotzdem. Ich will Döner!“&lt;br /&gt;„Verkauf doch deine besten Yu-Gi-Oh!-Karten“, schlägt der Kleine vor. Der Mittlere sieht ihn etwas verblüfft an, bevor er das Messer weglegt.&lt;br /&gt;„Mach ich bestimmt“, sagt er und beißt in seine Brotscheibe. &lt;br /&gt;„Weil einer aus meiner Klasse ...“ – er beißt dabei ebenso in seinen Satz - „der ist ganz scharf auf meine Holo-Karte.“ Um den Trumpf mit seiner wertvollsten Karte in Ruhe auszuspielen, lutscht der Mittlere etwas Margarine von seinem Daumen, bevor er laut weiterdenkt: &lt;br /&gt;„Für den weißen Drachen könnte ich auch was bekommen.“ &lt;br /&gt;Der Kleine nickt anerkennend und beißt mehr vom Toast ab, als er gut kauen kann. &lt;br /&gt;„Da werde ich für jeden von uns“ – der Mittlere sieht kurz zum Großen – „also mindestens zwei Döner kaufen.“&lt;br /&gt;Der Kleine ist voller Bewunderung für den Mittleren, aber der Große hat gar nicht hingehört. Er nimmt sich ebenfalls eine Brotscheibe und reißt davon Stückchen ab, die er sich nachdenklich in den Mund schiebt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben der halb leeren Brotpackung und der Margarine stehen auf dem Esstisch benutzte Teller mit Besteck, ein Gurkenglas voll ausgedrückter Teebeutel, leere Konservendosen. Dahinter drängen sich Gewürzgläser. Sie stehen wie Hinterbliebene bei einer Beerdigung um einen vergilbten Pizzakarton herum. Darauf liegt ein schmutziggraues Geschirrhandtuch zwischen mumifizierten Essensresten, gelben Krümeln und dunklen Fliegen. Toten Fliegen. &lt;br /&gt;In der Spüle stapelt sich schwarz überpudertes Geschirr und wird von Spinnweben zusammengehalten. Die gibt es überall in der Wohnung, sogar in den offenen Schränken. Einige Netze hängen so tief von den Decken herab, dass man sie für die letzte Halloweendekoration halten könnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor vier Monaten konnten die Spinnen hier noch fette Beute machen. Überall gab es gemästete Fliegen, fast zu schwer für den Flug. Die Brummer kamen aus den prallen Müllsäcken und dem Kühlschrank, aber auch aus überlagerten Zwiebeln und Kartoffeln. Sie drehten einige Runden in der Küche, dann flogen sie über den Luftkorridor zur Toilette weiter und kehrten später zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der Toilette hatte mal jemand zu spülen vergessen. Der Nächste tat es auch nicht. Und beim Dritten verstopfte das Klo und lief über. Wer wollte das sauber machen? Es ging ja auch anders: Die Jungs pinkelten zuerst in leere Saftkartons, die sie anschließend ins Waschbecken kippten, manchmal aber auch unter dem Waschbecken stehen ließen. Noch einfacher war es jedoch, so wie ihre kleine Schwester direkt in die Dusche zu urinieren. &lt;br /&gt;Große Geschäfte erledigen die Jungs immer in der Schule. Und nur am Wochenende verrichten sie ihre Notdurft ebenfalls wie die Kleine, die noch nicht zur Schule geht, auf Plastikschüsseln oder Kochtöpfen. Wobei Töpfe besser sind. Da kommt, wenn sich keiner findet, der sie ausleert, ein Deckel rauf und fertig. Und wer sollte sie schon ausleeren?&lt;br /&gt;Wegen des Gestanks blieben alle Fenster angekippt. Dadurch wurden die Fliegen aber nicht weniger. Also schlossen die Kinder alle Fenster wieder und gewöhnten sich an die verdorbene Luft. Und eigentlich roch es bald nicht mehr nach Fäulnis und Verwesung. Denn es gab nichts mehr, was faulen oder verwesen konnte. Es begann bloß muffig nach Schimmel zu riechen, der sich wie ein Geschwür an einigen Wänden und auf dem abgestandenen Kot ausbreitete. &lt;br /&gt;Letzte Fliegen, welche keine Nahrung mehr fanden, starben in den Spinnennetzen oder fielen verhungert vor die Fenster. Bald verschwanden sogar die Spinnen aus der Wohnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„SpongeBob!“, sagt der Kleine, als er mit den beiden anderen Brüdern das Wohnzimmer betritt.&lt;br /&gt;„Macht erst mal eure Hausaufgaben ...“ – Der Satz kommt nur mit halber Kraft vom Großen. Aber selbst die versinkt langsam in der bunten TV-Unterwasserwelt.&lt;br /&gt;„Haben nichts auf“, murmelt der Kleine hypnotisiert und setzt sich direkt vor den Fernseher auf den Fußboden. Neben ihm liegen wie im Flur eingestaubte Hosen, Pullover und Shirts, außerdem zwei mit der Playstation verkabelte Controller.&lt;br /&gt;„Ich mach´ die Hausaufgaben nachher“, sagt der Mittlere und setzt sich ebenfalls. „Haben bloß Rechtschreibung auf.“ &lt;br /&gt;Der Große steht unschlüssig hinter seinen Brüdern und sieht zu, wie Patrick der Seestern laut schreiend vor einem riesigen Hai davonläuft. &lt;br /&gt;Erst als sich SpongeBob mit einem kleinen Fisch unterhält, empfindet der Mittlere Langeweile und steht wieder auf. &lt;br /&gt;„Ich will jetzt Playstation!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da ist der Große bereits mit einem Glas Wasser bei seiner Schwester, die vom Reizhusten wach wurde.&lt;br /&gt;„Muss ich zum Arzt?“, fragt sie, nachdem sie das Glas leergetrunken hat.&lt;br /&gt;Der Große sollte schnell antworten. Jedes Zögern würde Unsicherheit verraten. Welche Antwort aber kann er geben? Immer nur die falsche.&lt;br /&gt;„Nein.“&lt;br /&gt;Der Große lächelt. &lt;br /&gt;„Morgen geht es dir bestimmt besser.“&lt;br /&gt;Die Kleine nickt und lässt das Glas den Haufen runterrollen. &lt;br /&gt;Dann fragt sie etwas, was genauso klingt wie ihre anderen Fragen, dem Großen jedoch alles abverlangt: &lt;br /&gt;„Wann kommt Mama wieder?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Große sieht sie fest an, was ihn selbst erstaunt. Er atmet zweimal ruhig ein, bevor er spricht: &lt;br /&gt;„Du musst jetzt schlafen. Du musst einfach nur die Augen zumachen. Dann wird alles gut.“&lt;br /&gt;Aber die Kleine starrt ihren Bruder regelrecht an. Ihr Blick wirkt klar, nicht mehr so fiebrig. Schon weicht der Große diesem Blick aus. Er muss es ja tun, weil er das leere Glas aufheben will, genau in diesem Moment. Er will es in die Küche bringen, nichts weiter. Mit dem Glas in der Hand erhebt er sich und sieht seine Schwester wieder an.&lt;br /&gt;„Soll ich dir noch mal von Rotkäppchen und dem Wolf erzählen?“ &lt;br /&gt;Da schüttelt die Kleine den Kopf und schließt ihre Augen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom Wohnzimmerfenster des dritten Stocks aus kann der Große die Straße gut einsehen. Nur wenn die Kastanien höher wüchsen, ginge es nicht mehr. Aber die Bäume sind seit Jahren krank und haben bereits braunfleckige Blätter, wenn sie zu blühen anfangen. Jeden Sommer sieht man ihr schwarzes Skelett zwischen dürrem Laub herbstlich hervortreten. &lt;br /&gt;Die gehen sicher bald ein, denkt der Große. Nächstes Jahr ganz bestimmt. &lt;br /&gt;Zwei Jungs aus seiner Klasse jagen mit ihren Rädern den Gehweg entlang. Ein alter Herr schimpft ihnen nach.&lt;br /&gt;Dann sieht der Große eine Frau kommen, die es eilig hat. Für ein paar Schritte setzt sie sogar zum Lauf an. Wo sie wohl hin will, fragt er sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Zimmer hinter ihm wird es immer lauter. Erst haben seine Brüder beim Playstation-Spiel gelacht und die lustigen Schießgeräusche nachgeahmt, dann haben sie sich zum Spaß als „Looser“ und „Opfer“ bezeichnet und sind darüber richtig in Streit geraten.&lt;br /&gt;„Seid nicht so laut!“, sagt der Große und wendet sich vom Fenster ab. „Oder wollt ihr wieder, dass der Nachbar klingelt?“&lt;br /&gt;„Ich habe die Klingel abgestellt“, entgegnet der Mittlere, „hab´ einfach eine Socke dazwischengeklemmt.“ Er prustet vor Übermut und Albernheit los. Da muss selbst der Große grinsen.&lt;br /&gt;„Er freut sich! Guck mal, er freut sich!“, ruft der Kleine begeistert, so als wäre ihm ein Wunsch in Erfüllung gegangen.&lt;br /&gt;Jetzt lachen alle drei und beginnen sich mit den Pullovern vom Fußboden zu bewerfen. Als ihre kleine Schwester im Zimmer steht, halten sie ein.&lt;br /&gt;„Ihr seid so laut“, schmollt sie schlaftrunken, wirkt aber so, als hätte sie gerne mitgemacht oder zumindest zugeschaut.&lt;br /&gt;„Komm mal her zu uns“, lockt sie der Große.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da klopft es an die Tür. Dreimal klopft es. Die Kinder erstarren wie Rehkitze im Feld, die den Mähdrescher hören. Alle vier ducken sich instinktiv ab.&lt;br /&gt;„Still!“, flüstert der Große, obwohl niemand mehr etwas sagt. Er schaltet die Playstation und den Fernseher aus. Dann hält er, neben den Jungs auf dem Boden sitzend,  seine Schwester fest.&lt;br /&gt;Da klopft es wieder. Jetzt fünfmal.&lt;br /&gt;Die Kleine drückt sich gegen ihren großen Bruder, als wollte sie zum Schutz in ihn hineinkriechen. Die beiden Jungs sind aufgeregt und sehen den Großen fragend an. Sie halten sich an den zwei Controllern fest, als könnten sie damit irgendetwas bezwecken. Dabei bräuchte der Große ihnen nur ein Zeichen zu geben, und sie würden mit ihm wie Kitze durchs Feld flüchten. Doch ihr großer Bruder gibt kein Zeichen, und Kitze flüchten auch nicht. Kitze bleiben so lange unentdeckt, bis sie vom Mähdrescher einfach überrollt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Aber wenn es ...“, beginnt der Kleine.&lt;br /&gt;„Sei leise!“ Der Große zischt ihn an. „Oder willst du, dass sie uns finden?!“&lt;br /&gt;„Die trennen uns dann nämlich“, flüstert der Mittlere.&lt;br /&gt;Da rollen neue Tränchen, erst bei dem Kleinen, dann beginnt auch die Schwester zu weinen. Sie schluchzt immer heftiger, bis der Husten wieder da ist. Verzweifelt heult sie gegen die Schmerzen an.&lt;br /&gt;„Ich will zu meiner ...“, bricht es aus ihr heraus. Aber da hält ihr der Große bereits den Mund zu.&lt;br /&gt;Der Mittlere macht ein gefährliches Gesicht und beugt sich zur Kleinen, um sie abzulenken:&lt;br /&gt;„Vielleicht steht ja der Wolf vor der Tür ...“&lt;br /&gt;„Hör´ auf!“ Der Große wird böse.&lt;br /&gt;„Der Wolf?“, fragt das kleine Mädchen. „Der von Rotkäppchen?“&lt;br /&gt;„Nein, der von den sieben Geißlein“, flüstert der Mittlere verschwörerisch.&lt;br /&gt;„Du sollst aufhören damit!“&lt;br /&gt;Der Mittlere gibt sich schmollend und legt den Controller hin.&lt;br /&gt;„Draußen ist sowieso keiner mehr.“&lt;br /&gt;„Aber vielleicht war es ...“, beginnt der Kleine von neuem und wischt sich über sein nasses Gesicht.&lt;br /&gt;Er beendet den Satz nicht, obwohl ihn diesmal keiner unterbricht. Vielleicht beendet er nicht mal den Gedanken dieses Satzes. Vielleicht hofft er einfach, dass das hier gut ausgeht, so wie im Märchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unten, vor dem Haus bellt ein Hund. Den Himmel durchkreuzt grollend ein Flugzeug. Sonst ist es still. So still, dass man es schwer aushalten kann. Der Mittlere macht den Fernseher wieder an, drückt aber versehentlich die falsche Taste auf der Fernbedienung. Statt  SpongeBob sehen die Jungs einen Live-Berichterstatter auf N24, der von schrecklichen Szenen, die sich abgespielt haben, spricht. Er sei immer noch völlig erschüttert. &lt;br /&gt;Während der Mann das sagt, ist die Kleine in den Armen ihres großen Bruders eingeschlafen. Der deckt sie mit einem Pullover zu und sagt leise zum Mittleren, welcher wieder auf Super RTL schaltet: &lt;br /&gt;„Mit einem t!“&lt;br /&gt;Der Mittlere sieht ihn verständnislos an. &lt;br /&gt;„Was?“&lt;br /&gt;„Ich glaube“, sagt der Große, „erschütternd schreibt man am Ende immer mit einem t.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1050501004419232299?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1050501004419232299/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1050501004419232299' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1050501004419232299'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1050501004419232299'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2010/09/108-hinter-einer-tur.html' title='108 | Hinter einer Tür'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8371552047425098489</id><published>2010-02-08T20:34:00.000+01:00</published><updated>2010-02-08T20:35:54.934+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>107 | EOC-Silberhochzeit</title><content type='html'>Gestern Abend war ich nach 8 Jahren endlich wieder bei einem Element-of-Crime-Konzert. Damals präsentierten sie in der Arena Berlin ihre CD „Romantik“, jetzt, beinahe als Abschluss einer Tour durch den deutschsprachigen Raum, die Platte „Immer da wo du bist bin ich nie“. Ohne Komma. Und ohne Anführungszeichen. &lt;br /&gt;So schön wie H.P. Daniels darüber heute im Tagesspiegel-online geschrieben hat (www.tagesspiegel.de/kultur/pop/H-P-Daniels-Element-of-Crime;art971,3024755), kann ich das nicht. Ich musste erst einmal googlen, was unter Mariachi-Melodien oder dem Bo-Diddley-Beat zu verstehen ist und bin jetzt schlauer. Aber ich kann bestätigen, dass es ein guter Abend war, mit guter Musik und Texten, wie ich sie liebe. &lt;br /&gt;Wegen der Hallenakustik verstand ich zwar nicht alles, doch fühlte ich mich gleich wieder wie zu Hause, als altbewährte Songs erklangen. Songs, denen man nicht vergisst, dass sie einem seit Jahren Asyl gewähren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;H.P. Daniels hat sich in seiner Konzertkritik detailliert, aber einzig auf Element of Crime bezogen. Schade, denn zu meiner guten Stimmung trugen weiterhin nicht nur zwei Himbeer-Margaritas vorab bei, um mir das Warten schönzutrinken, sondern auch die Vorband: Florian HORWATH. Ein aus Tirol stammender Neu-Berliner, der mit seinen Jungs Musik macht, die mich irgendwie an die weniger stressigen Sachen von Velvet Underground erinnerte. Gefiel mir also. Und als sie zum Abschluss Norman Greenbaums 40 Jahre altes „Spirit in the Sky“ spielten, swingte ich mich gleich zur guten Laune rüber. Die wurde von den übrigen Konzertbesuchern beinahe mehrheitlich geteilt. Einem Publikum, das im Allgemeinen altersmäßig gemischt war, im Besonderen jedoch für eine Ü-40-Party rekrutierbar war. Kein Wunder, denn die Hauptgruppe kann auf 25 Jahre Bandgeschichte zurückblicken. So wünschten sich insgeheim etliche aus dem Publikum bereits nach dem Einlass einen Sitzplatz, als wären sie zur EOC-Silberhochzeit geladen. Was aber auch an dem Stress liegen konnte, den die überfrorenen Fußwege zur Konzerthalle verursachten.&lt;br /&gt;Am Ende waren manche froh, heil im Bett angekommen zu sein, und empfanden das Konzert als „sehr gelungen“. &lt;br /&gt;Früher hätten sie „geil“ gesagt; heute werden sie wehmütig, wenn „Damals hinterm Mond“ gespielt wird. Ein geiles Lied übrigens, seufze auch ich voller Wehmut.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8371552047425098489?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8371552047425098489/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8371552047425098489' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8371552047425098489'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8371552047425098489'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2010/02/107-eoc-silberhochzeit.html' title='107 | EOC-Silberhochzeit'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2491304649648530674</id><published>2010-02-04T19:46:00.002+01:00</published><updated>2010-09-28T12:10:06.364+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>106 | Winterblues</title><content type='html'>Der Schnee von gestern zermatscht allmählich. Doch über den Frühling nachzudenken lohnt längst noch nicht. Am besten man hält, wenn man kann, die Füße still und bleibt schön auf seiner Couch liegen, bei Tee und einem guten Buch. Schon wegen der überfrierenden Nässe am Morgen und am Abend. Oder man geht, wie ich, mittags den Büchern entgegen. Das muss nicht immer der bekannte Weg zu Dussmann sein. &lt;br /&gt;So entdeckte ich gestern, als ich auf unbekannten Pfaden durch den Tag rutschte, in der Weißenseer Gustav-Adolf-Straße 14 das „Mendel-Antiquariat“ (www.mendel-antiquariat.de). Und das ist so, wie man sich ein Antiquariat vorzustellen hat: ein Regallabyrinth mit Büchern und Ruhe bis unter die Decke. &lt;br /&gt;Nur selten ertönte die Türglocke. Ich hatte also genügend Muße, mich umzusehen. Die Bücher dort sind keine bibliophilen Kostbarkeiten, sondern welche mit Gebrauchswert. So man den für sich erkennt. Die Bücher wollen gelesen werden. Vieles entstammt der DDR, aber es gibt auch ein Regal mit Kinderbüchern von hüben wie drüben. Ich kaufte mir Klassiker: Johann Gottfried Seumes gesammelte Werke in zwei Bänden mit der „Reise nach Syrakus“ (Sehnsucht nach Ferne!) und Jean Pauls „Flegeljahre“.&lt;br /&gt;Wieder zu Hause hörte ich mir seit langer Zeit wieder melancholische Platten von Hans-Eckardt Wenzel an: „Traurig in Sevilla“ und „Lied am Rand“. Letztere Platte besteht komplett aus vertonten Gedichten von Theodor Kramer (1897-1958), den immer noch viel zu wenig Menschen kennen. Als Jude in Wien geboren, im Londoner Exil 18 Jahre vereinsamt, in Wien gestorben. Sein größtenteils unveröffentlichter Nachlass umfasst mehr als 10.000 Werke. Herta Müller, die Literatur-Nobelpreisträgerin, gab 1999 einige von ihnen heraus und nennt Kramer in einem Atemzug mit Paul Celan. Kramer, der Flaneur unter den Landstreichern.&lt;br /&gt;In der Wende- und Nachwendezeit hörte ich ständig Wenzels erste Platten „Stirb mit mir ein Stück“ (1986) und „Reisebilder“ (1989). Auf dem Debüt-Album bereits schon mit vertonten Kramer-Gedichten.&lt;br /&gt;Eines der beeindruckendsten ist für mich „Der reiche Sommer“ vom 12.04.1930 (auf der „Lied am Rand“-Platte):&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;DER REICHE SOMMER &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie lagen zu zweit über Mittag im Sand &lt;br /&gt;vor der staubigen Jutefabrik; &lt;br /&gt;lose saß um die Hüften ihr Leinengewand &lt;br /&gt;und die Sonne beschien ihr Genick. &lt;br /&gt;Längst schon hatte der Staub, der aus Faser und Sack &lt;br /&gt;stieg, die Lungen zur Gänze durchsetzt; &lt;br /&gt;und sie fühlten sich oft schon vom süßen Geschmack &lt;br /&gt;ihres eigenen Blutes benetzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und sie tunkten ihr Brot in den Milchtopf, den Stich &lt;br /&gt;in der Lunge verhielten sie gern; &lt;br /&gt;denn sie wussten: sie hatten den Sommer vor sich &lt;br /&gt;und der rasselnde Herbst war noch fern. &lt;br /&gt;Rein und blau war die Zeit und die Luft roch nach Seim, &lt;br /&gt;nicht allein ihre Haut schien geschält; &lt;br /&gt;sie erzählten sich Dinge von einst, von daheim, &lt;br /&gt;die sie bisher noch keinem erzählt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und es dünkte zu Mittag ihr eigenes Wort &lt;br /&gt;Tag für Tag sie erstaunlich und weich; &lt;br /&gt;noch war keine der roten Begonien verdorrt, &lt;br /&gt;und bemalt war das Leben und reich. &lt;br /&gt;Reich war alles: der Sand und das Gras und das Wehn &lt;br /&gt;und die strahlende Glut im Genick; &lt;br /&gt;und sie hörten verschattet die Spindeln sich drehn &lt;br /&gt;in der staubigen Jutefabrik. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich dieses und andere Kramer-Gedichte wieder von Wenzel interpretiert hörte, war ich kurz versucht, ihm über seine Homepage (www.wenzel-im-netz.de) einen Mail zukommen zu lassen. Doch was hätte ich schreiben sollen? Dass die meisten seiner Lieder mich immer noch erreichen und mir kreative Impulse geben? Ja, vielleicht hätte ich das tun sollen. Aber vielleicht hat mich auch nur der Winterblues mit seinem Ziehharmonika-Spiel fest im Griff. &lt;br /&gt;Also schrieb ich keine Mail, machte mir noch einen Tee und warte ab.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2491304649648530674?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2491304649648530674/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2491304649648530674' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2491304649648530674'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2491304649648530674'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2010/02/106-winterblues.html' title='106 | Winterblues'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5145086835952602259</id><published>2010-01-10T17:31:00.001+01:00</published><updated>2010-01-10T17:31:47.016+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>105 | Schnee von gestern</title><content type='html'>Seit dem 2. Weihnachtsfeiertag liegt in Berlin Schnee, sind die Nebenstraßen nicht geräumt, macht die S-Bahn wieder Zicken. Und nicht nur die. Eine ältere Frau sagte im Fernsehen, dass es so was zu DDR-Zeiten nicht gegeben habe, das mit dem S-Bahn-Chaos. Dabei sorgten Verschleißerscheinungen, Versorgungsengpässe und Finanzierungsprobleme doch ständig für Chaos, will ich meinen. Bloß dass dieses Chaos nicht als chaotisch, sondern fatalistisch wahrgenommen wurde. Oder offenbar gar nicht, wie von dieser Frau. Selbst wenn sie Recht hat, wenn es zu DDR-Zeiten bei der S-Bahn zu keinerlei Ausfällen kam - so wie sie es sagte, erinnerte sie mich an Margot Honecker, die trotzig im vergangenen Herbst den 60. Geburtstag der DDR in Chile beging. Oder an noch Gestrigere, die ganz genau wussten, dass es so was bei Hitler nicht gegeben habe.&lt;br /&gt;Ja, ja, die Erinnerung. Ein Moderator des RBB konnte sich nicht entsinnen, wann Berlin jemals so verschneit war. Ich schon, nämlich erst im letzten Winter. Da stapfte ich über den zugefrorenen Weißen See und musste mich im „Milchhäuschen“ mit einer Heißen Schokolade aufwärmen. Doch generell hat der Moderator natürlich Recht. Weiße Weihnachten ist wie der Weihnachtsmann zum Mythos geworden. Und weiße Winter gibt es fast nur noch an den schmelzenden Polkappen. Da wird man hier natürlich selbst bei Schneeregen ganz aufgeregt. Denn nur ein Gradchen kälter, schon überdeckte herrlichstes Weiß die ganze Alltagstristesse. Aber dazu kommt es meist nicht, vielleicht weil zu viele aufgeheizte Gemüter den Klimawandel zusätzlich beschleunigen. Und bald fangen die Deutschen sicher an, ihre grauen Winter so wortreich zu unterscheiden wie die Eskimos den Schnee. &lt;br /&gt;Bietet Berlin seinen Nagern mit Abfällen und milden Wintern eigentlich ideale Tarn- und Lebensbedingungen, flüchten zumindest die Mäuse derzeit lieber in den Bundestag, wie um sich bei den höheren Tieren über soziale Kälte und eben Schneefall zu beschweren. Dabei sollen Schneespuren auch immer wieder auf den Örtlichkeiten des Reichstagsgebäudes zu finden sein. Beides Themen, welche die Medien vor allem zum chronisch schleppenden Jahresbeginn dankbar aufgreifen, um ihr winterliches Pendant zum Sommerloch zu füllen. Aber beides nichts im Vergleich zu einem angekündigten Unwetter mit Hamsterkäufen wie erst vor drei Wochen:&lt;br /&gt;Der RBB zeigte gestern eine Reportage über die Folgen des Tiefs Daisy für Berlin. Nur gab es da nichts Berichtenswertes, von einigen gemütlichen Flöckchen, die es auf sage und schreibe 2 Zentimeter Schneedecke schafften, abgesehen. Wow! Dabei hätten die Bilder ganz dramatisch werden können, etwa wie beim Hochwasser 2002. Ja, sogar eine Sondersendung wurde für 20.15 angekündigt und - obwohl Daisy so harmlos wie Moshammers Yokshire-Terrier blieb - ausgestrahlt. Vergleichsweise als Warm-up für den Film, den RTL heute Abend zeigt: „The Day After Tomorrow“. Am Tage danach genau das Richtige für meine medial geprägte Erwartungshaltung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5145086835952602259?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5145086835952602259/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5145086835952602259' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5145086835952602259'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5145086835952602259'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2010/01/105-schnee-von-gestern.html' title='105 | Schnee von gestern'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8157072729184646645</id><published>2009-11-01T09:38:00.001+01:00</published><updated>2009-11-01T10:39:10.768+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>104 | 20 Jahre Mauerfall</title><content type='html'>Natürlich fiel sie nicht, die Mauer; genauso wenig wie es eine „Wende“ gab. Aber Wörter sind Gebrauchsgegenstände (um bei den unstimmigen Bezeichnungen zu bleiben) - je länger man etwas falsch wiedergibt, um so richtiger fühlt es sich an. Das gilt auch für Erinnerungen und für die eigenen Wahrheiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will jetzt nicht schildern, wie ich am 9. November 1989 am Grenzübergang Bornholmer Straße erstmalig Westberlin betrat. Obwohl es nach all den bewegten Wochen zuvor mit der bedeutendste Moment war. Denn gleichzeitig begann etwas Neues und etwas Gegenwärtiges hörte auf. Etwas so Vertrautes wie die eigene Kindheit vielleicht. Aber ich war achtzehn und es war mir egal. Davon will ich etwas schreiben, vom Aufhören und vom Neuanfang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das meiste von dem, was aufhörte, werde ich nie vermissen: die linkisch zur Schau gestellte Macht provinzieller Kader, ihre vorgeschriebenen Denkmuster und genormten Wege, ihre Restriktionen. Die Uniformität und das lieblose Schulessen. Jeglicher Ostkult ist mir von daher suspekt.&lt;br /&gt;Was ich aber vermisse, zumindest manchmal, wenn ich mir alte Briefe oder Tagebuchaufzeichnungen durchlese, ist die verschworene Gemeinschaft von einst, das Netzwerk Gleichgesinnter aus den Zeiten, als Politik nicht Wahlmüdigkeit, sondern Abenteuer bedeutete. Die Herbst-Demonstranten in Leipzig und Berlin bildeten eine Zweckgemeinschaft, und wir, meine Freunde und ich, waren ein Teil davon. Bilder dazu aus dem Fernsehen berühren mich noch immer.&lt;br /&gt;Mit dem Fall des Systems, mit dem Fall der Mauer zerfiel auch diese Zweckgemeinschaft. Die Masse, die Menschenflut, verspritzte zu Tröpfchen, zu Individuen. Jeder begann nach dem 9. November persönliche Ziele zu verfolgen. Das ist auch gut so, bei Freunden nur eben schade. &lt;br /&gt;Wir waren wie eine Schiffscrew, die gemeinsam Neuland betritt, sich aber schon am Strand aus den Augen verliert. Und traf man in den folgenden 20 Jahren einen von der alten Besatzung wieder, fragte man beim Bier nach diesem und jenem, dann begannen Sätze mit „Weißt du noch?“ oder „Damals“. Satzanfänge der Großeltern.&lt;br /&gt;Selbst wenn sich die gesamte alte Crew heute wieder am Strand versammeln würde, wären doch alle durch ihre Nachwende-Erfahrungen isoliert, jeder von unterschiedlichen Erinnerungen und eigenen Wahrheiten gefangen. Von einem Leben, das sich mit seinen Gewichtungen natürlich nach vorn verschoben hat. Und dennoch: Es lässt einen nicht los, dieses „Damals“.&lt;br /&gt;Das hat im Grunde genommen nichts mit dem Fall der Mauer zu tun. Retrospektive Wehmut gibt es zu fortgeschrittener Stunde bei jedem Klassentreffen. Aber bei uns endete die Schulzeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Darin liegt die Brisanz. &lt;br /&gt;Die Crew an Bord, das waren meuternde DDR-Bürger. Will man sie jetzt wiedersehen, hat man keine Chance, weil es das Schiff mit den DDR-Bürgern nicht mehr gibt. Aus ihnen wurden Einzelkämpfer, private Conquestadoren. Manche blieben auch Strandläufer mit wehmütigem Blick zurück aufs Meer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals. Damals waren wir Freunde auf dem abgetakelten „DDR“-Schiff. Mochten Independent-Musik und Punk. Dass wir auch zu Orgelkonzerten in die Kirche gingen, gehörte zu unserem Selbstverständnis dazu. Genauso wie das Schreiben von Gedichten, das Spielen von Schlagzeug oder Gitarre. Oder nichts dergleichen. Auch das. Aber wir waren Freunde, weil wir dieselben Konzerte besuchten und dieselben Kneipen, weil wir die gleichen Erlebnisse und Träume hatten. Weil wir uns hatten, weil wir ähnlich dachten, als wir träumten: Einmal Paris sehen, sich Kicks auf der Route 66 holen, The Cure live hören. &lt;br /&gt;Wir meuterten, weil kein Wind wehte und kein Land in Sicht war, kein Paris und keine Kicks. Dann kam der stürmische Herbst. Wir fühlten uns wie Freibeuter, waren voller Aufbruch. Wir berauschten uns an nächtlichen Gesprächen und ernüchterten uns morgens mit Ironie und schlechten Witzen. Wir lauschten dem Meer in uns. &lt;br /&gt;Als das Narrenschiff „DDR“ strandete, verlor sich die Crew aus den Augen. Nicht sofort und auch nicht alle. Und irgendwie doch.&lt;br /&gt;Man machte sich auf, Neuland zu entdecken, die Liebe und sich selbst. Man wurde so oder so erwachsen. Heutige Spuren im Internet lassen einiges davon ahnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wenn man sich jetzt trifft, sich beim Bier in den Gesichtern der anderen spiegelt, sieht man vergangene 20 Jahre. Man sieht sie, aber man fühlt sie nicht. Man fühlt noch das Meutern. Und ist erstaunt, wie lange das her sein soll. „20 Jahre“, sagt man sich, „wow“. Es ist ein erstauntes „Wow“. Und eines, das ironisch wirkt. Wie ein plötzlich an Land gespülter Rettungsring mit der Aufschrift: „DDR“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gedichte schreibt schon lang keiner mehr. Die meisten kommen auch kaum noch zum Lesen. Nur einer hat im Selbstverlag Geschichten von damals veröffentlicht. Wow.&lt;br /&gt;Aus dem Gitarristen ist ein Physiotherapeut und Vater geworden, aus dem langmähnigen Schlagzeuger ein Regisseur mit kurzen Haaren. Er inszeniert gerade „Als wir träumten“ von Clemens Meyer. Vor- und Nachwende-Erfahrungen ostdeutscher Jugendlicher. Es lässt einen eben nicht los. Und das ist, was uns noch immer verbindet, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8157072729184646645?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8157072729184646645/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8157072729184646645' title='11 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8157072729184646645'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8157072729184646645'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/11/104-20-jahre-mauerfall.html' title='104 | 20 Jahre Mauerfall'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>11</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-921712872492170385</id><published>2009-09-27T20:07:00.002+01:00</published><updated>2009-10-04T17:51:18.408+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>103 | Crossover</title><content type='html'>Wahlsonntag. Morgens, halb sieben. Die U-Bahn schüttelt die letzten Säufer raus: Rotäugige Pubertierende, nicht älter als fünfzehn, mit MP3-Autismus oder Handydisco. Am Alexanderplatz stoben Krähen wie Aasgeier auf. Erbrochenes und Zerschlagenes bleibt vorerst liegen. „Schwarz zu blau“ singt Peter Fox. Klingt beinahe nach einem Koalitionsstatement.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach sieben Jahren, hörte ich einmal, sollen alle Atome unseres Körpers durch neue ersetzt worden sein. Keine Ahnung, ob es so eine Rundumerneuerung tatsächlich gibt. Wir altern ja trotzdem. Mit Berlin verhält es sich ähnlich. Nach sieben Jahren bleibt alles anders. Straßen werden aufgerissen und vernarben, Häuser verschwinden und entstehen. Berlins Aasgeier fressen von der Prometheus-Fettleber des Wappentanzbären als wäre es Kavier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittags. Im „Monsieur Vuong“, dem vietnamesischen Restaurant in der Alten Schönhauser, brennt eine der Kellnerinnen für ihre Hausgötter drei Räucherstäbchen an. „Glaubst du ans Schicksal?“, fragt sie den Barkeeper. Der zuckt mit den Schultern. &lt;br /&gt;Es ist nett hier, finde ich. Es ist leer. Aus den Lautsprechern schwoft Tango Argentino in die Kulisse, die wie eine sonnige Erinnerung mit Filmmusik sich selbst feiert.&lt;br /&gt;Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass der Tango aus „Schindlers Liste“ mit dem Tango aus „Der Duft der Frauen“ identisch ist? Ein Tango, den man vielleicht nur wahrhaftig fühlen oder tanzen kann, wenn man die entscheidenden Erfahrungen seines Lebens bereits gemacht hat. Es ist ein Tango Argentino von Carlos Gardel: „Por Una Cabeza“. 1935, als das Stück aufgenommen wurde und Gardel sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand, stürzte er mit einem Flugzeug ab. Bildhafter geht´s nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachmittag. Im „Keyser Soze“ (Tucholskystr. 33) gibt es Frühstück bis 18.00 Uhr, wenn die Wahllokale zur Abendbrotzeit schließen. Alles geht und gilt eben wenig. Alles ist Stilmix, wie die Musik: Sade feat. Carlos Santana (zumindest klingt es so). Oder wie die Bestuhlung: Abgeranztes aus der Kaiserzeit vs. Panton Chairs. Wie wär´s, kommt es mir in den Unsinn, wenn jeder zu wählende Abgeordnete seinen zu ihm passenden Sitz aus dem Vitra-Designmuseum geliehen bekäme? Eben Kayser-Sozen-Stilmix kontra Einheitssoßen-Wahlversprechen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früher, als es noch einen Kaiser und einen Tucholsky gab, hieß die Straße Artilleriestraße. In der Nummer 31 befand sich eine Synagoge, in der Nummer 16 eine Kneipe. Die sich daran noch erinnern, werden wohl immer weniger. &lt;br /&gt;Und der Rest? Berlin sieht nicht so aus, als würde die Stadt sich vom Sommer verabschieden wollen. Man nimmt die Nachmittagssonne so selbstverständlich hin wie die zahlreichen Touristen, die den Hackeschen Markt und die Oranienburger bevölkern.&lt;br /&gt;Im Monbijou-Park, wo einmal ein Schloss stand, sonnen sich sogar noch einige. Andere fotografieren, Einheimische grillen. &lt;br /&gt;Aber das Krähengekrächze wird immer aufdringlicher. Es klingt nach Blätterfall und nach November. Das Kommende ist bekannt. Nach der Wahl ist vor der Wahl. &lt;br /&gt;Ich bin müde und gehe dennoch meine zwei Kreuze machen. Drei wären mir allerdings lieber.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-921712872492170385?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/921712872492170385/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=921712872492170385' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/921712872492170385'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/921712872492170385'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/09/103-crossover.html' title='103 | Crossover'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6621458305518728533</id><published>2009-06-14T15:09:00.001+01:00</published><updated>2009-06-14T15:10:18.804+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>102 | Was kochen</title><content type='html'>Sonntagmittag in Berlin. Durch das gardinenlose Küchenfenster räkelt sich ein sommerlicher Strandhimmel. Blasse Häuser sonnen sich unter Urlaubsfliegern, dazwischen verliebte Linden. Sie swingen zu Van Morrisons „Brown Eyed Girl“: &lt;br /&gt;„Standing in the sunlight laughing, / Hiding behind a rainbow's wall, / Slipping and sliding / All along the water fall, with you / My brown eyed girl, / You my brown eyed girl.“&lt;br /&gt;Der Abend gestern war gut und lang. Der Tag ist schön wie du, denke ich. Morgen ist bis morgen egal.&lt;br /&gt;Ich setze den Pastatopf auf und schneide Fleischwurst in kleine Würfel. Es gibt heute keinen Sonntagsbraten, nichts Aufwändiges. Es gibt Spaghetti. Unser Studentenessen, bei dem jeder Handgriff sitzt und die Gedanken spielen gehen dürfen. &lt;br /&gt;„Laughing and a running hey, hey / Skipping and a jumping ...“&lt;br /&gt;Die Würfel in Olivenöl anbraten, eine gehackte Zwiebel hinterher. Frisch gemörserten schwarzen Pfeffer, eine zerdrückte Knobi-Zehe und getrocknetes Oregano. Und etwas Salz. Und etwas Zucker. Und überhaupt. &lt;br /&gt;„Do you remember when we used to sing, / Sha la la la la la la la la la la te da ...“ Dosentomaten drüber, gefrorene italienische Kräuter rein. Es blubbert im Topf, als wäre da was einverstanden und wolle mitsingen.&lt;br /&gt;„Making love in the green grass / Behind the stadium with you / My brown eyed girl /You my brown eyed girl/ Do you remember when we used to sing / Sha la la la la la la la la la la te da.“&lt;br /&gt;Ordentlich Salz ins Nudelwasser, die Spaghetti aus der Packung hinterhergekloppt. Und die Blubbersoße umgerührt. My brown eyed girl. Du schläfst nebenan und träumst von sommerlichen Strandhimmeln, die uns gehören. Der Abend gestern war lang.&lt;br /&gt;Ich öffne das Fenster, vermenge die Nudeln mit einer Gabel, damit sie nicht wie wir aneinander kleben. Habe ich dir je gesagt, dass ich dich liebe? Dieser Tag ist so wunderbar einfach wie ein guter Song zum Kochen. Die Soße noch etwas nachsalzen und Parmesan reiben. Ich werde dich jetzt wachküssen, my brown eyed girl.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6621458305518728533?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6621458305518728533/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6621458305518728533' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6621458305518728533'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6621458305518728533'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/06/102-was-kochen.html' title='102 | Was kochen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4791092058262659537</id><published>2009-05-31T20:02:00.005+01:00</published><updated>2009-06-04T19:33:46.208+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>101 | Mit Biermann am Alex</title><content type='html'>Heute sah ich mir zum zweiten Mal die Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution von 1989/90“ auf dem Alexanderplatz an. Und traf dort Wolf Biermann. &lt;br /&gt;„Schön, dass Sie da sind, Herr Biermann“, sagte ich im Vorübergehen. Aber ich war irritiert: Kein Kamera-Team, keine Kontroverse, kein Gefolge. Eine nette Frau war im Hintergrund an seiner Seite und machte am Ende ein Foto von ihm und mir, was ich peinlich berührt nett fand. Sie wolle es mir später zumailen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich wollte ich es bei diesem Schön-dass-Sie-da-sind-Satz belassen. Weil ich zwar einiges über ihn weiß und sogar Biermann-Prosa in meinem Regal stehen habe, aber er mich nicht mal ansatzweise kennen kann. Ich hatte große Lust, mich mit ihm zu unterhalten, doch dränge ich mich nur ungern auf. Aufdränger wird es in Biermanns Leben schon genug gegeben haben, dachte ich. Und damit meine ich nicht unbedingt die Herren von der Stasi. Aber dann kamen wir doch ins Plaudern, sprachen über alte DDR-Geister, die weder ihn noch mich loslassen. &lt;br /&gt;Alexanderplatz. Hier fand am 4. November 1989 die Großdemonstration statt, bei der meine Oktober-Demo-Ängste einer November-Euphorie wichen. Biermann durfte an diesem Sonnabend nicht auftreten. Er war zur Ruhe gezwungen. Dabei streitet er doch so leidenschaftlich gern. Überhaupt, sagte Biermann, fühlte er sich bei dem ganzen Wirbel nach seiner Ausbürgerung wie im Auge eines Hurricans, wo Windstille herrscht. Zumindest auf den Aktionsradius bezogen. In ihm wird es jedoch gewaltig gestürmt haben. So sehr, dass die Nachwehen nie ganz aufhören und eine politische Wetterfühligkeit zurückbleibt. &lt;br /&gt;(Ich finde es übrigens sehr sympathisch, dass er auch noch eine Gänsehaut bekommt, wenn das 89er Wendevolk den „Wir-sind-das-Volk!“-Imperativ skandiert.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sprachen über Ursachen von Revolutionen und davon, dass Krenz ´89 nur deshalb kein Remake des Tian‘anmen-Massakers inszenierte, weil die militärischen Einsatzmittel für die Menschenmassen nicht ausreichten. „Die hätten den Fleischwolf verstopft!“, sagte Biermann. Er liebt drastische Bilder. Außerdem hatte die Parteiführung bekanntlich keine Rückendeckung von den Russen: Wenn auch nur ein NVA-Panzer auf Demonstranten geschossen hätte, hätten die Russen ihrerseits den Panzer unter Beschuss genommen. „Ohne die Russen“, so Biermann, „wäre alles noch mindestens 20 Jahre so weitergegangen“. &lt;br /&gt;Wo stünde ich dann heute? Hätte ich mich wie so viele mit den Verhältnissen abgefunden? Hätte ich weiter aufbegehrt? Meinen Jahrgang erlöste die Wende genau im richtigen Augenblick. Rückblickend fiel bei uns politisches Erwachen und erfolgreiches Aufbegehren zusammen. Wobei die einen mehr und die anderen weniger aufbegehrten. Nachdem auch noch die Mauer dem Überdruck eines willensstarken Volkes nachgab, schien alles möglich. Zumindest in den Augen eines 18-Jährigen. Zeit des Aufbruchs. Erst später ging mir auf, dass Aufbruch immer auch Abschied bedeutet. Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten und Menschen.&lt;br /&gt;„Kuck mal“, sagte Biermann ernst vor einem großen Foto, das ihn ernst zwischen Jürgen Fuchs, Gerulf Pannach und Christian Kunert im August ´77 auf einem West-Berliner Balkon zeigt. Die drei waren nach ihm abgeschoben worden. „Zwei von ihnen sind bereits tot.“ &lt;br /&gt;Aber nicht Biermann. Er kam mir wie ein sehr lebendiger Wiedergänger zwischen den als Mauerzitat errichteten Ausstellungswänden vor. Um alles zu sehen, musste er mehrfach die Seiten wechseln. Als lebendes Sinnbild. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Beste an dem Gespräch mit dem Dichter war, dass er mich ernst nahm. Dass er sich aus Interesse mit mir, einem unbedeutenden Ausstellungsbesucher, unterhielt. Er tat es nicht nur, weil er Volksnähe demonstrieren wollte oder Werbung machte für seinen späteren Konzert-Auftritt im Deutschen Historischen Museum. Denn Heuchelei liegt ihm nicht, dagegen singt er sein Leben lang an.&lt;br /&gt;Ich wünschte ihm und seiner Begleiterin schließlich alles Gute und schlenderte Unter den Linden entlang, um meine Eindrücke zu sortieren. &lt;br /&gt;Unter den Linden. Wie selbstverständlich großstädtisch alles wirkt nach 20 Jahren. Überall kann ich Dinge, die man früher nicht kaufen konnte, in Restaurants essen. Kann an den Bücherständen der Humboldt-Universität Gedanken erwerben, die früher verboten waren. Ich kann sogar die Szenerie wechseln und das Land westwärts verlassen. Ganz selbstverständlich.&lt;br /&gt;Vor der Humboldt-Universität, wo auch Biermann in ganz und gar nicht selbstverständlichen Zeiten studiert hatte, entdeckte ich seinen aktuellen Lyrik-Band „Heimat. Neue Gedichte“. Inzwischen bei Hoffmann und Campe verlegt, nicht mehr bei Kiepenheuer. Bei Campe veröffentlichte auch Heine seine neuen Gedichte. Und seinen Heimkehr-Zyklus.&lt;br /&gt;In „Heimkehr nach Berlin Mitte“ schreibt Biermann „Ich bin Legende ohne Totenschein“. In „Biermanns Bilanzballade im elften Jahr“ heißt es am Ende: „Ich lebe und stehe nun splitternackt / Mal wieder am Anfang und weine beim Lachen.“ &lt;br /&gt;Manchmal schreibt er mir aus dem Herzen, klingt ein Vers lange nach. &lt;br /&gt;Ich zahlte 8,-€ dafür und ging mehr als reich beschenkt in den Tag.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4791092058262659537?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4791092058262659537/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4791092058262659537' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4791092058262659537'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4791092058262659537'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/05/101-mit-biermann-am-alex.html' title='101 | Mit Biermann am Alex'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7967867416726839435</id><published>2009-04-11T19:56:00.006+01:00</published><updated>2009-04-15T21:25:19.102+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>100 | Usedom vor Ostern</title><content type='html'>Karwoche. Endlich Urlaub. Nach öfter Rügen einmal Usedom. Und das bei bestem Aprilwetter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Schwäne mit dem Sonnenaufgang ihre Nachtquartiere verlassen und rauschend auf der Ostsee landen, jogge ich zwischen den Seebrücken der drei Kaiserbäder, zwischen hochfahrenden Möwen, vertäuten Kuttern und stöckelnden Nordic-Walkern. An manchem Morgen kreuzt auch ein Nacktbader meinen Weg, wird ein toter Fisch oder Kormoran von prustenden Wellen angespült. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZWVyDIbI/AAAAAAAAAJc/pb22DPlQvqk/s1600-h/100_1970b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZWVyDIbI/AAAAAAAAAJc/pb22DPlQvqk/s200/100_1970b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324619637286183346" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Nachmittags fotografiere ich im flaumgrünen, naturgeschützten Hinterland Tagpfauenaugen, Spechte, Falken und Hasen. Und uralte, gebrochene Bäume. Trügerische Oasen der Stille. Denn Touristen sind ganzjährig vor Ort, wenn auch noch erträglich. Und Verkäuferinnen, Restaurant- und Gutshofladenbetreiber, die von ihnen leben. So gut, dass sie es nicht nötig haben, freundlich zu sein oder ihr Preis-Leistungsverhältnis zu überdenken. Natürlich gilt das nicht für alle. Leckeren fangfrischen Fisch zum fairen Preis kann man beispielsweise im Restaurant „Fischstübchen“ in Neeberg lächelnd serviert bekommen. Obwohl gerade Usedomer Heringswoche ist, bestelle ich dort einen Ostseeschnäpel, den Steinlachs, der nur vor der Insel gefangen wird. Er schmeckt wie eine Kreuzung aus Zander und Lachs. Dazu ein Lübzer vom Fass.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den Koserower Salzhütten, wo früher die Heringe am Strand in Fässern konserviert wurden, kann man wohl den besten Räucheraal der Insel kaufen. Mir schmeckt er zumindest besser als der aus Rankwitz, dem „Geheimtipp“ für Busladungen voller Pauschalurlauber. Dazu ein böhmisches Schwarzbier und ofenfrisches Schwarzbrot, mehr braucht es nicht. Allerdings steigt der Genuss mit einem Gang auf den benachbarten Streckelsberg noch einmal ordentlich an. Von der Steilküste aus versuche ich kauend Vineta zu entdecken, die vor Koserow versunkene Sagenstadt. Fischern von hier ging einmal ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert ins Netz, das „Vineta-Kreuz“. Heute befindet es sich in der Koserower Dorfkirche. &lt;br /&gt;Alle hundert Jahre, heißt es, soll Vineta am Ostermorgen auftauchen, um von einem Sonntagskind erlöst zu werden. Jetzt ist zwar Karwoche; doch wurde ich an einem Montag geboren. Also kein Vineta. Nicht mal seine silbernen Glocken läuten herauf. &lt;br /&gt;Da sich die Bernsteinhexe ebenfalls nicht zeigt und der Aal verzehrt ist, wandere ich durch den Buchenwald in Richtung Kölpinsee.&lt;br /&gt;Aber bald schon zieht es mich zur Südspitze des Gnitz, wo es am Rande eines weiteren Naturschutzgebietes einen weiteren Berg gibt - den weißen. Die 32 Meter hohe Kliffwand soll vom Achterwasser aus gut zu sehen sein, wie ein Rügener Kreidefelsen, nur kleiner. Unten die schweren Findlinge, oben leichtes Vogelgezwitscher. Die Leichtigkeit setzt sich mit dem Abstieg nach dem Wald fort: Über hügelige Magerrasenflächen geht es an Salzwiesen und Moorlandschaften vorbei. Das Auge blickt weit. Das Ohr lauscht den Hummeln in vereinzelten Bäumen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZ4A2EdLI/AAAAAAAAAJk/hMYKI924owU/s1600-h/100_1961b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZ4A2EdLI/AAAAAAAAAJk/hMYKI924owU/s200/100_1961b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324620215781455026" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Dann fahre ich auf eine Stippvisite nach Wolgast, der kleinen und vielleicht beschaulichen Stadt an der Peene; mit gemütlichen Anglern am Hafen, die vorleben, dass man Zeit verschwenden muss, um viel von ihr zu bewahren. &lt;br /&gt;Den besten Kuchen soll es in der „Conditorei“ und dem „Café Arthur Biedenweg“ geben. Conditorei mit „C“ und Arthur mit „h“. Das deutet auf das fast 100-jährige Bestehen hin. Darauf ruht sich die Bedienung offenbar aus, als ich modernen Service einfordere: Sie kommt einfach nicht, obwohl ich längst zahlen will. Vielleicht ist sie auch zum Angeln am Hafen, denke ich. Aber immerhin stimmt das mit dem Kuchen, der ist hier sehr gut.&lt;br /&gt;Dass niemand kommt, genieße ich wenig später allerdings im Heimatmuseum. Ungestört schlendere ich durch die drei Etagen des ehemaligen Lagerhauses aus dem 17. Jahrhundert, das vor 200 Jahren auch als Wirtschaft genutzt wurde. Ich lese von Stadtbränden und Zerstörungen im dreißigjährigen Krieg. Hier und da liegen neuzeitliche Grabungsfundstücke oder Hausrat von diversen Dachböden aus. Am meisten interessieren mich die Bilder des 1777 in Wolgast geborenen romantischen Malers Philipp Otto Runge, der wie ich gern Usedom und Rügen durchstreift hatte. Für die Brüder Grimm schrieb er das Märchen „Vom Fischer und syner Fru“ auf, bevor er mit Anfang dreißig an einer Lungentuberkulose starb. Im nächsten Jahr wiederholt sich sein Todestag zum zweihundertsten Mal.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTaaRDyX5I/AAAAAAAAAJs/9iTZT2XwR3w/s1600-h/100_1698b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTaaRDyX5I/AAAAAAAAAJs/9iTZT2XwR3w/s200/100_1698b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324620804249509778" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Nicht weit vom Museum entfernt steht die Petri-Kirche, auf dessen 40 Meter hohen Turm ich steige, um mir Wolgast und seine Werft einmal von oben zu besehen. Da dort aber ein ordentlicher Wind weht, halte ich es nicht lange aus und steige über die enge Wendeltreppe wieder zum Kirchenschiff hinab. Erstaunlich, dass man dort von den letzten großen Stadtbränden, bei denen auch die Kirche brannte,  keine Spuren mehr findet: Wandmalereien an Decken und Wänden, ein zweitklassig gemalter Totentanz-Zyklus und eine eingemauerte heidnische Steinplatte, der man als Gegenzauber ein Kreuz eingeritzt hatte. &lt;br /&gt;Unter dem Altar befindet sich die Herzogengruft, wo der letzte Pommernherzog aus der Wolgaster Linie 1625 mit edelsteinbesetztem Goldschmuck beigesetzt worden war. Den großen Brand drei Jahre später hat er dort unbeschadet überstanden. Bis zum Ende des dreißigjährigen Krieges wurden in der Gruft sogar noch weitere Familienangehörige bestattet. Aber gut vierzig Jahre darauf kamen 1688 die Grabräuber und brachen Zugang und Särge auf. Sie durchwühlten sie derart, dass die sterblichen Überreste ordentlich durcheinander gerieten und der Schmuck schnell vergriffen war. Weil anderntags der Küster und der Totengräber von Wolgast nicht auffindbar waren, kam man ihnen und ihren Greifswalder Hehlern schnell auf die Schliche. Man setzte sie bald in Hamburg oder Danzig fest. Nur die kostbaren Grabbeigaben waren auf immer verschollen.&lt;br /&gt;Die sanierten Särge aber kann man in der Gruft hinter einer Glastür besichtigen, was - wenn man sich allein in der Gruft befindet - fast ein wenig gruselig ist. Als ich mich zum Gehen abwende, entdecke ich an der linken Wand hinter den Särgen eine wie mit Ruß angebrachte Nachricht: „CE 1587“ steht zuoberst. Darunter: &lt;br /&gt;„ICH CHRISTOFFEL EIRICH&lt;br /&gt;HA TAS FIRSCHLICH&lt;br /&gt;BEKREWIS GEMIE“&lt;br /&gt;Demnach hat ein Christoffel Eirich die fürstliche Gruft erbaut, also das „Begräbnis gemacht“. Aber dass er es so an die Wand schreiben durfte ... Was sollte er auch machen? Anders als bei guten Malern, Musikern und Schriftstellern nimmt die Nachwelt von Maurern mit Architektur-Ambitionen nur dann Notiz, wenn man ihr selbige derart hinterlässt. Vielleicht hatte man Herrn Eirichs Versuch, nicht vergessen zu werden, zuerst überpinselt, bis es jetzt als historisches Kuriosum wieder lesbar gemacht wurde; selbst wenn es die Totenwürde fürstlicher Särge mit dem Wunsch nach Unsterblichkeit zu überschreien droht. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTa6WgFz-I/AAAAAAAAAJ0/YuNAODw0epA/s1600-h/100_1661b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTa6WgFz-I/AAAAAAAAAJ0/YuNAODw0epA/s200/100_1661b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324621355466215394" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Karwoche. Bei dem Anblick der Särge wird mir immer mehr nach innerlicher Auferstehung zu Mute. Also fahre ich zum Ausgangspunkt meiner Wochenreise auf die Insel zurück, miete mir in Heringsdorf einen Strandkorb und staune, wie viele Urlauber dort vor dem Wasser inzwischen unterwegs sind. Sie scheinen aus dem Nichts zu kommen und selbst am Ziel ihrer Reise noch immer voller Unrast zu stecken. Der Anblick, über den die Möwen dümmlich lachen, gleicht mehr einer Völkerwanderung als einem Osterspaziergang. Es wogt vor den Wellen. Jeder scheint auf dem Weg zur nächsten Mahlzeit zu sein und verdeckt mir den Blick auf die See, auf die Ruhe, auf das Wesentliche. Da wird es auch für mich Zeit, äußerlich aufzuerstehen und wieder heimwärts aufzubrechen. Mit Staus in Richtung Berlin ist nicht zu rechnen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7967867416726839435?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7967867416726839435/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7967867416726839435' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7967867416726839435'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7967867416726839435'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/04/100-usedom-vor-ostern.html' title='100 | Usedom vor Ostern'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZWVyDIbI/AAAAAAAAAJc/pb22DPlQvqk/s72-c/100_1970b.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-898446952325954547</id><published>2009-03-31T19:05:00.001+01:00</published><updated>2009-03-31T19:06:46.419+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>099 | „Waiting for the sun“</title><content type='html'>„At first flash of Eden we raced down to the sea / Standing there on freedom´s shore“&lt;br /&gt;(Jim Morrison)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin, Alexanderplatz. Die Sonne blendet. Erster Lichtblick des Jahres.&lt;br /&gt;Ein Trommler mit Bob-Marley-Mütze sitzt schattenlos unter dem Fernsehturm wie unter dem Baum der Erkenntnis. Er gibt den Rhythmus des Frühlings vor. Die Klarinettistin neben ihm seine Fernweh-Melodie. Das eine fährt in die müden Knochen, das andere ins Herz der Erinnerung. &lt;br /&gt;Aber der größte Zauber geht von der Sonne aus. Die Wartenden an der Straßenbahnhaltestelle wirken überrascht, selbst wenn sie ihre Augen geschlossen halten: Noch trägt keiner seine Sonnenbrille. Sinne sind offen; Masken bekommen menschliche Züge.&lt;br /&gt;Eine Bacchantin in engen Bluejeans lächelt vorüber. Sie weiß die Blicke vieler Wartender auf ihrem Hintern. Blicke von Männern und Blicke von Frauen. Blicke von Genießern.&lt;br /&gt;Niemand sieht die vier Fassadenkletterer am Fernsehturm, die 70 m über der Bacchantin wie Raupen des Eichenprozessionsspinners hängen. Vielleicht sind es auch Satyrn. Vielleicht ein Reinigungskommando. Oder Greenpeace-Aktivisten, die ein Transparent entrollen wollen. Doch niemanden würde es interessieren. Nicht heute. Denn nach all dem Medienwinter ist heute die Sonne aufgegangen. Und alles drängt raus.&lt;br /&gt;(„Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge / Durch die Gärten und Felder zerschlägt“ echot es durch zu schließende Schulen.)&lt;br /&gt;Tram und Schritte werden magnetisch von Parks und Straßencafés angezogen. Alles lächelt und bestaunt das Sonnenwunder, als wäre Bacchus persönlich in der Stadt, um sein Evangelium der Lebenslust zu verkünden.&lt;br /&gt;Bloß auf dem Wochenmarkt welken rote holländische Tulpen in der Blüte ihrer Tage. („Die heiß´n ´Pretty Woman`. Brauch´n nua etwas Wassa, dann werd´n se wieda.“) Weißer Spargel liegt aus. Und Erdbeeren gibt es noch vor der Zeit zum Schleuderpreis. &lt;br /&gt;Im Park jagen losgelassene Hunde vom Winterbrot fett gewordene Enten. Aus krustiger Wurzelrinde quellen lava-artig Feuerkäfer hervor und erstarren im Licht. Weiter oben durchbrechen Kastanienblätter klebrigbraune Knospen.&lt;br /&gt;Darunter sitzen die Mädchen auf Bänken. Sie lesen oder schreiben Gedichte. Auf der Wiese zu ihren Füßen liegen die Männer im T-Shirt, gehen die Kroküsschen auf. &lt;br /&gt;Als hätte Amor mit tausendfachem Beschuss Land &amp; Leute befruchten wollen, ragen zig Frühblüher wie die Befiederung der Liebespfeile aus dem Boden. So keimen auch die Gefühle, so blühen die Blicke. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin ist berauscht. Und du? Wie war dein Tag?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Can´t you feel it, now that spring has come / That it´s time to live in the scattered sun“&lt;br /&gt;(Jim Morrison)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-898446952325954547?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/898446952325954547/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=898446952325954547' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/898446952325954547'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/898446952325954547'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/03/099-waiting-for-sun.html' title='099 | „Waiting for the sun“'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8023113272398035664</id><published>2009-03-15T21:51:00.003+01:00</published><updated>2009-03-24T05:55:04.306+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>098 | Kaminer im KNOTONI</title><content type='html'>„Mit ironischem Augenzwinkern“, heißt es auf der Homepage des Kinos Toni, „liest und erzählt Wladimir Kaminer Geschichten aus dem Leben.“ Sonnabend, 20.00 Uhr. Ich stellte mir Kaminer mit so einem nervösen Augenzucken wie bei Harald Schmidt vor und wollte vor allem sehen, wie er damit lesen kann. Also fuhr ich gestern zum Weißenseer Antonplatz.&lt;br /&gt;Die neonroten Leuchtbuchstaben des Kinos waren schon von der Straßenbahn aus zu sehen. Aber nicht alle. Das „I“ von KINO hatte sich verabschiedet und das „O“ sah angebissen aus. KNO TONI stand über dem Eingang. Knotoni, klingt wie ein Pastagericht.&lt;br /&gt;Darunter hatte sich eine Schlange gebildet, für vorbestellte, aber nicht abgeholte Karten. Ich hatte meine bereits ein paar Tage zuvor gekauft und ging entspannt an den Wartenden vorbei.&lt;br /&gt;Weil im Saal bereits um 19.30 Uhr alle Plätze besetzt waren, musste ich auf die Galerie ausweichen. Von dort oben konnte ich nur mit gerecktem Kopf in weiter Ferne ein Caféhaus-Tischchen mit Stuhl und grüner Nachttischlampe vor rotem Samtvorhang ausmachen. Die Leute hinter mir sahen bloß den Kinovorhang. Dann kam der Schriftsteller. Auf seinem T-Shirt stand programmatisch „Russendisco“. Darüber glitzerte ein roter Stern. Russendisco und Kaminer gehören zusammen wie früher der Kreml mit seinem roten Stern. Aber das war einmal. &lt;br /&gt;Der seit 19 Jahren in Berlin („am Mauerpark“) lebende Schriftsteller hatte ein Herz für uns Zwangsgaleristen und setzte sich nicht. Er stand die ganze Stunde lang vor einem Mikrofonständer und sorgte durch seine vorgelesenen Geschichten und Stegreif-Anekdoten genauso für gute Unterhaltung wie durch seine bodenständige, humorvolle Art („Möchten Sie mich etwas fragen?“). Das ironische Augenzucken konnte ich trotzdem nicht erkennen. Den Tisch nutzte er nur zum Abstellen seines Sekt- und Wasserglases.&lt;br /&gt;Aus seinem neuen Buch „Es gab keinen Sex im Sozialismus“ las er kaum was („Das können sie schließlich selbst tun.“), dafür dieses und jenes von Computerausdrucken. „Möchten Sie jetzt etwas Altes oder Neues hören?“ - „Beides!“ kam die einhellige Antwort aus dem Publikum. Das war übrigens gemischt. Von Studentinnen über ältere Biedermänner war alles vertreten. Darunter auch eine Nervensäge, die genau hinter mir saß. Sie erklärte ihrer Freundin Pointen und schien mich mit ihrem lauten Lachen genickschussartig exekutieren zu wollen. Kaminer verriet in der Ferne, wie er auf den Titel seines neuen Buches kam. Anschließend las er einen aktuellen Text, der sich wie andere auch mittelbar auf die weltweite Finanzkrise bezog. Darin ging es um einen Alten, der sich regelmäßig zur Sparkasse schleppte, um sich von einem Filialmitarbeiter sein Schließfach öffnen zu lassen. Einmal bat er den auch, die enthaltene Kiste herauszuheben; ihm sei sie inzwischen zu schwer. Der nette Banker durfte sogar einen Blick in die Kiste werfen. Sie war randvoll mit Goldmünzen gefüllt.&lt;br /&gt;„Nehmen Sie eine!“, forderte der Alte den Angestellten auf. Als der zögerlich zugriff, hielt er einen ALDI-Schokoladentaler in der Hand und der Alte freute sich. In der ganzen Kiste war nur Schokolade. Und eine Metallplatte darunter, wegen des Gewichts. &lt;br /&gt;„Ich habe zwei Kinder“, sagte der Alte, „die sich nicht um mich kümmern. Deren Gesichter werden sicherlich wie Ihres aussehen, wenn sie einmal das hier erben werden ...“&lt;br /&gt;Das Lachen der Nervensäge schreckte mich auf. Dann wurde geklatscht. Dann eilte alles zum Buchsignieren. &lt;br /&gt;Ich ging entspannt an den Wartenden vorbei nach draußen, während das angebissene „O“ von KNOTONI ironisch in den verregneten Frühlingsabend zuckte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8023113272398035664?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8023113272398035664/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8023113272398035664' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8023113272398035664'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8023113272398035664'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/03/098-kaminer-im-knotoni.html' title='098 | Kaminer im KNOTONI'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5171162438977076052</id><published>2008-11-09T21:45:00.001+01:00</published><updated>2008-11-09T21:47:41.905+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>097 | Rain Dogs in the Downtown Train</title><content type='html'>für Finni&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Im traurigen Monat November war´s (...)“&lt;br /&gt;Mit der U 8 fahren wir durch den kühlen Rest eines verregneten Tages. Sitzend, wie die anderen Fahrgäste, Weddinger Migranten zumeist. Junge Männer mit  Fremdenlegionärshaarschnitt, Frauen mit schokobraunem Haar oder zartbitterem Kopftuch. Jeder von ihnen hockt in seiner kleinen Welt. Isoliert und gelähmt von der Arbeit, von alltäglichen Teufelskreisen, die sich wie eiserne Bande um ihre Herzen legen.&lt;br /&gt;„the downtown trains are full with all the brooklyn girls / they are try so hard to break out of their little worlds“ &lt;br /&gt;Aber wir, wir haben uns gefunden, zwischen all diesen Paralleluniversen. Frag mich nicht, wie. Wir hatten wohl Glück, obwohl wir dabei zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Aber wir erkannten uns und das, was mit uns geschieht. Es gibt sie vielleicht ja doch, die richtige Zeit in der falschen, das Märchen im Lokalteil der Zeitung. Jetzt lauschen wir der Stimme unseres Erzählers und schweigen irgendwie anders als der prosaische Rest.&lt;br /&gt;Pankstraße. Die U-Bahn hält. Aber keiner geht, keiner kommt. Nur aus einigen Ohrhörern zischt und stampft leise Musik, Sountracks wie nahende Gegenzüge. Jemand nickt dazu im Takt; eine Frau hält ihre Augen geschlossen. Als stünde sie zwischen den Geleisen. Einer der Fremdenlegionäre sieht zu ihr rüber. Sieht ihr Make-up, die gezupften Brauen, ihren schlanken Körper. Den nahenden Zug sieht er nicht. Er kaut mechanisch auf seinem Kaugummi herum, wie ein angeketteter Hund auf seinem Knochen. Die anderen Fremdenlegionäre sind ebenfalls mit Kaugummis bewaffnet. Brothers in Arms ohne Auftrag und ohne Heimat. Rain Dogs, denke ich. &lt;br /&gt;Da zischt und stampft es auch in mir, durchfährt mich Tom Waits heisere Stimme „with all the Rain Dogs“. „For I am a Rain Dog, too“, hallen alte Zeiten nach. Aber du bist bei mir, denke ich. Ich habe also wirklich Glück. Mir ist in dem Moment, als erklärten sich so alle einsamen Fahrten vergangener Jahre. Einsam gegangene Wege und Straßen, durchwachte Nächte. Als das Herz krampfte und sich meine kleine Welt fenster- und türenlos gab. Vielleicht muss man sich ja oft krank und elend fühlen, um irgendwann unerwartet sein Glück zu erkennen, tief zu fühlen und zu gesunden. &lt;br /&gt;Oh, wie schön du bist, denke ich. Ich ...&lt;br /&gt;„Nächster Halt: Gesundbrunnen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Komm, lass uns rausgehen in den Abend, der sich längst als Nacht verkleidet hat. Wie ein Kind zu Halloween, das uns nicht erschrecken kann. Auf dem Bahnsteig hören wir, wie es hinter uns kracht. Als wäre etwas zerbrochen.&lt;br /&gt;„Heinrich, der Wagen bricht“, flüsterst du verschwörerisch lächelnd. „Nein“, lächle ich zurück und küsse dein magnetisches Gesicht, ohne mich noch einmal umzudrehen. Hand in Hand fliegen wir die glitzernden Treppen hinauf. Wie zum Hochzeitsball des Prinzen.&lt;br /&gt;„Oh, how we danced and we swallowed the night“&lt;br /&gt;In den Pfützen erzittern die Lichter des Gesundbrunnen-Centers von unserem Gekichere. &lt;br /&gt;„Oh, how we danced away all of the lights“&lt;br /&gt;Wir erfreuen uns kindisch an der kitschigen Weihnachtsdeko der Geschäfte. Und in unseren Augen spiegelt sich dabei das Glück der Besitzlosen wider. Wir sind Ausbrecher und Selbstläufer. Gefühle jonglieren Gedanken, die einmal so schwer waren, dass sie uns an solchen Abenden runtergezogen hätten wie der übersättigte Nebel die Schwärze des Himmels.&lt;br /&gt;„We´ve always been out of our minds“&lt;br /&gt;Bei Kaiser´s kaufen wir übermütig eine Flasche goldbraunen Tequila. &lt;br /&gt;„Golden brown texture like sun (...)“&lt;br /&gt;Die Kassiererin grinst uns an, als hätte sie unseren Plan durchschaut oder könne uns in die geöffneten Sonnen-Anbeter-Herzen blicken.&lt;br /&gt;Oh, wie schön du bist, denke ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Your „long hair black as a raven.&lt;br /&gt;Oh, how we danced and you&lt;br /&gt;Whispered to me&lt;br /&gt;You´ll never be going back home,&lt;br /&gt;You´ll never be going back home.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn später werden wir die Einzigen sein, die sich an diesen Abend erinnern können, an diesen vernieselten Abend, irgendwo im Wedding, irgendwann im November.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5171162438977076052?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5171162438977076052/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5171162438977076052' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5171162438977076052'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5171162438977076052'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/11/097-rain-dogs-in-downtown-train.html' title='097 | Rain Dogs in the Downtown Train'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2924696731571760958</id><published>2008-09-28T17:31:00.004+01:00</published><updated>2008-09-28T21:03:24.091+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>096 | Es gibt so Tage</title><content type='html'>Es gibt so Tage, da scheint die Sonne schon am Morgen zeitlos ruhig. Man ist müßig, macht sich einen Tee und liest die Sonntagszeitung, als würde man ein Entspannungsbad nehmen.&lt;br /&gt;Dann gibt es so Tage, da weiß man hinterher nicht einmal, ob die Sonne überhaupt aufgegangen war. Also man macht sich über alles Mögliche Gedanken, nur nicht über die Sonne. Aber eigentlich machen die Gedanken alles Mögliche mit einem selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man geht wie ein Geist durch die Straßen seiner Kindheit. Befinden sich diese Straßen wie bei mir in Berlin und ist die Kindheit schon ein viertel Jahrhundert her, gibt man es nach einer Weile sogar wieder auf, jemand Vertrauten erkennen zu können. Sogar die Namen am Hauseingang, dem Eingang zum Ort der Geburt &amp; Geborgenheit, sind fremd. Die Tür ist verschlossen. &lt;br /&gt;„Aber wenn die Laternen angehen“, flüstern die Gedanken, „kommst du wieder hoch.“ Die Laternen gehen nicht an, und mich bringt so schnell gar nichts hoch. &lt;br /&gt;„Wer in Berlin wehmütig wird, hat verloren“, flüstert es weiter. „Weiter!“, flüstere ich echohaft zurück.&lt;br /&gt;Ecke Choriner / Schwedter sitzen drei Typen vor einer Kneipe. Einer mit Glatze, Anzug und Zuhälterbrille ruft mehrfach in sein Handy: „Hier spricht Gürgen Mengele! Gürgen Mengele!!" Er sagt nicht Jürgen, auch nicht Josef. Die beiden anderen kichern.&lt;br /&gt;Ich frage nicht nach Sinn und Unsinn, suche keine Zusammenhänge.&lt;br /&gt;„Weiter!“&lt;br /&gt;Im „Mauersegler“, der Terrassen-Kneipe am Mauerpark, gibt es eine Hochzeit. Aber keiner sieht nach Hochzeitsgesellschaft aus. Eine angetrunkene Band rockt „Sah ein Knab ein Röslein steh´n“. Das „Röslein! Röslein!“ klingt nach Lindenberg. Und nach „Gürgen Mengele!“&lt;br /&gt;Nebenan in der Bernauer eine Mauergedenkstätte: große Schwarzweißbilder an der Hausfassade, mit hölzernem Aussichtsturm. Von diesem Westberliner Aussichtsturm aus winkten meine Großeltern meiner Mutter zu, die mich im Kinderwagen auf der anderen Seite hin und her schob. Sie wagte nicht zurückzuwinken. Sie weinte nur leise. &lt;br /&gt;Hier sah ich später mit meinem Cousin verstohlen in den Westen rüber. Aus einem Flurfenster, zu dem wir uns nachts geschlichen hatten. Jetzt ist die Mauer genauso verschwunden wie meine Großeltern. Und meinen Cousin sehe ich auch nur noch selten.&lt;br /&gt;„Weiter, immer weiter!“&lt;br /&gt;Auf dem Aussichtsplateau des Wasserturms wirken die Leute wie geisterhafte Besucher einer Gartenparty. Einige haben ihre Kinder mitgebracht, andere spielen Boule. Aber jedes Grüppchen sieht durch die anderen hindurch. Denn Geister können einander nicht erkennen. Selbst die Kinder blicken nur dem Gummiball nach, der dem Abhang zurollt. &lt;br /&gt;Da denkt es in mir, dass ich selbst nur ein Geist bin. So wie Dr. Crowe in „The Sixth Sense“, der gar nicht weiß, dass er bereits tot ist.&lt;br /&gt;„Du bist einer von ihnen“, flüstert es in mir.&lt;br /&gt;„Aber ich kann sie sehen“, flüstere ich zurück.&lt;br /&gt;Sogar den Wind, der durch die sich verfärbenden Blätter geht, kann ich sehen. Und die Wolken, die noch vor ein paar Wochen am Himmel trieben. Dann lassen mich meine wirren Gedanken, die mich hergeführt haben, im Stich. &lt;br /&gt;Und so warte ich mit den anderen Geistern am Wasserturm. Wir warten auf die vermeintlich fehlenden Gäste. Wir warten dort noch, wenn längst keine Gartenpartys mehr stattfinden. Wenn die Wintersonne die Sehenden blendet, bis sie ihre Augen geschlossen halten. Bis sie von wärmeren Tagen träumen. Falls die wirren Gedanken sie lassen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2924696731571760958?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2924696731571760958/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2924696731571760958' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2924696731571760958'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2924696731571760958'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/09/095-es-gibt-so-tage.html' title='096 | Es gibt so Tage'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1466067507890539136</id><published>2008-09-01T22:49:00.003+01:00</published><updated>2008-09-01T22:57:42.234+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>095 | Thightrope Walkers im Mauerpark</title><content type='html'>Gestern, am Sonntag, überspannte ein knallig blauer Himmel den Mauerpark wie eine Picknickdecke aus Latex. Für Szene-Fetischisten so gut wie für Romantiker. Ich kam mir vor wie am Venice Beach, wo ich noch nie war ... Nur der Strand fehlte, sonst gab es alles, aber ins Berlinische übersetzt: Basketballspieler, Jongleure, Zuschauer, Leute mit Drachen, ein Dutzend Trommler, Sonnenbrillenträger, Tattoos &amp; Graffiti. &lt;br /&gt;Viele waren keine Freaks, sondern Drahtseiltänzer, Grenzgänger im ehemaligen Grenzland. Thightrope Walkers im sozialen Netzwerk konträrer Überzeugungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mauerpark ist bei gutem Wetter ein lebendiger Quilt. Ein Ort voll mit poetischen Bildern in Video-Clip-Ästhetik. Und im Stil absurden Theaters. &lt;br /&gt;Da saß beispielsweise jemand im Gras und aß vom Plastikteller, der auf einem windschiefen vergoldeten Stuhl stand. Einem vom Flohmarkt, der in der Sonne blinkte, während ein Flugzeug lautlos darüber an Höhe gewann ... Der zerbrechliche Stuhl war zum Sitzen völlig ungeeignet, aber als Stand-Bild einfach nur göttlich. &lt;br /&gt;Die Leute drum herum: bunt &amp; expressiv. Wie die Komparsen aus „Easy Rider“, „Hair“, und Fatih-Akin-Filmen auf einem Haufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das kreative Potential im Mauerpark ist enorm, die Lässigkeit wirkt echt. Dafür liebe ich Berlin. Und für diese Toleranz: Da tanzen blonde Rastafari so selbstverständlich neben bürgerlichen Flohmarktgängern wie diese neben alternativen Muttis zu coolen Crossover-Rhythmen. Lachende Gesichter nicht nur bei den Kindern. &lt;br /&gt;Der zeitgemäße Hippie trail geht also unbedingt durch die Oderberger Straße. Hight-Ashbury am verschwundenen Nordbahnhof.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom Steinkreis her wehte der aktuelle Soundtrack herüber: „fairy“, eine neue Berliner Band, spielte gerade den Song „Tightrope Walkers“. &lt;br /&gt;Fairy hat nichts mit Ultra zu tun, sondern heißt „Fee“ übersetzt. Wie die Sängerin und Gitarristin Fee Klauser, die mit dem Drummer Ferdi Grall und dem Bassisten Moritz Jansen zu Orgelklängen vom Laptop „englischen Gedankenpop“ vom Feinsten spielte. &lt;br /&gt;Weil sie nicht zur PopKomm eingeladen wurden, rockten sie dort vom Laster und fanden mitlerweile Gefallen daran. Sympathisch sind sie sowieso; vertreiben ihre neuste CD „Spitting Butterflies“ ohne jegliches Anbiedern. Das Layout wirkt so professionell wie ihr lyrischer Gitarren-Rock. Da darf jetzt gern Radio Eins auf die Ex-Tübinger aufmerksam werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ ... do you remember when we were walking the tightrope / from the top of the church to the roof of my house / we where dancing ...“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1466067507890539136?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1466067507890539136/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1466067507890539136' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1466067507890539136'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1466067507890539136'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/09/095-thightrope-walkers-im-mauerpark.html' title='095 | Thightrope Walkers im Mauerpark'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6180492970239535472</id><published>2008-08-14T11:31:00.003+01:00</published><updated>2008-08-14T11:40:44.626+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>094 | Die volle Packung Kultur ...</title><content type='html'>... kann man bei Radio Eins gewinnen. Ein Wochenend-Gutschein-Paket für zwei Personen im Kultur-Eldorado Berlin. Augenzwinkernde Bedingung dabei: Das Wochenende muss sexfrei bleiben („Gelübde der sexuellen Enthaltsamkeit“). &lt;br /&gt;Da ich nie beim Radio anrufe und auch nicht viel von Gelübden halte,  stellte ich mir meine Packung Kultur für die letzten Tage selbst zusammen:&lt;br /&gt;Als erstes war ich wieder einmal in der Alten Nationalgalerie, um mir die Ölbilder der Romantiker und Impressionisten anzusehen. Und natürlich Schadows süße Prinzessinnengruppe aus Marmor. Anschließend fuhr ich zum Hauptbahnhof, wo davor jeden Sommer weniger zeitlose Skulpturen als „Sandsation“ ausgestellt sind. In einer Sandoase des Großstadtdschungels.&lt;br /&gt;Abends ging es ins Chamäleon-Varieté der Hackeschen Höfe, zu „My Life“, einer seit Mai laufende Akrobatik-Show. Eigentlich nicht mein Fall, aber hier war ich begeistert. Sechs junge internationale Künstler traten mit einer selbst choreografierten Darbietung aus Luftakrobatik, Jonglage, Gesang und Tanz auf. Das Ganze auf einer sich zentral im Raum befindlichen Bühne. Da war so viel Dynamik, Berlinlässigkeit und Können, dass am Ende der ganze Raum rockte. Die Darsteller verzichteten auf glitzernde Show-Kostüme und wirkten anfangs wie ganz normale Berlin-Touristen aus dem Publikum. Nur, dass sie sich am Seil wie Spiderman bewegen konnten oder wie Neo aus „Matrix“ durch die Luft zu rennen schienen. Musikalisch gab es dazu unter anderem Big Beat, der mich an „Spybreak!“ von den Propellerheads erinnerte. Im Hintergrund Zeitraffer-Clips Berliner Locations vom Beamer. Wow!&lt;br /&gt;Dann war ich in den Neuen Kammern von Sanssouci. Rokoko als Kontrastprogramm. Blöd nur, dass in dem ehemaligen Gästehaus ebenfalls auf Kontrastprogramm gesetzt wurde: In allen Räumen hatte man „Gegenwartskunst“ untergemogelt. Auf den steinernen Fußbodenrauten der Ovidgalerie lagen zur Irritation (oder wozu auch immer) Glasfliesen, welche sich tarnten, indem sie die Muster der Fugen wieder aufgriffen. Trat ein in die Stimme des Audioguides vertiefter Besucher versehentlich darauf, gab es Ärger mit der Aufsicht. Die war auch hinterher, wenn sich jemand auf einen der bereit stehenden Stühle setzte. Denn das sei zwar erlaubt, aber nicht das Anlehnen. Schließlich waren einige Besucher nur noch damit beschäftigt, weder in den Räumen noch beim Personal anzuecken. &lt;br /&gt;Ich dachte währenddessen über Doppelmoral vergangener Zeiten nach, angelockt vom Gold der Metamorphosen-Darstellungen in der Ovidgalerie. Dort ist nämlich einmal mehr Leda unterm Schwan zu sehen. Also Sodomie. Am anderen Ende des Parks, im Neuen Palais, hängen „Loth und seine Töchter“ an der Wand. Die Töchter wiederum hängen so sehr an ihrem Vater, wie es verbotener nicht geht. Also Inzest. Derartige Darstellungen mythologischer und alttestamentarischer Szenen waren gesellschaftlich sanktioniert. Nicht aber, seine hübsche Nachbarin nackt zu malen oder eine hübsche Herrscherin wie die Kaiserin von Österreich: Elisabeth. &lt;br /&gt;Das gleichnamige Musical sah ich mir am Ende meiner vollen Kulturpackung an. Mein erstes Musical! Und es war alles perfekt, sofern ich das beurteilen kann: Inszenierung, Gesang, Kostüme ...&lt;br /&gt;Aber ich wusste es schon immer: Musicals sind nicht für mich gemacht. Opern wohl auch nicht.&lt;br /&gt;Nachdem sich meine Kulturpackung wie eine Tüte mit süßem, salzigem und geschmacksneutralem Popcorn geleert hatte, wollte ich nur noch eines: die Füße hochlegen. Und das geht am besten zu Hause. Hin und wieder ist so ein Fernsehabend ja auch nicht zu verachten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6180492970239535472?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6180492970239535472/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6180492970239535472' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6180492970239535472'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6180492970239535472'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/08/094-die-volle-packung-kultur.html' title='094 | Die volle Packung Kultur ...'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8268360534297135810</id><published>2008-08-09T08:53:00.003+01:00</published><updated>2008-10-03T16:19:39.979+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Hälfte des Lebens I. und II.</title><content type='html'>Ich hoffe nicht, dass ich bereits die Hälfte meines Lebens hinter mir habe. Aber ich bin jetzt 36, und da schielt man schon mal wehmütig zur ersten Hälfte rüber, zur Kindheit und Jugend. Manches davon lässt sich erinnern, anderes kann rekonstruiert werden. Oft bleibt nicht viel mehr übrig als eine Handvoll Bilder, Songs und Gefühle, die im kollektiven Gedächtnis aufgehen ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1971&lt;br /&gt;Joe Frazier besiegt Muhammad Ali in New York. Jim Morrison stirbt in Paris und mit ihm die 60er. In Hamburg wird ein Polizist von der RAF erschossen, während Mc Donald´s seine erste Deutschland-Filiale in München eröffnet. &lt;br /&gt;Die Stones bringen „Sticky Fingers“ heraus, Jethro Tull „Aqualung“. Zum Ende des Jahres spielen sich die Pop Tops mit „Mamy Blue“ auf Platz 1 der deutschen Charts. Zu dieser wehmütigen Soulmusik werde ich geboren. Und bis unser Haus saniert wird, wachse ich im gemütlich grauen Bezirk Prenzlauer Berg auf, in einer Wohnung, aus der 30 Jahre zuvor die jüdische Familie Fingerhuth deportiert wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1972&lt;br /&gt;Die erste Folge von „Raumschiff Enterprise“ wird im deutschen Fernsehen gezeigt. Am längsten hält sich Wums Gesang in den Charts: „Ich wünsch´mir ´ne kleine Miezekatze“. Dabei bringen Deep Purple das Album „Machinehead“ mit „Smoke on the Water“ heraus. Bei mir um die Ecke gründen sich City. Zu ihrem „Am Fenster“ werde ich später stets mit geschlossenen Augen tanzen. „Am Fenster“ ist auch das Lied, welches ich mir unmittelbar vor und nach meinem Wehrdienstjahr anhören werde, um die Zeit dazwischen auszublenden, was natürlich nicht gelingt. Aber noch bin ich nicht bloß naiväugig, sondern auch blond und habe zum Glück von all dem keine Ahnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1973&lt;br /&gt;George Foreman besiegt Joe Frazier. Das World Trade Center wird eröffnet und im „kapitalistischen Deutschland“ Pornografie erlaubt. Mich interessiert die in der ARD anlaufende „Sesamstraße“ und die „Rappelkiste“ des ZDF in den nächsten Jahren jedoch mehr. &lt;br /&gt;„Die Legende von Paul und Paula“ kommt in die Kinos, wird von mir aber erst am 7. Oktober 1989 gesehen, als hinter dem Kino „Babylon“ der erste Berliner Wende-Demonstrationszug Dampf macht. In Sydney gründen sich AC/DC. The Sweet erobern mit „Blockbuster“, „Hell Raiser“ und „Ballroom Blitz“ die Charts. Suzi Quatro rockt mit „Can the Can“ gegen Bernd Clüvers „Der kleine Prinz“ an. Otto beginnt über deutsche Bühnen zu wuseln. In Ostberlin finden die X. Weltfestspiele, das „Woodstock des Ostens“ statt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1974&lt;br /&gt;Mireille Mathieu singt sich mit dem spanisch beflügelten Titel „La Paloma, ade“ und ihrer deutschen Art französich zu chansonieren in die Herzen der Nation. ABBA sind da („Waterloo“), aber auch Michael Holm („Tränen lügen nicht“). Obwohl: Michael Holmes „Wart´auf mich“, das er ein Jahr später herausbringt, ist Kult. Jeden Sonntag seit 1998, wenn auf Radio Eins die Show Royale von Grissemann und Stermann mit dem „modernen Gute-Nacht-Dialog“ beendet wird („Schlaf gut!“ – „Du auch!“ – „Ich liebe dich!“ – „Du auch!“), dann wird dieses Lied gespielt.&lt;br /&gt;Am 7. Juli ist Deutschland Fußball-Weltmeister. Und ich laufe im Sommer am liebsten mit meinem „Tip &amp; Tap“-WM-Maskottchen-T-Shirt (Nikki!) herum.&lt;br /&gt;Im Oktober holt sich Muhammad Ali den Box-Weltmeistertitel von George Foreman zurück.&lt;br /&gt;Mein erstes Lieblingslied heißt „Kung Fu Fighting“ und bringt den Jamaikaner Carl Douglas für 7 Wochen auf Platz 1. Die musikalische Eintagsfliege Terry Jacks hielt sich genauso lange an der Spitze. Sein „Seasons in the Sun“ wird 14 Jahre später der melo-kitschige Soundtrack meiner Jugendliebe werden. In New York gründen sich die Ramones. Das „Autobahn“-Album von Kraftwerk erscheint. Das häusliche Tonbandgerät spult Vicky Leandros´ „Theo, wir fahr´n nach Lodsz“ ab. Im Fernsehen sehe ich „Wickie und die starken Männer“&lt;br /&gt;An meinem 3. Geburtstag wird Ulrike Meinhof wegen Mordversuchs zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1975&lt;br /&gt;In den deutschen Charts glittert es sich mit The Sweets „Fox on the Run“ langsam aus. Dafür gehen immer mehr Disko-Hits an den Start und an die Spitze: Zu Penny McLeans „Lady Bump“ wird auf Familienfeiern derart getanzt, dass die Erwachsenen sich mit ihren Hüften anstoßen, was ich lustig finde. Am längsten hält sich die George Baker Selection mit „Paloma blanca“ auf Platz 1. Lieder mit Tauben mögen die Deutschen eben. Im Kindergarten lerne ich „Kleine weiße Friedenstaube“ auswendig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1976&lt;br /&gt;Ulrike Meinhof erhängt sich in ihrer Gefängniszelle. Mao Tse-Tung stirbt exakt 4 Monate später. Von Juli bis August bin ich in der Zwischenzeit in Ernstthal am Rennsteig 4 Wochen ohne Eltern zur Kur. Wegen meiner wiederkehrenden Bronchitis. Ein Foto zeigt mich inzwischen dunkelhaarig und mit traurigen Augen. Für gutes Verhalten gibt es dort rote Punkte, für schlechtes, schwarze. Ich habe schnell 5 schwarze zusammen. Das kleine Glastier aber, welches ich von meinen 10,- Mark Taschengeld für 1,90 Mark gekauft habe, schreibt die Erzieherin Frl. F., darf ich nur mit nach Hause nehmen, wenn ich „jetzt viele rote Punkte sammle“.&lt;br /&gt;An Maos Sterbetag wird erstmalig die „Biene Maja“ im westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Musik-Sommerhit kommt aus Schweden, aber nicht von ABBA; wenn auch Agnetha und Anni-Frid im Hintergrund zu hören sind. Harpo heißt der Mann, der sein Chaplin-Stöckchen in Ilja Richters Disco herumwirbelt und „Moviestar“ barfuß singt. Der Sommer-Schlager ist „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews.&lt;br /&gt;Frank Farian bringt Boney M. mit „Daddy Cool“ raus und singt sich mit „Rocky“ nach oben. Bobby Farrell, den Tänzer und falschen Boney-M.-Sänger finde ich unheimlich. Er ist dunkel, lacht nicht und macht komische Verrenkungen. Der DDR-Regierung ist Wolf Biermann unheimlich, eben weil er singt. Er wird kurzerhand ausgebürgert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1977&lt;br /&gt;Aus Westberlin gibt es ein rotes aufblasbares Indianerkanu, das so herrlich nach Sommerurlaub riecht, vor allem im Winter, wenn mein Vater es im Kinderzimmer aufbläst. &lt;br /&gt;Sylvester Stallones „Rocky“ gewinnt 3 Oscars. Die erste Stimme, in die ich mich verliebe, gehört Jeanette. Mit „Porque te vas“ steht sie eine Woche lang auf Platz 1. Auf eine vom Vater ausrangierte Brieftasche schreibe ich jedoch mit Filzstiften „I love Smokie“. Und das, noch bevor ich eingeschulte werde. Das kann auf frühkindliche Begabung deuten, muss es aber nicht: Später werde ich froh sein, in Englisch die Drei zu halten. Smokie haben in diesem Jahr gleich zwei Nr.-1-Hits: „Living Next Door To Alice“ und „Lay Back In The Arms Of Someone“. Aus diesem Jahr ist mir noch eine Kassette mit weiteren Hits erhalten: „Magic Fly“ von Space, Baccaras „Yes Sir, I Can Boogie“ und Oliver Onions´ „Orzowei“. Obwohl das Jahr musikalisch gesehen Besseres zu bieten hat, sind es genau diese Lieder, die ich als Kind hauptsächlich höre. Und sie klingen für mich im Nachhinein alle wehmütig, weil sie Gefühle transportieren, für die ich kaum Bilder habe. Ich weiß nur, dass sich im Jahr darauf meine Eltern scheiden lassen werden. Aber jetzt tanzt noch alles.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1978&lt;br /&gt;Ich werde eingeschult. Vorher fahre ich aber noch nach Binz zur 2. Kur, wieder ohne Eltern. Zum 1. Mai basteln wir Kinder dort Maistöcke aus Krepp-Papier, Friedenstauben und Mai-Nelken. Dass mein Vater sich in der Zeit einen Vollbart wachsen ließ, fällt mir kaum auf. Gesichter verblassen eben irgendwann. &lt;br /&gt;Nach den ersten 3 Wochen Eingewöhnung in der Schule, gehe ich mit meiner Klasse und einem DDR-Fähnchen in der Hand rüber zur abgesperrten Schönhauser Allee: Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist zurück. „Sagt mal, wo kommt ihr denn her?“, fragt Vader Abraham zeitgleich seine Schlümpfe. Die antworten „lal-al-lallalalall“ mit Helium-Stimmen. Von der neuen Oma gibt es jetzt immer einen kleinen Schleich-Schlumpf, wenn sie im Westen war. Die Village People finde ich mit „YMCA“ genauso lustig wie später die Gruppe Dschinghis Khan. Die scheinen alle ständig Fasching zu feiern. Von John Travoltas „Grease“ bekomme ich nichts mit. Sein „You´re The One That I Want“ ist mir hauptsächlich als „Die Wanne ist voll“ von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen vertraut. Wenn ich Andrea Jürgens´ „Und dabei liebe ich euch beide“ hören will, verbietet es mir meine Mutter, weil Vater gerade ausgezogen ist. Jetzt bin ich „Scheidungskind“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1979&lt;br /&gt;Die Grünen gründen sich. Zwei Familien aus der DDR fliehen mit einem Heißluftballon. In der Wuhlheide wird der Pionierpalast „Ernst Thälmann“ eingeweiht. Ich will da unbedingt ins „Kosmonautentrainingszentrum“, jedes Mal, wenn ich dort bin. Aber das klappt erst im Jahre 2001. Der Pionierpalast wird dann schon längst FEZ heißen (Freizeit- und Erholungszentrum), aber ich kann endlich alle Geräte ausprobieren, vor allem das Rhönrad. &lt;br /&gt;Blondies „Heart Of Glass“ klingt für mich nett wie jedes Disko-Lied. Erst später werde ich die Gruppe für mich richtig entdecken und Debbie Harry für ihre coole Schönheit lieben. Deutschland hört „Born To Be Alive“ von Patrick Hernandez, als gäbe es nichts Besseres. Das neue Clash-Album "London Calling" zum Beispiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1980&lt;br /&gt;Solidarnosc wird in Polen gegründet und verboten, dafür das Kriegsrecht verhängt. &lt;br /&gt;Von Mike Krügers „Nippel“ kann ich den Refrain schnell auswendig. Meine Mutter hört lieber Roland Kaisers „Santa Maria“, das ich mit meinem Cousin parodiere.&lt;br /&gt;Das ZDF beginnt die Zeichentrickserie „Captain Future“ auszustrahlen, nach der ich süchtig werde. Genauso süchtig bin ich nach „Adolars phantastische Abenteuer“. In der Zeichentrickserie reist ein Junge mit seinem Hund in einer aufblasbaren Rakete zu fremden Planeten. Ich reise im Juli nur ins Kinderferienlager, nach Wusterhausen an der Dosse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1981&lt;br /&gt;Meine nette Nachbarin, Frau Tschirner, bekommt wieder ein Kind. Als ich einmal in ihrer Wohnung bin, sieht es dort so ganz anders aus als in den Wohnungen, die ich kenne: viele Bücher und komische Bilder. Meine Mutter meint, Herr Tschirner macht irgend etwas mit Dokumentarfilmen. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter Nora Tschirner zieht die nette Familie nach Pankow. Nora sehe ich erst im Film „Soloalbum“ wieder.&lt;br /&gt;Ich gestehe: Fred Sonnenschein und seine Freunde höre ich mit „Ja wenn wir alle Englein wären“ und meinen 9 Jahren lieber als „Tainted Love“ von Soft Cell. Dazu tanze ich erst ein paar Jahre später. Und zu Gottlieb Wendehals´ „Polonäse Blankenese“ konnte man nach Erwin und Heidi so herrlich „Titten!“ schreien. Subtiler Humor eben. In Hauseingängen steht mit Kreide „Queen“ und „AC/DC“ geschrieben. Als ich das AC/DC-Zeichen in der Schule nachschreibe, bekomme ich wegen des Runen-Blitzes Ärger: Es ist ein halbes SS-Zeichen oder so sagt man mir. Ich verstehe nur: Verboten! Mehr Freiheiten gibt es wieder im Wusterhausener Ferienlager.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1982&lt;br /&gt;Schwer verboten klingt auch „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang. Weil man jetzt sogar „Nutten!“ schreien kann. NDW heißt der große Topf, in den jeder Hitparaden-Titel geschmissen wird, der nicht gerade nach Nicoles „Ein bisschen Frieden“ klingt. Falco kommt mit dem „Kommissar“ groß raus, Markus will „Spaß“. OMDs „Maid Of Orleans“ hätte sich für meinen Geschmack noch länger behaupten dürfen, stattdessen schmachtete F. R. David mit „Words“ 11 Wochen auf Platz 1. Besser gefiel mir „Do You Really Want To Hurt Me“ von Culter Club. Mein Stiefvater hatte es auf eine graue 60er BASF-Kassette aufgenommen, genau wie Peter Schillings „Major Tom“. Als er meine Mutter und mich ein Jahr später verlässt, bleibt seine Musik zurück. Wieder so eine Kassette. Von nun an beschließe ich, Kassetten selbst aufzunehmen.&lt;br /&gt;ABBA trennen sich. Die toten Hosen &amp; die Ärzte werden gegründet.&lt;br /&gt;In diesem Jahr liegt das Ferienlager im sächsischen Greiz. Danach geht’s nach Ahrenshop an die Ostsee. Ich schlafe in einem Zeltplatz-Wohnwagen mit Fernseher und bin nach heißen Badetagen am FKK-Strand davon begeistert, am „Getränkestützpunkt“ Pepsi Cola kaufen zu können, die in Rostock abgefüllt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1983&lt;br /&gt;AIDS, Atomkrieg und  saurer Regen relativieren das Bild von der fröhlichen Zukunft mit aufgehender Sonne. Mädchen werden immer interessanter und die Gefühle entwickeln ein Eigenleben. Die Musik des Jahres scheint Auslöser für Sehnsüchte und erste Liebeskümmernisse zu sein: Gazebo „I like Chopin“, Kajagoogoo „Too Shy“, Robin Gibb „Juliet“, Rod Stewart „Baby Jane“, Laid Back „Sunshine Raggae“, Paul Young „Come Back And Stay“ ... Geier Sturzflug mit „Bruttosozialprodukt“ kann ich so streberhaft mitsingen wie Oli P. das später in diversen Chart-Shows tut. Nenas „99 Luftballon“ machen mich aber nicht so an. Dann eher DÖF mit „Codo“. Später werde ich das Lied beknackt finden, nur nicht die Stimmen der Humpe-Schwestern (Ideal &amp; 2Raumwohnung). Der 6 Jahre alte Klassiker im Ferienlager – diesmal im Mecklenburger Malchow – bleibt „We Will Rock You“ von Queen. Wir bilden auf dem Turnhallenfußboden einen Kreis und schlagen unsere Handflächen zum Takt rot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1984&lt;br /&gt;„Only You“, dieses A-cappella-Stück der Flying Pickets finde ich bewundernswert, aber irgendwie nervig. Noch schlimmer ist Stevie Wonders „I Just Called To Say I Love You“. Da klingt „Relax“ von Frankie Goes to Hollywood cooler. Selbst noch, als es heißt, der Sänger sei schwul. Noch besser, vielleicht auch wegen des Videos, gefallen mir Duran Duran mit „Wild Boys“. Und „People Are People“ von Depeche Mode braucht noch nicht mal ein Video, um bei mir einen coolen Eindruck zu hinterlassen. Zu Laura Branigans´ “Self Control“ spiele ich auf meinem alten Federballschläger Luftgitarre. Erst mit 16 Jahren werde ich feststellen, dass mir die Gitarre nicht so liegt. Andere Instrumente natürlich auch nicht.&lt;br /&gt;Im Sommer bin ich wieder in Malchow, an der Ostsee, aber auch in Polen und verliebe mich mit meinen „fast 13“ Jahren in eine 16-Jährige aus Warschau: Renata. Nach ihrem Gute-Nacht-Kuss bin ich beseelt. &lt;br /&gt;Ich lasse mir von einem Rentner aus dem Haus gegen das wertvolle Westgeld der Oma die Bravo rüberschmuggeln und hänge Poster in mein Zimmer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1985&lt;br /&gt;Ende Mai sterben in Brüssel bei einem Krawall-Gedränge im Fußballstadion 39 Personen. Darüber wird auch auf dem neuen Privatsender Sat.1 berichtet. Meine West-Berliner Cousine besorgt mir ein Walkman und macht mich damit überglücklich. Ich höre Tears for Fears mit „Shout“, „19“ von Paul Hardcastle, Harold Faltermeyers „Axel F.“, „Rock Me Amadeus“ und „Take On Me“ von a-ha, am liebsten aber Depeche Mode. Ich bezeichne mich sogar als Fan von ihnen. Auf Modern Talking lasse ich mich nicht ein, höchstens in der Tanzschule, da muss ich. &lt;br /&gt;Im Kiez-Park läuft Opus´ „Live Is Live“ in der Endlosschleife.&lt;br /&gt;Klassendiscos werden als langweilig empfunden, private Feten als geheimnisvoll. Manchmal kümmere ich mich um die Musik. Ich sehne mich nach Urlaubserlebnissen, gerade nach meinem letzten Ferienlageraufenthalt und dem im FDJ-Schulungslager Biesenthal. Politik ist lästige Pflicht, in der Erinnerung bleibt die Kür: „Moonlight Shadow“ von Mike Oldfield und Herzschmerz nach der Freiluftdisko, weil die Auserwählte mich nur „urst okay“ findet. Aber es gibt ein Abschiedsküsschen, immerhin. Im Kino läuft „Der Garten Eden“, ein Film, den ich „sehr gut“ finde. Vor allem, weil er mit erotischen Szenen gespickt ist.&lt;br /&gt;Den restlichen Sommer verbringe ich mit gebrochenem Arm in Thüringen. Nachdem der Gips wieder ab ist, schnappt mir ein Mitschüler Djamila, die neue heimliche Liebe, weg. Die ganze Welt scheint schlecht zu sein. Erst drei Jahre später wird Djamila sich für mich interessieren. Aber da ist sie mir mitlerweile zu dick geworden.&lt;br /&gt;Im Herbst ziehe ich nach Hellersdorf um, nutze aber jedes freie Wochenende, um in die alte Heimat zurückzukehren. Unter der Woche hänge ich mit meiner neuen Clique rum. Neun Tage vor meinem 14. Geburtstag tritt mit dem Ableben meiner Großmutter der Tod in mein Bewusstsein. Ende der Kindheit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1986&lt;br /&gt;Tschernobyl. Ich frage mich, ob ich jemals wieder Waldpilze essen kann, weil die auch nach Jahrzehnten radioaktiv sein sollen. Nach der Kinderferienlager-Ära fahre ich im Sommer ins (Zelt-)Lager für Arbeit und Erholung. Für 250 Ostmark stehe ich um 6.00 auf und arbeite bis mittags. Nachmittags gehe ich auch schon mal nackt baden. Und am Wochenende wird zur Musik eines Dorf-Djs getanzt. Er spielt den „Holiday Rap“ von MC Miker G. &amp; Deejay Sven und „Geil“ von Bruce &amp; Bongo. Eigentlich ein doofes Lied, aber da man „geil“ nicht sagen soll, hat das Lied etwas Befreiendes. Vor allem, wenn es vom Rundfunk boykottiert wird, so wie Falcos „Jeanny Part I“. Von den Ärzten, die ich auch gerne höre, dürfen einige Songs gar nicht erst verkauft werden. Aber darüber brauche ich mir im Osten keine Gedanken zu machen. Rio Reisers „König von Deutschland“ ist offenbar nur an meiner Schule nicht erwünscht. Das klingt der Schulleitung zu monarchistisch. Mit Satire hat man es nicht so. Dass die B-52´s ihren Bandnamen von den hochtoupierten Frisuren der beiden Sängerinnen ableiten und keine imperialistischen Kampfbomber verherrlichen, geht auch keinem auf.&lt;br /&gt;Freiheit bedeutet 1986 für mich: Urlaub, Wald, Sonne, Wasser und Mädchen. Daran wird sich auch später nichts ändern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1987&lt;br /&gt;Perestroika in der Sowjetunion. Abrüstungsverträge. Politisches Tauwetter. Auch die Winter werden wärmer. Mathias Rust landet am Tag der sowjetischen Grenztruppen mit einer Cessna neben dem Roten Platz. Honecker besucht den Westen. Im Fernsehen wird „La Boum – Die Fete“ mit der hübschen Sophie Marceau erstmalig gezeigt. Der Schmuse-Hit zum Film: „Reality“ von Richard Sanderson. Ich bin 15 und kann die pubertierende 13-jährige Vic nur zu gut verstehen. Ihre Eltern hingegen nicht. Jahre später sehe ich den Film noch einmal, als Vater, und denke: „Dass die Eltern da so ruhig bleiben können ...“ Eine Mitschülerin erzählt mir vertraulich von ihrem Schwangerschaftsabbruch und ich frage mich, wann ich wohl endlich Sex haben werde. Ich bin für Grundschüler Handballübungsleiter, werfe aber nach einem Jahr das Handtuch. Ansonsten gebe ich mich cool und rauche Pfeife. Im Lager für Arbeit und Erholung bin ich ein „alter Hase“, dusche nackt mit den „Girls“ und tanze mit meinem „big Kumpel“ Tom Pogo zu Billy-Idol-Hits. Das funktioniert auch bei den alten Sweet-Songs aus den 70ern, stelle ich fest. Neben NDW, Punk &amp; New Wave entdecke ich also auch die Oldies. Für Rick Astley &amp; co haben Tom &amp; ich nur Verachtung übrig. Dem Massengeschmack, sagen wir, könne man sich nur verweigern. Und so sitze ich auch noch im nächsten Jahr betont angewidert in der Schuldisco, bis meine mitgebrachte Billy-Idol-Kassette vom Dj eingelegt wird.&lt;br /&gt;Insgesamt finde ich das Leben „beschissen“, bin aber „auf die Zukunft gespannt“.&lt;br /&gt;Nach der 10. Klasse gehe ich aufs Gymnasium, der Erweiterten Oberschule.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1988&lt;br /&gt;Zeit der Jugendliebe. Man kann gar nicht groß und oft genug „Ich liebe dich!“ in Briefen schreiben. Man tauscht erst Küsse, dann Ringe aus und fordert Wochen später zumindest die Ringe wieder zurück. Man ist anfällig für Schnulzen wie „Bright eyes“ von Art Garfunkel, das nach 9 Jahren mit der Valensina-Werbung wieder eingeschenkt wird. Die Charts interessieren mich nicht. Die bestehen ohnehin nur aus Milli Vanilli, den Pet Shop Boys, Whitney Houston und Kylie Minogue. Kylie finde ich erst später, ab ihrer Zusammenarbeit mit Nick Cave (1995 „Where the Wild Roses Grow“),  beachtenswert und sexy. &lt;br /&gt;Am 7. März bin ich bei dem Depeche-Mode-Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle dabei. Ein Glücksfall, obwohl ich ja jetzt Billy-Idol-Fan bin ...&lt;br /&gt;Auf dem Gymnasium entdecke ich neben den alten Punk-Stücken der Ramones und The Clash meine wahre musikalische Heimat: die „anderen Bands“ aus dem Osten. Ich gehe zu Konzerten von Sandow, Feeling B., den Skeptikern, Big Savod und die Art. Es muss rocken und möglichst politische Sprengkraft haben.&lt;br /&gt;Unter Freunden bin ich aber vor allem für meine Liebe zur 60er-Jahre-Musik bekannt. Ich höre die Kinks, Janis Joplin, The Who, aber auch Cat Stevens.&lt;br /&gt;Endes des Jahres wird die übersetzte sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ verboten. Weil die Perestroika-Sowjets Geschichte jetzt kritisch aufarbeiten, die Ostberliner Regierung aber nicht mitziehen möchte. Dabei wird es Zeit für Veränderungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1989&lt;br /&gt;Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking. Wie kann man da Bobby McFerrins „Don´t Worry, Be Happy“ hören? Oder – schlimmer noch – Roxette und  David Hasselhoff? Ich nehme bei „Parocktikum“ auf DT64 meine alternative Musik auf. Die aus dem Osten, aber auch Westgruppen wie Fehlfarben, Einstürzende Neubauten, Ton Steine Scherben, Aktuelles von den Sugarcubes (mit Björk), den Pixies und Pogues, Punk &amp; New Wave von den Sex Pistols, Joy Division, The Cure und The Clash. Crossover-Impulse und Altbewährtes erschließen sich mir teilweise als Neuland, auf dem ich für den kommenden Herbst richtig Tritt fasse.&lt;br /&gt;Aber erst trampe ich im Sommer allein zur Ostsee und fliege mit Freunden ( und mit Rückflugticket!) nach Budapest. Dort lasse ich mir in einem Plattenladen das Album „Flowers“ von den Stones und eine Live-Platte der „Doors“ überspielen. Die Doors werden „meine Band“. In den nächsten Jahren kaufe ich mir alle Platten von  ihnen und alle Bücher über sie. Vor allem die Gedichte Morrisons haben es mir angetan. Oft bedaure ich, Woodstock um 20 Jahre verpasst zu haben. Ich versuche jetzt, intensiv zu leben, weiß aber oft nicht, wie. Dann rollt der Stein auch schon ins Wasser, verursacht die Ausreisewelle, setzt Massen und mich für die Wende-Demonstrationen in Bewegung, reißt die Mauer ein.&lt;br /&gt;Von meinen 100,-DM Begrüßungsgeld kaufe ich mir die LPs „If I Should Fall from Grace With God“ der Pogues und „Doolittle“ der Pixies. Die Deutschen aus Ost und West versuchen währenddessen hüftsteif „Lambada“ (von Kaoma) zu tanzen. Als Vorspiel auf die Wiedervereinigung. Ich bin 18 und habe das Gefühl, es genau im richtigen Augenblick zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;II.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit seiner Schulzeit im Tübinger Stift beschäftigte sich Friedrich mit philosophischen Ideen. Sie sollen ihm helfen, das Dasein zu begreifen und Zeiten der Ratlosigkeit mit Gewissheit zu durchstehen. Wie die Zeit der Armut, die ihn zwingt, Hauslehrer bei einer Bankiersfamilie in Frankfurt zu werden. Dort verliebt er sich in die Hausherrin, über die er auch Gedichte schreibt. Es bahnt sich ein Verhältnis an, das jedoch entdeckt wird. Friedrich muss Frankfurt verlassen. Vier Jahre später erfährt er in Bordeaux vom Tod der Geliebten und kehrt krank und geistesgestört zu Fuß nach Frankfurt zurück. &lt;br /&gt;In den kommenden Jahren erholt er sich nur scheinbar. Er beschäftigt sich aber weiterhin und existentieller denn je mit Philosophie und Dichtkunst. Friedrich versucht, beides zu vereinbaren, denn Vernunft muss für ihn in Schönheit gipfeln und Gedichte sind in seinen Augen am besten geeignet, Ideen zu transportieren. Also versucht er auch jetzt ein Gedicht zu schreiben, das seine philosophischen Gedanken aufnehmen kann. &lt;br /&gt;Der Titel steht schon fest und klingt nach der Bestandsaufnahme seines Daseins. Friedrich ist inzwischen Mitte Dreißig, hat also die Hälfte seines Lebens bereits hinter sich. Er schaut zurück und fürchtet den Blick nach vorn. Dann macht er sich an die Arbeit: Zwei Strophen müssen genügen, denkt er, eine für das Gewesene, eine für das Kommende. Eine für die ideale Welt der Innerlichkeit, die andere für die raue Wirklichkeit. &lt;br /&gt;Das Gedicht ist bilderreich und steckt voller Symbole. Formal ist es aber streng und bedurfte keiner überflüssigen Worte. Denn es drückt das Gegensätzliche so klar aus wie der Anblick eines halb leeren / halb vollen Glases „heilignüchternen“ Wassers.&lt;br /&gt;Im Jahre 1805, als das Gedicht erscheint, wird Friedrich in Tübingen vollends für geisteskrank erklärt und einem Tischler in Pflege gegeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Friedrich Hölderlin:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hälfte des Lebens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit gelben Birnen hänget&lt;br /&gt;Und voll mit wilden Rosen&lt;br /&gt;Das Land in den See,&lt;br /&gt;Ihr holden Schwäne,&lt;br /&gt;Und trunken von Küssen&lt;br /&gt;Tunkt ihr das Haupt&lt;br /&gt;Ins heilignüchterne Wasser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weh mir, wo nehm ich, wenn&lt;br /&gt;Es Winter ist, die Blumen, und wo&lt;br /&gt;Den Sonnenschein,&lt;br /&gt;Und Schatten der Erde?&lt;br /&gt;Die Mauern stehn&lt;br /&gt;Sprachlos und kalt, im Winde&lt;br /&gt;Klirren die Fahnen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8268360534297135810?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8268360534297135810/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8268360534297135810' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8268360534297135810'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8268360534297135810'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/08/hlfte-des-lebens-i-und-ii.html' title='Hälfte des Lebens I. und II.'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3040683876525148209</id><published>2008-06-28T18:28:00.005+01:00</published><updated>2008-06-28T20:28:22.728+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>093 | Sinn des Lebens</title><content type='html'>Regen. Endlich Regen. Er spült das Fieber aus der Luft und wischt den klebrigen Schweiß von den Blättern der Bäume. Mein Kopf atmet wieder kühlen Verstand. Kein hitziges Verzetteln mehr, keine Maßlosigkeit, nur der barfüßige Gang zur wiedergefundenen Mitte.&lt;br /&gt;Ich versuche in den Zufälligkeiten, die um mich her passieren, Zusammenhänge zu erkennen, glaube aber, dass diese Zusammenhänge Trugbilder sind:&lt;br /&gt;Ein liegen gebliebener Murakami-Roman, der mich eigentlich begeistert, zwei sich eines Mittags neben der Haustür paarende unbekannte Großfalter, die von einem anderen Planeten zu stammen schienen und hier ihre Flitterwochen verbrachten. (Abends paarten sie sich immer noch neben der Haustür.)  Ein runtergefallenes Weinglas, das ganz blieb, um später beim Abtrocknen zu zerbrechen. Ein Anrufer, der nichts zu sagen hat, ein E-Mail-Kettenbrief, der zum Nachdenken über die Vergänglichkeit einlädt. (Wer ihn wohl verfasst hat?) Aufhänger darin ist der Tod einer jungen Frau. Stunden später kommt von einem Bekannten ebenfalls die Nachricht vom Tod einer jungen Frau, seiner Freundin. &lt;br /&gt;Und mit dem Regen kommt immer auch die Schwermut.&lt;br /&gt;Wie gut erinnere ich mich an die Frau, die ich schon als Mädchen kannte? Wie gut habe ich sie überhaupt gekannt? Wer geht als nächstes? Ungeduldig trommelt der Regen ans Fenster.&lt;br /&gt;Eine zur Phrase verkommene Weisheit fällt mir ein: &lt;br /&gt;„Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.“ Für die Hinterbliebenen der jungen Frau so tröstlich wie die Mär vom gerechten Gott. &lt;br /&gt;Menschen, die in mein Leben traten oder ich in ihres, sehe ich vor mir. Auch Menschen, die schon immer dagewesen zu sein schienen und es plötzlich nicht mehr sind. Menschen, die lästig wurden oder bedeutsam, als es zu spät war. Was war, was bin ich ihnen?&lt;br /&gt;Da tut es einen Schlag gegen die Tür, wie wenn jemand anklopft oder ein später Vogel dagegenfliegt. Liegt er jetzt mit gebrochenem Genick davor wie die toten Fliegen auf dem Fensterbrett, das ich längst abwischen müsste? Spuren beseitigen, wie der Regen.&lt;br /&gt;Aber sobald die Sonne durchbricht, werde ich rausgehen, den Kopf freilaufen, weil ich lebe. Und weil das mit dem Verstand bei geistiger Kurzatmigkeit auch nicht immer so klappen will. &lt;br /&gt;Wer weiß, vielleicht besteht der Sinn des Lebens auch nur darin, das Beste aus allem zu machen. Und manchmal ahne ich da draußen auch, wie ich es für mich anstellen kann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3040683876525148209?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3040683876525148209/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3040683876525148209' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3040683876525148209'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3040683876525148209'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/06/093-sinn-des-lebens.html' title='093 | Sinn des Lebens'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-9116200345904757689</id><published>2008-05-25T19:05:00.000+01:00</published><updated>2008-05-25T19:08:34.053+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Auf dem Weg</title><content type='html'>Morgens an einer Landstraße mit uralten Linden zu beiden Seiten, an einer Allee, die nach Norden führt. Keine Ahnung, wie ich dort hingekommen bin. Aber ich bin da und ich bin allein. Kein Gepäck dabei, nur ein Lied im Kopf.&lt;br /&gt;“Are you going to Scarborough Fair?”&lt;br /&gt;An dieser Landstraße hört meine Flucht auf, beginnt die Hinbewegung zum Ersehnten. Keine Stagnation mehr, kein bloßes Durchspielen von Möglichkeiten, sondern tun, gehen, loslassen. Und vorwärtsträumen:&lt;br /&gt;Durch Mecklenburg zur Ostsee, wo das Meer sich teilen wird. Dann durch Schwedens literarische Wälder. Dort lege ich mich ins Moos - und träume mich weiter.&lt;br /&gt;“Parsley, sage, rosemary and thyme”&lt;br /&gt;Meine Reise ist geradlinig und durchbricht den Kreislauf, welchen die Vernunft gern aufzwingt, den Gefängnishof-Kreislauf, der mich träge machte und schwindeln ließ. Mein Weg geht durch Mauern und  Zeiten. Er ist alt wie der älteste Traum. &lt;br /&gt;“Remember me to one who lives there”&lt;br /&gt;Und du? Du lachst? Nennst es abfällig „Romantik“? Ich nenne es „wahres Leben“. Du sagst, es sind nur Worte. Aber es sind Samen, aus denen ein Zentaur aus Dichtung &amp; Wahrheit erwachsen kann. Wer ihn streckenweise reitet, erkennt sich selbst und verliert die Angst davor, etwas verlieren zu können. Die Angst, verletzt zu werden. Die Angst. &lt;br /&gt;Sieh, wie es übermütig durch ironisches Unkraut geht, das aus deiner Bodenständigkeit sprießt. Unkraut! Keine Linden, keine Alleen und keine Zentauren.&lt;br /&gt;Aber Ironie ist gefühllos. Und bloße Bodenständigkeit zieht den Geist herunter, in Grabestiefe. Den Geist, der sich aufschwingen möchte. Aufschwingen zum Gesang der Lerche, zu den Erinnerungen, die einem einflüstern, wohin der Weg führen sollte. &lt;br /&gt;“For she once was a true love of mine.”&lt;br /&gt;Kennst du den Ort, wo die besten Gefühle der besten Menschen unsterblich sind? Das ist das Ziel meiner Reise.&lt;br /&gt;Und du? Reicht dir, gut zu essen, guten Sex und keine Schmerzen zu haben? Reicht es, lange zu schlafen, ohne wahrhaftig zu träumen?&lt;br /&gt;Falls du mich eines Morgens suchen solltest, weißt du, wo du mich finden wirst. Ich bin auf dem Weg.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-9116200345904757689?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/9116200345904757689/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=9116200345904757689' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9116200345904757689'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9116200345904757689'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/05/auf-dem-weg.html' title='Auf dem Weg'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8293276876170081884</id><published>2008-05-04T20:54:00.003+01:00</published><updated>2008-05-05T13:34:09.659+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Junges Glück</title><content type='html'>Sie gehn auf Sonnenwegen,&lt;br /&gt;Spazieren Hand in Hand.&lt;br /&gt;Sie war direkt verlegen,&lt;br /&gt;Als er ihr Blümchen fand.&lt;br /&gt;Sie will nur diesen Einen:&lt;br /&gt;Er warnt vor Stolpersteinen,&lt;br /&gt;Er warnt vor tiefen Pfützen.&lt;br /&gt;Als würde es was nützen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ruft sie täglich an&lt;br /&gt;Und nennt sie „kleine Maus“.&lt;br /&gt;Sie sagt nur noch „mein Mann“&lt;br /&gt;Und „unser schönes Haus“.&lt;br /&gt;Für andre sind sie blind.&lt;br /&gt;Selbst wenn sie Rentner sind,&lt;br /&gt;Wolln sie einander stützen.&lt;br /&gt;Als würde es was nützen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er lässt sie nie im Stich.&lt;br /&gt;Wenn er zur Arbeit fährt,&lt;br /&gt;Sagt sie: „Ich liebe dich!“&lt;br /&gt;Und wenn er wiederkehrt,&lt;br /&gt;Geschwächt und etwas kühl,&lt;br /&gt;Gibt sie ihm das Gefühl,&lt;br /&gt;Er könne sie beschützen.&lt;br /&gt;Als würde es was nützen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8293276876170081884?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8293276876170081884/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8293276876170081884' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8293276876170081884'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8293276876170081884'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/05/junges-glck.html' title='Junges Glück'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-864272315684579657</id><published>2008-04-29T19:44:00.002+01:00</published><updated>2008-04-29T19:53:46.144+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Der getigerte Schmetterling</title><content type='html'>Der getigerte Schmetterling&lt;br /&gt;Will keine Tigerente sein&lt;br /&gt;Und auch kein Schwein&lt;br /&gt;Mit schwarzen Streifen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der getigerte Schmetterling&lt;br /&gt;Ist kein Trauermantel oder – ärmer:&lt;br /&gt;Ein Totenkopfschwärmer.&lt;br /&gt;Er ist nicht bloß Seele.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist das Leben.&lt;br /&gt;Er fällt gern auf&lt;br /&gt;Und nimmt in Kauf,&lt;br /&gt;Dass seine Tarnung keine ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jagen will er jedes Ding,&lt;br /&gt;Das flieht, wenn er schreit.&lt;br /&gt;Fliegen will er, wenn es schneit.&lt;br /&gt;Er möchte nicht nur flattern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er will Unsterblichkeit&lt;br /&gt;Für letzte Wochen.&lt;br /&gt;Jetzt wird nicht mehr gekrochen,&lt;br /&gt;Jetzt hat er Biss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-864272315684579657?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/864272315684579657/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=864272315684579657' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/864272315684579657'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/864272315684579657'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/04/der-getigerte-schmetterling.html' title='Der getigerte Schmetterling'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3102427480640621812</id><published>2008-04-28T18:56:00.001+01:00</published><updated>2008-04-28T19:01:42.384+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Terrassenschach</title><content type='html'>„The same procedure as last year?” – “The same procedure as every year.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein warmer Maitag. Weiß beginnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der blasse Läufer holt Bier aus dem Kühlschrank, der blasse Springer holt Gläser.&lt;br /&gt;„Ich trink´ aus der Flasche“, sagt der Läufer und trinkt.&lt;br /&gt;„Wusst´ ich doch nicht“, mault der Springer und gießt sich das Bier schnell ins Glas.&lt;br /&gt;„Ich trink´ immer aus der Flasche“, sagt der Läufer und trinkt.&lt;br /&gt;Dem Springer läuft Schaum über den Glasrand auf den Tisch.&lt;br /&gt;„Huch!“, sagt der Springer und trinkt etwas Schaum ab.&lt;br /&gt;„Wär´ dir so nicht passiert“, sagt der Läufer und trinkt.&lt;br /&gt;„Ich hol´ schnell einen Lappen“, sagt der Springer und springt in die Küche.&lt;br /&gt;Dann sitzen sie wieder zusammen und trinken gemeinsam Bier. Der Springer sieht zur Nachbarterrasse rüber.&lt;br /&gt;Dort löst der blasse König ein mittelschweres Sudoku. Er sagt kein Wort.&lt;br /&gt;Die blasse Dame sitzt daneben und sieht geradewegs zum dunklen Turm von vis-à-vis. Zwischen ihnen toben ein paar kleine Bauern.&lt;br /&gt;Die Dame spricht über grüne Bäume und Discounter-Angebote. Dabei lächelt sie dem Turm zu. Der lächelt zurück.&lt;br /&gt;Der König sagt kein Wort. Er probiert jetzt ein leichtes Sudoku.&lt;br /&gt;Die Dame beschwert sich leise über die lauten Bauern. Und lächelt dabei.&lt;br /&gt;Der Springer sieht, wie der Turm der Dame zuzwinkert.&lt;br /&gt;"Gardez!", flüstert der Springer dem Läufer zu und stößt ihn mit dem Ellenbogen an.&lt;br /&gt;Da bekleckert sich der Läufer, der gerade aus der Flasche trinken wollte, und flucht.&lt;br /&gt;Der König sieht auf und erhebt sich. &lt;br /&gt;Er wolle reingehen. Das Wetter. Zu warm. Er fühle sich matt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3102427480640621812?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3102427480640621812/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3102427480640621812' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3102427480640621812'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3102427480640621812'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/04/terrassenschach.html' title='Terrassenschach'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2303798736017290731</id><published>2008-03-29T09:53:00.002+01:00</published><updated>2008-03-29T09:57:13.004+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>092 | In ein paar Tagen</title><content type='html'>Sicher, in ein paar Tagen, spätestens Wochen, sitzen wir sonnenverwöhnt im Straßencafé und genießen das wie erste kulinarische Genüsse der Saison. Dann tragen wir fast beiläufig unsere Sonnenbrillen und unsere Wirkung auf andere zur Schau. Sind voller Selbstwert- und Frühlingsgefühl, voller Sinnlichkeit und Pheromonen.&lt;br /&gt;Aber jetzt? Sind wir Wartende, denen man es nicht ansieht. Wir laufen im blinden Aktionismus durch windige Straßen, fühlen das kaum noch auszuhaltende Bedürfnis, uns verlieben zu wollen wie Tom Hanks und Meg Ryan. Genau so. &lt;br /&gt;Aber wir gleichen Hugh Grant in „Notting Hill“, der zu Bill Withers „Ain't No Sunshine” und Al Greens “How Can You Mend a Broken Heart?” durch London irrt. &lt;br /&gt;Wir zweifeln, sind auf der Suche nach dem, was wir nicht festhalten konnten, in Berlin, Stuttgart oder Osnabrück. Wir wollen vergessen und leiden darunter, dass wir es nicht können; warten auf die Zeit, die uns dabei helfen muss.&lt;br /&gt;Wir haben die Aura von Unberührbaren und suchen unser Heil im Chat. Oft sind wir bereits morgens müde, zählen abends Jahre und vertane Chancen durch und stellen gleich alles in Frage. Nachts gehen wir trotzdem viel zu spät ins Bett. Wer kann auch schon schlafen, wenn er wie Hugh Grant leidet.&lt;br /&gt;Aber ganz sicher: In ein paar Tagen, spätestens Wochen, sind wir voller Frühlingsgefühl. Dann wird alles anders. Wie jedes Jahr.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2303798736017290731?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2303798736017290731/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2303798736017290731' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2303798736017290731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2303798736017290731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/92-in-ein-paar-tagen.html' title='092 | In ein paar Tagen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3918889195394025651</id><published>2008-03-26T08:39:00.001+01:00</published><updated>2008-03-26T17:43:25.906+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Damals, als ich glücklich war</title><content type='html'>Damals, als ich glücklich war,&lt;br /&gt;Kam der wilde Wein&lt;br /&gt;Uns in den Sinn,&lt;br /&gt;Fielen die Gedanken&lt;br /&gt;Wie wertlose Groschen&lt;br /&gt;Zum Tanz der Moleküle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir lachten über Clowns,&lt;br /&gt;Die es ernst meinten,&lt;br /&gt;Erfanden uns&lt;br /&gt;Eigene Götter,&lt;br /&gt;Bauten ein Haus&lt;br /&gt;Für sie und uns&lt;br /&gt;In erfüllten Räumen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bücher wurden unlesbar,&lt;br /&gt;Maltest du mit Himbeereis&lt;br /&gt;Ein Herz ans Fenster.&lt;br /&gt;Wir tasteten Horizonte ab&lt;br /&gt;Und entdeckten uns dahinter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Herbst kultivierten wir&lt;br /&gt;Den wilden Wein&lt;br /&gt;Für eine bessere Ernte,&lt;br /&gt;Weil die Bienen,&lt;br /&gt;Die wir streicheln wollten, &lt;br /&gt;Noch für uns schwärmten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch grünte der Ahorn,&lt;br /&gt;Noch bäumte sich die Sonne auf.&lt;br /&gt;Wir waren geblendet wie Ikarus,&lt;br /&gt;Damals, als ich glücklich war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute fällt die Erinnerung&lt;br /&gt;Allabendlich ein,&lt;br /&gt;Schließt mit jedem Glas Wein&lt;br /&gt;Leise eine Tür,&lt;br /&gt;Dreht sich der Raum&lt;br /&gt;Langsam zur Neige.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3918889195394025651?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3918889195394025651/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3918889195394025651' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3918889195394025651'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3918889195394025651'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/damals-als-ich-glcklich-war.html' title='Damals, als ich glücklich war'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4059332039409755801</id><published>2008-03-22T18:27:00.003+01:00</published><updated>2008-03-22T23:29:57.834+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Verdrossenheit</title><content type='html'>Der Februar versprach mir das Blaue vom Himmel,&lt;br /&gt;Der März schickte wieder nur Schnee.&lt;br /&gt;Die Landschaft bedeckt sich mit nasskaltem Schimmel,&lt;br /&gt;Damit ich vor Sehnsucht vergeh´.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was knospet und sprießt, ist der Rede nicht wert.&lt;br /&gt;Der Himmel bleibt wortbrüchig grau.&lt;br /&gt;Und wenn jemand über die Frühblüher fährt,&lt;br /&gt;Dann interessiert´s keine Sau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Frühling ist diesjahr ein einziger Flop.&lt;br /&gt;Nur Kirschblüten leuchten so satt&lt;br /&gt;Wie billigster Kitsch aus dem Asia-Shop,&lt;br /&gt;Den keiner gern kauft, aber hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein klein wenig Sonne, ein klein wenig Liebe -&lt;br /&gt;Und alles wird schön wie vor Jahren:&lt;br /&gt;Die Landschaft, der Kitsch und die hungrigen Triebe;&lt;br /&gt;Selbst die, die wir still überfahren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4059332039409755801?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4059332039409755801/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4059332039409755801' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4059332039409755801'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4059332039409755801'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/verdrossenheit.html' title='Verdrossenheit'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5373665326720672822</id><published>2008-03-20T19:19:00.000+01:00</published><updated>2008-03-20T19:20:06.726+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'></title><content type='html'>Das Gefühl ist klüger als der Verstand,&lt;br /&gt;Sagtest du, &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich nicht verstand,&lt;br /&gt;Warum du mich verlässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klug erklären konntest du es kaum.&lt;br /&gt;Klug war auch nicht, was ich fühlte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es tat nur weh.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5373665326720672822?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5373665326720672822/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5373665326720672822' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5373665326720672822'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5373665326720672822'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/das-gefhl-ist-klger-als-der-verstand.html' title=''/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-384396449142462272</id><published>2008-03-16T17:36:00.005+01:00</published><updated>2008-03-16T17:55:59.864+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Bleibende Bilder</title><content type='html'>Sind wie entwertete Briefmarken, mein Freund,&lt;br /&gt;Abgelöste Zeichen &lt;br /&gt;von Ansichtenkarten und Abschiedsbriefen.&lt;br /&gt;Sammlerstücke in weißgepresster Faust,&lt;br /&gt;Die ich hilflos bleibend öffne, wenn der Wind geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klebende Bilder, nicht von der Hand zu weisen&lt;br /&gt;Von verblasener Luft . &lt;br /&gt;Verschwommen und wertlos sind sie;&lt;br /&gt;Vergilbte Antworten winden sich bei Flauten. &lt;br /&gt;Nur die Fragen, mein Freund, bleiben stets frisch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und gehen retour.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-384396449142462272?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/384396449142462272/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=384396449142462272' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/384396449142462272'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/384396449142462272'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/092-bleibende-bilder.html' title='Bleibende Bilder'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4034112753611370337</id><published>2007-10-20T13:50:00.000+01:00</published><updated>2007-10-20T17:22:31.191+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>091 | Nehringen</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoISRW0ROI/AAAAAAAAAE8/D5GRUtG8Jys/s1600-h/DSC00129.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoISRW0ROI/AAAAAAAAAE8/D5GRUtG8Jys/s200/DSC00129.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123416636077130978" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Für eine Woche nahm ich mir eine Auszeit. &lt;br /&gt;Da ich meine Idyllen im Norden weiß, mich aber nicht zwischen Mecklenburg oder Vorpommern entscheiden konnte, bezog ich genau an Nordvorpommerns Grenze Quartier, im Winzig-Ort Nehringen an der Trebel. &lt;br /&gt;Nehringen, so entnimmt man es den Beschreibungen, besitzt „das letzte erhaltene Ensemble schwedischen Barocks in Vorpommern“. Aha. Das wird den meisten so viel sagen wie der 2. Hauptsatz der Thermodynamik und wenig Lust machen, dort hinzureisen. Was schade wäre. Denn Nehringen besitzt vor allem Flair.&lt;br /&gt;Es ist ein kleines, malerisches Gutsdorf mit Kirche, Gutshaus und –park, einer Handvoll Katen, Häuschen und Gehöften. Alles wirkt hier zeitlos, entstammt aber augenscheinlich dem 18. und 19. Jahrhundert. Das ist vorstellbarer.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoIoBW0RPI/AAAAAAAAAFE/vC38HFqzFDw/s1600-h/DSC00147.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoIoBW0RPI/AAAAAAAAAFE/vC38HFqzFDw/s200/DSC00147.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123417009739285746" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Weil die Schweden nach dem 30-jährigen Krieg in Vorpommern nun einmal Fuß gefasst hatten, wurde ihnen das Land letztlich auch zugesprochen. Anfang des 18. Jahrhunderts war ein gewisser Graf von Meyerfeldt Generalgouverneur für Rügen und Vorpommern. Der fand Nehringen wie ich bezaubernd und ließ sich 1720 ein Gutshaus und zwei angrenzende „Kavaliershäuser“ bauen, um Besuch unterzubringen. Vielleicht fand er Nehringen allerdings nicht nur bezaubernd, sondern vor allem „strategisch bedeutsam“. Schließlich hatten die letzten 20 Jahre vor seiner Ankunft die Dänen Pommern besetzt. Ein ständiges Hin und Her! &lt;br /&gt;Nicht umsonst stand hier auch einmal eine Grenzfeste, von der bloß noch die breite Ruine des so genannten „Fangelturmes“ im Gutspark übrig ist. Dort steht er seit dem frühen 14. Jahrhundert auf einem Hügel. Und wäre er nicht so baumumwachsen, könnte ich ihn von meinem Stubenfenster aus sehen, so wie die Kirche und das alte Pfarrhaus. &lt;br /&gt;Dicht heran darf man an den Fangelturm derzeit nicht. Er ist abgesperrt, weil er sich offenbar für seinen Zustand schämt und Zudringlinge mit zerbrochenen Backsteinen bewirft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Graf von Meyerfeldt jedenfalls ließ 1721 und in den folgenden sechs Jahren die Andreas-Kapelle von 1350 zur barocken Schlosskirche umgestalten. Dann war es vorerst gut, das Barock-Ensemble perfekt. Das heißt, 1744 musste der 1598 gebaute Kirchturm neu errichtet werden. Irgendwie hört so etwas schließlich nie auf.&lt;br /&gt;1730, als die Arbeiten an der Kirche abgeschlossen waren, wurde übrigens noch ein Pfarrwitwensitz gebaut, eine einfache Kate, die ebenfalls erhalten ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Nehringen, dem zeitweiligen Garnisonsort, ging es wie in ganz Mecklenburg-Vorpommern nicht immer so friedlich zu, wie es den Anschein hat. Die Herzogsfamilien des Nordens machten sich früher das Leben schwer, weil oft viele Familienmitglieder gleichzeitig regieren wollten. Da zerstückelte man dann schon mal seinen Erbbesitz, was die Machtposition natürlich schwächte. &lt;br /&gt;Kein Wunder, dass im 30-jährigen Krieg Wallenstein Regent in Mecklenburg wurde und auch Pommern nach aller Kriegskunst verwüstete. &lt;br /&gt;In dieser Zeit muss die Wehrmauer des Nehringer Kirchhofs mit seinen Schlüsselschießscharten entstanden sein. Ob dort allerdings jemals Flintenläufe rausguckten, weiß ich nicht zu sagen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJAxW0RQI/AAAAAAAAAFM/T3HHi9m8kM4/s1600-h/DSC00128.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJAxW0RQI/AAAAAAAAAFM/T3HHi9m8kM4/s200/DSC00128.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123417434941048066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Dass sich in Nehringen alle zusammengehörigen Barockbauten erhalten haben, ist gar nicht selbstverständlich. Denn die mussten vor allem 40 DDR-Jahre über standhaft bleiben. Und hätte sich der hier ansässige Küster, Herr Bergemann, von dem wohl bereits die Großeltern auf dem Kirchhof liegen, damals nicht so stark für den Erhalt der St.-Andreas-Kirche gemacht, wäre diese wohl mitsamt Mehmel-Orgel, Kanzel, Decken- und Tafelgemälden, Beichtstuhl und Patronatsloge abgerissen worden. &lt;br /&gt;Heute steht die Kirche unter Denkmalschutz und der Herr Bergemann hat für seine gute Tat das Bundesverdienstkreuz erhalten. &lt;br /&gt;Ein zweites Kreuz sollte man im übrigen für denjenigen bereitlegen, der sich für die dringend erforderliche Sanierung des Gutshauses und Fangelturmes stark macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich mir ohne Furcht vor fallenden Steinen die Kirche und den Kirchhof in Ruhe besah, tuschelten die gelben Blätter der verschnittenen Linden über mir bewegt wie alte Leute. Was der Fremde hier wohl tue? Ich antwortete nicht, sondern lauschte in den goldenen Oktober hinein: drei Vögel hielten einen Schwatz, eine Biene brummte wie ein winziger Traktor vorbei, irgendwo kletterte ein Eichhörnchen einen Baum hoch.&lt;br /&gt;Auf dem Boden zwangen Moos und braunes Laub alte Grabplatten zur Ruhe. &lt;br /&gt;Ein mit Zäunchen umfriedetes Grabmal sah ich mir genauer an. Dort liegt ein Carl Freiherr von Pachelbel-Gehag-Ascheraden. Was für ein Name! Ob er mit dem süddeutschen Musiker – einem Bürgerlichen - verwandt war? Wohl kaum. Oder mit dem Rügener Baron von Ascheraden? Schon eher.&lt;br /&gt;Denn geboren wurde er 1859 in Zimkendorf. Das liegt bei Stralsund. Mit 82 Jahren starb er im benachbarten Keffenbrink, drei Jahre vor Kriegsende. Sein Titel ist auf der Grabplatte ablesbar, nicht aber, was er für ein Mensch war. Vielleicht ein pommerscher Stechlin, mit dem das Gute der alten Zeit wegstarb.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJghW0RRI/AAAAAAAAAFU/a0HyxOXT_iM/s1600-h/DSC00136.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJghW0RRI/AAAAAAAAAFU/a0HyxOXT_iM/s200/DSC00136.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123417980401894674" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ein Platz, den der Freiherr vielleicht wie ich besonders in sein Herz geschlossen hatte, ist die 1911 erbaute und von 1983 bis 1990 rekonstruierte Klapp- und Zugbrücke über der Trebel. Auf ihr stand ich oft bei bestem Herbstlicht und blinzelte übers Wasser und bewachsene Moor. Hier war der „Pass von Nehringen“, der sonst schwer zugänglichen Landesgrenze. &lt;br /&gt;Von dieser Holzbrücke aus wanderte ich ins Mecklenburgische, nach Wasdow oder einmal nach Groß Methling:&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJ7BW0RSI/AAAAAAAAAFc/KgAlnBb96Fo/s1600-h/DSC00139.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJ7BW0RSI/AAAAAAAAAFc/KgAlnBb96Fo/s200/DSC00139.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123418435668428066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Landschaft hatte die Ruhe weg und der Himmel war so weit, dass mein Geist wieder zu fliegen lernte. &lt;br /&gt;Über dem Weg, der wie die Abzugsgräben die Trebelniederung durchschneidet, lagen in Kopfhöhe Spinnfäden. Auf dem Boden krochen Raupen und Käfer, waren Spinnen und Schnecken unterwegs, in der Luft Eintagsfliegen und Schmetterlinge, die wie ich das Wetter für einen Ausflug nutzten. &lt;br /&gt;Ganz in meiner Nähe landete lautlos ein Schwarzer Milan. &lt;br /&gt;Dafür knisterte und flatterte im Gesträuch von den kleineren Vögeln und Phantommäusen. Nur einmal sah ich so eine Maus. Sie lag frisch erlegt vor mir auf dem Weg. Der Milan wird sie zuvor fallen gelassen haben, um mir zu bedeuten, wer der Herr im Revier sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gesamte Natur war beseelt und hielt ihre Andacht. Mir war, als beobachte sie mich mit stockendem Atem, ob ich ihrer auch wirklich gewahr würde. &lt;br /&gt;„Ja!“, schrie der Milan. Ja, dachte ich, ja!&lt;br /&gt;Ein mir entgegenkommendes Auto schunkelte trunken von Schlagloch zu Schlagloch und wirkte dabei recht albern. Nur der Fahrer musterte mich bierernst. &lt;br /&gt;Überhaupt schienen alle Autofahrer sich zu fragen, was einer wie ich hier tue, so allein im Niemandsland. &lt;br /&gt;Ich wusste es.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKTBW0RTI/AAAAAAAAAFk/nUgrVm7wijE/s1600-h/DSC00141.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKTBW0RTI/AAAAAAAAAFk/nUgrVm7wijE/s200/DSC00141.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123418847985288498" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Im angrenzenden Auenwald bemerkte ich neben dem inzwischen befestigten Weg eine Ansammlung von Feldsteinen, die sich von anderen auf Feldern zusammengetragenen Haufen darin unterschied, dass es in der Mitte eine Mulde gab. Vielleicht stand ich vor einem in Vorzeiten geplünderten Hühnengrab. Davon gibt es ja sehr viele in Norddeutschland. &lt;br /&gt;Darüber grünte noch der Ahorn im Schatten der Buchen. &lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKshW0RUI/AAAAAAAAAFs/j7QXAqFWs8M/s1600-h/DSC00150.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKshW0RUI/AAAAAAAAAFs/j7QXAqFWs8M/s200/DSC00150.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123419286071952706" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Beim Weitergehen hörte ich auf den Herzschlag meiner Schritte, dachte an die fahrenden Romantiker und fühlte mich, so aus der Zeit geworfen, recht wohl. Das Haus, in dem ich untergekommen war, ist übrigens eine alte Bauernkate von 1805, dem Jahr als Schiller starb. Auch daran musste ich unterwegs denken. &lt;br /&gt;Bei ein paar weidenden Kühen, die nicht mal muh machten, blieb ich stehen und lauschte wieder in den Nachmittag. Es war nichts zu hören als die heiseren Rufe einer weiteren Wildgansformation am Himmel, nichts zu sehen außer Himmel und Erde und ein paar Rauchzeichen dazwischen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoLBhW0RVI/AAAAAAAAAF0/zKR3g7py0t4/s1600-h/DSC00143.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoLBhW0RVI/AAAAAAAAAF0/zKR3g7py0t4/s200/DSC00143.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123419646849205586" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Am Ende meiner Woche sah ich vor der Rückfahrt ein letztes Mal aus dem Stubenfenster zum alten Pfarrhaus über die Straße. &lt;br /&gt;Hier muss der Freiherr von Pachelbel vorbeigegangen sein, um sich die neue Trebelbrücke zu besehen, dachte ich. Die Fenster des Pfarrhauses werden da schon schräg in ihren abgesenkten Fächern gesteckt haben. Aber es gab noch kein Moos auf dem Dach. &lt;br /&gt;Von nebenan, aus einem Fenster des Pfarrwitwensitzes heraus, wird den Freiherrn eine alte Dame beobachten haben. &lt;br /&gt;„Der Herr Carl ...“, hat sie vielleicht gedacht. &lt;br /&gt;Und dann wurde es Herbst. Endgültig. So wie jetzt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4034112753611370337?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4034112753611370337/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4034112753611370337' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4034112753611370337'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4034112753611370337'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/10/091-nehringen.html' title='091 | Nehringen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoISRW0ROI/AAAAAAAAAE8/D5GRUtG8Jys/s72-c/DSC00129.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2876543144192873481</id><published>2007-10-11T21:33:00.000+01:00</published><updated>2007-10-11T22:39:55.924+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>090 | Brandenburg ...</title><content type='html'>Letztens war ich in Brandenburg, der Stadt. Dabei hatte ich trotzdem den Ohrwurm von Rainald Grebe im Kopf, der sich nicht auf die „Wiege der Mark“, sondern auf das Land bezieht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt. Was soll man auch machen mit siebzehn, achtzehn in Brandenburg ...“&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6U1RW0RAI/AAAAAAAAADM/XM9c1F2TQFE/s1600-h/DSC00100_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6U1RW0RAI/AAAAAAAAADM/XM9c1F2TQFE/s200/DSC00100_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120193469279912962" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;So schlimm war es natürlich nicht. Aber dennoch: Selbst Freunden erscheint das erinnerte Brandenburg an der Havel trist und seelenlos. Obwohl es noch diese gefühlte Seele, diese gefühlte DDR gibt. Dort, wo die Stadt im Westen angekommen ist, wo saniert und gebaut wurde, entsteht bei demografischer Rückschrittlichkeit leider bloß der traumhafte Eindruck eines potjomkinschen Dorfes. Beispielsweise vor der wunderschönen Jugendstilvilla Lehmann in der Plauer Straße. &lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VTRW0RBI/AAAAAAAAADU/ZhPQHH0Hdec/s1600-h/DSC00097_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VTRW0RBI/AAAAAAAAADU/ZhPQHH0Hdec/s200/DSC00097_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120193984675988498" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Authentischer wirken irgendwie die zerfallenen Bauten oder gar mutwillig Zerstörtes - wie der Webcam-Monitor auf der Brücke am Domstreng und der Parkautomat davor. Das ist Brandenburger Jugendkultur wie sie im Rufe steht! Da steht sie sogar Berlin in nichts nach. Für den fehlenden wirtschaftlichen Antrieb Brandenburgs springen Fördervereine und Förderprogramme als Ersatzmotoren an. Der Rest ist Schläfrigkeit, trotz der hübschen Beschreibung des „Lebens in der Stadt“ in der Webpräsenz.  &lt;br /&gt;Die Alte Mühle am Mühlendamm illustriert den Zustand Brandenburgs: Ein sanierter und ein ruinierter Gebäudekomplex werden von einer Brücke verbunden. Darunter fließt Wasser, fließt Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter westlich, am Salzhofufer, sitzen die Trinker. Sie haben sich viel Würde im Verborgenen bewahrt und stieren fatalistisch wie Angler auf die Niedere Havel. Als würde dort eines Tages eine Antwort vorbeischwimmen oder ein Schiff anlegen, das sie mitnimmt.&lt;br /&gt;Nach einer Zeitreise ins 11. Jahrhundert wird ihnen wahrscheinlich nicht der Sinn stehen, vielleicht aber der damit verbundene Weg, der aus dem Schlamassel herausführen kann: Auf dem 11.000qm großen Areal direkt hinter ihnen bietet die BAS (Brandenburg an der Havel Arbeitsförderungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft mbH) gestrandeten Existenzen die Möglichkeit dafür. Ganz im Sinne der experimentellen Archäologie entstand und entsteht dort ein Slawendorf, das mehr ist als ein Abenteuerspielplatz für Schülergruppen oder ein Mittelalterfest für Besucher. Hier lernt man über archaische Arbeitsprozesse seinen menschlichen und sozialen Wert kennen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6W5RW0RFI/AAAAAAAAAD0/9mveNoX5JQQ/s1600-h/DSC00086_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6W5RW0RFI/AAAAAAAAAD0/9mveNoX5JQQ/s200/DSC00086_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120195737022645330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der tatsächlich im Mittelalter entstandene Dom („norddeutsche Backsteingotik“) enthält so viele erwähnenswerte Kunstschätze, dass man genügend Leute damit langweilen könnte. Interessanter ist wie so oft, was vielleicht nicht im Reiseführer steht. Da wären die sogenannten Drolerien zu nennen. Das sind im Brandenburger Dom an die Gewölbedecke gemalte Wasserspeier-Köpfe, die allerdings kein Wasser spucken sollen. Denn sabbern die offenen Münder, zeigen sie an den Stellen, wo einzelne Backsteine fehlen, ein undichtes Dach an. Auf Ideen kamen die Leute ...&lt;br /&gt;Überhaupt die Backsteine. Da wurde früher von Tüchtigen eine Bodenfläche ausgehoben und wieder mit Lehm, Ton, Wasser, Sand und Pferden gefüllt. Jawohl, mit Pferden. Die stampften über Wochen alles zu Matsch und gaben Urin als Konservierungsmittel dazu. Der verhinderte Salpeter am späteren Mauerwerk. Darauf muss man auch erst mal kommen!&lt;br /&gt;So ein in Form gebrachter Matsche-Stein wog seine 9 kg. 600 Stück davon musste ein Arbeiter in 12 Stunden pro Tag fertigen, bevor er als Wackerstein ins Bett fallen konnte. &lt;br /&gt;Steine ganz anderer Art befinden sich am Haupteingang des Domes. Dort sieht man erhobenen Hauptes fabelartige Szenen auf Kalksteinkampfern: Ein Fuchs als Priester predigt den Gänsen, bevor er sich auf sie stürzt und dafür letztlich hingerichtet wird. Vis-á-vis spielt ein Affe Schach, daneben lässt sich ein Hebekran erkennen ... Der Sinn erschließt sich nicht überall. Was die Sache für mich spannend macht. Wer hinterließ solche Rätsel?&lt;br /&gt;Und was waren das für junge Männer, welche ihre Namens im 16. Jahrhundert ins Chorgestühl ritzten? „Peter“ steht dort, glaube ich mich zu erinnern, und „Johannes Stabe“. Ob es irgendwo noch mehr Spuren von diesen „Scratchern“ gibt? In einem Archiv, einem Kirchenbuch? Wer waren Peter und Johannes?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor etwa 10 Jahren wanderte ich im Herbst mit einem Freund zwischen Jena und Auerstedt herum. Wir wollten auf den Feldern der Schlacht von 1806 eine Nachlese halten, Patronenhülsen oder Koppelschlösser finden. Außer einem verendeten Bussard fanden wir jedoch nichts. Aber mein Freund, der Hobby-Archäologe, zeigte mir bei sich bereits gefundene Schätze. Da war nichts, was das Denkmalamt auf den Plan rufen könnte: ein paar Scherben von „frisch abgeregneten Äckern“, nicht mehr. Doch eine dieser Scherben war sein ganzer Stolz. Ich konnte nur zuerst nicht erkennen, warum. Sie war terrakottafarben, klein und ohne Muster. „Aber der Fingerabdruck!“, sagte mein Freund. „Vor beinahe 2000 Jahren hat ein römischer Töpfer auf genau dieser Scherbe seinen Fingerabdruck hinterlassen!“ Das beeindruckte mich.&lt;br /&gt;Und es ist wie mit den Namen im Chorgestühl, nur bescheidener, weil zufällig. &lt;br /&gt;Was bleibt insgesamt von menschlichen Spuren im kollektiven Gedächtnis erhalten? &lt;br /&gt;Im Brandenburger Dom hängt das Familienwappen derer von Katt. Es zeigt eine Katze mit erlegter Maus im Maul. Der berühmteste von Katt ist als Katte durch seinen Tod für den geliebten preußischen Thronfolger Friedrich II. bekannt, der mit ihm stiften gehen wollte. Das mit dem Tod weiß man. Wer weiß aber etwas über Kattes Leben? Er bleibt als die Maus aus seinem Familienwappen in Erinnerung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der St.-Petri-Kapelle neben dem Dom hängen an der Empore die Wappen anderer honoriger Familien, zum Beispiel das der von Ribbecks aus dem Havelland. Wie viele Familienmitglieder dieses Namens wird es gegeben haben und geben? Und wie viele ungeschriebene Romane gehen damit einher? Was aber erinnert wird, ist eine Birne, ist ein Gedicht aus der Feder eines ganz anderen „Fon“.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VuRW0RCI/AAAAAAAAADc/4INYxRpjKxU/s1600-h/DSC00083_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VuRW0RCI/AAAAAAAAADc/4INYxRpjKxU/s200/DSC00083_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120194448532456482" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Petri-Kapelle ist übrigens nur selten zugänglich, zumeist bei Kunstausstellungen. Eigentlich viel gab es auch nicht zu sehen, doch empfand ich die Atmosphäre als äußerst erwähnenswert. Der Gang durch den verwilderten Vorgarten, in dem ein Holzkahn modert, war wie der Eintritt durch eine geheime romantische Pforte. Dazu das stille Herbstlicht ... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WHRW0RDI/AAAAAAAAADk/iLXCRv8yld0/s1600-h/DSC00084_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WHRW0RDI/AAAAAAAAADk/iLXCRv8yld0/s200/DSC00084_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120194878029186098" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Kapelle roch es nach alten Zeiten, Kirchenbüchern und Familiengruften. Das weiße Zellengewölbe kontrastiert dort alles etwas futuristisch. Die offenen Sakramentsnischen sind leer, wirken aber vollkommen. Und dass der letzte Slawenfürst Brandenburgs unter der Kapelle begraben sein soll, war fühlbar möglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WjBW0REI/AAAAAAAAADs/vO8M9AG_9js/s1600-h/DSC00079_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WjBW0REI/AAAAAAAAADs/vO8M9AG_9js/s200/DSC00079_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120195354770555970" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Brandenburg. Brandenburg ist nichts Homogenes, sondern die Summes aus Eindrücken. Brandenburg hat Potential, ist Berlin im Kleinen, nur verwurzelter, weniger sexy, aber genauso arm. Genauso reich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2876543144192873481?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2876543144192873481/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2876543144192873481' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2876543144192873481'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2876543144192873481'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/10/090-brandenburg.html' title='090 | Brandenburg ...'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6U1RW0RAI/AAAAAAAAADM/XM9c1F2TQFE/s72-c/DSC00100_OT.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1109284171649958966</id><published>2007-09-18T20:25:00.001+01:00</published><updated>2007-09-20T21:38:32.217+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>089 | Wieder in Dresden</title><content type='html'>Am Wochenende befand ich mich bei ungeahnt mildem Wetter in Dresden. Ein liebes Freundespaar heiratete, und die Sonne erwärmte sich ordentlich für sie. &lt;br /&gt;Nach einer Art Polterabend in der Wohnung der Brautleute zog ich vor Mitternacht mit dem Bräutigam und seinen männlichen Gästen zur Junggesellennacht aus. Es ging zur Wiedereröffnung der legendären Kakadu-Bar im Stadtteil Weißer Hirsch. Sogar ein Film wurde vor 3 Jahren danach benannt („Der rote Kakadu“), aber der floppte. &lt;br /&gt;In den 50ern war die Bar ein szeniges Tanzlokal, ein Jazz- und Rock´n´Roll-Keller. Jetzt tanzt dort Schicki mit Micki, paffen Designerbrillen teure Zigarren am Tresen. &lt;br /&gt;Die Inneneinrichtung der Bar ist schon beeindruckend, die Kellner sind perfekt gekleidet und geschult. Da lässt sich nichts sagen. Aber der Kakadu wurde wiederbelebt und auf schwarze Zahlen abgerichtet, womit der Mythos stirbt. Denn der Geldadel bringt selten wahre Rock´n´Roller zum Vorschein. Der Mythos wird von Anzugträgern totgetanzt, die sich steifhüftig vor schönen Frauen bewegen. Als Beobachter kam ich mir wie ein „Englishman in New York“ vor, nur eben umgekehrt. Und trotz der schummrig-warmen Beleuchtung fröstelte es mich deshalb ein wenig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach viel zu wenig Schlaf ging es morgens zum Standesamt der prachtvollen Villa Weigang, in der jeden Sonnabend 20 Paare heiraten. &lt;br /&gt;„Bitte Ruhe! Eheschließung!“ empfängt eines von vielen typisch deutschen Schildern, bevor alle Beteiligten kleinlaut die neu-kurfürstliche Amtsstube betreten. Gerade mal „ja“ durfte das Brautpaar nach einer gewöhnlichen Zeremonie sagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entspannt lief unsere Gesellschaft hinterher an der Elbe entlang zum berühmten SchillerGarten, wo direkt neben dem Blauen Wunder erstklassig gebruncht werden sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schiller war zwischen 1785 und 1787 auf der gegenüberliegenden Elbseite Gast eines Freundeskreises um Christian Gottfried Körner, Vater des dichtenden Befreiungskriegers Theodor. Man kümmerte sich um den mittellosen Schiller. Und Körner wurde für ihn nach dessen Tod nicht nur Verleger der ersten Gesamtausgabe seiner Werke, sondern zu Lebzeiten neben Goethe auch wichtigster Freund. Von der körnerschen Gastfreundschaft begeistert schrieb Schiller seine „Ode an die Freude“. &lt;br /&gt;In der später nach Schiller benannten Schankwirtschaft lernte der Dichter Justine, die anmutige Tochter der Wirtin, kennen, welche ab und zu die Gäste bediente. Sie musste, nachdem sie ihm sein Glas Milch gebracht hatte, mit ihrer schönen Stimme am Spinett vorsingen. Schauspielerin sollte sie werden, befand Schiller enthusiastisch. Aber das schickte sich damals nicht. So wurde sie Anwaltsgattin und Senatorenwitwe, bevor sie 93-jährig verstarb. Schiller machte sie aber zuvor als „Gustel von Blasewitz“ im Wallenstein unsterblich. Und hätte Schiller wie ich das Rührei mit Lachs im SchillerGarten genießen dürfen, hätte er sicherlich eine weitere Ode geschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende einer nachmittäglichen Auszeit fand die eigentliche Hochzeitsfeier auf dem Schloss Nöthnitz statt, was einmal „Viehhof“ bedeutete und nun für Studienzwecke oder Feierlichkeiten zugänglich ist. &lt;br /&gt;Bis heute ist nicht nur der Baumeister des Renaissance-Schlosses unbekannt, sondern für viele Dresdner sogar das Schloss selbst. Obwohl es nur 10 Autominuten vor der Landeshauptstadt liegt, musste der Taxifahrer gelotst werden.&lt;br /&gt;Dabei ist das Anwesen durch Winckelmann berühmt geworden, welcher als erster Kunsthistoriker und Archäologe überhaupt gilt. Der Sohn eines Schusters arbeitete von 1748 bis 1754 in der Bibliothek des Schlosses und durfte die 40.000 Bücher umfassende Sammlung für private Forschungen nutzen. Nach Dienst, versteht sich. Was hieß, dass er sich von 3.00 Uhr bis 7.00 Uhr morgens und ab Feierabend bis weit in die Nacht mit der Antike beschäftigte. Offenbar kam der Mann ohne Schlaf aus. &lt;br /&gt;Später unternahm er Studienreisen nach Italien, verfasste wissenschaftliche Schriften und sorgte dadurch dafür, dass der Klassizismus den Rokoko ablöste. &lt;br /&gt;Mit 50 Jahren fiel Winckelmann einem Raubmörder zum Opfer. Da der Kunsthistoriker schwul war, könnte das bei seinem Tod allerdings auch eine gewisse Rolle gespielt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz klar, dass viele der Schlossräume mit Bücherschränken, Abgüssen römischer Skulpturen und Veduten-Stichen ausgestattet sind. Der Rokoko-Festsaal jedoch atmet ganz den Geist des Ancien Régime: herrschaftliche Ölgemälde vor heller Purpurtapete aus Damast, ein stucküberdachter Kronleuchter in der Mitte des Raumes. &lt;br /&gt;Aber vor allem das Abendmenü sorgte dafür, dass ich mich recht nobel fühlen konnte: Vitello tonnato und andere Antipasti eröffneten nach der Rede des Bräutigams den lukullischen Reigen. Mit Poularde, Rinderragout oder gefüllten Crépes, Weiß- oder Rotwein tanzte die Zunge sich vor zum Dessert. Wahlweise gab es Zuppa inglese, Tiramisú oder Apfeltarte aus Blätterteig. Dazu Crémant und natürlich Prosecco. &lt;br /&gt;Die Gäste rekrutierten sich aus Schauspielern, Musikern und anderen Kreativen. Statt dröger Sättigungsspielchen und vieler Reden wurde am Flügel gespielt und gesungen. &lt;br /&gt;Bevor es um Mitternacht ans Tanzen ging, spielten die zwei engagierten DJ´s Free Jazz. Ich als Banause sah, dass sie ihr Saxophon und Schlagzeug beherrschten, aber hörte es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insgesamt hielten mich meine Begeisterung und die netten Gespräche bis in die frühen Morgenstunden wach. Und die Begeisterung hält noch an. &lt;br /&gt;Diese Hochzeit war nicht nur im eigentlichen Wortsinn ein Fest. Denn ich traf jede Menge Menschen, die nicht nur interessant, sondern vor allem auch sympathisch waren. So wie Dresden, in das ich mich von Besuch zu Besuch mehr vergucke. Nu, nu!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1109284171649958966?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1109284171649958966/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1109284171649958966' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1109284171649958966'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1109284171649958966'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/09/089-wieder-in-dresden.html' title='089 | Wieder in Dresden'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2642624937974304282</id><published>2007-09-06T21:07:00.000+01:00</published><updated>2007-09-06T21:11:34.554+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>088 | Summer´s almost gone</title><content type='html'>Lebkuchen zum Kaffee, Regen wie im Oktober und mit Strickjacke am Schreibtisch sitzen. All das deprimiert mich nicht wirklich. Mit etwas mehr Zeit würde ich das Couchwetter sogar genießen. Aber wenn ich „Fallende Blätter“ von Element of Crime höre oder „Summer´s almost gone“ von den Doors, dann wird mir schon zugig ums Gemüt. Eben dort, wo es vor kurzem noch leise liebliches Geläute gab. &lt;br /&gt;Irgendwie endet jedes Jahr mit dieser September-Melancholie. Denn was danach kommt, ist kaum erwähnenswert. Um so schlimmer, wenn die Bäume jetzt noch auf Grün stehen und selbst Altweibersommertage als Frist das Ende höchstens verlängern helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Sommer war nicht groß, beseh´ ich mir die magere Ausbeute: viel Arbeit und wenig Muße zum satt werden. Allerdings gab es gute und bessere Momente. So war ich bei einem SEEED-Konzert und tanzte gleich auf mehreren Hochzeiten. Ich saß aber nicht ein einziges Mal im Biergarten oder am Meer. Dafür in Mecklenburgs Mitte, wo es wegen der Einsamkeit weitaus schöner sein kann. &lt;br /&gt;Und wie ich diese Landschaft liebe! Den Geruch von Wasser, Wildwiesen und Wäldern. Den Anblick zerfallener Gehöfte und liebevoll sanierter Katen. &lt;br /&gt;Auf Mecklenburgs Seenplatte gibt es Himmel im Großbildformat, mit Schwalbenschrillen und mehr sichtbaren Feldsteinen als Menschen. &lt;br /&gt;Mich fasziniert, dass es so bereits in meiner Kindheit war und wohl auch vor 200 Jahren. Nur stehen heute andere Bengel an der Elde in Plau und angeln wie Huck Finn nach Barschen. &lt;br /&gt;Stehen bleiben. Gedanklich zurückreisen. So immunisiert sich der Großstadtallergiker. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gern würde ich wie Eichendorffs Taugenichts mein Ränzlein packen und in die weite Welt hinauswandern. Dem Sommer und der Romantik hinterher. Und vielleicht tue ich es auch eines Tages. Wenn es möglich und Zeit ist. Durch Brandenburg nach Norden. Oder südwestlich in den Harz. Mit Fontane oder Heine als Begleiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diesen Sommer ging ich höchstens spazieren, am Nordrand der Schwäbischen Alb. Hätte ich Urlaubskarten verschickt, stünde auf ihnen: Wetter gut, Landschaft gut, Essen gut. &lt;br /&gt;Hätte ich einen langen Brief nach Hause verfasst, schriebe ich, dass mir die Heimat fehlt. Und damit meine ich die Natur, die einen Dialekt spricht, welchen das Herz am besten versteht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Draußen wird es bereits dunkel und richtig kalt. &lt;br /&gt;Aber ehe ich noch die letzte, die existentielle Strophe aus Rilkes „Herbsttag“ deklamiere, lautet mein lapidares Fazit: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sommer war nicht groß, aber: Herr, es ist Zeit!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2642624937974304282?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2642624937974304282/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2642624937974304282' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2642624937974304282'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2642624937974304282'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/09/88-summers-almost-gone.html' title='088 | Summer´s almost gone'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1479816731497841684</id><published>2007-07-08T20:19:00.000+01:00</published><updated>2007-07-08T20:21:49.986+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>087 | "Die schönsten Franzosen kommen aus New York"</title><content type='html'>Gestern war ich in der Neuen Nationalgalerie, um mir die französischen Meisterwerke aus dem 19. Jahrhundert anzusehen, welche das New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgeliehen hatte. Nach der MoMA also ein weiteres Massenspektakel.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Obwohl ich mir vor und zu Bildern gerne eigene Gedanken mache, gönnte ich mir einen Audioguide. Das hatte den Vorteil, dass ich mehr sah, weil ich mehr erfuhr. Außerdem bekam ich nicht viel von den überflüssigen Bemerkungen der anderen Ausstellungsbesucher mit. Nur einmal hörte ich einen Mann sagen: „Hier kann ich mich nicht in die Bilder versenken!“ Was hatte er auch erwartet? Man geht ja schließlich nicht in die Disco und beschwert sich darüber, dass man sich nicht in Ruhe unterhalten könne. &lt;br /&gt;Mir gelang hingegen die zeitweilige Zwiesprache mit den Gemälden. Mal halfen die ersten Takte von Debussys „Clair de lune“ nach, mal sprach mich ein Bild direkt beim Vornamen an. Und es waren nicht immer die bekanntesten. Hier eine Idylle aus farbigem Licht, dort ein entrückter Gesichtsausdruck. Ich konnte mich in der „Disco“ tatsächlich etwas „versenken“. Es war wie eine VIP-Party, auf die ich mich gefreut hatte, bei der ich innehielt und die Prominenz in Ruhe betrachtete: Ingres, Degas, Manet, Monet, Renoir, Cézanne, Gauguin, Van Gogh ...&lt;br /&gt;Auf einen alten Bekannten freute ich mich ganz besonders: Modigliani! Hier rückte er wieder in mein Bewusstsein, mit seinen Porträts und Akten voller Poesie. Obwohl Konturen und Flächen auf das Wesentliche zurückgeworfen sind, lassen sich Tiefe und Melancholie perfekt ausloten. Hinterstrahlt von Künstlerlegende und finaler Tragik: 1920 starb der junge alkoholkranke Bohemian an  Typhus und ließ eine schwangere Frau und ein kleines Mädchen zurück. Aber Jeanne, so hieß seine 19-jährige Geliebte, stürzte sich einen Tag später vom Dach ihres Hauses in den Tod. &lt;br /&gt;Modiglianis Tochter wuchs bei einer Tante in Florenz auf und wurde später die Biografin ihres Vaters. Eine therapeutische Lebensaufgabe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor vielen Jahren reizte es mich, so zu leben wie Modigliani. Oder wie Jim Morrison. Nur wollte ich natürlich nicht so enden. Dann lieber wie Oscar Wildes Dorian Gray, der alle erdenklichen Gifte in sich aufnimmt, welche man ihm aber nicht ansieht. Eine alterslose Stil-Ikone der Jugend. Heute betrachte ich das Altern als philosophische Notwendigkeit, um sinnvoll mit dem Zeit-Guthaben umzugehen. Und ich lebe meistens vernünftig. Das ist die Voraussetzung für Dauer und Zufriedenheit. Aber das reicht natürlich nicht. Manchmal muss man sich eben etwas Gift unter die Hausmannskost mischen, um auf das Wesentliche zurückgeworfen zu werden, um Tiefe und Melancholie auszuloten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ließen mich die drei ausgestellten Modigliani-Bilder still und nachdenklich werden, so entzündeten Van Goghs „Schwertlilien“ und „Zypressen“ ein regelrechtes Feuer der Begeisterung in mir. Van Goghs Malerei muss man im Original betrachten, um sie fühlen zu können. Eine wahnsinnige Lebensgier scheint den glühenden Pinsel geführt zu haben, der züngelnde und qualmende Spuren hinterließ. Denn bei Van Gogh war alles Opferfeuer für die Sonne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die „schönsten Franzosen“ oder die Créme de la créme aus New York ist massengefällige Kunst, keine Frage. Aber das war sie ja nicht immer. Und wenn man seinen eigenen Weg durch die Ausstellung nimmt, seine Erfahrung in den Bildern widerspiegelt, dann hat das Ganze auch bewusstseinserweiterndes Potential. Man muss nur genau hinsehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die VIP-Party ist übrigens noch bis zum 7. Oktober in vollem Gange.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1479816731497841684?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1479816731497841684/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1479816731497841684' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1479816731497841684'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1479816731497841684'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/07/087-die-schnsten-franzosen-kommen-aus.html' title='087 | &quot;Die schönsten Franzosen kommen aus New York&quot;'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2940711639915866528</id><published>2007-05-18T20:08:00.000+01:00</published><updated>2007-05-31T19:01:57.888+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>086 | Alte Karten und Briefe</title><content type='html'>Meine größten Schätze bewahre ich im Oberstübchen auf: in zwei Kartons auf dem Dachboden. In dem einen befinden sich Fotos und Schriftstücke meiner Familiengeschichte, in dem anderen Briefe und Ansichtskarten, die ich früher erhielt. &lt;br /&gt;Die erste Post erreichte mich bei der Kur. Da war ich vier Jahre alt und fühlte mich sehr einsam, denn Mutter-Kind-Kuren waren noch nicht erfunden. Die Prinzenrolle von meiner West-Oma, welche Knabbertrost hätte spenden können, wurde mir aus Gründen einer ausgewogenen Ernährung abgenommen und beim separaten Kaffeekränzchen meiner Erzieherinnen konsequent vernichtet. Ich sah es, als ich mich wegen irgendeiner Frage vertrauensvoll an sie wenden wollte.&lt;br /&gt;Abends sang Reinhard Lakomy melancholisch zu Sandmanns Abendgruß: &lt;br /&gt;"Geschichten erzählen von Freude und Fleiß, Geschichten erzählen, die noch keiner weiß. Frag doch die Leute, frag doch die Leute ... frag die Leut." Da wurde ich noch trauriger. &lt;br /&gt;Wie unbeschwert sahen dagegen meine Eltern auf dem alten Hochzeitsfoto aus, das ich mir an einen freien Nagel übers Bett gehängt hatte. Von ihnen erhielt ich die meiste Post, vor allem Ansichtskarten, weil ich noch nicht lesen konnte. Ich sah sie mir immer vor dem Einschlafen an. Nach vier Wochen konnte ich die Karten bereits thematisch sortieren: Tiere, Sandmannfiguren, Karten mit Berlinmotiven, Karten aus dem Indianermuseum Radebeul, Szenen aus Rotkäppchen. Dieses Märchen spielte ich als erstes nach, schließlich kannte ich es auswendig. Später dachte ich mir Dialoge für die Kartentieren aus. Die Rückseite eines Stuhles war meine Puppentheaterbühne.&lt;br /&gt;Briefe, welche meine Erzieherin nach Hause schickte, sind ebenfalls erhalten. Ich zeichnete dazu mit dem Buntstift Schiffe, Häuser und Gärten, aber auch einen Jungen mit Schirmmütze, der an vielen Luftballons hängt und am Fernsehturm vorbeifliegt, nach Hause.&lt;br /&gt;Als mich meine Eltern vom Bahnhof abholten, sollte ich sagen, welche Veränderung ich bei meinem Vater feststellen konnte. Eine neue Jacke? Die Sonnenbrille? Ich wusste es nicht. Es war der Bart. Mein Vater hatte sich einen Vollbart wachsen lassen, und mir war es nicht aufgefallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Post, die ich im Ferienlager erhielt, erscheint mir heute weniger bedeutsam, obwohl ich nach dem Mittagessen immer ganz aufgeregt war, ob was für mich dabei wäre. Wichtiger waren Briefe, die wir Kinder uns nach jedem melodramatischen Abschied zuschickten, als der Heimatalltag uns wieder hatte. Wir nahmen uns fürs nächste Jahr vor, gemeinsam im selben Durchgang dabei zu sein, was wegen der Urlaubsplanung unserer Eltern jedoch nicht immer klappte. Nach zwei, drei Briefwechseln schlief die Schreiblust stets wieder ein. “Aus den Augen, aus dem Sinn” hatte meine Mutter gesagt. Und ich wollte es nie wahrhaben. &lt;br /&gt;Manchmal entspann sich jedoch eine Brieffreundschaft, die Jahre hielt, bis zum Ende der Kindheit oder spätestens bis zum Prüfungsstress in der 10. Klasse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wertvollste Post ist aber die der Jugendlieben: Briefe mit Herzchen, Gedichten, gepressten Blättern. Manchmal auch nur ein herausgerissener Zettel mit einer Adresse, einem übermütigen oder schmollenden Satz. &lt;br /&gt;Gestern las ich mir einiges davon durch. Eine Anke P. lernte ich 1988 kennen. Das heißt, wir sahen uns höchstens dreimal. Sie war in der 9. Klasse, ich in der 11. Die Herbstferien verbrachte sie bei einer Tante auf dem Dorf. Anke schrieb mir Tagebuch-Briefe. Von der Öde dort, aber auch von einer merkwürdigen Begegnung mit einem Hirsch. Der stand morgens so versteinert wie sie auf dem Waldweg und starrte sie an. Dann lief er weg. So ähnlich war das wohl auch mit uns. Unsere Wege kreuzten sich zufällig, und wir hatten noch keine Scheu voreinander, legten unsere Herzen bloß, liebten oder benutzten uns, bevor ich im Dickicht verschwand. Bis dahin war aber alles ungeplant und möglich. Obwohl sie Friseurin werden wollte.&lt;br /&gt;Meine Briefe wurden von Ankes Mutter nachgeschickt. Ich schrieb – sie zitierte mich – irgendetwas mit “Friedhöfen” und “zu sich finden”. Wie das eben so ist mit 16 oder 17. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es mag pathetisch sein, aber mit meiner Jugend ging auch die Ära des Briefeschreibens und In-sich-Hineinhorchens zu Ende. Denn Handyanrufe und E-Mails sind – philosophisch gesehen – kommunikatives Fastfood. Es sei denn, man druckt sich E-Mails aus. Aber selbst dann fehlt die Handschrift.&lt;br /&gt;Trotz dieser Erkenntnis bin ich allerdings auch nicht mehr zum computerlosen Briefeschreiben zu bewegen, was schade ist. Ich hüte, wie gesagt, nur noch meinen angegilbten Hort im Oberstübchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist schon verrückt, was in alten Briefen steht, wirkt oft so präsent, dass man gleich antworten möchte. Dabei wurde das meiste vor 20 Jahren aufgegeben. Und wie in Brechts Gedicht “Erinnerung an Marie A.”  - “Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer” - kann ich mich an manchen Namen, manchen Kuss von manchem Mädchen nicht erinnern. Und das ist sogar mehr als traurig. Denn was wird bleiben von unseren Erinnerungen, unseren Gefühlen, Worten und Taten? Ein Pappkarton mit Versatzstücken. Manches davon ist allerdings Impuls für weitreichende Erinnerungen. Z.B. ein Telegramm, in dem steht, wann ich in Bansin am Zeltplatz-Büro erwartet werde. Ich war 18 und wollte trampen. Mein Rucksack hatte Übergewicht, aber in mir traten alle Bands aus Woodstock noch einmal auf. Und obwohl ich von so gut wie keinem Autofahrer mitgenommen wurde, kam ich irgendwann auf Usedom an. Da mich wegen eines Missverständnisses niemand erwartete, schlief ich allein direkt am Meer. Abends wurden Strandfeuer entzündet. Bei Sonnenaufgang badete ich in der Ostsee. Am Vormittag trampte ich zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was sie wohl heute machen? Die, die mich einmal erwarteten und die, welche mich sitzen ließen. Die Verführung, nach ihnen zu googlen, ist groß. Brecht hat das wohl geahnt, als er sein lyrisches Ich an den Kuss unter einer weiß blühenden Wolke und einem Pflaumenbaum erinnern lässt: &lt;br /&gt;“Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen” ---&lt;br /&gt;“Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind.&lt;br /&gt;Doch jene Wolke blühte nur Minuten.&lt;br /&gt;Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.”&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2940711639915866528?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2940711639915866528/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2940711639915866528' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2940711639915866528'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2940711639915866528'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/05/086-alte-karten-und-briefe.html' title='086 | Alte Karten und Briefe'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2651693867656885786</id><published>2007-04-27T16:43:00.000+01:00</published><updated>2007-04-27T08:42:45.247+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>085 | Ablenzen in Dresden</title><content type='html'>Mal wieder raus. Bei dem Wetter! Nach Dresden. Denn Dresden ist Spurensuche im unbekannt Vertrauten. &lt;br /&gt;Einmal war ich wohl dort, als Kind, mit der Schulklasse im Hygienemuseum. Erinnern kann ich mich an die gläserne Frau und die schwarz-gelben Straßenbahnen, welche so ganz anders aussahen als die Berliner Trams. Dresden war fremd und ungemütlich. Vielleicht lag´s am Wetter, vielleicht am schwarzen Trümmerhaufen der Frauenkirche. Oder am Dialekt. Dresden, Leipzig, mir war es einerlei. Allerlei ist passiert seitdem.&lt;br /&gt;Dresden ist Wiederaufbau, und darin beständiger als Berlin. Ich berührte die Frauenkirche und dachte an Romain Rollands "Pierre und Luce", an den gleichnamigen Song der SKEPTIKER. Dresden ist wieder gepflegtes Barock, ist sinnliche Architektur. Nachts überquerte ich durchs Kronentor den Hof des Zwingers. Ich kam aus dem Schauspielhaus, wo ich das Songdrama "Ewig jung" gesehen hatte. Von der Augustus-Brücke sah ich einem Feuerwerk zu, das bei den Brühlschen Terrassen gezündet wurde. Dann zog ich weiter in die Neustadt, dem "Szeneviertel" Dresdens. Szeneviertel sind vor allem immer auch Touristenviertel. Da kann Dresdens Neustadt fast schon mit dem gefälligen Berliner Scheunenviertel mithalten. Im "El Cubanito" traf ich mit Schauspielern zusammen, einige von ihnen hatte ich vorher auf der Bühne gesehen. Mit Flaschenbier und Mojitos redeten wir uns an der Mitternacht vorbei, ohne auch einmal auf die Uhr zu sehen.&lt;br /&gt;Am Vormittag des nächsten Tages ging ich zum Elbufer zurück. Skater überholten Jogger, Jogger überholten Spaziergänger. Dasselbe Programm wie in Berlin, Hamburg oder München. Die gleichen Menschen vor wechselnder Kulisse.&lt;br /&gt;Das macht mir Dresden heute so vertraut.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2651693867656885786?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2651693867656885786/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2651693867656885786' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2651693867656885786'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2651693867656885786'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/04/ablenzen-in-dresden.html' title='085 | Ablenzen in Dresden'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4810064180262071106</id><published>2007-02-09T21:30:00.000+01:00</published><updated>2007-02-18T20:56:56.656+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>084 | Abfahrt &amp; Sushi</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4xfxaMHcI/AAAAAAAAACE/r4lvc1pOqWo/s1600-h/IMG_0410.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4xfxaMHcI/AAAAAAAAACE/r4lvc1pOqWo/s200/IMG_0410.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030012255728311746" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Schon am gestrigen Abend rauschten die Wellen ordentlich aufs Ufer. Wenn man sie nur hört und nicht sieht, hat es was Bedrückendes. So eine Art Post-Tsunami-Syndrom.&lt;br /&gt;Auf der Binzer Seebrücke, die ich wenigstens einmal betreten wollte und wohin sonst mein erster Weg führte, wollten die Fotos wegen der steifen Schneebrise schnell gemacht sein. Nur die Möwen hatten ihren Spaß und lachten alle Kapuzenträger aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wieder im Berliner Umland ging ich in „meinen“ Stahnsdorfer Sushi-Laden, wo die Misosuppe mit Butterfisch sogar besser schmeckt als die Fischsuppen, die ich auf Rügen bekam. Der edle Fisch als Einlage wird nämlich stets überschätzt. Das Geheimnis ist der intensiv schmeckende Fischsud. Danach gab es ein paar California Rolls – hmm, lecker! &lt;br /&gt;Schade ist nur, dass der kleine Sushi-Laden trotz hervorragender Qualität, stilvollen Ambientes und sehr netten 33-jährigen Besitzers nach einem halben Jahr immer noch ein Schattendasein fristet, weil er zu unbekannt ist. Wer durch Stahnsdorf fährt, sollte unbedingt einkehren:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Sencha Tee &amp; Sushi”, Dienstag bis Sonntag 12 bis 22 Uhr, Kastanienweg 36 in Stahnsdorf, 03329/69 68 10, www.sushi-in-stahnsdorf.de.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4810064180262071106?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4810064180262071106/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4810064180262071106' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4810064180262071106'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4810064180262071106'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/02/abfahrt-sushi.html' title='084 | Abfahrt &amp; Sushi'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4xfxaMHcI/AAAAAAAAACE/r4lvc1pOqWo/s72-c/IMG_0410.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4414652661503873498</id><published>2007-02-08T21:50:00.000+01:00</published><updated>2007-02-18T21:06:29.738+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>083 | Vor Liddow</title><content type='html'>Eigentlich sagte mir das Wetter: Junge, bleib, wo du bist, lies dein Buch weiter oder schlaf dich endlich mal aus! Keine schlechte Idee, das mit dem Ausschlafen. Denn jeden Morgen bin ich gegen 6.00 wach. Jeden. Dafür knick´ ich abends beizeiten ein. Ja, ich hätte aufs Wetter hören sollen. Aber ich wollte Fotos machen, mein Buch nahm ich trotzdem mit.&lt;br /&gt;Ich hatte vor, „zum abgeschiedensten und schönsten Winkel Rügens“, dem „Liddower Haken“ zu fahren. &lt;br /&gt;In Patzig sollte ein „Mühlenmuseum“ sein. Vielleicht ein Motiv, dachte ich. Aber zuerst gab es eine umständliche Umleitung mit Traktor- und Feldwegen. Unterwegs hielt ich am bronzezeitlichen Hügelgräberfeld der Woorker Berge. Hm. Reingucken müsste man können. Aber so ... Viele Wolken, viel kalter Wind, kein reizvolles Motiv. In Patzig: kein Hinweis auf ein Mühlenmuseum, nur die Gaststätte „Zur Mühle“. Den Ehrgeiz, mich durchzufragen, hatte ich nicht. So wichtig war mir das Ganze kaum. Wen hätte ich auch fragen können? Keine Einheimischen, keine Touristen. Abgeschieden, wie gesagt. Also weiter über Rappin zum Großen Jasmunder Bodden, weiter nach Liddow, zum Wasser. Dann der Feldweg. Mit großen Pfützen. Eine war so breit, dass ich über den Acker ausweichen musste. Und mich dabei festfuhr. Das erste Mal, total dämlich. &lt;br /&gt;Ich überlegte, ob ich mit Pfadfindertricks was erreichen könnte, aber da hätte ich mich schon wieder eingesaut. Also den ADAC rufen, selbst auf die Gefahr hin, dass ich ausgelacht werde.&lt;br /&gt;Dann saß ich eine Stunde im Auto und wartete. Links ein Acker, rechts ein Acker. Hier ein Hügelgrab, da eine Baumgruppe, wohin sich einige Rehe vor dem kalten Wind in Sicherheit brachten. Und ich mitten drin. Über mir brodelten die Wolken, um mich zischte das Wetter: Siehste, Junge, hättste mal auf mich gehört.&lt;br /&gt;Na wenigstens hatte ich mein Buch dabei: Sven Regeners Herr-Lehmann-Nachfolger „Neue Vahr Süd“. Schön dick und unterhaltsam der Roman; und Zeit hatte ich ja nun.&lt;br /&gt;Nachdem ich wieder mobil war, reinigte ich mein Auto in Bergen und gönnte mir später einen Sauna-Besuch und anschließend eine mit Schrimps gefüllte Scholle.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4414652661503873498?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4414652661503873498/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4414652661503873498' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4414652661503873498'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4414652661503873498'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/02/vor-liddow.html' title='083 | Vor Liddow'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6240135254280255429</id><published>2007-02-07T23:27:00.000+01:00</published><updated>2007-02-18T21:13:49.853+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>082 | Groß Zicker/Mönchgut</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrhaMHXI/AAAAAAAAABI/m4aTM9o26ZI/s1600-h/IMG_0323.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrhaMHXI/AAAAAAAAABI/m4aTM9o26ZI/s200/IMG_0323.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030010258568519026" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der dritte Tag sollte gemächlich werden. Trotz des anfangs unbeständigen Wetters beschloss ich, mich mit dem Auto und Fotoapparat auf Motivsuche zu begeben. Ich fuhr aufs Mönchgut nach Groß Zicker. Im Winter ist es ein idyllisches Fischerdorf mit auf Eis gelegten Heringen vor der Anlegestelle. Die reetgedeckten Katen deuten aber auf den Sommer mit weitaus besseren Einnahmequellen: Touristen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrxaMHYI/AAAAAAAAABQ/xZEUKFHZ8ck/s1600-h/IMG_0333.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrxaMHYI/AAAAAAAAABQ/xZEUKFHZ8ck/s200/IMG_0333.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030010262863486338" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;                                              &lt;br /&gt;Nun gut, ich bin schließlich auch einer. &lt;br /&gt;Ein besonderer Hingucker und Hingeher ist die Dorfkirche von 1360. Die befindet sich mit umsäumenden alten Grabstellen neben dem Hotel und Fischrestaurant „Boddenblick“. Dort lässt sich auch leckerer Fisch essen, vor allem aber – wenn man aus der Kälte kommt – warmer Apfel- oder Pflaumenkuchen. Von der Oma mit „gouder Budder“ gebacken. Dazu eine heiße Schokolade, was will man mehr.&lt;br /&gt;„Ist aber ein hübscher Ort“, sagte ich zur jungen, stämmigen Bedienung. Könne sein, erwiderte sie trocken, aber sie sei noch nie im Ort gewesen. Das ließ mich stutzen. Laut Autokennzeichen (es stand nur ein Kleinwagen vor dem Haus) musste sie aus der Müritz-Gegend kommen. Doch sie sprach die Zuckerbäckerin beim Betreten der Küche immer mit „Oma“ an, manchmal so laut, dass die Handvoll Gäste ihren Spaß hatte: „Oma! Ich soll dir für den Kuchen ein Kompliment machen!“ Wie in dieser alten Werbung mit Hella von Sinnen: „Ernaa!! Was kosten die Kondomäää?!!!“&lt;br /&gt;Na und wenn das ihre Oma war, wenn die in Groß Zicker sogar wohnte, warum kennt sich die Enkelin in dem vielleicht 100-Seelen-Nest nicht aus? Und warum muss sich der Gast wie an einer Tankstelle den Schlüssel für die Toilette geben lassen? So viele Nichtgäste mit unerledigter Notdurft liefen nun wirklich nicht in Groß Zicker rum. Aber trotz dieser „regionalen Besonderheiten“ war es im „Boddenblick“ wie im Ort sehr „püschelig“, wie eine Hamburger Freundin gesagt hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrxaMHZI/AAAAAAAAABY/TuWM-GwT35U/s1600-h/IMG_0340.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrxaMHZI/AAAAAAAAABY/TuWM-GwT35U/s200/IMG_0340.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030010262863486354" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das „Pfarrwitwenhaus“ von 1723 ist mit seinem zipfelmützenartigen Rohrdach natürlich „das Postkartenmotiv“. In dem Haus aus Holz und Lehm kamen einst mittellose Pfarrwitwen unter. Und bis 1984 wurde die Kate noch bewohnt, bevor man ein Museum daraus machte, um den Touristen etwas zu bieten. &lt;br /&gt;Wer zuletzt hier lebte, würde mich natürlich interessieren. Vielleicht eine in die einsamen Jahre gekommene Seemannsbraut. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unweit vom Pfarrwitwenhaus bündelte und schnürte ein Mann bei Sonnenschein Binsen für die Reetdächer. Aus seinem daneben stehenden offenen Auto sang Cat Stevens „Lady D'Arbanville “. Der Mann drehte lauter, was mir gefiel; weil es zur Stimmung passte und weil ich das sentimentale Lied schon immer mochte. Backsteinwände wurden von Baumschatten gestützt, von den moosigen Schilfdächern tropfte getauter Schnee.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vsBaMHaI/AAAAAAAAABg/UgOIUNXncEI/s1600-h/IMG_0349.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vsBaMHaI/AAAAAAAAABg/UgOIUNXncEI/s200/IMG_0349.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030010267158453666" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Rückweg machte ich Sonnenuntergangsaufnahmen zwischen Lobbe und Middelhagen: das letzte von 18 Windrädern, mit dem früher für die Landwirtschaft Wasser aus dem sumpfigen Boden gepumppt wurde, zwei nebelumwallte Hünengräber bei Lancken-Granitz, Rehe in der Dämmerung. Aus ferner Nähe vernahm ich das Eisenbahnsignal des „Rasenden Rolands“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vsBaMHbI/AAAAAAAAABo/rF8SKDMp9Fw/s1600-h/IMG_0362.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vsBaMHbI/AAAAAAAAABo/rF8SKDMp9Fw/s200/IMG_0362.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030010267158453682" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ist schon komisch: Vor Ort spürt man oft die Magie einer Landschaft, das, was Caspar David Friedrich festgehalten hat, aber wenn man sich die Bilder am Rechner ansieht, wirkt vieles nur hübsch oder gar kitschig. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Den Abend beschloss ich in Binz in der „Brasserie Villa Salve“. Zwischen dem 2:0 und 3:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz machte ich mich über Dorsch mit Rosmarienkruste und Weißburgunder her.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6240135254280255429?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6240135254280255429/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6240135254280255429' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6240135254280255429'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6240135254280255429'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/02/gro-zickermnchgut.html' title='082 | Groß Zicker/Mönchgut'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4vrhaMHXI/AAAAAAAAABI/m4aTM9o26ZI/s72-c/IMG_0323.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3345228750837724849</id><published>2007-02-07T21:17:00.000+01:00</published><updated>2007-01-14T15:01:28.436+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>„Mönch am Meer“ (nach C. D. Friedrich)</title><content type='html'>Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ ...&lt;br /&gt;Das Bild ist bekannt, es hängt in Berlin.&lt;br /&gt;Doch was ist, Mönsch, mit ihm?&lt;br /&gt;Was denkt er, wo steht er genau und wo kam er her?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom Mönchgut auf Rügen stammte er.&lt;br /&gt;Und täglich sah er von Klein Zicker aus&lt;br /&gt;Nach Groß Zicker, zum Pfarrwitwenhaus&lt;br /&gt;Verliebt übers zickersche Meer, der Herr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Pfarrwitwe wusste unterdessen&lt;br /&gt;Nichts von seinen Avancen.&lt;br /&gt;So verblühte sie wie seine Chancen&lt;br /&gt;Und verlegte sich aufs Heringsessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mönch wurde von Friedrich skizziert,&lt;br /&gt;Als Kummeraal am Strand von Klein Zicker.&lt;br /&gt;Die Witwe wurde alt und vom Hering dicker,&lt;br /&gt;nur nicht von ihm, nix ist passiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ach doch: Die Witwe starb recht adipös;&lt;br /&gt;Man setzte sie dem selgen Pfarrer bei.&lt;br /&gt;Das Pfarrwitwenhaus stand nun wieder frei&lt;br /&gt;Für die nächste Großzicke ohne Erlös.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mönch ward drum gottlos, aber gewillt&lt;br /&gt;Den Strand zu verlassen. Noch etwas blasser&lt;br /&gt;Betrat er recht malerisch zickersches Wasser&lt;br /&gt;Und trieb bald aus dem romantischen Bild.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3345228750837724849?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3345228750837724849/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3345228750837724849' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3345228750837724849'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3345228750837724849'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/02/mnch-am-meer-nach-c-d-friedrich.html' title='„Mönch am Meer“ (nach C. D. Friedrich)'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4802120596798904688</id><published>2007-02-06T22:25:00.000+01:00</published><updated>2007-02-18T21:02:38.392+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>081 | Binz und Sellin</title><content type='html'>Nach einem ausgedehnten Frühstück wollte ich an den Strand. Es war wie immer: sanfte Wellen, Möwen und Kapuzenpaare mit archaischer Sammelleidenschaft. Die Frauen waren, wie so oft, die Aktiveren. Alles Kunsterzieherinnen, dachte ich. Einige hatten sich auf glattgelutschtes Treibholz spezialisiert, andere wollten nur was für die Jackentasche: Muscheln und was sie für Bernstein hielten. Was eine dieser Kapuzinerinnen allerdings mit dem feuchten Muschelsand vorhatte, den sie in eine Plastiktüte schaufelte, bleibt mir ein Rätsel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4yVRaMHdI/AAAAAAAAACQ/DvII64ydnk4/s1600-h/IMG_0276.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4yVRaMHdI/AAAAAAAAACQ/DvII64ydnk4/s200/IMG_0276.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030013174851313106" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schnell war ich am südlichen Strand angelangt, wo ein unterirdischer Flusslauf über 885 m vom Schmachter See in die Ostsee fließt. Dort befindet sich auch die futoristische Rettungsstation des Binzer Architekten Ulrich Müther, der auch den „Teepott“ in Warnemünde entworfen hat. Die Rettungsstation (1968 gebaut, 2004 saniert) ist so rundlich wie ein auf die Seite gelegtes Ei. Und sie sieht aus wie ein Sandmann-UFO aus dem Filmstudio Babelsberg. Ein tolles Fotomotiv in Weiß, wenn vereinzelte Moos-Spuren wegretuschiert werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ganze Zeit über war nasser Schnee gefallen und hatte inzwischen meine Mütze aufgeweicht. Dann kann ich auch weitergehen, dachte ich. Immer am Wasser lang, irgendwann bin ich in Sellin. &lt;br /&gt;Irgendwann war ich aber nur noch als einziger unterwegs. Aus dem feinen Sandstrand war eine Geröllwüste geworden, kilometerlang. Nasse Rundsteine, welche ein Eiszeitgletscher vor sich hergeschoben haben musste, bis er vor dem Hochufer kapitulierte. Ich kapitulierte nicht, auch nicht, als die ersten Bäume den Weg versperrten. Darunter wegtauchen, darüberklettern, runterspringen und noch einmal und noch einmal. Auch kilometerweit. Von 4 Jahren Karatetraining war nicht viel Wendigkeit übrig geblieben und von 4 Marathonläufen höchstens ein dumpfes „Weiter!“.&lt;br /&gt;Weil ich Promenier- statt Workout-Klamotten anhatte, ärgerte mich schon der erste Moosstriemen auf der Hose. Den zweiten steckte ich besser weg. Als Schuhe und Hosensäume nass und schlammig wurden, mir der Mützenlappen  unentwegt über die Augen rutschte und ich mich schon 4 Stunden unterwegs befand, war mir alles egal. Merkwürdig nur, dass die Selliner Seebrücke immer weiter wegzutreiben schien, nachdem sie überhaupt aufgetaucht war. Es war bloß gut, dass kein eisiger Wind wehte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4yVRaMHeI/AAAAAAAAACY/6Vq09o2xrts/s1600-h/IMG_0307.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4yVRaMHeI/AAAAAAAAACY/6Vq09o2xrts/s200/IMG_0307.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5030013174851313122" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die Landschaft hatte ich kaum Blicke. Ich musste beständig darauf achten, nicht neben einen der Steine zu treten, schließlich saß ich vor einem Jahr wegen Beinbruchs noch im Rollstuhl und die Metallschiene ist immer noch am Knöchel angeschraubt. Aber beim Innehalten: Drei Schwäne bilden im Wasser ein gleichschenkliges Dreieck, zwei identisch gekleidete Angler blinkern nach Meerforellen, einen Wellenschlag neben mir das Steilufer, aus dem vor kurzem etwas abgebrochen zu sein schien.&lt;br /&gt;In Sellin ging es dann noch einen Steilweg hoch. Oben stellte ich fest, dass es auch einen Aufzug gibt. Aber darauf kam es nun genauso wenig an wie auf den fortzusetzenden Weg zur Bushaltestelle. Unterwegs der Vergleich mit Binz: Sellin wirkt bedrückender. Altdeutsches Flair, Erinnerungen an DDR-Zeiten, viel Grau, wo Weiß war.&lt;br /&gt;Wieder in Binz duschte ich, zog mir den feinen Zwirn an und leistete mir als Kontrast zum Survival-Training ein erlesenes Essen im „Olivio“, einem Hotelrestaurant.&lt;br /&gt;Vor den Terrassenfenstern hingen unzählige Lichterketten, die sich in den polierten Weingläsern widerspiegelten. Hinter milchiggrünen Plexiglaswänden wächst erleuchtetes Bambusgras. Sehr stilvoll, sehr gemütlich. Die junge Kellnerin verstand ihr Handwerk und hatte darüber hinaus eine frische Art, die keine falsche Würde zuließ.&lt;br /&gt;Alles sehr köstlich: die „Essenz von Meeeresfischen“ (Fischsuppe), der „Wildbarsch aus dem Strelasund“ auf „Gurkentagliatelle“ zu Püree. Dazu ein Gavi di Gavi, eine Crème brûlée als Dessert und ein Brandy als Abschluss. Gefühlte Vollkommenheit.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4802120596798904688?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4802120596798904688/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4802120596798904688' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4802120596798904688'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4802120596798904688'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/02/binz-und-sellin.html' title='081 | Binz und Sellin'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rc4yVRaMHdI/AAAAAAAAACQ/DvII64ydnk4/s72-c/IMG_0276.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2939718584886024932</id><published>2007-02-05T20:20:00.000+01:00</published><updated>2007-02-10T22:34:49.169+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>080 | Zurück und hin: Binz</title><content type='html'>Für ein Jahr war ich abgetaucht. Obwohl: Das Bild trifft es nicht. Ich schlug mich nebenberuflich als Wald- und Gelegenheitsarbeiter durch, gönnte mir eine Art Sabbatjahr. Statt blaue Blumen zu suchen, hackte ich Holz und war ausgeglichen wie Charles Ingalls aus „Unsere kleine Farm“. Mir reichte es, Poesie zu sehen, zu fühlen; ich musste sie nicht beschreiben.&lt;br /&gt;Ich weiß, ich spreche in Rätseln.&lt;br /&gt;Jetzt habe ich eine, wie ich finde, nutzerfreundlichere Homepage und bin motiviert, wieder mehr – besser: etwas – zu schreiben. Wofür so eine Auszeit alles gut ist.&lt;br /&gt;Und weil man oft damit beginnen sollte, womit man aufgehört hat, bin ich zurückgekehrt nach Rügen. Immer wieder Rügen ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Binz: Wieder im „Poseidon“ gegessen: fangfrischen Ostseedorsch auf Porree mit Kartoffelpüree. Tadellos! Das Essen. Die Bedienung hatte ich besser in Erinnerung. Eine war zu jung (Ich fragte nach Schnäpel, dem Steinlachs, den sie nicht kannte. Und sie wirkte im Umgang mit Gästen etwas linkisch), die andere war überroutiniert: Sie fragte, ob es geschmeckt habe, war aber bereits mit dem Geschirr in der Küche, bevor ich antworten konnte. Normalerweise bin ich da nicht so. Nein, wirklich, ich bin ein netter, unkomplizierter Gast, der auch schon einen Teller zureicht, wenn schwer an ihn ranzukommen ist. Aber im „Poseidon“, das in der Gastroszene hochgelobt wird, auf das ich mich jedes Jahr aufs Neue freue, sollte nicht nur das Essen tadellos sein. Als ich mich nun genauer umsah, entdeckte ich an der Wand Balsamico-Spritzer und einen ramponierten Lampenschirm. Sinnbilder, dachte ich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2939718584886024932?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2939718584886024932/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2939718584886024932' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2939718584886024932'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2939718584886024932'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/02/zurck-und-hin.html' title='080 | Zurück und hin: Binz'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1075609135387432057</id><published>2006-02-02T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T14:20:01.507+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>079 | Immer wieder Rügen</title><content type='html'>Hätte ich diesen Eintrag noch eine Weile rausgezögert, wäre mein Online-Tagebuch zum Jahresbuch geworden, was nach Größe und Vollendung klingt, nicht aber nach "keine Zeit" oder "Ich wollte mich ja ständig melden ...".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das kennt man von Freunden. Und von sich. Deshalb trägt man es den Freunden nicht nach. Die mir darum hoffentlich auch verzeihen.&lt;br /&gt;Ein paar Worte aus dem Kurzurlaub; wenn man so will: ein Brief von Rügen. ("Mensch, erzähl doch mal! Wie geht´s dir, was machst du?")&lt;br /&gt;Im Winter herzufahren wird allmählich zur festen Größe für mich. 3 Tage Auszeit, ausschlafen, ausgehen. Diesmal jedoch an Krücken: Sprunggelenk gebrochen. ("Sag bloß! Du machst Sachen ...!") Ist nicht so wild; aber dadurch nehme ich die Ostsee nur wie fernes Rauschen wahr. Der anhaltende Nebel ätzt ohnehin alles nach 100 Metern weg. Keine Chance, den Horizont zu beschwören, diese Sehnsuchtslinie, die von Jahr zu Jahr immer wichtiger wird. Yin und Yang für Fernsichtige. Himmel und Wasser wie Hoffnung und Erinnerung. Die Schnittstelle davon sehen zu können, beruhigt ungemein. Aber so ... ("Jaja, aber nu erzähl doch mal weiter ...")&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der möwenweiße Strand ist trügerisch. Alles Schnee von gestern. Die Binzer Landungsbrücke bringt mich keiner Erkenntnis näher. Ein paar Eisschollen im Wasser, ein paar Enten, die abtauchen. Kannst du alles auch von einer Wetter-Webcam im Internet sehen. &lt;br /&gt;Der Stadthafen von Sassnitz wirkt noch trostloser: vereiste Boote, die nicht auslaufen, ein Museums-U-Boot, ein Museum für Unterwasserarchäologie, ein italienisches Restaurant, eine Töpferei usw. ("Klingt doch gut!") Ja, was ist daran trostlos? Eigentlich gar nichts. Aber ich bin wie ein Kranker, der essen möchte, doch unter Appetitlosigkeit leidet. Mag an meiner Beingeschichte liegen, deretwegen mir die Sinne verschnupfen.&lt;br /&gt;Interessant wird anderes: Sehen mich die Urlauber auf der Strandpromenade mitleidig an, wenn ich mich mit einem Rollstuhl durch den festgelaufenen Schnee quäle? Sehen sie mich neugierig an, kucken sie überhaupt? Sind die Hotellobbys, Cafès und Restaurants behindertengerecht? --- Ich komme mir dann wie ein Undercover-Agent der gedachten Stiftung "Behindertentest" vor. Wobei die mich da sicher rauswerfen (abschieben!) würden, wenn ich "behindert" sagte. Dabei könnte ich mit dem Blickwinkel eines halb außen Stehenden davon berichten, wie cool man sich auch im Rolli fortbewegt. Wie man rückwärts und vor allem gekonnt schnell in Fahrstühlen einparkt, wie gefährlich Krücken mit Gumminoppen auf Fliesen sind und wie "die Leute" reagieren, wenn man mit dem Rollstuhl allein in einer Fußgängerzone steht, den Kopf schräg legt und langsam Speichel aus einem Mundwinkel tropfen lässt.&lt;br /&gt;Das habe ich natürlich nicht gemacht. Aber der Gedanke, es zu tun, hat durchaus etwas Reizvolles. ("Alter Spinner!")&lt;br /&gt;Auf dem Weg nach Lietzow am Jasmunder Bodden sah ich viele Straßenkreuze vor den verhängnisvollen Alleebäumen. An manche Baumstämme waren weiße Kreuze gemalt. Unheimlich. In einer Kurve hingen über einem frischen Holzreuz viele rote Luftballonherzen an einer waagerecht gespannten Schnur. Wer hatte hier wen verloren? Waren an der Stelle die vier oder fünf Jugendlichen verunglückt, über die ich vor Wochen las, weil ihnen ein Betrunkener entgegenkam? Mein Fuß wird heilen.&lt;br /&gt;Rügen. Im wahrsten Wortsinn steil abfallende Kreidefelsen – oder einsame Seelen. Hier und da eine Caspar-David-Friedrich-Eiche, Hügel - die im Norden nicht zu vermuten sind - unter Waldstückchen, von fernen Städtern sanierte Reethäuser, jede Menge Blitzkästen, im Winter geschlossene Fischräuchereien und überwiegend Hochdeutsch sprechende Dienstleister. &lt;br /&gt;Wie gerne würde ich in einer Hafenkneipe einige „Swatter Haase“ gegen den grundlosen Ostseeblues kippen und sehnsüchtigen Shantys hinterherhören. („Nun ist aber gut! Gibt´s keinen besseren Ausgehtipp?“)&lt;br /&gt;Wer heiter, gemütlich und stilvoll auf Rügen essen gehen möchte, der sollte nach Binz fahren. Entweder ins „Poseidon“ einkehren oder in die „Villa Salve“. In der Villa machen sich die weißen Tischtücher gut vor dem dunklen Holz und Messing der Lampen, die schlicht jugendstilig und maritim daherkommen. Durch den liebevoll entstaubten hundert Jahre alten Plunder, mit dem alles drapiert wurde, bekommt die vornehm-mondäne Ausstrahlung der Villa jene intime Note im Inneren, die den Gast gerne wiederkehren lässt. Das liegt natürlich auch an der perfekten Bedienung und den erstklassigen Gerichten: Ostseedorsch auf Kartoffelpüree, Steinbutt auf Spinat ... Dazu ein südafrikanischer Chardonnay. So kommt erst gar kein Blues auf. Der „Swatter Haase“ hinterher für die Verdauung ist eigentlich überflüssig. („Schon besser. Und sonst?“)&lt;br /&gt;Sonst bleibt alles beim alten. Die See frischt auf, Sonne kommt raus und zieht die Horizontlinie neu, mit Kuttern und Fähren. Dann wird es Zeit für mich heimzufahren. Die Kamera kommt als letztes in die Tasche. Nicht ein Foto habe ich gemacht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1075609135387432057?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1075609135387432057/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1075609135387432057' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1075609135387432057'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1075609135387432057'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/01/079-immer-wieder-rgen.html' title='079 | Immer wieder Rügen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1159788505268171466</id><published>2006-01-03T19:05:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T21:41:50.130+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Besuchszeit</title><content type='html'>Im Türspalt der Kopf&lt;br /&gt;Einer liegenden Alten –&lt;br /&gt;Regungslos und vorgemagert.&lt;br /&gt;Den offenen Mund entstellt ein Gebiss,&lt;br /&gt;Das nicht hält, das nichts hält.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sonne verlässt fern wie ein Ball&lt;br /&gt;Das Spielfeld vor dem Fenster.&lt;br /&gt;Sie weiß, wie es steht: Noch ein Tag&lt;br /&gt;Entweicht ihrem Mund.&lt;br /&gt;Ihr Blick stirbt voran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er geht schon seit Stunden &lt;br /&gt;Durch Silhouettenzweige –&lt;br /&gt;Mikadoträume um ein leeres Krähennest,&lt;br /&gt;Das sich bewegt, wenn sie die Luft anhält&lt;br /&gt;Und die Schritte im Flur.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1159788505268171466?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1159788505268171466/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1159788505268171466' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1159788505268171466'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1159788505268171466'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2006/01/besuchszeit.html' title='Besuchszeit'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4991184373104186849</id><published>2005-07-07T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:28:55.242+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>078 | Schwarzsauer und Life 8</title><content type='html'>Ostern ist wohl schon eine Weile her. Will sagen, der letzte Eintrag. Ich entscheide mich aber dafür, dass es nicht weiter schlimm ist. Und hier kommt auch schon der aktuelle:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das letzte Wochenende begann ich sehr gemütlich im Café "Schwarzsauer" mit einem Frühstück. (Kastanienallee 13). Ein kleines kostet dort 4, das große 6,-€. Und ein kleines reicht völlig. Dazu einen richtigen Kaffee, den Tagesspiegel und sommerliches Wetter. Mehr braucht es nicht. Die weibliche Bedienung hätte vielleicht noch lächeln können, aber das scheint Privatsache oder gilt als uncool.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das "Schwarzsauer" heißt offenbar nach einem norddeutschen Schlachtgericht so, bei dem Blut und Essig eine Rolle spielen. Und das Café war eines der ersten Nachwende-Cafés in der Kastanienallee. Seine Gäste wirken immer noch bodenständig kiezbezogen. Wer hier frühstückt, hat auch schon mal das Shirt vom Vortag an oder geht mit seiner Frisur recht antiautoritär um. Ein Mann, der sich an meinen Nachbartisch setzte, aß - obwohl in Begleitung - unbefangen vom stehen gelassenen Teller einer jungen Frau. Und er aß alles auf! Zwei Tische weiter wurde zur Selbstgedrehten selbstvergessen im Mund und im Ohr rumgepolkt, später Milchschaum vom fleißigen Finger gelutscht. Viele der Gäste wirken wie Kreative vom Bau: verwildert, verschlafen, ungeduscht. Was bei Bauleuten so natürlich nicht stimmt. Aber ich bleibe beim Bild: Hier ist nur der Blaumann bunt, aber verwaschen und knittrig. Bei aller Pragmatik auch eine Art Dresscode. &lt;br /&gt;Lauter Münder, die kauen oder Worte zu großen Gesten liefern. Gelbe Straßenbahnen und Rucksackgänger im Hintergrund, "Freitag"-Taschen- und Coffee-to-go-Träger. Weiter links ist ein Parkplatz, der zumindest in DDR-Tagen als Schwulentreff bekannt war. Davor Kastanien in allen Größen und ohne große Mottenfraßspuren. Ich bestelle noch einen Kaffee, diesmal auch ohne zu lächeln. Keine Retourkutsche, mir ist das Lächeln äußerlich einfach nur vergangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jamiroquai oder sein Doppelgänger schlendert vorüber, mit gelber Ballonmütze. Das ist hier nicht außergewöhnlich. Dann kommen vier Rumänen mit Akkordeon, Saxophon, Tambourin und Pappbecher für Euro-Kling-Klang. Auch das nichts Neues. Den meisten Frühstückern ist es lästig. Auf der anderen Straßenseite macht die "Kani Mani Bar" auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich liebe urbanen Sinneseindrücke, solange ich sie noch auseinanderhalten kann: Mal ist es das Tellerklappern, mal der U-Bahngeruch aus Luftschächten. Als Kind mochte ich sogar Benzingerüche an Tankstellen. Und überall die Menschentypen, die wie eigene Welten durchs All gehen, ohne miteinander zu kollidieren, oder als Besucher fremder Galaxien Kontakt aufnehmen; nur ihren Gesetzen und einer größeren Ordnung gehorchend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittags ziehe auch ich weiter - zum Life8-Konzert vor der Siegessäule. Interpreten wie Die toten Hosen, Wir sind Helden und Faithless, aber auch Chris de Burg spielen drei Songs, um bei mir und der breiten Masse Bewusstsein zu wecken. Afrika soll von seinen Gläubigern, den G-8-Staaten, entschuldet werden, weil sonst weiterhin alle drei Sekunden ein Kind an Armut stirbt. Ich bin beeindruckt von dieser Initiative, wenn ich auch generell Massenveranstaltungen wenig mag. Zeitgleich Konzerte in Rom, London, Moskau, Philadelphia, Barrie, Tokio und Johannesburg. Seit Sonnabend trage ich das weiße Armband, ein Solidaritäts-Symbol. Hätte ich nicht in Berlin zu tun, wäre ich auf jeden Fall am Sonntag nach Edinburgh gereist.&lt;br /&gt;Heute ist Donnerstag. Gestern hieß es in den Nachrichten, dass es wieder von wenigen zu Ausschreitungen kam. Polizisten wurden angegriffen, Autos zerstört. Der Schaden, den diese Leute verursachen, ist natürlich viel größer und bringt das Ganze in Misskredit. Diese Leute verkaufen Anarchie als Freiheit, diese Leute sind Typen, die wie Meteoriten durchs All gehen, die es auf Kollision angelegt haben, weil sie ihre Begrenztheit und ihr Paralleluniversum zum egozentrischen Weltbild erklären. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für den Sonntag verordnete ich mir Erdung und Ruhe: Ich sah mir in der Neuen Nationalgalerie am Potsdamer Platz die Ausstellung "Brücke und Berlin - 100 Jahre Expressionismus" an. Vieles kannte ich, nicht alles kam mir bedeutsam vor, aber vor allem an einigen Holzschnitten hatte ich meine wahre Freude. Später Mittagessen auf dem "Klipper", dem Segelschiffrestaurant am Plänterwald, dann zwei Biere auf dem Pfefferberg. Dort im Biergarten ist es meistens nicht zu voll, man kann auf die Schönhauser Allee runterschauen, neue Pläne skizzieren oder alte auswerten. Deswegen ist dort einer meiner Lieblingsplätze. Andere gilt es noch zu entdecken. Der Sommer in Berlin hat ja gerade erst begonnen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4991184373104186849?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4991184373104186849/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4991184373104186849' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4991184373104186849'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4991184373104186849'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2005/07/078-schwarzsauer-und-life-8.html' title='078 | Schwarzsauer und Life 8'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7158461125782462818</id><published>2005-03-23T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:24:33.526+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>077 | Ostergeschwafel</title><content type='html'>Ins Osterwochenende schleppen und kurz kurzatmig auf der Couch sitzen. Ein Auge zum Himmel, ein Ohr dem Wetterbericht. Naja. Wird schon. Alles eingekauft? Oder sich als Besuch angekündigt? Super! Kann also losgehen. Wer sich nach dem Luftholen vor dem Fernseher die Wunden leckt, ist selber schuld. Von morgens bis abends die üblichen Verdächtigen: Winnetou verbrüdert sich mit James Bond und die Dornenvögel fliegen auf, wenn die Titanic sinkt. Kreuzweise quergesehen. Alle Jahre wieder wird die Auferstehung des Heidenspaßes gefeiert. Da kann der Papst leben und leiden, was er will: Das Märtyrertum ist zum Islam konvertiert, die Besinnlichkeit hat es sich im Weihnachtsmannsack gemütlich gemacht. Ostern gehört allein den Hasen und anderen spaßigen Aktivisten. Den Osterspaziergängern zum Beispiel (Gibt es eigentlich noch Ostermärsche?). Wer allerdings den Goethe´schen Osterspaziergang aus der Schublade, wo auch der Weihnachtsklimbim lagert, holt, sollte nur den Mund aufmachen, wenn Ironie statt Pathos dabei herauskommt. Wo war ich stehen geblieben? Egal, weiter: &lt;br /&gt;Ich werde mich im Garten Verwandter nützlich machen. Körperlicher Ausgleich für ein gutes Gefühl. Statt ProSieben: Kompost sieben, Baum fällen, Stubben roden, Teich anlegen. Oder so. Oder die Hälfte von allem. Dann ein Bier leeren und den Grill anschmeißen ("Angrillen!"). So einfach bleibe ich gestrickt nach all den klugen Büchern, Gedanken und Worten, die mich bisher und bis hierher begleiteten. Kein Weltverbesserer oder wenigstens Vegetarier mit interessanten Karotten-Marotten ist aus Mutters Bestem geworden. Nur einer, der zu geben und nehmen weiß, zu arbeiten und zu genießen. Ist das schon der Sinn des Lebens oder bloß das Leben zwischen dem Sinnen und der Sinnlosigkeit? Sorry, ich will hier niemanden langweilen, also weiter: &lt;br /&gt;In Rand-Berlin zeigen sich wieder die Kroküsschen auf den kackbraunen Mittelstreifen der Bundesstraßen. Dazwischen ein paar Blitzer, mal auf Stativen, mal in Mülltonnen. So phantasievoll ist die Polizei im osterlichen Verstecken und - wo selbst anwesend - Begrünen der Landschaft. Blitz! Ein Erinnerungsfoto von der Fahrt nach jwd ("janz weit draußen"), die dem Berliner schon immer irgendwie teuer war. &lt;br /&gt;Ein Foto, wenigstens das; weil sich doch so schnell vergisst, wie der Frühling riecht, wo der Baum im Garten stand und was man Ostern so gemacht hat.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7158461125782462818?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7158461125782462818/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7158461125782462818' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7158461125782462818'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7158461125782462818'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2005/03/077-ostergeschwafel.html' title='077 | Ostergeschwafel'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2179155815960719400</id><published>2005-02-23T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:23:00.558+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>076 | Knoblauchdackel vs. Trübsal</title><content type='html'>Draußen schneit es aschefein, während gleichzeitig Trübsal von den Dächern tropft. Wirkte alles nicht so schlimm, könnte der Himmel sich etwas blauer zeigen. Aber so. Durchhalten. Beim Marathon wären wir etwa bei Kilometer 25. Die nächste Etappe heißt "März". Vier Buchstaben, genau wie "Ziel". Und es riecht schon manchmal nach Frühling, aber uns wird nichts geschenkt. Einige knicken ein und schleppen sich mit Frust-Food auf die Fernseh-Couch, andere können sich zeitliche Abkürzungen über südlichere Umwege leisten. Konkret heißt das zum Beispiel: Freunde von mir sind gerade in Thailand und haben mir gestern Nachmittag im Sommeroutfit von einem Moped aus durch eine Straßen-Web-Cam zugewunken. Dann brausten sie easyrider weiter. Gemein. Kein Wunder, dass ich mich anschließend nicht auf den winterfetten Feuchtwanger-Roman konzentrieren konnte (da bin ich noch bei Kilometer 1). &lt;br /&gt;Dass meine Topfpflanze neben dem Fernseher eingeht, ist auch nicht gerade erbaulich. Vielleicht ist das Trash-TV schuld. (Auch eine Art Frust-Food ohne Dünge-Effekt.) Aber warum soll es der Pflanze oder mir besser gehen als den meisten von euch? Zwischen Gähnen und Kaffetrinken gab es bei mir nicht wirklich viel zu erleben. Doch ich glaube, was uns in diesen Tagen vor der Winterdepression bewahrt, ist das gegenseitige Besuchen. Wer niemanden hat, den er besuchen oder empfangen kann, ist natürlich verloren wie jemand, der nachts keinen Schlaf findet. Er kann sich auch nicht mit Pseudo-Besuchen bei Dussmann oder Karstadt rausreden, auch nicht mit einer Stunde Mittagsschlaf, das zählt nicht. Für richtige Besuche muss man sich ausdauernder zivilisieren: die Wohnung herausputzen, halbtote Topfpflanzen entsorgen und Feuchtwanger-Romane wegstellen, damit es nicht so aussieht, als ob. Gestern Abend hörte ich von einem richtigen Besuch die wahre Geschichte eines Dackels, der immer alleine Bus fuhr und immer Knoblauch ins Futter bekam. Das eine hatte aber nichts mit dem anderen zu tun; ich meine, im Bus saßen wohl noch weitere Fahrgäste, trotz der Knoblauchausdünstungen. Der Dackel fuhr bloß ohne Herr- oder Frauchen. (Dabei würde mich einmal interessieren, ob man als Verantwortlicher für einen Hund als allein fahrendes Gewohnheitstier nicht auch zur Kasse gebeten werden könnte. Und ob man von einem Kontrolleur verlangen darf, sich auf alle Viere zu begeben, um Monatskarten an Hundehalsbändern zu überprüfen.) &lt;br /&gt;Allein der Hund als Fahrgast wirkt schon - gern auch im doppelten Sinne - auf mich ziemlich abgefahren. Doch dann endete die krude Story damit, dass der Dackel eines Tages in den falschen Bus stieg. "Dann war er weg", sagte mein richtiger Besuch.&lt;br /&gt;Ich weiß, das klingt hier nicht nach DER Pointe. Aber gestern fetzte mich die Geschichte schon nach 2 Gläsern Prosecco vor Lachen von der Couch. Und ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viele alberne Tränen rausgekichert habe. Ist das unter (leicht alkoholisierten) Umständen nicht ein ganz patentes Rezept gegen chronische Wintergebrechen, wenn TV &amp; Co als Antibiotikum immer öfter versagt? Nämlich: richtiger Besuch als Prophylaxe und Knoblauchdackel bei akuten Beschwerden. Nur vor Überdosierung sei gewarnt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2179155815960719400?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2179155815960719400/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2179155815960719400' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2179155815960719400'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2179155815960719400'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2005/02/076-knoblauchdackel-vs-trbsal.html' title='076 | Knoblauchdackel vs. Trübsal'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1007464071954863592</id><published>2005-01-29T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:21:20.804+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>075 | Frau Adriana und Monsieur Vuong</title><content type='html'>Vorgestern war ich mit meinem Freund Peter zum Billard verabredet. Und zum Bier. Deshalb wollte ich mit der S-Bahn in die City fahren. Draußen lag Neuschnee und machte die Welt friedlich und den Blick milde: Kindheitserinnerungen. Weihnachtslichter. Und die Spuren vorsichtig Eilender. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An einem Haus klebten halbe Schneebälle. Das orange Rundumlicht eines Räumfahrzeuges leckte hecktisch wie der Putzteufel darüber. Aber alles blieb doch, wie es war: ein wenig Fassade und offene Stille. Nur die Gedanken vereinzelter Fußgänger schlossen manch Haustür und sahen durch Fenster, mal nach innen, mal nach außen. Meine Gedanken blickten zurück und ärgerten sich über Frau Adriani, während meine Füße wie gewöhnlich weitergingen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frau Adriani hatte eben noch in der Nähe des Schlosses Gripsholm die kleine Ada gequält. Sie war eine böse Frau, nicht nur zu Kindern. Dass sie es aber vor allem zu Kindern war, machte das Warum unerheblich. Dass andere Frau Adrianis Bosheit still duldeten, machte das Warum jedoch dringend erforderlich. --- Solche Gedanken machten sich meine Gedanken, statt sich schlicht auf einen schönen Abend zu freuen. Und sie lutschten wie an einem Eiszapfen an Tucholskys Satz, dass Gleichgültigkeit nur der Mangel an Phantasie sei. Ein bemerkenswerter Satz, fanden meine Gedanken und sahen aus dem Fenster: Die S-Bahn kam.&lt;br /&gt;Vielleicht ist Gleichgültigkeit aber auch wie ein Erschöpfter im Schutz einer Mauer; dem die Augen ständig zufallen, obwohl oder weil er weiß, dass er wie meine Füße weiter muss. --- Nein, eigentlich nicht. Gleichgültigkeit bleibt Mangel an Mitgefühl; eine Mangelerscheinung auf jeden Fall. Man spart sich die Gefühle ("Geiz ist geil!") für sich selbst, statt sie gedankenlos woanders zu investieren. So dachten die Gedanken und wurden auch noch vom Gefühl angefeuert. Dabei gab es keinen Grund dafür außer Tucholskys Sommergeschichte, die ich mir im Übrigen ganz anders vorgestellt hatte. Besser gesagt, ich hatte sie mir gar nicht vorgestellt, wollte sie nur immer mal lesen, obwohl der Titel mir nicht gefiel.&lt;br /&gt;Im S-Bahnabteil saßen Menschen, die nicht schnell genug nach Hause oder von dort wegkamen. Einige schienen die S-Bahn nie zu verlassen, dachte ich kurz von Gripsholm weg, während sich jemand erhob. Eine Frau, die vom Gesichtsausdruck her die Adriani zu parodieren schien. Da war sie wieder! Aber keine kleine Ada weit und breit, die es zu beschützen galt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Billardsalon "Köh" (Sophienstraße 6), einer Art Separee der Hackeschen Höfe, ging es gemütlich zu, obwohl alle Tische besetzt waren. Peter stellte wie beim letzten Mal fest, dass er schon eine Ewigkeit nicht mehr gespielt hatte. Wie ich. Das letzte Mal war ja auch mit ihm und vor gut einem Jahr. Oder waren es schon zwei? Und wie beim letzten Mal vor ein oder zwei Jahren lag ich manchmal vorn, verlor aber schließlich fast alle Spiele. Als wir vor zehn Jahren wider besseres Wissen Geld in Spielautomaten gesteckt hatten, wenn wir auf Kneipentour waren, lief es genauso: Peter drückte mir die Daumen - und gewann. Die Münzen wurden natürlich sofort in Bier umgesetzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach zwei Stunden Billard hatten wir genug und Hunger. Wir gingen ins "Monsieur Vuong", einem Indochina-Restaurant (Alte Schönhauser Straße 46). Auf der Homepage (www.monsieurvuong.de) ist das gleiche Foto zu sehen, welches in groß an einer der roten Wände hängt. Das sei der Besitzer, meinte Peter, ein Jugendbild des Herrn Vuong. Der war wohl mal asiatischer Meister in irgend einem Kampfsport gewesen. Unter den Gästen, die wie alle rund um den Hackeschen Markt nach Multimedia aussahen, entdeckte mir Peter den großen Asien-Kämpfer: ein freundlicher, älterer Herr, der genoss, was er so erreicht hatte im Leben. Er war sicher Ende sechzig. Das Wandbild kam mir jedoch so gegenwärtig vor, weil es einen selbstbewussten, zeitlos-modern gekleideten Mann mit ordentlichen Oberarmen zeigt. Aber das war wirklich einmal, bestätigte die Kellnerin, der Patron des Hauses, als ich ungläubiger Thomas sie danach fragte. Jedenfalls brachte sie uns zwei Flaschen vietnamesisches Bier. Das schmeckte nicht so gut wie das Fass-Beck´s aus dem "Köh", aber dafür war das Essen lecker. Wenn auch ... Ich hatte Nudeln mit Rinderfilet bestellt und die Kellnerin auf meine Koriander-Phobie aufmerksam gemacht. Aber als sollte ich dagegen geimpft werden, schmeckte ich doch drei Stückchen von dem Seifenkraut heraus. Eines versteckte sich sogar zwischen meinen Zähnen und ärgerte mich später noch einmal, als wir zu unserem Absacker ins "Strandbad Mitte" rutschten (Kleine Hamburger Straße 16). Und wir rutschten tatsächlich: Erst schlug ich bei der Glätte lang hin, später Peter. Dazwischen bewarfen wir zwei Mädchen mit Schneebällen, die damit schon ohne uns angefangen hatten. Welch ein Spaß!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das "Strandbad Mitte" heißt einfach nur so, baden ist nicht, auch kein Strand. Aber an lauen Sommerabenden sitzt es sich nett davor. Und wer da nicht genauso gut verträumt auf Häuser wie aufs Wasser blicken kann, muss zwar nicht gleichgültig sein, bekommt in Sachen Phantasie aber trotzdem nur ein "Mangelhaft" von mir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Winter sitzt man besser drinnen an der (Strand)Bar und trinkt einen Fingerbreit. Peter nahm Whisky, ich Wodka (im angeeisten Glas). Ich mag ja diese minimalistische Ästhetik des Hochprozentigen, dabei schmeckt mir das Zeug gar nicht. So ein Schnaps taugt mir höchstens einmal im Jahr zum Hinterkippen, nicht zum Genießen. Dafür lieber einen guten Wein. Was solls, ich plante wie jedes Jahr meine Angeltour(en) mit Peter und dachte, wie gut, dass wir noch nicht die alten Zeiten auswerten. Ich musste aber grinsen, als Peter nach ein paar Schlucken Whisky überzeugt behauptete, wir seien noch jung und die Welt stünde uns offen. Das klang nach spätpubertär oder frühreifer Midlifecrisis. Dabei geht´s uns beiden gut auf unserem beackerten Stück Land. Vielleicht sagte er deshalb das mit der offenen Welt, und vielleicht hatte er Recht damit. Wenn man sein "Land" nicht als Parzelle, sondern als Basiscamp betrachtet. Frau Adriani hatte ich jedenfalls vergessen. Ich war guter Dinge und bemühte mich gar nicht erst, zwischen all dem Zusammenhänge zu erkennen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1007464071954863592?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1007464071954863592/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1007464071954863592' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1007464071954863592'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1007464071954863592'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2005/01/075-frau-adriana-und-monsieur-vuong.html' title='075 | Frau Adriana und Monsieur Vuong'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6529174845055628329</id><published>2005-01-17T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:19:46.565+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>074 | Kreativpause</title><content type='html'>Über sieben Monate, die ich mich hier nicht mehr blicken ließ. Ich könnte sagen, ich hatte keine Zeit. Aber das wäre eine enttäuschende Rechtfertigung für die, die tatsächlich auf neue Tagebucheinträge gewartet haben. Deswegen möchte ich ein paar abenteuerliche Ausreden als Entschuldigung anbieten:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;a) Ich befand mich in Indien, um die letzten Sinnsucher aufzufordern heimzukommen&lt;br /&gt;b) Ich verdingte mich bei Harald Schmidt (Kreativpause!) als eine Art Eckermann mit Diktiergerät&lt;br /&gt;c) Ich wartete nach "The Day after tomorrow" voller Depressionen im Bett auf das nahe Ende&lt;br /&gt;d) Ich entwarf Pläne für einen Neuanfang&lt;br /&gt;e) Ich versuchte einen Rekord im Riesenstein-den-Berg-Hochrollen (Abbruch nach 3 Monaten)&lt;br /&gt;f) Ich lag 4 Monate wegen komplizierter Quetschungen und Zehenbrüche im Krankenhaus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf jeden Fall bin ich wieder im Spiel und füttere meine Flausen gerade mit Sonnenlicht und Meisengetschilpe.&lt;br /&gt;Silvester war ich übrigens an der Ostsee: Lübecker Bucht. Ich hatte meine Habseligkeiten mit Seemannsgarn umwickelt und wartete in Grömitz an der Landungsbrücke auf ein Schiff, das kommen würde. Aber da waren nur Möwen, Schwäne fütternde Spaziergänger und Quallen im Flachwasser, die toter Mann spielten. Und es nieselte. Schließlich machte mich der Glühweingeruch aus einer Promenadenbude wieder zur Landratte. Eine Tüte Mutzen und drei Tassen mit Schuss, um den Jahreswechsel zu versüßen. Aber auf dem Schiff hätte es Rum gegeben, dachte ich mit glasigem Blick zum Horizont, Rum und Salzheringe mit Schiffszwieback. Wenigstens spürte ich allmählich das Mereswogen unter mir. Doch als ich an das Seebeben vor Sumatra dachte, war es aus mit der Seemannsromantik. Ich gab die letzte Glühweintasse ab und fuhr nach Berlin zurück.&lt;br /&gt;Das inszenierte Leben aus Anspruch und Langerweile hatte mich wieder. &lt;br /&gt;In der U6 gab es eine Schlägerei von Jugendlichen. Wie routiniert doch die übrigen Fahrgäste das Abteil wechselten. Zwei Stationen später standen vier weitere Idioten auf dem Bahnsteig (Alter und IQ lagen zusammen bei etwa 75). Sie schabten sich mit aufklappbaren Rasiermessern Muster in die ohnehin kurzen Haare und sahen aus, als hätte man Araber und Skinheads in einen Topf geworfen und einmal zu kräftig umgerührt. &lt;br /&gt;Ungerührt fuhr ich weiter, zum "Sushi Circle" in der Französischen Straße. Immer wieder gut dort, wenn sie bei "All you can eat" auch die Preise angezogen haben (15,99 statt 13,99). Freunde, die mich begleiteten, meinten, das könne durchaus an meiner Gefräßigkeit liegen. Ich wollte widersprechen, hatte jedoch den Mund voll.&lt;br /&gt;Hinterher kullerten wir alle wie gut gefüllte Maki-Röllchen ins Kino, um uns ironischerweise "Die fetten Jahre sind vorbei" anzusehen, mit Daniel Brühl aus "Goodbye Lenin". Nach anfänglicher Skepsis (Propagandagefahr und Wackelkamera) gefiel mir der Film immer mehr. Wegen der Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor. Es ging nicht vordergründig um Terrorismus (gegen Globalisierung und die "Diktatur des Kapitals"), sondern um Aufrichtigkeit und die Aufrechterhaltung von Idealen. Der Film war nicht nur spannend und machte Spaß (auch wegen der Unvorhersehbarkeit), er war auch Anstoß, den eigenen Lebensplan wieder zu hinterfragen ("Bin ich spießig geworden? Wie wollte ich leben? Wie lebe ich jetzt?"). Und sein Leben hinterfragen sollte man so regelmäßig wie prophylaktisch zum Zahnarzt gehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6529174845055628329?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6529174845055628329/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6529174845055628329' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6529174845055628329'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6529174845055628329'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2005/01/074-kreativpause.html' title='074 | Kreativpause'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5774471969109466633</id><published>2004-06-07T18:00:00.001+01:00</published><updated>2008-03-22T17:12:29.036+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>073 | Liquidrom</title><content type='html'>Seit heute soll die große Wärme zurückgekehrt sein. Nur zu, wenn es nicht gerade so heiß wird wie letztes Jahr. Wer aus „The Day after tomorrow“ rauskommt, wird die große Wärme überdies auf sehr dankbare Weise empfinden.&lt;br /&gt;Am Sonnabend war es aber noch einigermaßen frisch draußen. Letzte Chance für mich, mein Wintervorhaben – ins „Liquidrom“ zu gehen – in die Tat umzusetzen. Das Liquidrom gehört zum neuen Tempodrom, wo zur Zeit der Pferdeflüsterer für Stille im Publikum sorgt, und befindet sich in der Möckernstraße 10, nicht weit vom Potsdamer Platz und Anhalter Bahnhof entfernt. Schon von weitem weist das stilisierte Zirkusdach aus offenem weißen Beton den Weg.&lt;br /&gt;Wer von Spaßbädern mit Massenbetrieb genug hat und das exklusive Wellness-Erlebnis sucht, ist im Liquidrom genau richtig. Schreiende Kinder und fastfood-verseuchte Erwachsene werden schon von den 15,-€ für 2 Stunden Eintritt abgeschreckt. Vielleicht auch von der Stille, die im Badebereich Gesetz ist, oder von der puritanischen Innendekoration (viel nackter Beton). Und wer wie ich das erste Mal hierher kommt, interessiert sich nicht für Sauna, Massage und Außenpool, er geht am langen Tresen vorbei, direkt ins Herz der Anlage, besser: direkt in den Mutterleib. Denn der runde Pool befindet sich in einem dunklen Raum unter einer riesigen, auf vier Pfeilern ruhenden Betonkuppel. Am Zenit ein Bullauge zum Himmel über Berlin. Ringsum wabern sparsame Lichteffekte zu entspannter elektronischer Musik. Es riecht ein wenig nach Chlor. Das Wasser hat Badewannen-Temperatur, ist aber gesalzen wie das Meer. Verwöhnte Nixen würden sich hier sofort wohl fühlen. Das tun aber auch alle anderen. Zumeist Paare schieben sich abwechselnd wie im Kreise einer Schwimmbad-Therapiegruppe durchs Wasser. Das Gesicht dabei nach oben, die Ohren unter Wasser. Das ist wichtig, denn unter Wasser ist die Akustik wegen der Pool-Lautsprecher am besten. Man lauscht wie ein Wal und bewegt sich auch so behäbig. In Zeitlupe oder wie ein Astronaut im All. Man kann mit den Füßen auch am Beckenrand „andocken“, indem man sie einfach unter das Geländer klemmt. Dann ist das Astronautengefühl perfekt. Man schwebt in seiner Welt, im eigenen Kosmos und fühlt den Schoß Gottes, das Leben davor oder den Mutterleib danach. Wiedergeburt, denke ich, wenigstens für 1-2 Stunden. Türkisches Bad, denke ich weiter, unter Wasser gesetzte Krypta eines New-Age-Tempels. Auf jeden Fall ein Chill-out-Raum (Sonnabends legt ein DJ auf, freitags gibt’s „Klassik unter Wasser“). Je mehr ich denke, um so weiter treibe ich der Vernunft entgegen in dem Raum, wo laut Eigenwerbung des Liquidroms die „Kultur ins Wasser fällt“. Doch hier fällt nichts, hier schwebt alles, hier taucht man höchstens vor dem Alltag ab. Oder man flirtet. Und Flirten ist ja schließlich auch Abtauchen. Manchmal ist es im Liquidrom so sinnlich, wie ich mir einen anspruchsvollen Swingerclub vorstelle. Aber das ist es in einer Sauna auch, da sich Sinnlichkeit und Erotik zum Verwechseln ähnlich sehen, ähnlich anfühlen.&lt;br /&gt;Nach anderthalb Stunden habe ich dennoch genug. Meine Haut ist schrumpelig und der Abend dementsprechend nicht mehr ganz so jung (Das Liquidrom hat bis nachts geöffnet). Ein Bier!, denke ich am Ende meiner Wiedergeburt, denn Salzwasser macht durstig.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5774471969109466633?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5774471969109466633/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5774471969109466633' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5774471969109466633'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5774471969109466633'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/06/073-liquidrom.html' title='073 | Liquidrom'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6013829466859754388</id><published>2004-05-29T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:16:30.967+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>072 | Caveman, Arena &amp; Osthafen</title><content type='html'>Berlin hat kein Geld. Weil die Konjunktur noch künstlich beatmet wird und die Stadt mit Geld nicht recht umzugehen weiß. Wie eine meiner Bekannten, die ständig über finanzielle Probleme jammert, doch jeden Tag essen geht. Berlin bläht sich mal auf und entwickelt in Sektlaune Visionen, dann schrumpft es wieder in Katerstimmung zusammen. Bauprojekte werden oft nicht zu Ende gedacht, aber zur Hälfte fertiggestellt (U 55); Halbfertiges wird abgerissen (Topographie des Terrors), Halbabgerissenes bleibt über Jahre (Palast der Republik). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur: Berlin wäre kaum Berlin, wenn bei dem städtebaulichen Debakel nicht doch noch etwas ginge – abseits kommunaler Beton-Politik, dank privater Investoren, kreativer Projekte und fernab experimenteller Selbstbefriedigung mit falscher Subventionierung. So wird bald am Ostbahnhof mit dem Bau der „Anschutz-Arena“ begonnen, einem Kolosseum der Neuzeit &amp; Superlative. Die Arena wird als Multifunktionshalle das größte Eisstadion Europas beherbergen und zur WM-Eröffnung ab 2006 für Sport- und Musikveranstaltungen genutzt werden. Die veranschlagten Kosten von 150 Millionen Euro trägt ausschließlich die Anschutz-Entertainment-Group aus den Staaten. Da können die Stadtkämmerer diesmal wohl ganz entspannt bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arena, welche es in Berlin seit 10 Jahren bereits gibt, wird mit der Fertigstellung der neuen sicher die „alte Arena“, die „Konzert-„ oder „Kulturarena“ genannt. Sie befindet sich am Osthafen der Spree und wird vielleicht irgendwann einmal, wenn es der Hauptstadt besser geht, so schön saniert sein wie die „Kulturbrauerei“ in Prenzlauer Berg, auch wenn die alte Hafen-Industriehalle nicht halb so viel hermacht. Und es werden dann immer noch Konzerte oder Theateraufführungen stattfinden. &lt;br /&gt;Zur Zeit läuft dort im dazugehörigen „Glashaus“ (Eichenstr. 4) „Caveman“ (www.caveman.de), eine absolut empfehlenswerte Ein-Mann-Comedy aus New York („erfolgreichstes Solo-Stück aus der Geschichte des Broadways“) in einer Inszenierung von Esther Schweins. Es geht um das unterschiedliche Ticken von Männern und Frauen und die sich daraus ergebenen Rhythmusstörungen und Taktlosigkeiten bei Hetero-Paaren. Hier werden Klischees nicht bedient, sondern auf Kollektiv-Erfahrungen zurückgeführt. Und hier wird auf augenzwinkernd-witzige Weise – was Intelligenz voraussetzt – um Nachsicht für die Andersartigkeit von Männern und Frauen gebeten. Auch wenn man(n)/frau als Publikum sich für nicht typisch hält, ist der vorgehaltene Spiegel bei „Caveman“ groß genug, um ihn oder sie, sich und seinesgleichen darin wiederzuerkennen und lachend mit dem Finger auf das andere Selbst zu zeigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben dem Glashaus und der Arena liegt die „Hoppetosse“, ein Gastro- und Musikschiff vor Anker. Man kann auf dem Segler nicht ganz so gut essen wie auf dem „Klipper“ (Bulgarische Straße, vor der Insel der Jugend), hat von dort aber einen wunderbaren Ausblick auf die Spree mit Oberbaumbrücke, Universal-Haus, die riesige Wasserskulptur und die neuste architektonische Attraktion Berlins: das Badeschiff. &lt;br /&gt;Als Weiterentwicklung umzäunter Spree-Badeorte von vor hundert Jahren kann man seit dem 8. Mai über eine großflächige Stegkonstruktion zu dem „Badeschiff“ - einem schwimmenden Metallpool - gelangen und einen Meter über der Wasseroberfläche in und doch nicht in der Spree baden. Abends ist die Riesenwanne beleuchtet, im offenen Zelt am Ufer wird aufgelegt, in zwischen dicken Steg-Pfählen befestigten Hängematten oder im Zuckersand am Ufer gechillt. Man trinkt aus Flaschen oder Cocktailgläsern an der „Strandbar“, flirtet, genießt die Ruhe oder freut sich über eine Erweiterung des seit 2-3 Jahren anhaltenden Trends, Bacardi- und Insel-Feeling an die Spree zu holen (geöffnet von 8.00-24.00, Eintritt 3,-€). &lt;br /&gt;Bei so viel Innovation und Zeitgeist ist es kein Wunder, dass der seit 1913 existierende Osthafen als traditioneller Warenumschlagplatz nach 2005 nicht mehr existieren wird. Stattdessen werden zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke Ateliers, Büros und Wohnungen gebaut. In der Hoffnung auf vergleichsweise wenig Leerstand entsteht also ein Viertel für die „Multimedia – (Next)Generation“. MTV als möglicher Arbeitgeber ist bereits wie schon Universal vor Ort. Das klingt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin bleibt vorerst jedoch arm, wird in meinen Augen aber immer mehr zur Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, wenn auch leider nur für die, welche etwas und sich gut zu verkaufen wissen. Der Osthafen als symbolischer Ort: Die einen streichen die Segel, die anderen ankern im ruhigen Wasser. Und wer bis dorthin gekommen ist, sucht mit Tucholskys „Ideal“ die „Villa im Grünen mit großer Terrasse, / vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; / mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, / vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn, / aber abends zum Kino hast dus nicht weit.“ &lt;br /&gt;Für den Rest bleibt die Wirklichkeit, der Kiez, Berlin als Dorf und Verachtung für die vom Osthafen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6013829466859754388?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6013829466859754388/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6013829466859754388' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6013829466859754388'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6013829466859754388'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/05/072-caveman-arena-osthafen.html' title='072 | Caveman, Arena &amp; Osthafen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-9054490470339427458</id><published>2004-05-26T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:14:52.892+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>071 | Poltern &amp; Blinkern</title><content type='html'>Ruckizucki ist der Mai vorbei. Mit Fliederduft und Kastanienblüten, mit erstem Spargel und letztem Bodenfrost. Was ich für diesen Sehnsuchtsmonat auf meine „To-do-Liste“ geschrieben hatte, ließ sich auch an fünf Wochenenden nicht ganz verwirklichen und wird in den Juni mit rübergenommen. Zum Beispiel bei wärmerem Wetter in einem Gartenlokal am Wasser oder unter einer Kastanie bis zum Abendrot sitzen oder ins MoMA gehen (hatte vorgestern zu).&lt;br /&gt;Aber ich schaffte es mit dem Rad 111 km ins Anhaltinische zu fahren, wobei ich auf jeden einzelnen Kilometer stolz bin. Man hatte mich zu einer dörflichen Polterhochzeit eingeladen (und ich liebe Hochzeiten, sofern ich nur Gast sein kann). &lt;br /&gt;Das Ganze fand auf einem großen Gehöft statt, mit Bierwagen und ordentlicher Überdachung gegen den kalten Regen. Nachdem sich Männer, die im Anzug erschienen waren, und Frauen, die mit ihren Highheels den nassen Rasen zu vertikutieren schienen, bequemer und wärmer angezogen hatten, begann der bekannte Ablauf von Reden, Showeinlagen und Tanz nach dem Kaffee. Diesmal war es nicht nur erträglich, sondern sogar unterhaltsam.&lt;br /&gt;Mich beeindruckte vor allem diese flexible Dorfgemeinschaft: Ein gelernter Fleischer (Er sah so aus, wie man ihn sich vorzustellen hat) bereitete aus zwei Schweinen – ein Haus- und ein Wildschwein (selbstgeschossen!) – über offenem Feuer eine Art Gulasch zu. Frauen in den Rollen von Kellnerinnen inszenierten sich später flexibel mit in- und externen Parodien. &lt;br /&gt;Die Frischvermählte selbst ließ es sich auch nachts nicht nehmen, nur im Brautkleid rumzuwuseln. Voller Energie und voller Pfützendreck am Saum. Die Alten am Rande schlugen entsetzt amüsiert die Hände zusammen. Vor allem, als einer von ihnen der Brautstrauß in den Schoß flog. Dann wurde wieder getanzt, mit ländlicher Nonchalance, Hand in Hand und Hand um Schulter oder Taille, nach altbewährtem Dreh. Dazu volkstümliche Stimmungsmusik („Ein wie-ßer Schwaan / zie-het den Kaahn / mit der schö-nen Fi-sche-rin / auf dem blau-en See da-hin ...“ und der unvermeidliche „Holzmichel“, der – Jaaa!!! – noch lebt!). Befremdlich, aber es passte von Bier zu Bier immer besser, wie ich fand.&lt;br /&gt;Vor dem Poltern wurden offenbar ganze Sanitärgeschäfte und Gärtnereien geplündert. Ein Traktor kam beispielsweise mit Anhänger und Massen an alten Tonblumentöpfen in der stolz erhobenen Baggerschaufel an. Nachdem der Fahrer diese ausgeleert hatte, stieg er aus, sagte den vor dem Tor Versammelten trocken „n´Abend!“, öffnete die Seitenklappe des (nicht einsehbaren) Anhängers, stieg wieder ein und setzte den hydraulischen Kippmechanismus in Gang. Die Umstehenden traten in ungewisser Erwartung, was da gleich rausscheppern werde, zurück. Und: Die Ladung, welche am Straßenrand in Scherben ging, bestand nur aus einem einzelnen (zerbrochenen) Krug. Die Art Humor gefällt mir.&lt;br /&gt;Ja, und anderntags radelte ich wieder die Strecke nach Berlin zurück.&lt;br /&gt;Himmelfahrt war ich wie letztes Jahr mit dem Kanu in Mecklenburg unterwegs. Aus der wild-romantischen Umtragestelle zwischen dem Plätlinsee und dem Klenzsee war auf dem Areal eines über 120 Jahre alten Wustrower Bauernhofes ein „Kanuhof“ geworden. Mit Bootsverleih, WC und Waschmöglichkeiten, mit Pacht fürs Zelten und – jeder Menge Durchreisender. Tagsüber blinkerte ich nach Hechten und hoffte, dass es nicht regnen würde. Denn am Himmel wechselten sich Cumulus- mit Regenwolken ab. Manchmal kam aber auch die Sonne durch und wärmte mich, während ich auf einem Steg döste oder heißen Kaffee trank. Marlboro-Feeling, nur ohne Zigaretten. Für den großen Fischfang war es jedoch zu kalt. Ein untermaßiger Hecht, ein annehmbarer Barsch, eine Güster, eine Plötze.&lt;br /&gt;Trost gibt es da oben in solchen Fällen immer noch in der Fischräucherei von Rheinsberg, wo es neben Zuchtforelle und -lachs Selbstgefangenes wie Maräne, Barsch und Schleie gibt.&lt;br /&gt;Dazu abends am Lagerfeuer ein Bier und die Bekanntschaft mit Karateka aus Rheinsberg oder einer geselligen Truppe aus Dresden. Mehr braucht es nicht. Eine Gymnasiallehrerin hatte tatsächlich ihrer Gitarre dabei und belebte mit Evergreens den vollkommenen Mythos von der Lagerfeuerromantik. Authentizität statt Retro. Es wurde mitgesungen. Leise. Und die dunkle, kalte Welt um uns wurde einfach und gut. Wie damals ..., als Erinnerungen begannen. &lt;br /&gt;Einfach und gut ..., bis ein Waschbär kam und uns skeptisch beäugte, als wären wir ein paar idealistische Dinosaurier, die er nicht fürchten muss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-9054490470339427458?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/9054490470339427458/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=9054490470339427458' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9054490470339427458'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9054490470339427458'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/05/071-poltern-blinkern.html' title='071 | Poltern &amp; Blinkern'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-55613686213014246</id><published>2004-04-28T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:13:14.332+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>070 | Biken</title><content type='html'>Letzten Sonntag habe ich die erste lange Radtour dieses Jahres gemacht. Und dann gleich 4 Stunden im Sattel gesessen. Jede dieser Stunden kostete anschließend meinem Hintern einen Tag Regeneration. Dabei wollte ich eigentlich nur durch den Grunewald fahren, ganz entspannt, wie einst die Könige mit ihren Mätressen, wenn sie aus dem Jagdschloss kamen. Aber für die Spazierfahrtidylle waren zu viele Hunde mit Herrchen und Frauchen unterwegs. Klein, groß, dick, doof, über- oder unterzüchtet. Herrchen, Frauchen und Hunde. Letztere sind ja schließlich auch nur Menschen. Und manch kleiner Kläffer, bulliger Boxer oder versnobter Windhund wirkte wie das Alter Ego seines Strippenziehers. &lt;br /&gt;Dann gab es Hunde, die Radfahrer und Biker anfallen („Der will bloß spielen ...“), Hunde, die nicht ausweichen können, und Hunde, die an langer Leine als wandelnde Fallen unterwegs sind. Das Wort Slalom musste neu definiert werden. &lt;br /&gt;Selbst im Grunewaldsee: lauter Hunde. Was Wunder, dass der Nachbarsee „Hundekehlesee“ heißt. &lt;br /&gt;Also machte ich, sobald es ging, einen großen Bogen um den Wanderzirkus und fuhr parallel zur S-Bahn und Avus an zwei Kleingartenkolonien vorbei (Kolonie „Hundekehle“ und Kolonie „Hundekuhle“!). Dort: Ruhe und Schlaglöcher, Kinder, die schaukeln, Mütter, die Beelitzer Spargel schälen, und - nur noch ab und an: ein Hund.&lt;br /&gt;Am Großen Stern, wo die Avus untertunnelt ist, suchte ich das Weite: bis zum Havelstrand, die Havelchaussee südlich, und dann den Kronprinzessinnenweg weiter zum S-Bahnhof Wannsee. Weil es langsam Spaß machte, folgte ich der Königstraße als Königstrecke Richtung Potsdam.&lt;br /&gt;Im Pavillon des Glienicker Schlosses machte ein Fotograf bei perfektem Licht erotische Aufnahmen von einem Model auf Highheels mit kurzem Rock, langem, offenem Mantel und professionellen Posen. Sie arbeiteten diskret und leise.&lt;br /&gt;Auf der Glienicker Brücke, 100 Meter weiter, war es dagegen laut, keine Kulisse mehr für einen Agentenaustausch, dafür alles schön saniert. Aber eben zu viel Lärm für den Eintritt in Brandenburgs ruhige Hauptstadt. Denn Potsdam bleibt für mich zwar eine Stadt mit Potential, großen und verstreuten Kunstschätzen, ist im Grunde aber langweilig-gediegen. Stahnsdorf und Teltow, Orte, die auf meiner weiteren Route lagen, sind dagegen zu komplex, als dass ich sie mit einem armen, aber gemütlichen märkischen Dorf vergleichen könnte: Bürgerhäuser und Plattenbauten zwischen Normalität und einigermaßen blühender Landschaft. Aber nichts Reiz- oder Geheimnisvolles im Vorbeifahren.&lt;br /&gt;Obwohl gerade Teltow links und rechts der Hauptstraße kein Ende zu nehmen scheint, kommt der Übergang nach Berlin abrupt. Plötzlich ist man in Lichterfelde oder Zehlendorf. Dort sieht es nicht großstädtisch aus, aber es ist immerhin Berlin. Und irgendwo darin wusste ich am Sonntag meine Dusche und meine Couch. Alles andere durfte auf der Strecke bleiben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-55613686213014246?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/55613686213014246/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=55613686213014246' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/55613686213014246'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/55613686213014246'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/04/070-biken.html' title='070 | Biken'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7275500877411240711</id><published>2004-04-09T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:11:52.193+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>069 | Urbi et orbi</title><content type='html'>Hoppla, da bin ich wieder! Auferstanden bereits am Karfreitag, wenn auch erst gegen Mittag. Immerhin, denn Frühjahrsmüdigkeit und Nieselwetter wollen mich glatt wieder ins Bett schicken. Ein wenig fühle ich mich wie die Bäume da draußen, die in sich ruhen, aber nur halbherzig blühen und darauf warten, dass ihnen der Lebenssaft von alleine einschießt. Ich genieße – nach der gestrigen Einkaufshektik – die Stille, höre (kein Widerspruch!) die Meisen durchs offene Fenster und vermisse höchstens noch das Knacken einer alten Schallplatte oder das brennender Holzscheite im Ofen, um mich vollends behaglich zu fühlen. Behaglich und etwas kraftlos, ja, das trifft meinen Zustand. Vielleicht hätte ich mir mit der Auferstehung bis zum Sonntag Zeit lassen sollen; aber der Winter war schließlich lang genug.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich recke mich, prüfe schon mal den Reifenluftdruck am Fahrrad und wische liebevoll den Staub vom Angelkram. Jetzt, da das eigentliche Jahr beginnt, wenn die ersten Angler am See sitzen. Davor war nur Geplänkel und Wunsch nach kleinen oder (besser!) großen Fischen („Manntje, Manntje, Timpe Te ...“). Mal sehen, was dieses Jahr anbeißt: abgetauchte oder neue Freunde, das große Glück? Hält die Schnur? Geht man baden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom Fenster aus beobachte ich die lange Schlange vor der Neuen Nationalgalerie. „MoMA“ heißt das Stichwort und die Ausstellung in eigener Sache: Museum of Modern Art. Ausgesprochen wirkt es (ausgesprochen gut). Als Abkürzung hört es sich lächerlich an: MoMA! Wie der Name eines Indoor-Spielplatzes. Für eine Dada-Ausstellung wäre es okay, nur nicht für die visuellen Kavierhäppchen der Top-Moderne. MoMA klingt so hipp wie gleichnamiger Babybreihersteller in Werbespots rüberkommt. Aber wie unwichtig ein Name letztlich ist, weiß man ja nicht erst seit „Romeo und Julia“. Hingehen werde ich auf jeden Fall - wenn es sich ausgeschlängelt hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Falls es hier jemanden gibt, der/die meine Tagebuchaufzeichnungen (besser: Wochenbuchaufzeichnungen) regelmäßiger liest, als ich sie verfasse, wird er/sie sich vielleicht fragen, was ich die letzten beiden Monate getrieben habe. Die Antwort ist einfach: Wenn ich das abziehe, was mir zu privat oder banal erscheint, bleibt unterm Strich nicht mehr viel übrig. Geschrieben: (fast) nichts. Ausstellungen: (noch) nicht. Konzerte: nein. Kino: selbst das nicht. Vielleicht mal gut essen, aber davon kann ich nicht in einer Tour berichten. Kulturell bin ich also aus dem Training, halte mich höchstens mit Lesen geistig in Form (Tucholsky-Biografie).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tja, manchmal macht der Alltag selbst aus Berlin ein Dorf. Man lebt nicht viel anders als in der Provinz, man hat nur mehr Möglichkeiten - neben Frühjahrsputz, Freundschaftsbesuchen und Feierabendbier. Wer die Berliner Möglichkeiten allerdings längerfristig nicht nutzt, sollte sich fragen, worauf sich sein Lokalpatriotismus (so er/sie hat) bezieht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Meisen sind still geworden da draußen ...&lt;br /&gt;Ob die Menschen in der Schlange vor der Neuen Nationalgalerie mehr Angst vor Anschlägen haben als die Angler im abgeduckten Umland? Nur so ein Gedanke. Und bevor ich das Fenster wieder schließe: &lt;br /&gt;Wo auch immer ihr seid: Frieden &amp; fette Beute, urbi et orbi, also: alles Gute zum neuen Jahr!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7275500877411240711?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7275500877411240711/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7275500877411240711' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7275500877411240711'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7275500877411240711'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/04/069-urbi-et-orbi.html' title='069 | Urbi et orbi'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7031874014552172214</id><published>2004-02-04T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:09:57.513+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>068 | Die „Berlinale“ &amp; „Das Magazin“</title><content type='html'>Morgen beginnt in Berlin die Berlinale. Aber das interessiert mich nicht wirklich. Bei mir muss es sich erst ordentlich rumgesprochen haben, dass ein Film gut ist, bevor ich ihn mir ansehe (so bei „Halbe Treppe“). Dann darf die Kassenschlange auch nicht länger als die von „Burgerking“ sein, sonst gehe ich lieber dorthin oder gleich in die Videothek. Ohnehin ist mir zur Zeit eher nach Hausmannskost: Nach langer Zeit hat mich eine ordentliche Erkältung erwischt, die es mir mit Nachholebedarf so richtig zu zeigen gedenkt. Jeden Tag gehen einige Packungen Taschentücher drauf, die Augen sind so wässrig trübe wie das Wetter da draußen und mein beim Atmen offener Mund würde mich für eine intellektuelle Herausforderung wie die Berlinale ohnehin zu debil erscheinen lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alles Ausflüchte, ich weiß. Ich bin halt kein Cineast und es würde mir beim Risiko-Kauf einer Kino-Karte nur ums Geld leid tun. Im Sommer wäre das was anderes. Die Berlinale als Open-Air-Event mit Friedrichshainer Volkspark-Charme kann ich mir gut vorstellen. So was Ähnliches gab es ja mal bis 1978. Doch der Februar war lukrativer, weil konkurrenzloser. Und die Schlangen vor den Kino-Kassen sind ja immerhin auch im Februar so lang, wie das Interesse groß ist. Wenn man von Leuten wie mir absieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe es ja noch nicht mal geschafft, mir „Lost in Translation“ anzusehen. Dabei weiß ich durch Trailer und Filmkritiken, dass mir der Film gefällt. So wie ich es von köstlichen Speisen weiß, die ich nie probiert habe, aber deren Rezepte ich kenne.&lt;br /&gt;Also sitze ich zu Hause, lese mir köstliche Rezepte durch, koche etwas ganz anderes und schmecke – wegen des Schnupfens – ohnehin nichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute morgen sagte Fitness-Guru Ulrich Strunz, der gerade auf Teneriffa ist, bei RadioEins: „Wenn man die ganze Zeit hier ist, sehnt man sich nach dem deutschen Schmuddelwetter zurück ...“ Der Heuchler! Neulich beim Joggen dachte ich daran, wie er immer sagt: „Beim Laufen muss man lächeln, es muss leiiiiiiicht aussehen.“ Ich habe beim Laufen noch nie gelächelt, und ich laufe seit über 6 Jahren konsequent, nur eben jetzt nicht (schlecht fürs Herz). Herr Strunz würde bestimmt auch behaupten, die Gäste eines Wellness-Hotels sehnen sich nach Kindergeschrei, resozialisierte Ex-Knackis nach dem Strafvollzug, wohlhabende Mittelständler sehnen sich nach dem Sozialamt oder die als geheilt entlassene Patienten nach ihren überwundenen Krankheiten („Darf´s jetzt eine Metastase mehr sein?!“).&lt;br /&gt;Ich jedenfalls sehne mich nach Sommer und – würde Herr Strunz nicht gerade dort sein – auch nach Teneriffa (mit Wellness-Hotel).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im „Magazin“-Heft von vor 29 Jahren (Heft Nr. 2), das mir zufällig vorliegt, sitzt ein Mann im Morgenmantel am Frühstückstisch (von Werner Klemke gezeichnet) und sieht noch vergrämter drein als ich. Denn er durfte nicht mal von Teneriffa träumen und „wellness“ kam in seinem Schul-Englisch nicht vor.&lt;br /&gt;Weil ich mich nicht um Kino-Karten kümmere, blättere ich das Heft etwas durch:&lt;br /&gt;Reklame für „Staatliche Lebensversicherung der DDR“ (hat der DDR trotzdem nix genützt), Reklame für „Livio“-Kamillencreme (M 1,50) und „Pohli“-Gesichtswasser (M 2,55) von VEB Dresden Kosmetik. &lt;br /&gt;Dann „Treffpunkt“: &lt;br /&gt;„Berlinerin, 30 J., schlk., mit Hochschulbild., wü. Jg. Mann bis 34 J. m. marx. Weltansch. zw. spät. Heirat kennenzul. MA 6992 DEWAG, 1054 Berlin“&lt;br /&gt;Vielleicht hat sie ja Glück gehabt mit so einem Mann. Vielleicht hat sie die Wendezeit inzwischen verdaut und beide feiern auf Teneriffa Silberhochzeit. Oder sie sitzt frustriert in einer Plattenbauwohnung und sagt bei den Nachrichten zu ihrem Mann: „Ich kann das mit den Reformen nicht mehr hören; damals in der DDR ...“&lt;br /&gt;Weiter! Leserbriefe. Hans-Joachim Illguth aus Hermsdorf schreibt:&lt;br /&gt;„Bis jetzt haben mir ihre Titelbilder immer gut gefallen, aber eins habe ich als Vertreter des männlichen Geschlechts zu bemängeln: Haben Sie schon einmal bemerkt, dass wir Männer stets als die Unterlegenen dargestellt werden? Es sieht immer aus, als gäbe es nur energielose Pfeifen! Meine Verlobte wartet jedes Mal nur darauf, um mir anhand des Magazintitelbildes klarzumachen, wer Herr im Hause ist. Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn Sie den Spieß einmal umdrehen würden!“&lt;br /&gt;Ohne Worte und weiter: Erzählungen, Gereimtes, Porträts, Rätsel, Filmtipps, Karikaturen, Aktbilder, wieder Reklame (für Bücher, „Yava“-Spray, „Sküs“- und „regard“-Kosmetik, TeleLotto), aber auch eine Warnung des Deutschen Hygiene-Museums vor Medikamentenmissbrauch (Tabletten &amp; Abführmittel). &lt;br /&gt;Aus heutiger Sicht war das „Das Magazin“ gespickt mit Zeitlosem wie Skurrilem. Parteipolitisches fehlte. Aus jetziger Sicht: ein Wellness-Magazin! Viele der Schwarz-weiß-Fotos wirken lyrisch, melancholisch, zauberhaft, wie ich es in heutigen Mainstream-Medien vermisse.&lt;br /&gt;Fast bin ich versucht zu sagen: „Damals in der DDR ...“ Aber das liegt nur an der Jahreszeit und an meiner Erkältung. Wenn ich wieder fit bin, werde ich hoffentlich über etwas Gegenwärtigeres zu berichten haben, das ich vor Ort auch beschnüffeln konnte. Bis dahin falte ich mir noch einige Taschentücher auf, blättre im „Magazin“ von Anno dazumal und fühle mich wie eine „energielose Pfeife“.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7031874014552172214?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7031874014552172214/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7031874014552172214' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7031874014552172214'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7031874014552172214'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/02/068-die-berlinale-das-magazin.html' title='068 | Die „Berlinale“ &amp; „Das Magazin“'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6560848174544309014</id><published>2004-01-18T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:07:41.139+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>067 | Thalbach &amp; „Moon Thai“</title><content type='html'>Katharina Thalbach wird 50. So stehts im Feuilleton der Zeitungen. Ob´s ihr recht ist, dass es nun auch der letzte U-Bahn-Leser weiß? Es wird sie zumindest nicht stören. Denn in Interviews wirkt sie rotzig-locker wie eh. Und wenn sie über etwas nicht reden möchte (Schwächen von Kollegen oder wovon sie träumt), dann lässt sie es eben. Aber ihr Alter ...? Schließlich gehört Klappern zum Handwerk und schließlich fühlte sie sich immer schon wie ein „altes Kind“, was ich gut nachvollziehen kann. Immerhin erfahre ich mit der „50“ als Aufhänger einiges über ihr Leben, über ihre - wo preisgegeben - Persönlichkeit. Ob sie wirklich mit dem Wachsen aufhörte, weil ihre Mutter starb, ist schwer zu glauben, aber es ist zumindest eine interessante Theorie von ihr (und ihrem damaligen Arzt). Da war sie zwölf und hatte die 1,55 m erreicht. Seitdem: keinen Zentimeter mehr! Es erinnert mich an das Klein-bleiben-Wollen Oskar Matzeraths aus der „Blechtrommel“, dem Film, in dem ich Katharina Thalbach das erste Mal sah. Das war vielleicht auch ihre erste Filmrolle nach der Westausreise 1976. Besonders hübsch fand ich sie nicht, doch sie hatte was. Die Brausepulver-Szene empfand ich wortwörtlich als prickelnd, aber auch irgendwie eklig. Wie einen Zungenkuss mit sieben. Jetzt sieht sie aus, wie ich mir Frodos Mutter im „Herren der Ringe“ vorstelle: große Augen, kleiner Körper; gnomhaft &amp; facettenreich. Und diese Stimme!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann nahm ich Frau Thalbach erst wieder (bewusst) als Mutter Ehrenreich in „Sonnenallee“ wahr und fand sie einfach großartig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Theater sah ich sie nie. Bis vorgestern. Da gab sie den Mercutio im Berliner Gorki-Theater. Das „Romeo und Julia“-Stück hatte sie sogar selbst inszeniert. &lt;br /&gt;Eine Frau als Mercutio, und dann noch die Thalbach, das ist mindestens so gewöhnungsbedürftig wie die Vorstellung, dass zu Shakespeares Zeiten nur Männer die Julia spielen durften. Aber es war gut. Sie sprach, soff, kotzte und pisste wie ein Mann, oder wie Frauen sich „richtige“ Männer vorstellen oder sie erlebt haben.&lt;br /&gt;Was mich an dem Stück jedoch störte, war das Übersexualisierte, weil es aus dem Drama eine erigierte Hans-Wurst-Klamotte zu machen drohte: Mercutio poppte Benvolio, der Romeo dabei einen blies, Julia zwirbelte ihrer Amme die Brustwarzen usw. Bei Shakespeare gibt das Komische dem Tragischen die lebensnahe Würze, hier war manches einfach überwürzt, wie Minestrone mit Vanillesoße. Karikaturen statt Anspielungen. Von solchen Einlagen abgesehen hat mir die Vorstellung jedoch gefallen. Ein Bekannter war dagegen schwer enttäuscht „Die Thalbach soll schauspielen und nicht inszenieren!“, sagte er. Wer weiß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedenfalls mag ich ihre erdige Art. Nachdem die großen Berliner Volksschauspieleroriginale mehr oder weniger tot sind, wird deren Herz-und-Schnauze-kleine-Leute-Mentalität von Katharina Thalbach bestens weiterverkörpert. Finde ich zumindest.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da Frau Thalbach im Interview gestand, sie könnte den ganzen Tag lang essen, würde es sie vielleicht interessieren, dass ich in Charlottenburg zwischen vielen vor allem asiatischen Restaurants ein kleines, feines Thai-Restaurant entdeckt habe: „Moon Thai“ in der Kantstraße 32 (Nähe Savignyplatz). Da stehen auch bereits Autogrammkarten von Michael Schanze bis Herrn Olm an der Wand – was unkommentiert bleiben kann. Davon abgesehen ist der kleine Raum wirklich was fürs Auge: Stuckdecke und orange Wände, sphärische Musik und eine nette Kellnerin ohne Lächeln – reizvolle Kontraste. Das folkloristische Interieur wurde liebevoll nach Qualitätsmerkmalen ausgesucht, alles ist sauber, der Gast fühlt sich wohl. Mittags kann er entspannen, abends muss er vorbestellen. Das spricht vor allem für die Kochkünste des „Moon Thai“. Das Chicken-Sate besteht tatsächlich aus Hähnchenfleisch und nicht aus Pute (aber die Erdnuss-Soße im „Chez de Nhad“, dem vietnamesischen Bistro in der Mulackstraße 31, bleibt unübertroffen). Köstlich das doppelt gebratene Hähnchenfleisch mit Reis und Gemüse. Den Reis füllt man sich mit einem dunklen Holzlöffel auf, und dieses Bild (Reis auf dunklem Holzlöffel) ist einfach schon vollkommen! Allmählich macht sich eben in den unzähligen asiatischen Restaurants der Hauptstadt ein höheres Level bemerkbar. Das finden auch die Gastro-Kritiker des Tip-Magazins. Da wird beispielsweise das nagelneue „Cochin“ am Hackeschen Markt empfohlen (Neue Promenade 6). Und ich fürchte, ich muss da bald hin, auf der Suche nach der perfekten Erdnuss-Soße und vietnamesischen Gerichten ohne Koriander. Aber damit werde ich es wohl schwer haben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6560848174544309014?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6560848174544309014/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6560848174544309014' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6560848174544309014'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6560848174544309014'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/01/067-thalbach-moon-thai.html' title='067 | Thalbach &amp; „Moon Thai“'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7796276482447360824</id><published>2004-01-04T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:06:02.211+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>066 | Vor- und Rückblicke</title><content type='html'>Unter dürren Straßenbäumchen liegt zerfetztes Böllerrot wie abgeschneite Blütenblätter. Und im Fernsehen wirbt man bereits wieder mit Frühlingshaftem. Willkommen im neuen Jahr!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Monate lang hatte ich keine rechte Lust, etwas zu schreiben. Stattdessen quälte ich mich mit einer Jahresrückschau nach der anderen durch den Dezember und dachte über Johannes Heesters Altersweisheit nach: „Nie zurückblicken!“ Und das aus seinem Mund, Respekt! Aber ich mag die Rückschau genauso wie das Pläneschmieden. Rückschau aus einem warmen Zimmer heraus, wo man getrost überwintern kann hat immer etwas von wahrer Besinnlichkeit. Nur wenn es mir zu kuschelig wurde, zog ich meine Laufschuhe an und zog um die surreale Häuserkulisse. &lt;br /&gt;Selbst in Berlin haben viele aus ihren Balkonen leuchtende Disney-Discos gemacht. Jemand schob einen mit Schmalfilmkamera im Einkaufswagen die Straße lang (Alles festhalten!), ein Sechsjähriger mit Polenböller in der Hand fragte mich nach Feuer ... Der ganz normale Wahnsinn. Aber dann auch Tschaikowskis „Nussknacker“ im detailverliebten Papiertheater (Paulinenhof, Sophienstraße 28/29) und ein Neujahrsspaziergang am Petzinsee. Diese Ruhe! Als sei die dünne Eisschicht des Sees daran schuld, oder Nebeldunst in der Ferne. Der Stein, den ich über das Eis hüpfen ließ wie ein übermütiges Pferd war zweckfrei und gab keine Anstöße. Aber er machte Geräusche wie Eisenbahnschienen, nachdem gerade ein Zug vorbeigefahren ist. Sommererinnerungen. Zirpende Grillen am Bahndamm. Wahre Poesie, Vor- und Rückblicke.&lt;br /&gt;Was noch?&lt;br /&gt;Ein Bekannter erzählte mir vom Auftritt eines geleasten Weihnachtsmannes - türkisch, jung und brauchte das Geld: „Ey Kleine, kannst du mir konkret Gedischt erzähln ...?!“ Sitcom wider Willen. Und doch irgendwie gut. Dabei fällt mir ein, dass Harald Schmidt sich zum Winterschlaf zurückgezogen hat, was ich verstehe und sehr bedaure. Weil Schmidt in der 1. Satire-Liga genialisch konkurrenzlos war. &lt;br /&gt;Aber er ist ja nicht aus dem Leben und das Jahr hat erst angefangen. Ich glaube, es wird ein besonderes.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7796276482447360824?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7796276482447360824/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7796276482447360824' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7796276482447360824'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7796276482447360824'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2004/01/066-vor-und-rckblicke.html' title='066 | Vor- und Rückblicke'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8705339363464036025</id><published>2003-11-03T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T20:02:55.362+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>065 | Mucha-Ausstellung</title><content type='html'>Gestern, am Sonntag, war ich in der Alfons-Mucha-Ausstellung im Bröhan-Museum, wo eine umfangreiche Retrospektive aus der Belle Époque in der Beletage gezeigt wird. Es war herrlich! Jugendstil-Plakatkunst vom Feinsten. Überall idealisierte Frauen mit Blumen im Haar, Allegorien der Künste, Jahreszeiten, Pflanzen, Gestirne und Edelsteine. Immer aber sind es Ikonen weiblicher Schönheit oder Variationen von Anmut und Eleganz. &lt;br /&gt;Muchas Lithografien zeigen Nymphen, die unschuldig vollkommen oder professionell sinnlich dargestellt sind. Illustrierte Lust, kunsthandwerklich perfekt! Dass dem Künstler beim Arbeiten nicht die Linien wegzitterten, ist schon erstaunlich. Linien, von denen das Werk dank damals entdeckter japanischer Holzschnitte lebt.&lt;br /&gt;Erstaunlich ist auch, wie vielfältig die Ornamentik des einstigen Autodidakten ist. Neben byzantinischen Anleihen stellt die Natur den größten Fundus zur Verfügung: von Krabbelkäfern bis zu Blütenblättern ist alles vetreten.&lt;br /&gt;Unbegreiflich, dass die Prager Akademie der Künste dieses Genie einmal mit den Worten ablehnte: „Herr Mucha, Sie sollten sich nach einem Beruf umsehen, für den Sie nützlicher sein könnten ...“&lt;br /&gt;Selbst wenn Mucha Illustrator und Kulissenmaler geblieben wäre, wenn er bloß Werbeplakate angefertigt hätte, wäre er berühmt geworden, davon bin ich überzeugt. Weil Muchas Plakate in erster Linie und mit allen Linien Sinnlichkeit vermarkten. Sex sells – wie auf der “JOB“-(Zigaretten?)-Reklame von 1896, meinem Lieblingsbild. Alle angepriesenen Produkte wie Champagner, Biscuits und Parfum sind da nur noch Stimmungsmacher. Kunst und Kommerz also vollkommen vereinigt. &lt;br /&gt;Würde Mucha heute leben, wäre er mit Sicherheit Werbegrafiker oder Designer. Comic-Zeichner könnte ich mir auch vorstellen, bei der vornehmen Theatralik, die seine Figuren ausmachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bilder sind einfach nur schön. Wobei „nur“ bei einem Künstler immer auch nach Makel klingt und Angriffsfläche bietet. Doch Mucha hat sich mit allem schönen Schein auch sozial oder gar politisch engagiert. Wie bei einem UNICEF-Vorläufer-Plakat von 1922, wo zur Nahrungsmittelhilfe zugunsten russischer Kinder aufgerufen wurde. Oder im „Slawischen Epos“, mit dem er auf romantische Weise das nationale Selbstbewusstsein nicht nur der Tschechen stärken wollte. Immer aber blieb er dabei seiner ästhetischen Ausdrucksweise treu.&lt;br /&gt;„Der Sinn meines Werkes bestand nie darin, etwas zu zerstören, sondern stets zu schaffen, Brücken zu bauen, denn uns alle muss die Hoffnung nähren, dass die gesamte Menschheit einander näher kommt, und dies um so leichter, wenn einer den anderen kennen lernt“, sagt er.&lt;br /&gt;Er züchtete also im besten Glauben gefällige Pfauen, statt sie expressionistisch zu rupfen. Oder anders: Seine Kunst ist wie süffiger Likör, der nicht mehr als einen Wermutstropfen verträgt. Sonst wäre das Zeug nämlich ungenießbar. So ist alles ausgewogen im Geschmack und für meine Begriffe nie zu süß oder klebrig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben den bedeutsamen Lithografien sind auch Pastelle, Zeichnungen, Ölgemälde, Fotografien, Skulpturen, dekorative Entwürfe, Bucheinbände, Produktverpackungen und Schmuck ausgestellt. Und es läuft ein Video über Muchas Leben, Werk und seine Zeit, wenn auch auf Englisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mucha-Retrospektive dauert in Berlin noch bis zum 18. Januar an, im Bröhan-Museum, gegenüber des Schlosses Charlottenburg (Schlossstr. 1a). www.broehan-museum.de&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer hinterher diesen Kunstgenuss abrunden möchte, sollte unbedingt in das nahe gelegene italienische Restaurant „Opera Italiana“ gehen (Spandauer Damm 5). Die Opern-Welt – der Welt Muchas verwandt - gibt den Einrichtungsstil vor, der Rest scheint über Jahre liebevoll und typisch italienisch zusammengetragen worden zu sein. Werden auch noch Arien gespielt, kann sich in dem zwei-etagigen hohen Raum der Geist beflügelt erheben. Vor allem aber, weil Pino, der sizilianische Chef, nicht nur gutes Essen, sondern auch 50 verschiedene Rotweine bereit hält. Also dann!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8705339363464036025?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8705339363464036025/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8705339363464036025' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8705339363464036025'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8705339363464036025'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/11/065-mucha-ausstellung.html' title='065 | Mucha-Ausstellung'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5402958359573328710</id><published>2003-10-24T19:52:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T22:12:51.543+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Des Abendstille</title><content type='html'>Das Jaulen&lt;br /&gt;Des Hundes&lt;br /&gt;Vor des Fensters&lt;br /&gt;Nervt! des Kopfwehs Besitzers.&lt;br /&gt;Warum? Fragt des nicht!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erschießt das Jaulen!&lt;br /&gt;Und des Hundes gleich mit!&lt;br /&gt;Sagt des Mundes Besitzers&lt;br /&gt;(Nicht des Hundes Besitzers)&lt;br /&gt;Warum? Fragt des nicht!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da wards still.&lt;br /&gt;Nur des Kopfes Weh&lt;br /&gt;Fragt noch: Warum?&lt;br /&gt;Des Mundes nicht,&lt;br /&gt;Damit des Stille bleibt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5402958359573328710?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5402958359573328710/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5402958359573328710' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5402958359573328710'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5402958359573328710'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/10/des-abendstille.html' title='Des Abendstille'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8089362425058124247</id><published>2003-10-23T17:32:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T22:01:34.127+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Herbst</title><content type='html'>Grünes Licht für gelbe Blätter.&lt;br /&gt;Aus dem Laub tritt kalter Schweiß.&lt;br /&gt;Das Gemüt verfällt dem Wetter;&lt;br /&gt;Jedes Jahr hat seinen Preis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor der Tür ein weites Feld:&lt;br /&gt;Hämatomenhafte Schatten&lt;br /&gt;In den Furchen einer Welt,&lt;br /&gt;Die wir jung erobert hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abgeerntet sieht das Feld&lt;br /&gt;Wie ein Gottesacker aus.&lt;br /&gt;Unerkannt und unbestellt&lt;br /&gt;Geht ein Mann von Haus zu Haus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klopft er jetzt auch noch nicht an,&lt;br /&gt;Wird er in der Nähe bleiben&lt;br /&gt;Und wird sicher irgendwann&lt;br /&gt;Seine alte Schuld eintreiben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8089362425058124247?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8089362425058124247/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8089362425058124247' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8089362425058124247'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8089362425058124247'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/10/herbst.html' title='Herbst'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4077331738298702494</id><published>2003-10-20T15:27:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T21:39:47.876+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Am Ende, nicht eher</title><content type='html'>Ein Jahr ist ein Leben&lt;br /&gt;Mit Hoffnung auf mehr:&lt;br /&gt;Das Wollen des Frühlings,&lt;br /&gt;Die Weisheit des Herbstes&lt;br /&gt;Im sterbenden Licht.&lt;br /&gt;Das Ja vor dem Nicht&lt;br /&gt;Gebiert ein Vielleicht&lt;br /&gt;Am Ende, nicht eher.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4077331738298702494?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4077331738298702494/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4077331738298702494' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4077331738298702494'/><link rel='self' 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Im Bett noch etwas gelesen: Alfred Polgar „Die Mission des Luftballons (Skizzen und Erwägungen)“. Will mir beim Altmeister des Feuilletons ein paar Anregungen holen. Dann raus aus dem Bett und Balkontür auf. &lt;br /&gt;Startup mit Kaffee und Radio1. Thema „Platte“, also Glatze, läuft gerade, während ich schreibe. Vom Haarausfall zum anhaltenden Trend oder so. Kein Thema für mich. Meine Haare werden nur grau, halten aber an mir fest wie ich an ihnen.&lt;br /&gt;Balkontür zu.&lt;br /&gt;„Es ist arschkalt geworden“, sagten meine Freunde , als ich mit ihnen um die Häuser zog. Nur meine Nachbarin schreibt von einer sonnigen Terrasse aus Peru. Peru ... Peter Lichts Sonnendeck fällt mir ein statt Inkas und Lamas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freitagabend in die Sushi-Bar „Kuchi“ (Gipsstraße 3). An der Peripherie der hippen Mitte brummte der Laden. Ein Freund hatte zum Glück reserviert, und so mussten wir nicht hilflos im Eingangsbereich warten. Was für jeden Sie-werden-plaziert-Ossi so schlimm wie Schlange stehen ist.&lt;br /&gt;Die Homepage www.kuchi.de hatte ich mir vorher schon angesehen. Sehr hübsch, mit Fotos von der Tatami-Lounge und dem Chillout-Garden, immer auch mit 360°-Rundumblick. Aber das Kuchi selber enttäuschte mich ein wenig: Die dienstbaren Japaner dort haben sich so stark von ihrem asiatischen Lächeln entfernt und sich der coolen Berlin-Attitüde angenähert, dass man als Gast das Gefühl bekommt, man sei nur ein kleines Maki-Röllchen. Somit hatte ich nach meiner Bestellung und nach 45 Minuten schon 3 Beck´s weg, aber noch keinen Bissen gegessen. Die Italiener überbrücken wenigstens mit Brot oder Bruschetta. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gegen das, was dann aufgetischt wurde, lässt sich allerdings nichts sagen. Außer dass es für 9,- Euro zu wenig war. Ich hatte einer Empfehlung zufolge „My Best Friend´s Roll“ (6 Häppchen) genommen (Inside-Out-Roll gefüllt mit Gemüse-Tempura, umhüllt von zartem Lachs mit Spezial-Soße, die lecker nach Soja und Dijon-Senf schmeckte). &lt;br /&gt;Um annähernd satt zu werden, bestellte ich gleich noch (halbe Stunde Wartezeit) ein Basic-Sushi-Menu mit Lachs, Thunfisch, Surimi und Kappa (7,50). Vielleicht gehört es ja zur Zen-Philosophie, dass man nach dem Sushi-Essen immer ein wenig ratlos bleibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann lieber wie gestern back to the roots: Für 4,- Euro eine Naan-Pizza mit Olivenpaste, getrockneten Tomaten, Rucola und Parmesansplittern in der Kastanienallee 49 (Ich habe darüber schon einmal berichtet). „Der Imbiss“ heißt der Imbiss schlicht und befindet sich an der Ecke Zionskirchstraße, dort, wo die Kastanienallee leiser geworden ist und zum Weinbergsweg hin abfällt.&lt;br /&gt;Jeder, der vorbei kommt, freut sich über das umgedrehte Mc-Donald´s-„M“ am Fenster. Dahinter sieht man, wie ein junger bärtiger Koch sich auflodernde Flammen nutzbar macht. Neben dieser offenen Küche ist Platz für ein Dutzend Esser, und alles wirkt, als habe hier ein Weltenbummler eine mitgebrachte kulinarische Low-Budget-Idee umgesetzt. Wobei es zum Konzept gehören dürfte, sich Gängigem zu verwehren: „Tannenzäpfle“-Bier aus dem Hochschwarzwald statt Beck´s aus Bremen. Mein Tipp also.&lt;br /&gt;Links vom Imbiss gibt es eine junge Kneipe ohne Namen. Dafür erstrahlt sie abends in einem gemütlichen orangen Licht. Orange sind sogar die schirmenden Markisen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rechts vom Imbiss, in der Nr. 48, gibt es einen 2nd-Hand-Plattenladen, der auch schon mal bis nach 20 Uhr offen hat. Im selben Haus – und viel augenscheinlicher – eine Pizzeria. „La Castagna“ – jede Pizza für 3,- Euro.&lt;br /&gt;Egal, was man vom Weinbergsweg aus ansteuert, beim Überqueren der Zionskirchstraße muss man aufpassen. Weil aus der Kastanienallee schon mal ein Auto in die Einbahnstraße zum Zionskirchplatz schießt. Dort, am Zionskirchplatz, geht es aber dennoch eher entspannt zu. Empfehlenswert ist die „Kapelle“ (Zionskirchplatz 22-24). „Café“ und „Bar“ steht als rot leuchtende Neonschriftzüge in den großen Fenstern. Innen ist es gemütlich - Rotweinflair. Gut für´s Bleiben. Gemischte Oliven im Cocktailglas und besprochene Angelpläne für den fernen Mai. &lt;br /&gt;Erst wenn sich die stilisierten Eidechsen an den Wänden zu bewegen scheinen, wird es Zeit zu gehen. Wer es sich wie ich dabei in den Kopf setzt, vorn an der Schönhauser noch eine Currywurst bei „Konopke“ zu essen statt eines Schawarmas beim Libanesen, wird enttäuscht: am Wochenende geschlossen. Und das, wo es so arschkalt ist, sagten meine Freunde vorwurfsvoll.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3743018550462208233?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3743018550462208233/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3743018550462208233' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3743018550462208233'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3743018550462208233'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/10/064-der-peripherie.html' title='064 | An der Peripherie'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2383904650522983741</id><published>2003-10-10T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T19:59:48.885+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>063 | Reklame für „Holmes Place“</title><content type='html'>„Holmes Place“ klingt nach Conan Doyle. Und nicht nach Fitness-Studio. Aber Schnupperwoche hat ja auch nichts mit dem richtigen Riecher zu tun, oder doch? &lt;br /&gt;Von vorn: Diese Woche bin ich Gast-Sportler bei „Holmes Place“ am Gendarmenmarkt, einem Lifestyle- und Wellness-Club, oder anders gesagt: dem Grandhotel unter den Muckibuden. Bereits das Foyer in der Mohrenstraße 50 ist beeindruckend: Durch ein aquarienartig breites Fenster blickt man auf ankommende Schwimmer eines 16 m langen Edelstahlpools. Die wiederum sehen nach außen wie in eine andere Welt. Um indiskret das ganze Becken vom Foyer aus zu überblicken, müsste man sich bücken. Aber das macht man nicht, weil sonst die hübschen Empfangsdamen hinter der Rezeption komisch gucken würden. So lächeln sie freundlich, reichen zwei Handtücher und streichen sich das Haar zurück, während man durch die Drehtür zum Umkleiden nach unten geht. Dabei vernimmt man nicht nur dezente Entspannungsmusik, dabei fällt auch ab, was alltagshalber zu Stress und Verspannungen führt. Kein Gedanke mehr an das windige Berliner Wetter oder windige U-Bahn-Gestalten. Statt nationaler Prolls internationales Klientel. Jawoll, hier geht es elitär zu – was das Niveau angeht, nicht die Standesunterschiede. Denn wer bereit ist, monatlich doppelt so viel zu zahlen wie für andere Studios, ist dabei und: Man bezahlt nicht nur für Gerätenutzung und Kurse, man bezahlt vor allem für einen kleinen Urlaub jenseits des Pauschalen. Geräte (130) und Kurse von Body Pump bis Pilates (ca. 13 Kurse täglich) gibt es natürlich auch, aber man schwitzt im Obergeschoss unter einem großen Glasdach oder kann in die Einkaufspassage des Quartiers 205 blicken, ohne – wie bereits im Pool - selbst groß entdeckt zu werden. Sehen und gesehen werden spielt hier nämlich keine herausragende Rolle. Die Leute wollen wirklich abschalten. Deswegen gibt es auch keine unangenehme laute Musik. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim Radfahren oder Laufen vor Flachbildfernsehern kann man sich für eines von fünf TV-Programmen entscheiden und seine mitgebrachte Kopfhörer am Gerät einstöpseln. Frauen, die selbst vor verschämten männlichen Blicken verschont bleiben wollen, können im Ladie´s-Gym-Bereich trainieren. &lt;br /&gt;Es gibt hüben wie drüben Wasserspender für trockene Münder und ausgelegte Handtücher für nasse Körper. Es gibt einen Club-Raum mit Bar und freier Internetnutzung, es gibt mit Ozon angereichertes Wasser im Schwimmbecken (wozu auch immer), einen Whirlpool und den Wellness-Bereich mit finnischer und Bio-Sauna. Hinter den abteilartigen Umkleide-Nischen finden sich Einzelduschen mit Shampoo und Duschgel und vor großen Spiegeln Spender mit Haargel und Bodylotion zur freien Nutzung. Es gibt natürlich auch überall freundliches und gut geschultes Personal – von den Trainern bis zu den Leuten von der Handtuchausgabe (50 Mitarbeiter insgesamt). Perfekter Service also in perfektem Ambiente. &lt;br /&gt;Das 1994 fertiggestellte Sportstudio (3300 qm Nutzfläche) weist klare Formen und edle Materialien auf wie Walnussholz und schwarzen Granit, aber auch grün-blau hinterstrahlte Glaskacheln im Pool-Bereich. Das meiste wurde jedoch weiß belassen. Alles schlicht, aber edel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich habe ich mir die einwöchige Mitgliedschaft nicht mit dieser Werbeaktion hier erkauft, beides ist gratis, aber ich würde werben, immer, für Produkte oder Dienstleistungen, die mich beeindrucken. Und ich würde Mitglied werden, wenn sie auch Karate-Kurse im Angebot hätten. So bleibe ich bei meinem Mittelklasse-Studio, für das ich keine Reklame machen muss, und bei den Sportsleuten, die ich schon zu lange kenne und mag.&lt;br /&gt;Berliner, denen statt Kampfsport Fitness und Wellness in der ersten Liga etwas bedeuten, sollten sich nach einer Shopping-Tour in der Friedrichstraße ruhig einmal vor Ort kundig machen. Oder in Wien, Zürich, Barcelona ... Denn „Holmes Place“ gibt es europaweit. _&gt;&gt; www.holmesplace.de_&gt;&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2383904650522983741?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2383904650522983741/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2383904650522983741' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2383904650522983741'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2383904650522983741'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/10/063-reklame-fr-holmes-place.html' title='063 | Reklame für „Holmes Place“'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2067580026228266386</id><published>2003-10-06T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T19:57:49.879+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>062 | Halb leer, halb voll</title><content type='html'>Das Wetter in den Wechseltagen, unbeständig und launisch: Am 3. Oktober noch einmal aufsteigende Hitze und ein letzter Nackter auf der Nudistenwiese im Volkspark Friedrichshain. Aber jetzt taugen selbst Strickjacken mit Rolli nicht mehr viel. Jogger müssen wegen konkurrierenden Tiefausläufern immer häufiger innere Schweinehunde schlachten und Couch-Kartoffeln sehen sich selbstvergessen Kochsendungen im Fernsehen an. Man kramt immergrüne Inselträume raus („Nicht noch einen Winter in Deutschland!“), man erinnert sich bei „Herr Lehmann“ im Kino oder bei Ossi-Shows zu Hause an vergangene kuschlige Inseltage. Man hat Zeit, mit sich, dem Partner oder dem Ganzen unzufrieden zu sein, fühlt sich aber nicht in der Lage, etwas dagegen zu tun. Man ist morgens schon müde und wie in Pubertätstagen der Meinung, dass alles irgendwie nichts tauge. Traditionell die Politiker, die Bürokraten, Steuergesetze und jetzt auch die Verschuldungen, die Prognosen, das Nullwachstum. Das Wort „Reformen“ kann keiner mehr hören.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Baubranche wird wegen der wegfallenden Eigenheimzulagen ungewollt Rilke zitiert: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“. Zumindest in Deutschland. Denn schnell wird von einigen Promis sogar noch der Wohnort in die Schweiz verlegt, weil man nie wissen kann. Oder weil man weiß.&lt;br /&gt;Neulich träumte ich sogar von der Apokalypse: Der Mond fiel auf die Erde. Und die Menschheit hatte nur noch 42 Sekunden zu leben. Nicht schön das.&lt;br /&gt;Ob schon mal jemand mit schwachem Herz einem Alptraum zum Opfer gefallen ist? Nächtlicher Infarkt nach eingebildeten Höllenqualen. Nur bei den Hinterbliebenen heißt es dann neidvoll: „Ein angenehmer Tod! Er ist sanft in seinem Bett entschlafen.“ Oder: „Das hat er nun davon!“ – Je nachdem, was der Verstorbene den Erben hinterlassen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber der Oktober hat auch bei grauem Himmel seine Lichtblicke, seine inneren Werte: Da sind die kleinen Dinge, die erfreuen, wie zwei wiedergefundene Leergut-Pfandbons aus dem Jahre 2001. Die DM-Summen waren kaum noch lesbar, wurden mir aber bei Kaiser´s nach einigem Stutzen, Zögern und Umrechnen kulanterweise ausgezahlt. Über 5 Euro! Was sich damit alles anfangen lässt! Zum Beispiel zwei „Refill-Aktionen“ im Fitness-Studio (trinken bis zum Umfallen) oder 1 Flasche Prosecco (reicht noch nicht zum Umfallen). Oder ein Lottoschein (Was kosten die noch mal und was bringen die?) für den Inseltraum oder am Ende doch nur ein Drittel für das Knöllchen an der Windschutzscheibe vor Kaiser´s.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann die Oktoberklassiker wie: Sonntagvormittags mit einem Buch, das zu heißem Tee und klassischer Musik passt (Th. Manns „Lotte in Weimar“), auf der Couch. Pure Befriedigung, wenn man vorher duschen und joggen war. In umgekehrter Reihenfolge. &lt;br /&gt;Literarische und musikalische Klassik wird von mir übrigens immer gern im Oktober wiederentdeckt. Sonst hat die Klassik nur bedingte Chancen. Weil der Rest des Jahres fühlbar nicht zeitlos ist. Weil immer alles ganz voll beginnt und ab Oktober halb oder ganz leer ist. Optimistischere Sichtweisen verbieten sich irgendwie von selbst.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2067580026228266386?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2067580026228266386/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2067580026228266386' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2067580026228266386'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2067580026228266386'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/10/062-halb-leer-halb-voll.html' title='062 | Halb leer, halb voll'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6579534211467385542</id><published>2003-10-04T21:19:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T22:10:11.411+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Verführerin mit Apfelkuchen</title><content type='html'>Ich habe ihn zum Kaffee eingeladen&lt;br /&gt;Und – das mache ich sonst nie –&lt;br /&gt;Hab´auch gebacken: einen Apfelkuchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hab´ lang gebadet, meine schönen Waden&lt;br /&gt;Rasiert und mich gestreichelt, bis ich schrie.&lt;br /&gt;Und nach dem Vorspiel kam er mich besuchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier riecht´s so gut, hat er nervös gesagt.&lt;br /&gt;Er hat mir Rosen und die Hand gegeben,&lt;br /&gt;Als hätt´ ich kein Gesicht für seinen Mund.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na warte, dachte ich und hab´ gefragt,&lt;br /&gt;Ob er vom warmen Kuchen wolle, eben&lt;br /&gt;Erst rausgenommen und und und.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann ging ich katzenhaft im engen Kleid&lt;br /&gt;Hinaus, mit seinen Rosen, seinen Blicken&lt;br /&gt;Und kam mit meinem Köder schnell zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das riecht nach Ernte- und nach Weihnachtszeit,&lt;br /&gt;Nach Bratäpfeln mit Zimt, sagt er. Wir nicken.&lt;br /&gt;Er schluckt. Ich reiche ihm ein Kuchenstück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast hätten unsre Finger sich berührt.&lt;br /&gt;Er zieht den Duft ein mit geschloss´nen Augen&lt;br /&gt;Und sieht mich magisch lächelnd lange an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bald weiß ich nicht mehr, wer hier wen verführt.&lt;br /&gt;Mein stiller Plan scheint trotzdem was zu taugen.&lt;br /&gt;Er isst und ist ganz hin und weg, der Mann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er nascht mir fast schon aus der feuchten Hand.&lt;br /&gt;Er schiebt die Gabel in die Apfelspalten&lt;br /&gt;Und klaubt die Krümel mit den Fingern auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt scheint er fertig und ich bin gespannt.&lt;br /&gt;Wird er die Hände nutzen oder falten?&lt;br /&gt;Und wer bestimmt den weiteren Verlauf?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was soll´s, ich setze mich jetzt zu ihm hin.&lt;br /&gt;Um seine Schulter leg´ ich meinen Arm.&lt;br /&gt;Ich streich´ ihm zart mit meiner Hand durchs Haar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann küsse ich von seinem glatten Kinn&lt;br /&gt;Den Krümelzucker weg. Und süß und warm&lt;br /&gt;Frag´ ich ihn leise, wie der Kuchen war.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6579534211467385542?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6579534211467385542/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6579534211467385542' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6579534211467385542'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6579534211467385542'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/10/verfhrerin-mit-apfelkuchen.html' title='Verführerin mit Apfelkuchen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4164775976471924835</id><published>2003-09-22T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T19:56:02.356+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>061 | Innehalten</title><content type='html'>Dieses Licht! Wie es am Spätnachmittag hinter den Bäumen steht und den Blättern zuflüstert: „Noch ist alles im grünen Bereich.“ Wie es sich mühelos von geöffneten Fenstern auf gegenüberliegende Hausfassaden spiegeln lässt. Wie einzelne Bienen und Schmetterlinge davon an- und ausgeleuchtet werden, wenn sie wie beim Casting über die Bühne wehen. Wie sie auf die alten, klebrigen Maschen der Kreuzspinnen hereinfallen ...&lt;br /&gt;Der Ahorn hat sich zwar schon eine rotbraune Tönung verpassen lassen, aber irgendwie steht ihm das auch besser. Und wie übermütig bei ihm oder der Linde die Samenblätter heruntertrudeln – dass einem schwindlig werden kann. Dass man sich mitdrehen möchte.&lt;br /&gt;Hier und da springen mahagoniebraune Kastanien als Überraschungen aus den Stachelkugeln, als triumphierendes Leben über den Miniermottenfraß. Und man selber isst wieder auf dem Balkon, trinkt Federweißer und greift, vom Altweibersommer berauscht, nach Gedichten ... Und setzt drei Punkte hinter schweifende Sätze ... Wegen des Innehaltens.&lt;br /&gt;„Ab in den Süden“ singt es im Radio. Dabei ist es gerade so schön hier, dass selbst die Zugvögel nicht an Aufbruch denken. &lt;br /&gt;Trotz Wirtschaftsflaute und Politik, trotz Wochenanfang und dreckiger Fensterscheiben: so schön hier! Darauf stieß ich am Wochenende mit Freunden und Prosecco an. Ein letzter Grund zum Feiern findet sich immer. Erntezeit eben. &lt;br /&gt;War mein Glas leer, erhob ich es, um mir nachschenken zu lassen und weil ich auf das trank, was mir da schmeckte. &lt;br /&gt;Wie von Opferfeuern für das Hoch unter dem blauen Himmel stieg überall Rauch von Grills auf. Das Lachen der Nachbarn krönte die Stille.&lt;br /&gt;Den Anträgen auf Verlängerung wurde also stattgegeben. Und am Sonntag wurde flaniert, zum Beispiel durch das Holländerviertel in Potsdam. Hausbesetzer sollen dort in der Nachwendezeit gewohnt haben. Jetzt ist davon nichts mehr zu sehen. Nach der Sanierung wurde mit Kunsthandwerk und nordischer Gastronomie der Kiez wieder touristisch erschlossen: Rote Backsteinfassaden, grün-weiße Fensterläden und große Dachbodenspeicher. Dazwischen gehobener Mittelstand mit Sonnenbrillen. Dass die Häuser so preußisch uniform in Reih und Glied stehen, passt zur Garnisonsstadt und gefällt den Besuchern.&lt;br /&gt;Nebenan, am Nauener Tor, sitzt man wunderbar vor einem Edel-Italiener „Barokoko“. Über dieses Wortspiel lässt sich streiten, nicht aber über die Küche. Schon das Weißbrot zu den Oliven hatte mich überzeugt. (Außerdem war ich hungrig.) Aber dann erst die Spaghetti, mit Rucola und getrockneten Tomaten! Auf der Karte stand zwar „Linguine“, doch dem Geschmack tat es keinen Abbruch. &lt;br /&gt;Hier galt es Kraft zu tanken für das Kommende, für das, was so sicher vor dem Nauener Tor steht wie „Isolde“, der Atlantik-Tornado, unlängst vor Amerikas Ostküste. Kraft, für die Zeit nach dem Indian-Summer, für die Novemberdepressionen, wenn „Denn alle Lust will Ewigkeit“ vor einem Heine-Vers kapituliert, der sich nicht nur auf die Vergänglichkeit der Liebe, sondern auch auf die des Sommers beziehen lässt:&lt;br /&gt;„Es ist eine alte Geschichte,/ doch bleibt sie ewig neu,/ und wem sie just passieret,/ dem bricht das Herz entzwei.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4164775976471924835?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4164775976471924835/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4164775976471924835' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4164775976471924835'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4164775976471924835'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/09/061-innehalten.html' title='061 | Innehalten'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4857850885468006004</id><published>2003-09-08T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T19:53:57.717+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>060 | Jugendstil</title><content type='html'>In den letzten zwei Wochen passierte nichts Besonderes. Kino- und Restaurantbesuche, Brunchen, ein wenig Sport dazwischen und wieder Essen bei Freunden (natürlich ist das Essen bei Freunden immer etwas Besonderes). Aber es gab nichts derart, wie ich es bei Fernsehreportagen mag. Und ich sah in den letzten zwei Wochen einiges im Fernsehen. Oder ich ließ die Kiste aus und las ein wenig auf der Couch. Bernhard Schlink: „Der Vorleser“ beispielsweise. Las sich schnell und gut weg, vor allem nach Arno-Schmidt-Erzählungen. Dass „Der Vorleser“ nicht auch eine Erzählung ist (unter dem Titel steht „Roman“), will ich immer noch nicht glauben. Genauso wenig wie ich nicht glaube, dass es schlechte Literatur ist, nur weil ich hin und wieder darüber eingeschlafen bin. Vor allem, wenn es draußen dunkel wölkte und die Couchdecke wieder eine Rolle spielte. &lt;br /&gt;Aber jetzt hat sich der Sommer zurückgemeldet! Als hätte irgendwer aus Furcht vor den fallenden Blättern „Zugabe!“ gerufen oder einen Antrag auf Verlängerung gestellt. 25 °C waren heute in Berlin, und statt der Blätter fielen nur reife Eicheln auf das Hauptstadtpflaster. Wie das Klackte! Damit stahlen die Eichen den mondänen Platanen (im hippen Camouflage-Outfit) die Show. &lt;br /&gt;Gestern war es ähnlich warm. Sonntagswetter! Mir war so bürgerlich zumute, dass ich mir irgendeine zeitlose Dauerausstellung ansehen wollte. Also fuhr ich nach einer kleinen Internet-Recherche zum Bröhan-Museum. Das befindet sich gegenüber des Schlosses Charlottenburg (Schloss-Str. 1a), und ich habe keine Ahnung, warum es so seltsam heißt. Bestimmt wurde es nach seinem Stifter benannt. Jedenfalls: Wer Jugendstil und Art Deco mag, kann in den drei zugänglichen Etagen Kunsthandwerk und Bildende Kunst aus Frankreich, Belgien, Deutschland und Skandinavien unter die innere Lupe nehmen. Einige Schränke und Ess-Services hatten es mir schon angetan, aber wenn ich ehrlich bin, würde ich mir so etwas nicht in die Wohnung stellen wollen, sondern bei Ebay versteigern: Zinn- und Silberkännchen, einige mit Griffen aus Edelholz oder Elfenbein. Höchstens die eine Uhr mit dem Falken-Motiv hätte ich behalten. Die kannte ich noch aus einer „Kunst &amp; Krempel“-Sendung. Vielleicht haben die Bröhan-Leute sie dort entdeckt und aufgekauft. &lt;br /&gt;Eine Augenweide ist der alte Hausrat ja allemal ( - anfassen verbietet sich bei den Werten). Schon wenn ich die typischen „Peitschenhieblinien“ des Jugendstil sehe, werde ich ähnlich begeistert wie von den Formen einer schönen Frau (wie meiner Freundin). Nur eben hier ästhetischer, versteht sich.&lt;br /&gt;Das „Seerosenbild“ von Karl Hagemeister mag im Vergleich zu Monets berühmtem Werk weniger Tiefe besitzen. Gewollt, denn es ist so leicht und zart, dass ich mir entsprechende klassische Musik dazu einbilden konnte. Und die anderen Naturmalereien von Hagemeister strahlen eine sentimentale Ruhe aus, wie sie mir nach der vergangenen Sommerhitze gut tat. Da war der Wunsch nach einem Spaziergang durch Märkischen Forst bei tiefstehender Sonne und der nach einem Orgelkonzert in einer Brandenburger Dorfkirche. --- Die Musik ganz deutlich und ganz von ferne --- Nostalgie einer Ära, die ich nur mittelbar kenne, und einer Kindheit, die so nie stattgefunden hat. &lt;br /&gt;Jugendstil ... Ungefähr zur gleichen Zeit entstand der Expressionismus mit seinen hässlich-schönen Bildern. Auch die gefallen mir. Expressionismus ist für mich trotz seiner Landschaftsbilder städtisch. Und Jugendstil das Extrakt der Natur, wenn oft auch ein wenig zu pathetisch. Beides verinnerliche ich gern, als Gegensatz, so wie ich Stadt und Land gern verinnerliche. Da wo der Jugendstil das Natürliche ein wenig schöner schminkt, stellt der Expressionismus bloß. Und die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. &lt;br /&gt;Solche Gedanken kommen mir erst jetzt; im Bröhan-Museum genoss ich nur, ungestört. Die meisten Besucher tummelten sich in einer „Heute freier Eintritt!“-Ausstellung im Nebengebäude, wo Picassos grafische Arbeiten gezeigt wurden. Dafür war ich nach einem Café-Besuch zu müde, und die Zeit, bis geschlossen wurde, war zu knapp. &lt;br /&gt;Von der Café-Terrasse aus hatte ich ein wenig Blick auf das Schloss Charlottenburg, wo ich noch nie war. Selbst in dem Ägyptischen Museum dort war ich noch nicht. Den einäugigen Nofretete-Kopf kenne ich nur aus den Medien, wie aus einer der letzten STERN-Ausgaben. Eine Archäologin will die Nofretete-Mumie entdeckt haben. Den Fotos nach würde ich Laienkriminologe sagen: Sie ist es! (Oder war es.) Und als Ästhet hätte ich meinen Milchkaffee gerne einmal mit ihr in einem Jugendstil-Salon getrunken und ihre vollständigen Augen wie einen Pharaonenschatz betrachtet. Streng wissenschaftlich, versteht sich. (Denn ich halte mich besser an die Lebenden und kneife meiner Liebsten ein Auge.)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4857850885468006004?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4857850885468006004/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4857850885468006004' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4857850885468006004'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4857850885468006004'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/09/060-jugendstil.html' title='060 | Jugendstil'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5143569529583579145</id><published>2003-08-19T18:39:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T21:32:35.018+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Etwas bleibt immer</title><content type='html'>Von dem Sommer, der gepfändet wird,&lt;br /&gt;Von dem Himmel, den der Kuckuck weiß,&lt;br /&gt;Von dem Tag, der sich im Datum irrt,&lt;br /&gt;Von der Quittung mit dem hohen Preis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von dem Hunger, den du satt gemacht,&lt;br /&gt;Von dem Durst, den du zur Nacht ertränkst,&lt;br /&gt;Von dem Rausch, der deinen Schlaf auslacht,&lt;br /&gt;Den du nüchtern zur Erkenntnis drängst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von den Träumen, die du früh vergisst,&lt;br /&gt;Von Gesprächen, macht ein Wort dich still,&lt;br /&gt;Von der Liebe, die gegangen ist,&lt;br /&gt;Und der Zeit, die dich verlassen will.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5143569529583579145?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5143569529583579145/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5143569529583579145' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5143569529583579145'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5143569529583579145'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/08/etwas-bleibt-immer.html' title='Etwas bleibt immer'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6476457806882027370</id><published>2003-08-14T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T19:43:58.474+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>059 | Alter Fritz &amp; Fischers Fritz</title><content type='html'>Obwohl ich es ganz gut tagsüber (mit einem Arno-Schmidt-Buch) am Liebnitzsee - dem schönsten See im Berliner Umland (genauer: bei Wandlitz, türkisgrünes Wasser!) – und abends im Prater- oder Pfefferberg-Biergarten aushalten konnte, war mir manchmal die Zeit dafür doch zu kostbar. Also machte ich vor ein paar Tagen eine Führung im Schloss Sanssouci mit. Denn das Einzige, was ich mir von einem Besuch als Kind an Erinnerung herübergerettet hatte, waren die Filzpantoffeln. Die sahen – obwohl kratzig grau – lustig groß aus. Ich brauchte mir dafür die Straßenschuhe nicht auszuziehen und konnte über endloses Marmorparkett schlittern (bis ich streng angezischt wurde). Jetzt genoss ich die professionell vorgetragenen Informationen der Führerin (blödes Wort), staunte, dass die Räume kühler als erwartet waren und schmeckte das erhabene Interieur (hier ist Schwulst zu Hause!) mit meinen lückenhaften Kunst- und Geschichtskenntnissen ab. Verspieltes Rokoko und gravitätischer Klassizismus. Gefiel mir beides. Gold nur in den Königszimmern. Aber Voltaire hatte es auch ohne ganz nett. Schade, dass man die geheimen Zugänge nicht betreten darf (wie die Mätressen wohl ausschauten?). &lt;br /&gt;Den alten Fritz versuchte ich mir so ganz anders als auf den Bildern vorzustellen: wie er an seinem Schreibtisch saß, sich morgens aus dem Bett schälte, eines Abends (?) in seinem Sessel verstarb. Am beeindruckendsten: der Marmorsaal, gerade bei der Hitze. Ich möchte wetten, dass ich als Kind nur die Marmorintarsien des Bodens im Auge hatte, nicht aber die ovale Pantheon-Kuppel, zu der sich die großen Geister der Tischgesellschaft übertragen und übersetzt emporschwangen. Da staunte ich höchstens von außen und weitem, während mich Erklärungen kalt ließen. („’Sanssouci’ heißt ‚ohne Sorgen’!“ – „Ja, ja ...“) &lt;br /&gt;Warum nach „Sans“ ein Komma und hinter „Souci“ ein Punkt steht, fiel natürlich den wenigsten damals auf. Französische Grammatik! Schon die deutsche interessierte nicht. Heute schlaumeiern viele Besucher wie kurzatmige Oberlehrer, wenn sie die Treppen hochächzen:&lt;br /&gt;„Kuck mal – das Komma – von Sans Soucie ... Weißt du, warum es ...“&lt;br /&gt;Einige haben bestimmt das Buch gelesen von – na – wie heißt er gleich? (H. D. Kittsteiner) Soll so gar nicht oberlehrerhaft kurzweilig von Geheimzeichen (Punkt, Punkt, Komma, Strich :-) und der Impotenz Friedrichs des Kleinen handeln. &lt;br /&gt;Vielleicht war ja doch alles nur grammatikalisches Versagen oder unpreußische Laxheit in einer Zeit, wo Staatsreformen wichtiger als Rechtschreibreformen waren. Schließlich habe ich mal folgende Fassadenerinnerung an einem Satteldachhaus gelesen: „Erbaut in Kriegsjhare 1914“. &lt;br /&gt;Wie bekomme (um nicht „krieg“ zu sagen) ich jetzt die Kurve zur Berliner Gastro-Szene? Sollte ich schreiben, dass ich jemandem in einem der schattigen Cafés am Zionskirchplatz vom alten Fritz erzählte? Die Wahrheit ist viel grausamer: Ich drohte dort ständig an, „das Phänomen deutscher Romantik historisch“ erklären zu wollen. (Nicht wirklich, wollte nur Angst machen, also Spaß) Denn das wäre genauso aufschlussreich wie für den Kommunikationswissenschaftsstudenten, der in der inzwischen heillos überlaufenen Simon-Dach-Straße seinen Freunden (Probanden!) den 2. thermodynamischen Satz „ganz kurz“ erklären will. - Ein Thema, von dem er wie ich keine Ahnung hätte.&lt;br /&gt;Viel besser ist es wohl auf der Restaurantterrasse bei „Fritz Fischer“ an der Oberbaumbrücke zu sitzen und auf die abendliche Spree zu sehen, während man am Frizzante nippt und sich zuraunt: „So lässt es sich aushalten!“ Oder man überlegt, ob der Name des Edelrestaurants (im Universal-Haus, Stralauer Allee 1) vom Wortspiel „Fischers Fritz“ kommt. &lt;br /&gt;Als Vorspeise wird einem in der Karte die Geschichte einer Kunstfigur aufgetischt: Fritz Fischer war ein Playboy, kannte alle Jetsetter, Wirtschafts-, Medien- und CIA-Bosse. Und wenn man in seinen Mutmaßungen nicht weiterkommt („Könnte doch stimmen.“), sagt man einfach: „Na, ist ja auch egal!“, lächelt sich wieder an und wendet sich dem vorzüglichen Essen zu („Von meiner Kaninchensülze musst du unbedingt probieren!“). Köstlich dieser Fisch („Was ist eigentlich ein Bodensee-Egli?“), und das Kalbsfilet - so zart ... &lt;br /&gt;Ich wusste gar nicht, wie umständlich Wein serviert werden kann! Damit meine ich nicht das Probier-Ritual, sondern, dass am Ende (am Anfang!) der Korken des Weines in einer Schlaufe des Plastikverschlusses des Flaschenhalses steckt. Genauso kompliziert! Nur besser. &lt;br /&gt;Die angestrahlten großen Türme der Oberbaumbrücke, der Blick nach Kreuzberg (sehnsüchtig-nostalgisch), die netten, perfekt ausgebildeten Kellner (manchmal zerstreut statt zuvorkommend) --- „Du bist so wunderrrbarrr, Berlin!“&lt;br /&gt;Wer sich oder seinen Gästen/Freunden/Liebsten etwas Gutes/Besseres/fastPerfektes antun (lassen) möchte, reserviert sich hier abends einen Tisch. Und kann dann auch getrost vor dem Hauptgang vom frischen Brot essen, weil die leckeren Speisen natürlich auf Qualität reduziert sind.&lt;br /&gt;Danach Bonmots mit Pfirsichcreme oder einen Absacker in Kreuzberg 36. Nur keine schweren Anekdoten aus dem Siebenjährigen Krieg, auch keine Filmanalyse von „Japon!“ oder „Lichter“. &lt;br /&gt;Dass es in den Freiluftkinos nachts wieder kühler wird, reicht an Tiefsinn vollkommen aus.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6476457806882027370?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6476457806882027370/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6476457806882027370' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6476457806882027370'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6476457806882027370'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/08/059-alter-fritz-fischers-fritz.html' title='059 | Alter Fritz &amp; Fischers Fritz'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6561907238212870141</id><published>2003-08-05T21:42:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T21:48:01.447+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Stadtmitte umsteigen</title><content type='html'>Eine traurige Weise aus Weißgottrussland&lt;br /&gt;Spielt Akkordeon im Untergrund.&lt;br /&gt;Sie bettelt mit unaufhaltsamer Hand&lt;br /&gt;Und starrt sich vergreiste Gedanken wund.&lt;br /&gt;Vom Ich zum schluchzenden Schifferklavier&lt;br /&gt;Zieht fahrendes Volk im Übergang.&lt;br /&gt;Wer gibt was drauf, wer näh´rt sich ihr?&lt;br /&gt;Die Zeit ist knapp, Gesichter lang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf jeder Stirn zwei Senkrechtfalten –&lt;br /&gt;Gespannte Saiten, die nicht klingen.&lt;br /&gt;Das Geld reicht gerade zum Behalten.&lt;br /&gt;Vielleicht versucht sie´s mal mit Singen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gesichtszüge – festgefahren statt entgleist&lt;br /&gt;Im Tunnel zwischen U6 und U2.&lt;br /&gt;Aber etwas bleibt im Ohr. Bis es heißt:&lt;br /&gt;Die Bahn kommt. Zurückbleiben. Dann ist es vorbei.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6561907238212870141?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6561907238212870141/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6561907238212870141' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6561907238212870141'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6561907238212870141'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/08/stadtmitte-umsteigen.html' title='Stadtmitte umsteigen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4957271697356009174</id><published>2003-07-30T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:17:12.571+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>058 | Sommerloch</title><content type='html'>Es ist heiß. Seit Wochen. Selbst für Leute, die an der Copacabana zu Hause sind. &lt;br /&gt;Eigentlich schön, in luftigen Sachen durch Berlin zu strolchen, wenn man sonst nichts weiter zu tun hat. Keine Tasche dabei, keinen Rucksack auf, nur die Sonnenbrille; City-Luxus pur. Wären da nicht diese Temperaturen. Wer kann, duscht dreimal täglich oder fährt an die Havel zum Baden. Petzow ist sehr schön. Klassische Parkatmosphäre. Erinnert mich an den Goethe-Park in Weimar. Wer im Auto eine Klimaanlage hat, fährt unbeirrt von Sommerlochthemen nach Italien, wer irre ist, geht mittags joggen. Und wer arbeiten muss, freut sich auf den Biergarten am Abend. &lt;br /&gt;Ich hätte nicht gedacht, dass ich im Hochsommer gerne in Ausstellungen gehe, aber in den bedeutsamen gibt es auch Klimaanlagen. Eines der schönsten Bildermuseen Berlins ist seit der Wiedereröffnung im Dezember 2001 die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel. Dort, wo auch das Morcheeba-Konzert stattfand. &lt;br /&gt;Merkwürdig, Caspar David Friedrich wollte jetzt so gar keinen Eindruck bei mir hinterlassen. Zu viel Mondenschein und Sehnsuchtshorizont. Bisschen wie klassische Theaterkulissen. Selbst Böcklins „Toteninsel“ und sein Selbstporträt mit Tod sind im Sommer kaum mehr als ein Kinderschreck. Das sehe ich im Herbst bestimmt wieder anders, da nicke ich bedächtig und erinnere mich an ein sentimentales Lied von Element of Crime. &lt;br /&gt;Ich dachte, als ich vor der „Toteninsel“ stand, nicht einmal an Heinz Knobloch, den von mir verehrten Berlinschriftsteller. Am 24. Juli ist er mit 77 Jahren an Krebs gestorben, und ich war, als ich davon erfuhr, ernsthaft betroffen. Seine Feuilleton-Bücher über Berliner Friedhöfe, historische und gegenwärtige Ereignisse brachten mir nicht nur Schriftsteller von Heine bis Tucholsky anekdotenhaft nahe – ich begann sogar ihre Werke zu lesen. Und tue es noch heute. &lt;br /&gt;Als ich allmählich zwanzig Bücher von Heinz Knobloch aus Antiquariaten gefischt hatte, wollte ich ihn in Pankow besuchen, mich für die Leseimpulse bedanken. Ich ging sogar mit seinen Büchern Berliner Friedhöfe, Straßen und Plätze ab. Um zu sehen, was ich vorher nicht wusste. &lt;br /&gt;Ich wollte, obwohl ich mir blöd vorkam, ihm persönlich dafür danken, bevor von ihm nur noch die Bücher existierten. &lt;br /&gt;Er empfing mich. Wir unterhielten uns und tranken Tee. Das ist jetzt über 10 Jahre her. Er empfahl mir am Ende, Chronist meiner Zeit zu sein und ich durfte mir eines seiner Bücher aussuchen, welches er mir mit Exlibris und Widmung schenken wollte. Dabei war ich es, der kam, um sich zu bedanken. Ich nahm verschämt den „Blumenschweijk“, mein 21. Knobloch-Buch. Einige Zeit darauf traf ich ihn im Weddinger „Lesecafé“ wieder, über das ich einen Artikel für die Berliner Zeitung schreiben wollte. Den Tipp dafür hatte mir Heinz Knobloch auch geschenkt. &lt;br /&gt;Charlotte von Mahlsdorf erzählte an diesem Tag aus ihrem Leben und spielte auf einem ihrer Gründerzeit-Museums-Grammophone Schellack-Platten ab. Schlager, die von ganz alten Café-Besuchern und Zuhörern mitgesummt wurden. &lt;br /&gt;Charlotte von Mahlsdorf ist nun auch schon tot. Und die Besucher der Alten Nationalgalerie rückten neben mir etwas näher an die „Toteninsel“ ran. Als würde von daher ein „Carpe diem“-Flüstern kommen wie im „Club der toten Dichter“. &lt;br /&gt;Aber dass ich davorstand und in dem Moment der Toten nicht gedachte, die ich als Lebende gekannt hatte, hätte Heinz Knobloch sicher gefallen. Er liebte auf Friedhöfen spielende Kinder. Und jegliches, auch das Gedenken, hat eben seine Zeit. Ich tue es jetzt und hier. &lt;br /&gt;Leichtschrittig ging ich weiter und fand lebendigen Gefallen am gemalten Satin-Glanz eines Kleides, am Faltenwurf der Marmor-Prinzessinnen von Schadow und an Adolph Menzels „Balkonzimmer“ von 1845. &lt;br /&gt;Das wirkt auf mich mindestens ebenso geheimnisvoll wie das Lächeln der Mona Lisa. Es ist auf eine unfertige Weise vollkommen, und wegen der fehlenden Personen im Zimmer bleibt Raum, den der Betrachter mit seinen Überlegungen füllen kann. Sind die Bewohner des Zimmers auf dem Balkon oder nebenan? Wie viele sind es? &lt;br /&gt;Bei mir ist es ein Ehepaar in den Vierzigern, das an einem Sonntag Freunde zu Besuch hat. Der oberflächliche Betrachter sieht nur einen vordergründig bedeutungslosen Zimmerausschnitt. Er sieht nicht den gedeckten Tisch im Garten und nicht die Tafel im Salon (falls es regnet). Er sieht nicht die kleinen Fliegen, die um den Deckenleuchter kreisen und nicht das Bedienstetenmädchen, das sich gleich unbeobachtet vor dem Schrankspiegel drehen wird. Oder doch? Was hätte Heinz Knobloch gesagt? &lt;br /&gt;Weniger herrschaftlich als auf den meisten Bildern der Alten Nationalgalerie ging es am Sonntag in der Neuen Nationalgalerie am Potsdamer Platz zu. Da gibt es seit einer Woche bis zum 26. Oktober „Kunst in der DDR“ zu sehen. Nein, nicht „Kunst der DDR“, aber, ja – im Westen! Es war ein wenig wie im November ´89, als viele Ostberliner den Westen stürmten und sich völlig neu orientieren mussten. Ich gehörte schließlich auch dazu. Aber einige der Besucher schienen seitdem nur an Wahltagen ihre Wohnung verlassen zu haben und blickten so drein, als habe man sie nicht vierzig, sondern die letzten dreizehn Jahre, Pardon, beschissen. Ein älterer Mann hatte allerdings gelernt, seinen Mund aufzumachen. Er fragte sächselnd – Pardon auch für dieses Klischee, aber es war so – er fragte den Kartenabreißer, warum es hier keine Ermäßigung für Rentner gäbe. &lt;br /&gt;„Die gibt es ja sogar im kapitalistischen Ausland wie Amerika!“, ereiferte er sich. &lt;br /&gt;Der Kartenabreißer zuckte nur mit den Schultern. &lt;br /&gt;Dass früher alles besser war, ließen sich die Besucher von den 390 Werken nicht einreden. Das konnten sie gar nicht. Dafür waren die Malereien, Filme und Fotos zu deprimierend. Von den Collagen und Assemblagen ganz zu schweigen. Zonen-Tristesse als Zeitkritik. Damals. Nur im Kunstunterricht stand anderes an der Tafel. Auch damals. &lt;br /&gt;Der satirische Umgang mit der DDR-Zeit war überwiegend wohl erst hinterher möglich, wie im „Goodbye, Lenin“-Film oder in „Sonnenallee“. Denn dazu gehört schließlich Abstand. Um den bat im Übrigen auch ein Aufseher, der immer „Hallo!“ rief, wenn einer die Linie vor dem an die Wand gestellten Bilderdutzend (Installation!) übertrat. Und er sah aus wie der dicke NVA-Offizier im Kübelwagen auf dem Farbfoto gegenüber. Wer weiß, was einer war, bevor er Aufseher wurde. &lt;br /&gt;Stilistisch hatten viele DDR-Maler vor allem auf Größen wie Picasso, Klee &amp; Co zurückgegriffen. Aber es machte trotzdem Spaß, wieder nach politisch Deutbarem zwischen ihren Pinselstrichen zu suchen. Nur mit Abstraktionskünstlern wie Hermann Glöckner kann ich auch dann noch nichts anfangen, wenn sie wegen ihrer Realismusverweigerung den Ruch von Dissidenten mit sich bringen. &lt;br /&gt;Fazit: Als DDR-Retrospektive nach wie vor nicht einfach, da die Grenzen zwischen offizieller, mutiger und bedeutsamer Kunst fließend und relativ sind. Zur Selbstfindung letzter richtungsloser Ostler mit Phantomschmerz eignet sich die Ausstellung mangels geringem Wiedererkennungswert jedenfalls auch nicht. Dennoch waren hier viele in Gesprächen vertieft, die offenbar immer noch Not tun. &lt;br /&gt;„Kunst in der DDR“ wird auch jetzt noch eine streitbar große Sache und eine kleine Gesellschaftstherapie bleiben. &lt;br /&gt;PS: Ich staune, wie redselig ich heute bin, dabei hatte ich überhaupt keine Lust, etwas zu schreiben. Aber ich las zum Beispiel Sven Regeners (Element-of-Crime-Sänger) „Herr Lehmann“-Roman weg wie nichts. Über die Vor-der-Wende-Zeit in Kreuzberg. Eben die andere Seite der Medaille oder der „Sonnenallee“. Kommt auch einen Tag vor dem der deutschen Einheit in die Kinos und ist von Leander Haussmann gedreht worden, einem Ossi. &lt;br /&gt;Und ich ging in den letzten vier Wochen viel lieber in Freiluftkinos als dann darüber hier zu schreiben („Japon“ fand ich langatmig). Ich dachte mir, was soll´s, jeder steckt im Urlaub oder im Sommerloch, ist jedenfalls nicht im Internet unterwegs. Also klappe ich das Online-Tagebuch eine Weile zu, merkt sowieso keiner. Kommt sowieso kaum ein Feedback ... &lt;br /&gt;Aber heute schon. Heute fragte eine Christine nach, warum ich mit den Einträgen so säumig sei. Recht hast du, Christine, dachte ich, und – mit den besten Grüßen – es gab ja auch wieder einiges zum Lesen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4957271697356009174?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4957271697356009174/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4957271697356009174' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4957271697356009174'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4957271697356009174'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/07/058-sommerloch.html' title='058 | Sommerloch'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-708094086312137091</id><published>2003-07-16T20:02:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T21:20:21.138+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Himmelfahrt</title><content type='html'>Dort,&lt;br /&gt;Wo der Blick aus dem Boot&lt;br /&gt;Schwer ins Wasser sinkt&lt;br /&gt;Und wieder auftaucht&lt;br /&gt;Im Verschwommenen,&lt;br /&gt;Wo tote Stege zwischen Erlen&lt;br /&gt;Die Ufer markieren,&lt;br /&gt;Wo Seerosen im ersten Licht&lt;br /&gt;Und Libellen im Abendrot schweigen&lt;br /&gt;Über das, was von Tagen übrig bleibt,&lt;br /&gt;Dort,&lt;br /&gt;Wo das Leben sich abspiegelt,&lt;br /&gt;Hast du gesagt,&lt;br /&gt;Wirst du immer gewesen sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich kam,&lt;br /&gt;Mich an deine Seite zu setzen,&lt;br /&gt;Warst du verschwunden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-708094086312137091?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/708094086312137091/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=708094086312137091' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/708094086312137091'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/708094086312137091'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/07/himmelfahrt.html' title='Himmelfahrt'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1119372374988535047</id><published>2003-06-23T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:31:03.594+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>057 | Morcheeba</title><content type='html'>Sonnabend zur Sommersonnenwende spielten Morcheeba auf der Museumsinsel vor der Alten Nationalgalerie. Pop open Air. Aber Sonne und Sommer hatten sich abgewendet; die Himmelszeichen standen auf Regen. Die Fans setzten sich auf die hoffnungsvoll grüne Auslegeware vor der Bühne und warteten. Und starrten vereinzelt kleine Löcher ins Wolkengrau. &lt;br /&gt;Über ihre Köpfe hinweg starrte von seinem hohen Denkmal-Ross aus Friedrich Wilhelm IV. missbilligend auf ein riesiges „Zitty“-Plakat. Darauf war zum aufbegehrenden „Die Stadt bin ich“-Slogan ein weißes Marmorbüstenhaupt abgebildet, das wie der frostige Kai aus Andersens „Schneekönigin“ aussah und seinerseits auch in den Himmel starrte.&lt;br /&gt;Dann - gegen halb neun - fingen Morcheeba zu spielen an. Alles erhob sich und drängte zur Bühne. Applaus, als Skye Edwards, die Sängerin lächelnd ans Mikro trat und „Hallo!“ sagte. Sie sah aus wie ein nettes schwarzes Südstaatenmädchen, oder wie die kleine Rudi aus Bill Cosbys Familienbande, nur etwas größer, mit dreiviertellangem Rock und mit zu Schneckchen geflochtenem Haar. Dabei kommt sie mit der Band aus London. &lt;br /&gt;Während des ersten Songs sah auch sie immer wieder in den luftfeuchten Himmel, rüber zum Berliner Dom, wo ein großer Starenschwarm wendig wie eine Fischschule seine Runden über der Kuppel drehte. &lt;br /&gt;Skye Edwards wirkte entspannt. Ihre Samtstimme und die sanften Gesten schienen den drohenden Regen abwenden zu können. Und tatsächlich - bereits während des ersten Songs riss der Himmel auf und die Regenwolken begannen, sich in alle Winde zu zerstreuen. Ebenso der Rauch einiger Joints. Es mussten entscheidende Energien fließen. Sky(e), natürlich! – nomen est omen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die aktuelle Tour wurde die ursprüngliche Dreierformation, bestehend aus den Gebrüdern Godfrey und eben Skye Edwards, durch einen Bassisten, einen Drummer, einen Keyboarder und einen jungen Mann an den Turntables als Gastmusiker aufgestockt, die ihre Sache allesamt gut machten. &lt;br /&gt;„Morcheeba“ ist nicht nur eine bemerkenswerte Mischung unterschiedlichster stilistischen Einflüsse, sondern auch das perfekte Zusammenspiel von Elektronik und Livemusik. Ob mit oder ohne „Trip-Hop“-Etikett. Für mich die Musik des neuen Jahrtausends. Sehr harmonisch das Ganze. &lt;br /&gt;Wer wie ich alle 4 Morcheeba-Platten zu Hause hat, wird die sicher nicht nur hoch und runter hören, er wird vielleicht auch seine Mühe haben, die Stücke auseinander zu halten und zuzuordnen. Aber das macht nichts. Im Grunde ist jeder Song nur eine Variante des harmonischen Ganzen, das man als „God Vibes“ bezeichnen könnte. Auf anderer Ebene – ´tschuldigung - vergleichbar mit Vivaldi, über den es hieß, er habe nicht 1000 Themen komponiert, sondern ein Thema tausendmal. Doch auch das macht überhaupt nichts, im Gegenteil. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bereits mit dem ersten Lied - natürlich weiß ich nicht mehr, welches das war – hatte Skye, die Sängerin, das Publikum und mich auf ihrer Seite. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich eine so uneitle Performerin erlebt habe. Sie war naturbelassen schön und positiv wie ein Kind, selbst wenn sie sich kokett in den Hüften wiegte und mit dem Publikum flirtete. So winkte sie auch schon mit beiden Händen zu zwei kleinen dunkelhäutigen Kindern rüber, die auf der Treppe der Nationalgalerie standen. Vielleicht ihre eigenen. So versuchte sie voller Übermut das Berliner Publikum zum Mitsingen zu bewegen, was bei „Friction“ sogar gelang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende, nach einer und einer dreiviertel Stunde, waren jedenfalls alle glücklich. Wie nach einem Film, in dem das Gute siegt, ohne allerdings mit dem Bösen gekämpft haben zu müssen. Die letzte Zugabe hieß – erhofft und zu erwarten – „rome was`nt built in a day“. Der Song klang noch, da verteilte Skye Handküsschen, nahm eines der todmüden kleinen Kinder auf den Arm, welches nun hinten an der Bühne stand, und verschwand lachend als erste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Am 19. Juli kann man Morcheeba übrigens noch in Karlsruhe sehen.)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1119372374988535047?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1119372374988535047/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1119372374988535047' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1119372374988535047'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1119372374988535047'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/06/057-morcheeba.html' title='057 | Morcheeba'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2779140462142468961</id><published>2003-06-15T18:12:00.000+01:00</published><updated>2007-01-05T13:05:33.776+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Das Durchgangszimmer</title><content type='html'>Die Wohnung, hieß es, gehörte früher reichen Juden, besser gesagt: die Wohnungen. Nach dem Krieg hatte man den gesamten Etagenverbund dreigeteilt. Weil an Unterkünften Mangel herrschte und es keine Juden mehr gab, die dagegen Einspruch erheben konnten.&lt;br /&gt;Alle drei Wohneinheiten, wie man sie jetzt nannte, wurden nach einem nicht immer durchschaubaren Dringlichkeitssystem zugewiesen, nachdem einige vergleichsweise geringe Schäden beseitigt worden waren.&lt;br /&gt;Die größte und komfortabelste Wohnung - auf der linken Seite, mit drei Zimmern, Innentoilette und einem Wintergarten – bezog ein russischer Offizier. Der arbeitete jedoch die meiste Zeit in der „Kommandatur“, einem nahe gelegenen Hotel, wo die neuen Machthaber abends ebenso gut wie die alten zu feiern verstanden. &lt;br /&gt;Das Privileg einer Wohnberechtigung für die zwei Zimmer gegenüber der Offizierswohnung erhielt eine ausgebombte kinderreiche Wäscherin. Denn Wäscherinnen wurden vor allem für Offiziersuniformen gebraucht. &lt;br /&gt;Gleichsam eingeklemmt von diesen beiden Wohnungen, aber mit separatem Zugang, lag die dritte. Im Grunde genommen nur ein einzelner Raum mit einem einzelnen, vorerst notdürftig instandgesetztem Fenster: das ehemalige Bedienstetenzimmer. Obwohl das Wort „Bedienstetenzimmer“ bereits zu herrschaftlich klingt. Es war eine Kammer, in der es weder Herd noch Ofen gab. Eine gewisse Bedeutsamkeit kam diesem Raum höchstens wegen der zwei Durchgangstüren zu, die – nun verschlossen - einmal die Verbindung der beiden anderen Wohnungen darstellte. Und dorthin zog eine etwa vierzigjährige unauffällige Frau, die kaum mehr als ein Eisenbett besaß. &lt;br /&gt;Sie musste sich nicht nur mit der Enge abfinden, sondern auch noch das im Treppenhaus befindliche Außenklo mit der Wäscherin und deren Kindern teilen. Aber man hatte andere Sorgen und Schlimmeres bereits hinter sich.&lt;br /&gt;Woher diese unauffällige Frau kam und wie ihre familiären Verhältnisse einmal ausgesehen hatten, wusste keiner im Haus. Es interessierte auch keinen, wie man sich im Treppenhaus immer wieder flüsternd bestätigte. Man habe ja schließlich mit sich selbst genug zu tun, hieß es. Aber es ging das Gerücht, dass die auffällig unauffällige Frau, die mit ihrem widerlich zur Schau getragenen Leiden hausieren zu gehen schien, Ähnlichkeit mit einem Kindermädchen habe, das vor etlichen Jahren bei den Juden zur Anstellung gekommen war. Natürlich hätte man sie daraufhin ansprechen können, aber unverhohlene Neugier galt als unschicklich und zeigte sich deshalb nur versteckt, wenigstens versteckt vor dieser Frau. Sie sprach von sich aus auch mit niemandem und grüßte, wenn überhaupt, nur so verhalten, dass sie von jedem für unfreundlich erklärt wurde.&lt;br /&gt;So nahm es kein Wunder, dass sich die Gerüchte mehrten. &lt;br /&gt;„Judenliebchen“ sagte man und deutete mit dem Kopf zur 1. Etage, wo früher der Kaufmann und jetzt sie wohnte. Sie habe seiner Familie geholfen unterzutauchen, sagte man, nachdem er abgeholt worden war. „Abgeholt“, so sagte man, und „Judenliebchen“, auch wenn einem „Judenhure“ auf den Lippen lag. Was mit der Familie passiert sei? Wer weiß es und wer will es wissen?&lt;br /&gt;Und als diese Frau, die weder Mann noch Kinder hatte, schwanger wurde, fragte man sich im Treppenhaus natürlich, wer denn dafür in Betracht kommen könne. Die meisten waren sich einig, dass nur der Invalide von vis-á-vis, ein alter Prokurist mit Holzbein, ihr was angehängt haben konnte. Schließlich war diese Frau einmal in der Woche bei ihm putzen. Putzen! Selbst die Rückkehr des Juden wurde von manchem in Erwägung gezogen. Nur die Wäscherin aus der Nachbarwohnung wusste Bescheid. Sie hatte diese Frau eines Nachts, nachdem der Russe lärmend heimgekehrt war, im Nachthemd vor der Außentoilette sitzend vorgefunden, mit versteinertem Gesichtsausdruck und angezogenen Beinen. &lt;br /&gt;Die Wäscherin, die bisher auch keinen großen Kontakt zu ihrer Nachbarin unterhalten hatte, brachte sie in jener Nacht in ihr Zimmer zurück und schob mit ihr das Eisenbett vor die Durchgangstür zur Soldatenwohnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;II.&lt;br /&gt;Unauffällig wie das Leben dieser rätselhaften Frau verlief auch deren Entbindung. Wäre die Wäscherin nicht als Hebamme zugegen gewesen, hätte sie in ihrer Wohnung davon kaum etwas mitbekommen. &lt;br /&gt;Es war nicht das erste Mal, dass sie so einem kleinen Wurm ins Dasein verhalf. Nur wunderte sie sich, dass dieses Kind, ein Knabe, nicht schreien wollte. Selbst der Klaps auf seinen kleinen Hintern brachte nichts anderes als ein stummes Wimmern zutage.&lt;br /&gt;Nachdem der Knabe bereits laufen gelernt hatte, wurde der russische Offizier in seine Heimat zurückbeordert. Die geräumige, wenn auch verwahrloste Soldatenwohnung durfte daraufhin von der unauffälligen Frau und ihrem Kind bezogen werden, was den Neid der anderen Mieter heftig erregte. Denn obwohl bei ihr, wie jeder einsah, ein weiteres Zimmer und vor allem ein Ofen erforderlich war, schien der Luxus einer Dreizimmerwohnung doch arg übertrieben. Aber der Offizier hatte offenbar an ein paar Fäden gezogen, bevor er für immer in den Weiten Russlands verschwand. &lt;br /&gt;Bald darauf ging auch die Wäscherin mit ihren Kindern fort. Man hatte ihr zwar angeboten, die nun freigewordene Kammer als drittes Zimmer zu nutzen, aber woanders gab es für sie eine Wohnung mit Innentoilette. Und so kam es, dass die unauffällige merkwürdige Frau mit ihrem nicht weniger merkwürdigen Kind vorerst allein auf der ganzen Etage wohnte.&lt;br /&gt;Manchmal entriegelte die Frau die beiden Zugangstüren ihrer alten Behausung und sperrte sie weit auf. Dann nahm sie ihr Kind an die Hand und führte es durch die Räume ohne auch nur ein einziges Wort dabei zu verlieren. &lt;br /&gt;Dem Knaben wurde diese Art von Ausflug alsbald zur lieben Gewohnheit. Obwohl die Zimmer ausgeräumt waren, gab es für ihn noch vieles zu entdecken. Hier ein Bleistiftstummel, da eine zurückgelassene, vertrocknete Topfpflanze oder eine aus dem Wirtschaftsbuch der Wäscherin herausgerissene Seite, welche einseitig beschrieben war. Dann die Schattierungen der Ofenkacheln in dem einen Zimmer und die abgeblätterte Farbe des gusseisernen Waschbeckens in dem anderen. &lt;br /&gt;Der Knabe konnte, wenn er allein war, lange Zeit auf Tätigkeiten verwenden, die kein eigentliches Spielen darstellten. So verfolgte er immer wieder die sich auf einer Linie bewegende Schrift auf der Wirtschaftsbuchseite mit seinem dürren Finger, ohne sie zu begreifen. Er gab sich einfach den Schwüngen und Schnörkeln hin. Die Schrift schienen ständig ihre Richtung ändern zu wollen, als haben sie vor, sich selbst zu entkommen, bevor sie von unsichtbarer Hand weiter in eine Richtung gezwungen wurde. &lt;br /&gt;Mit dem Bleistiftstummel die Rückseite des Blattes zu bekritzeln, fiel dem Knaben nicht ein. Dafür versuchte er immer wieder an einen weißen Knopf zu gelangen, den er hinter der Scheuerleiste entdeckt hatte. Weil das nie klappte, füllte er eines Tages den Spalt mit grauer Erde aus dem Blumentopf aus. Als wollte er den widerspenstigen Knopf zur Strafe lebendig begraben.&lt;br /&gt;Während das Kind so seine mikrokosmische Welt erkundete, stand seine Mutter oft nicht anders als reglos an einem der Fenster und starrte in die Ferne vergangener Tage. Der Knabe lag dann meist von seinen Unternehmungen müde geworden am Boden und überflog den Deckenstuck mit seinem versteinerten Obst und den bleichen Girlanden aus reglosen Blättern, von denen ein paar Spinnwebfäden wie tote Seelen hingen.&lt;br /&gt;Die gesamte Kindheit des Knaben verlief völlig unspektakulär. Er verließ die Wohnung nur, wenn es – wie zum Schulbesuch - unbedingt erforderlich war. Und selbst dann passierte nichts, was erwähnenswert wäre. Freunde hatte er keine. Sonderbarerweise ließen ihn die anderen Kinder stets in Ruhe. Er galt als Außenseiter, dem übel mitzuspielen nicht einmal Spaß machte. &lt;br /&gt;So konnte der Knabe ungestört seinen Tagträumen nachhängen. Am liebsten tat er das in dem Durchgangszimmer, dem Ort seiner Geburt. Hier war sein Fluchtpunkt, das Tor zu einer anderen Welt, die er sich vorstellte und nur zu gerne betreten hätte. &lt;br /&gt;War seine Mutter nachmittags irgendwo eine fremde Wohnung putzen, nahm er sich ein Märchenbuch mit, setzte sich auf die kahlen Dielen und verschwand zwischen den Seiten. Er war wie ein Wartender, den man vor Jahren mit dem Versprechen auf eine baldige Rückkehr hergebracht hatte. Füllte sich die ehemalige Soldatenwohnung allmählich mit notwendigem Hausrat, blieb das Durchgangszimmer unverändert leer. Nur die in grauer Erde vertrocknete Topfpflanze hatte er sich aus der Wäscherinnen-Wohnung herüber geholt, bevor sie von einem der letzten Kriegsheimkehrer vorübergehend bezogen wurde. Vielleicht fühlte er bei dieser toten Pflanze eine Art Verantwortung oder Seelenverwandtschaft. Vielleicht wollte er aber auch nur eine Erinnerung an die schweigsamen Ausflüge mit der Mutter herüberretten. &lt;br /&gt;Als der Heimkehrer wieder ausgezogen war, ging der Knabe nach der Schule allein durch die zwei geräumten Zimmer. Es roch nach kaltem Zigarettendunst und überall gab es die Spuren dieses Eindringlings: gestapelte Zeitungen, leere Konservendosen, einen vollen Ascheeimer vor dem Ofen mit den vertrauten Kacheln. &lt;br /&gt;Der Knabe begann, diese Spuren zu beseitigen, um die ihm bekannte Ursprünglichkeit der leeren Räume wiederherzustellen. Und er wünschte sich mit einer ihm bis dahin kaum vertrauten Leidenschaft, dass nie wieder jemand Fremdes sein Schattenreich, für das er es hielt, betreten werde. Er wünschte sich, dass die Zeit wie im Märchen von Dornröschen anhält, damit alles Vergangene, was er nur noch ahnen durfte, Bestand habe und von ihm geistergleich betrachtet werden könne. &lt;br /&gt;Keine zwei Wochen darauf zog ein altes Ehepaar in seine dunkle Traumwelt. Die beiden Greise hatten, so erzählten sie sofort jedem im Haus, ihr Häuschen am Stadtrand dem Sohn und der Schwiegertochter überschrieben und waren von denen darauf vor die Tür gesetzt worden. Aber das interessierte den Knaben nicht. Statt Mitleid schwelte in ihm Hass gegen die Neumieter, die ihn, den Geist des Schattenreiches, so vertrieben hatten, wie sie selbst vertrieben wurden. Im Treppenhaus ging er ihnen wie allen anderen aus dem Weg. Traf er sie doch einmal, verfluchte er sie. Er betete sogar auf eine intuitive Art und Weise dafür, dass sie ersticken sollten, wenn er mit der vertrockneten Topfpflanze allein im Durchgangszimmer saß und nebenan die alten Leute husteten. Ob nun seine Gebete erhört worden waren oder der nagende Kummer schuld war, fest steht, dass die alte Frau tatsächlich kurz darauf verstarb und ihr Mann in einem Pflegeheim untergebracht werden musste. Warum die Wohnung dann leer blieb, ist schwer zu sagen. Vielleicht wollte sich niemand mit einem Geist anlegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;III.&lt;br /&gt;Nach Beendigung der Schulzeit verspürte dieser sonderbare Mensch weder den Wunsch, einen Beruf zu erlernen, noch spielte er mit dem Gedanken, sich sein weiteres Leben aufzubauen. Hier sei sein Platz, glaubte er, hier gehöre er hin. Er wusste es nicht besser. &lt;br /&gt;Das Geld der Mutter, die alle bescheidenen Einkäufe selbst erledigte, reichte für beide. Da seine Mutter außerdem fürchtete, er könne sie eines Tages verlassen, drängte sie ihn nie zu etwas, was seine Eigenständigkeit gefördert hätte. So konnte sich der inzwischen äußerlich zum Mann herangereifte Knabe den zweifelhaften Luxus leisten, das Haus lange Zeit nicht verlassen zu müssen. Er durchstreifte immer wieder das Durchgangszimmer und die zwei Räume, wo die Wäscherin einmal gewohnt hatte, lag auf dem Boden, starrte sich an irgendeinem Punkt fest, lauschte seinem regelmäßigen Atem hinterher, genoss den kühlen Staubgeruch und schlief darüber immer noch ein. Wie ein Toter lag er in seiner unbegrenzt begrenzten Welt, die ihn zu bewachen schien.&lt;br /&gt;Vielleicht wurde er deshalb nicht besonders groß. Es war wie bei einem Aquarienfisch, der auf wundersame Weise klein bleibt, wenn ihn sein Lebensraum dazu zwingt. Und je seltener der kleine Mann seinen Lebensraum verließ, um so feindseliger erschiehn ihm die Welt hinter dem Glas.&lt;br /&gt;Aber war er denn glücklich in seinem Schattenreich? Sein Gesicht war eine einzige Leidensmiene, die blasse Haut wirkte wie das fettige Wachs vergilbter Kirchenkerzen, war aber so pergamentartig dünn, dass sich die blauen Blutgefäße darunter wie Krankheitssymptome abzeichneten. Kurzum, er sah einem Geist allmählich auch ähnlicher als einem Menschen. Und vielleicht empfand er es genauso. Er machte niemanden für sein Scheinmartyrium verantwortlich, wozu auch, er litt ja nicht. Außer Angst und Hass kannte er keine Gefühle. Menschen waren ihm egal. Selbst seine Mutter bedeutete ihm nichts. Nur gehörte sie einfach zum gewohnten Mikrokosmos dazu. Er lebte meistens leidenschaftslos, wie in dem Zustand, den Heilige anstreben, wenn sie sich von irdischen Begehrlichkeiten verabschieden. Auf diesem Gebiet war er ihnen sogar überlegen, da er auch keine Erleuchtung begehrte und sich nach keiner göttlichen Liebe verzehrte. Er befand sich so gesehen schlichtweg im Paradies, wo die Gleichgültigkeit wie Unkraut wuchs und dem Baum der Erkenntnis das Licht nahm. Nur die Schutzbedürftigkeit eines gehäuteten Krebses verlieh ihm im übertragenen Sinne etwas Menschliches. &lt;br /&gt;Aber darüber machte er sich niemals Gedanken, denn Selbstreflexionen waren ihm so fremd wie die Welt da draußen, in der er sich dafür hätte spiegeln müssen, statt wie durchs Fenster durch sie hindurchzusehen. In ihm rosteten die Talente wie Ausbruchswerkzeuge, die weder erkannt, noch gebraucht wurden.&lt;br /&gt;Diese Situation sollte sich erst Jahre später ändern: &lt;br /&gt;Seine Mutter war im Treppenhaus gestürzt. Sie hatte sich ein Handgelenk und zwei Rippen gebrochen. Den Hausmeister, der als einziger ein Telefon besaß, zu bitten, einen Krankenwagen zu rufen, lehnte sie jedoch ab. Sie nahm den Bus und ließ sich von ihrem Sohn begleiten. Obwohl sie starke Schmerzen hatte, klagte sie nicht. Sie biss die Zähne zusammen, wie sie es immer getan hatte, und saß – mit den Augen nach außen und dem Blick nach innen – schweigend da. Wie sie es auch immer getan hatte. Ihr Sohn blinzelte fremd in das Licht.&lt;br /&gt;Als sie aus dem Bus steigen wollten, der direkt vor der Klink hielt, fühlten sich die Beine der Mutter schwer und steif an. Sie hatte Angst, erneut zu fallen und drückte ihre Beine durch, als könnte sie den Boden damit auf Distanz halten. Die Beine anzuwinkeln war kaum und nur unter großer Kraftanstrengung möglich. Nachdem sie geröntgt, der Arm eingegipst und der Brustkorb bandagiert worden war, gab ihr der Arzt für den Heimweg eine Krücke mit, obwohl er, was die Beine anging, nichts feststellen konnte. Auch bei der Nachuntersuchung einige Wochen später nicht. Selbst nachdem die Rippen wieder zusammengewachsen waren und sie die Hand wieder einigermaßen bewegen konnte, blieben die Lähmungserscheinungen in den Beinen. Ein Rätsel für die Ärzte. Diese sonderbare Frau aber beklagte sich nicht und wollte auch nicht wirklich wissen, wie so etwas passieren kann. Es war eben so, und damit fertig. Nicht ein einziges Mal sprach sie mit ihrem Sohn darüber. Sie tauschte nur ihre Krücke gegen einen Gehstock ein, den sie sich nach ihrem letzten Arztbesuch unterwegs gekauft hatte. Und damit bekam ihr Zustand etwas Endgültiges.&lt;br /&gt;Ihr Sohn befand sich nun in einer völlig neuen Situation. Er war genötigt, sich um den Haushalt und seine zum Pflegefall gewordene Mutter zu kümmern. Waschen konnte sie sich, anfangs sogar noch mit Gipsarm, allein. Aber er musste ihren Nachttopf entleeren und ungewohnte Arbeiten wie das Waschen der Kleidung in einer alten Zinkwanne bewerkstelligen. &lt;br /&gt;Hatte die Mutter früher noch alles zum Trocknen auf den Hof oder den Dachboden gehängt, so nutzte ihr Sohn einzig das nachbarliche Durchgangszimmer dafür. Er schlug große Nägel in die sich gegenüberliegenden Türrahmen und spannte Wäscheleinen dazwischen. Weil er das Fenster oft verschlossen hielt, roch die Wäsche meistens modrig; ein Geruch, der sich auf ihn und seine Mutter übertrug und bald dazu gehörte wie der Rest ihres sonderbaren Lebens. Aber weder das eine noch das andere wurde von ihr oder ihm befremdlich wahrgenommen. &lt;br /&gt;Anfangs schien es, als sollte der junge Mann durch die Hausarbeiten aus seiner Lethargie herausgerissen und in die Alltagswelt gezwungen werden, die er bloß als Geist durchstreifte. Aber statt aus seiner Lethargie zu erwachen, unterwarf er auch die neuen Tätigkeiten seiner traumwandlerischen Routine. Doch seit dem Treppensturz der Mutter war er auch genötigt, ab und an das Haus zu verlassen, um von der Invalidenrente der Mutter die nötigsten Einkäufe zu machen. Allerdings beherrschte er schnell die Kunst, sich in der Sparkasse und den Geschäften, wo man ihn für stumm hielt, wortlos zu verständigen. Denn zu reden war ihm bereits ein furchtbarer Gedanke. Mit jedem Wort, das ihn verlässt, glaubte er, dringe die äußere Welt wie eine Krankheit in ihn.&lt;br /&gt;Im Nachbarhaus gab es einen kleinen Lebensmittelladen, den er aber aus Furcht, erkannt und angesprochen zu werden, mied. Also ging er weiter Richtung Kaufhaus oder zum Wochenmarkt. Lief er erst einmal auf der Straße, kam es nicht so sehr auf die Länge der Strecke an, sofern er diese anonym zurücklegen konnte. Dabei versuchte er, keinem Menschen in die Augen zu blicken. Und wenn er es doch einmal tat, war er froh, dass die meisten durch ihn hindurchschauten. &lt;br /&gt;Er sah nun langhaarig und bärtig aus wie einer der Hippies und Gammler, an deren Anblick man sich mittlerweile gewöhnt hatte, nur kindlicher und greisenhafter zugleich. Sein Blick war starr und oft wie von Drogen nach innen gelenkt. Dass aus seiner Mutter eine alte Frau geworden war, die immer weniger aß und kaum noch ihr Bett verließ, drang selten dorthin. Er wusste nicht wirklich um die Sterblichkeit der Menschen. Ihn beschäftigte jetzt auch etwas ganz anderes: Nach 15 Jahren hatte wieder jemand sein Schattenreich bezogen. Und diesmal war es eine eine junge Frau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;IV.&lt;br /&gt;Das erste Mal begegnete er ihr im Hausflur. Er wollte um die Mittagszeit, wo die wenigsten Leute unterwegs sind, einkaufen gehen. Und genau da stand sie am Briefkasten, klebte ihr Namensschild auf und grüßte mit einem Lächeln. Der Mann wusste genau, zu welcher Wohnung der Briefkasten gehörte, an dem sich die junge Frau zu schaffen machte. Später las er sich mehrmals ihren Namen durch. Aber jetzt erfasste er ausschließlich ihre schlanke Erscheinung und ihr blondes Haar, von dem so ein betörender Duft ausging, dass der Mann unverzüglich seinen Atem anhielt. Er war verwirrt und fühlte sich schutzlos ausgeliefert. Aber sie lächelte ihn an. &lt;br /&gt;Der Mann sah, ohne den lächelnden Gruß zu erwidern, weg und verließ das Haus. Merkwürdig, dachte die junge Frau.&lt;br /&gt;Als der Mann zurück war, stellte er sein volles Einkaufsnetz im Flur ab, betrat leise das Durchgangszimmer und lauschte an der Tür, hinter der die Gegenwart das Zeitlose bezog. Er konnte spüren, wie die vertrauten Schatten durch die Tür in ihn drangen, auf der Flucht vor dem, was die Frau gerade tat. Aber diesmal ging von ihm keine Feindseligkeit aus, sondern bloße Neugier. Wer war diese Frau? Er hörte, wie sie durch die Räume ging, wie sie Nägel in die Wand schlug, wie Geschirr klapperte und wie hin und wieder etwas herunterfiel. Er hörte, wie am anderen Tag Möbel in sein Schattenreich getragen wurden und er hörte, wie sich die Stimme dieser jungen Frau mit der Stimme eines Mannes unterhielt. Darüber hatte er das Einkaufsnetz im Flur vergessen.&lt;br /&gt;In den nächsten Tagen vergaß er, sich und seiner Mutter einige Mahlzeiten zu bereiten, da er weder Hunger noch Durst verspürte. Wenn die junge Frau Besuch bekam, vergaß er sogar die bloße Anwesenheit seiner Mutter, bis sie sich müde in Erinnerung rief und gequält vergessene Hausarbeiten anmahnte. &lt;br /&gt;In der Waschecke der Küche wuchs ein Wäscheberg, auf dem sich bereits einige Stubenfliegen niederließen. Aber das sah der Mann nicht. Er hatte seine Augen geschlossen, während er ein Ohr an die Tür zum Ort seiner Vertreibung presste und Gesprächsfetzen gierig aufschnappte, in denen es um Professoren, Vorlesungen und um eine Feier ging. Er hörte, wie sie lachten, wie sie kicherte. Dieses junge Lachen faszinierte ihn, aber er wünschte gleichzeitig, es würde aufhören. Denn noch nie hatte jemand in diesem Haus etwas zu lachen gehabt. Als es dann unvermittelt still wurde, wünschte der Mann allerdings wieder, sie würde ewig weiterlachen. Er wusste nicht, was er wollte. Er versuchte, sich an den betörenden Geruch dieser jungen Frau zu erinnern. Aber es gelang nicht. In ihm stieg eine Melancholie auf, wie sie Russen kennen, wenn sie fern der Heimat sind. Und sein Blick fiel auf die vertrocknete Topfpflanze, die seit Jahren in der Ecke des Durchgangszimmers stand.&lt;br /&gt;Der Wunsch, diese Frau zu riechen wurde bald so übermächtig, dass der Mann beschloss, ihre Wohnung zu betreten, die sie fast immer zur gleichen Zeit verließ. Er beobachtete, nachdem sie ihre Wohnungstür abgeschlossen hatte, einige Minuten vom Wintergartenfenster aus die Straße. Draußen war Frühling. Unter dem zarten Grün einer Kastanie erschien die junge Nachbarin und überquerte eilig die Straße. Sie trug eine hellblaue Jeans mit Blumenstickereien und über einer weißen Bluse eine hellbraune Weste. Ihr blondes Haar hatte sie zu einem einfachen Zopf nach hinten gebunden. Sie bewegte sich trotz ihrer schweren Clogs mit mädchenhafter Anmut. Von der Schulter hing ein Stoffbeutel, der die Leichtigkeit ihres Lebens zu enthalten schien. &lt;br /&gt;Der Mann wandte sich vom Fenster ab und nahm beim Verlassen des Zimmers das Frühstück seiner Mutter mit, die nichts angerührt hatte. Nur eine schwarze Fliege hatte das Butterbrot und die Apfelstücke untersucht und flog auch beim Raustragen nicht auf. Die Mutter lag mit offenem Mund und totem Blick, der irgendwo in die Zimmerdecke gegraben war, auf dem Sofa. Seit einiger Zeit lag sie auch nachts dort. Denn sie glaubte, der Tod würde vor dem Schlafzimmerbett auf sie warten.&lt;br /&gt;Ihr Sohn wartete im Durchgangszimmer, bis er ganz sicher war, dass sich niemand mehr in der Nachbarwohnung aufhielt. Dann drehte er vorsichtig den Messinggriff herum und schob die Tür langsam auf. Er hatte damit gerechnet, dass ihm eine Kiste oder ein Schrank den Weg versperren würde, aber nicht mal ein verräterisches Knarren war zu hören.&lt;br /&gt;Es roch nach frischer Farbe, alles war in den beiden Räumen weiß gestrichen, die Wände und Decken mit den elektrischen Leitungen, die sich wie Adern unter der Tapete abhoben. Dadurch erhielt das spärliche Mobiliar eine Bedeutung, wie sie Ausstellungsgegenständen zukommt. Selbst die Türen und Fensterrahmen glänzten weiß vom Lack. &lt;br /&gt;Aber unter dem intensiven Farbgeruch, der gleichsam die Nase blendete, lag der betörende Duft dieser schlanken Frau. Noch bevor sich der Mann in Ruhe umsah, ergriff er die über einen Stuhl gehängte Strickjacke und presste sie gegen sein Gesicht, um sich dieses Duftes zu vergewissern. Er schloss die Augen und sah ihr blondes Haar, sah wie sie über die Straße ging, sah, wie sie ihre Lippen vor den Briefkästen bewegte. Mit diesem Duft glaubte er weitaus mehr als ihre Schönheit einzuatmen. Die ganze Frau, ihr Wesen, ihre Seele wollte er in sich aufnehmen. Er meinte sogar ihre Gefühle zu riechen und die Ängste, welche sie mit der Kindheit abgelegt zu haben glaubte. Aber sie waren noch da. Und keiner verstand sich darauf so gut wie dieser Mann.&lt;br /&gt;Vorsichtig, als könnte er etwas verletzen, hängte er die Jacke wieder über den Stuhl, der in dem sonst noch recht kahlen Raum vor einem angeklappten Fenster stand. Nur einige Bücherkisten, ein Plattenspieler und eine dem Ofen gegenüberstehende alte Anrichte deuteten auf ein zukünftiges Wohnzimmer. Im Nachbarraum gab es weitere Bücherkisten, außerdem einen kleinen Wäscheschrank. Den meisten Platz beanspruchte eine Bettstelle aus zwei zusammengeschobenen Matratzen, über die sich ein weißes Laken faltig spannte. Weiß bezogen war auch die Bettwäsche: ein Kissen und eine nur zur Seite geschobene Decke. Neben dem gusseisernen Waschbecken stand der einzige Tisch der Wohnung, darunter ein Heizstrahler. Auf dem Tisch trocknete abgewaschenes Geschirr. Über eine kleinen Leine waren zwei Handtücher und ein Lappen gehängt. Und in der Ecke neben dem Waschbecken stand ein Eimer voller Pinsel neben einer großen Emailleschüssel, in der sich die Frau offenbar wusch.&lt;br /&gt;Der Mann hatte alles schnell erfasst und sah nicht nur das Leben dieser Frau, er glaubte es zu wissen. &lt;br /&gt;Er wusste, wie sie sich morgens Wasser für Tee und nicht für Kaffee aufsetzte, wie sie das restliche Wasser zum Waschen nutzte, wie sie am Ende nackt in der Emailleschüssel stand und nach einem Handtuch von der Leine griff. &lt;br /&gt;Der Mann roch an dem großen, feuchten Handtuch. Aber der Geruch enttäuschte. Vielversprechender war ihm ihr Schlaflager. Zuerst schob er auf der Suche nach einem Nachthemd seine Hand unter die Decke. Als er aber nichts dergleichen fand, beugte er sich beinahe zärtlich über ihr Kissen, das mit ihrem Geruch parfümiert war. Er sah aus, als wollte er eine schlafende Unsichtbare küssen, dann schien er sich mit diesem Kissen ersticken zu wollen. &lt;br /&gt;Zu gern hätte er sich unter die Decke gelegt und in völliger Entspanntheit alles auf sich wirken lassen. Aber er war in seinem Sinnestaumels beherrscht genug, um alles, was er vorfand, nicht zu verändern. Einer Verlockung konnte er allerdings nicht widerstehen: Er prägte sich genau die Lage und den Faltenwurf der Decke ein und schob sie in der Mitte leicht zur Seite. Dann hielt er seine Nase auf die Stelle des Lakens, an der er nachts ihren Schoß vermutete. &lt;br /&gt;Seine Nase kostete von dem schwach konzentrierten Duft aus Nachtschweiß, Scheidensekret, Urin und parfümierter Seife. Jetzt hatte er die junge Frau mit all ihren Facetten in sich aufgenommen, wie er glaubte, mit ihrer Einsamkeit, Sehnsucht und Lust, mit all ihren Träumen und Nachtseiten, die er spürte, die er roch. Und auch jetzt wusste er mehr als er sah: wie sie sich ganz auszog, sich hinlegte und zudeckte, wie ihr Atem leise im Schlaf ging und wie sie sich doch unter dem festen Griff ihrer Träume unruhig und leicht schwitzend wand.&lt;br /&gt;Es war wie eine Sucht. In den nächsten Tagen, ja Wochen schlich sich der Mann immer wieder in die Wohnung der jungen Frau, sobald sie das Haus verlassen hatte. Jedes Mal sog er ihren Duft mit einer Intensität in sich, als könnte schon beim nächsten heimlichen Besuch die Durchgangstür für immer verstellt sein. Sämtliche Gerüche nahm er mit der Präzision eines Spürhundes wahr. Bald glaubte er sogar, ihre Befindlichkeit riechen. Er wusste, wann sie entspannt und wann gestresst war, wusste wann sie ein körperliches Unwohlsein verspürte, wann sie sich selbst nicht leiden konnte und wann sie voller Lust steckte. Wenn ihm auch der Zyklus einer Frau nicht vertraut war, so konnte er ihn doch riechen. Er entwickelte mehr Einfühlungsvermögen, als sich Frauen jemals von Männern wünschen würden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;V.&lt;br /&gt;Hatte er sich mit dem intimsten Geruch dieser Frau innerlich befriedigt, untersuchte er neugierig einige Gegenstände, um das Bild, das er sich von ihr gemacht hatte, zu komplettieren. Mal war es ein Schuh, den er sich an die Nase hielt und auf Abnutzungserscheinungen hin untersuchte, mal ein Buch, in dem ein Busfahrschein als Lesezeichen klemmte und worin sich sandkorngroße Kekskrümel und eines ihrer blonden Haare befanden. Nie kam er aber auf die Idee, irgendetwas mitzunehmen, nicht mal ein einzelnes Haar.&lt;br /&gt;Auch wenn er die Wohnung der Nachbarin nicht betreten konnte, drehte sich sein ganzes Denken um diese Frau und ihre betörende Welt, die einmal sein Schattenreich war. Aber begegnen, begegnen wollte der Mann ihr nicht, konnte er nicht. Selbst als sie eines Tages an der Tür klingelte – und er roch, dass sie es war – öffnete er nicht. Warum sie geklingelt hatte, blieb ihm rätselhaft.&lt;br /&gt;Ohne dass er es merkte oder merken wollte, vernachlässigte er seine inzwischen bettlägerig gewordene Mutter von Tag zu Tag. Zwar stellte er ihr nach wie vor einfache Mahlzeiten hin, die sie jedoch immer seltener zu sich nahm, setzte sie auf den Nachttopf und wusch sie in unregelmäßigen Abständen. Aber wenn sie wieder mal auf das Sofa uriniert hatte, ließ er sie in der Nässe liegen. Und dass sie am Rücken wundgelegen war, registrierte der Mann erst, als die Wunden übel zu riechen begannen. &lt;br /&gt;Doch so wie er ständig mit seinen Gedanken woanders war, war seine Mutter es auch. Seit Monaten hatte sie nicht mehr gesprochen und ihre Augen blickten leer aus einer zerfallenden Hülle.&lt;br /&gt;Die Wohnung der jungen Nachbarin heimlich aufzusuchen wurde für den Mann zu einer Sucht. Es berauschte ihn. War ihm der Zugang verwehrt, litt er wie ein Drogenabhängiger unter Entzug.&lt;br /&gt;So auch in der Nacht, als die junge Frau spät und in Begleitung heimgekehrt war. Sie lachte im Treppenhaus. Aber diesmal lachte sie anders, leiser, zärtlicher. Und sie flüsterte.&lt;br /&gt;Bereits seit Stunden saß der Mann vor der Durchgangstür und stierte wie vom zwielichtigen Schein der Straßenlaternen hypnotisiert auf das schwarze Fensterkreuz. Nur wenn unten ein Auto um die Ecke fuhr, sah er an der Zimmerdecke. Dort befand sich das abgeklemmte Rohrstück einer alten Gasleitung und ein Haken für die fehlende Lampenaufhängung. Das Rohrstück sah wie ein Giftstachel aus, der vom Scheinwerferlicht der Autos tiefer in die Decke gedreht wird. Und der Haken erinnerte an die Armprothese eines Piraten, die dem Mann als kalte Handreichung entgegengestreckt wird, immer wenn es nebenan kicherte, wenn dort eine Flasche Wein entkorkt wurde, leise Musik und immer wieder ihre Stimme zu hören war, die er nicht verstand. Die drei Türen umgaben ihn wie versperrte Möglichkeiten.&lt;br /&gt;Als mit der Musik nebenan die Geräusche verstummten, hallte das Gehörte im Inneren des Mannes noch lange nach. &lt;br /&gt;Am Spätvormittag des nächsten Tages verließ die junge Frau in Begleitung das Haus. Kurz darauf betrat der Mann ihre Wohnung. Die Luft roch fremd. Neben der Matratze standen zwei Gläser und eine leere Flasche Wein. Vorsichtig schlug der Mann die Bettdecke zurück und stand einige Sekunden bewegungslos davor, dann verließ er die Wohnung, ohne sich für weiteres zu interessieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VI.&lt;br /&gt;In der folgenden Nacht schlief die junge Frau allein. Sie träumte unruhig. Ihr war, als hörte sie Dielen knarren und glaubte im Halbschlaf einen etwas modrigen Geruch wahrzunehmen. Noch im Schlaf fühlte sie sich beobachtet. &lt;br /&gt;Am anderen Morgen war sie unausgeschlafen und versuchte sich vergeblich daran zu erinnern, was sie in der Nacht beunruhigt hatte. Aber dann dachte sie an etwas anderes und lächelte. Sie setzte einen Teekessel mit Wasser auf und ging zum Fenster. Das Laub der Kastanie vor ihrem Fenster war von einer Blattkrankheit verdorrt und fiel herbstlich braun herab. An einigen Stellen konnte die junge Frau bereits durch das Geäst auf das gegenüber liegende Haus sehen. Dort saß eine Krähe und starrte herüber. Die Krähe nickte mehrmals mit dem Kopf, als wolle sie jemanden grüßen oder sich darin bestärken, endlich loszufliegen. Die junge Frau fröstelte ein wenig. Nachdem das Wasser gekocht hatte, machte sie sich eine Tasse Tee zurecht und kippte das restliche Wasser in die Emailleschüssel, um sich zu waschen, bis der Tee durchgezogen war.&lt;br /&gt;Nach dem Waschen und Anziehen packte sie ihre Seminaraufzeichnungen zusammen und sah auf die Uhr. Es war noch Zeit. Der Tee hatte am Tassenrand einen öligen Schmutzfilm hinterlassen. Sie ging mit der Tasse wieder zum Fenster und trank den Tee dort mit kleinen Schlucken, als wenn er noch heiß wäre. Essen konnte sie so früh am Tag noch nichts.&lt;br /&gt;Die Krähe war mittlerweile verschwunden. Dafür stand ein rabenschwarzes Auto vor dem Haus. Als sie sich Minuten später auf den Weg zur Universität machen wollte und ihre Tür abschloss, traten zwei dunkel gekleidete Männer, die einen Sarg trugen, aus der gegenüber liegenden Wohnung. Ihr war es unheimlich, obwohl oder weil die junge Frau nicht wusste, wer dort gewohnt hatte. &lt;br /&gt;„Nach Ihnen!“, sagte einer der dunklen Männer und zwinkerte dem anderen zu, während die junge Frau eilig an ihm vorbeiging. &lt;br /&gt;In den folgenden Tagen hielt sie sich nur noch ungern in ihrer Wohnung auf. Sie war erleichtert, wenn ihr Freund bei ihr übernachtete. Sie besuchten die gleichen Seminare, er hatte ihr beim Umzug geholfen und nun waren die beiden so etwas wie ein Paar, ohne daraus Ansprüche auf die Freiheit des anderen abzuleiten. Ein kompliziertes Thema, worüber sie jedoch einhelliger Meinung waren und sich dafür im Bett belohnten. Das wollten sie sie allerdings nicht zur Gewohnheit werden lassen, weil jede Gewohnheit die Freiheit töte. So sagten sie.&lt;br /&gt;Wenn ihr Freund gegangen war, schien die junge Frau bei aller abgemachten Leichtigkeit über ihre neue, unstete Situation nachzudenken, dass sie davon immer zerstreuter wurde. Mal fand sie ein Buch nicht wieder, das sie irgendwohin gelegt hatte, mal vermisste sie ein Wäschestück, wenn sie zum Waschsalon wollte. Als ob ein Geist sein Unwesen triebe. Und diese Vorkommnisse schienen sich zu häufen. Einmal kam sie um die Mittagszeit nach Hause, weil eine Vorlesung ausgefallen war und sie mit ihren Kommilitonen zum See fahren wollte. Als sie fast verzweifelte, weil sich ihr Badeanzug nicht im Wäscheschrank finden ließ, bemerkte sie die selbst für einen Junitag ungewöhnliche Wärme. Sie rührte vom Heizstrahler, den sie aus Versehen angestellt haben musste. &lt;br /&gt;Als sie abends vom See zurück war, hatte sie das mit dem Elektro-Ofen schon wieder fast vergessen und begann, ihr feuchten Sachen über die Leine zu hängen. Dabei löste sich einer der Haken aus der Wand und die Wäsche lag auf dem Boden. Das war zwar nicht weiter tragisch, aber irgendwie kam eines zum anderen. Zu allem Überfluss entdeckte die junge Frau noch eine Kakerlake in ihrem Waschbecken, die dort gefangen saß. Sie hatte keine Vorstellung, wie sie dort reingekommen sein sollte, denn für den Abfluss war sie zu groß. Nachdem die junge Frau ihren Ekel bezwungen hatte, überbrühte sie das Tier mit heißem Wasser und bedauerte zum ersten Mal aufrichtig, dass sie allein lebte. Aber je öfter sie ihren Freund trotz der Gewohnheits-Freiheits-Diskussionen bei sich übernachten ließ, dem sie von all dem nichts erzählte, um so mehr häuften sich diese unheimlichen Vorfälle: Der Plattenspieler ging kaputt, große Spinnen hielten Einzug in die Wohnung. Und fand sich ein vermisstes Höschen wieder an, zum Beispiel hinter dem Wäscheschrank, war es garantiert von Mottenl zerfressen. Einmal lag sogar eine tote Maus vor ihrer Wohnung, die von einer Katze dorthin gelegt worden sein musste.&lt;br /&gt;Aber der Sommer tröstete die junge Frau, lenkte sie ab. Bis spät in die Nacht konnte sie mit anderen Studenten auf dem Campus sitzen, die Ferienzeit genießen, von fernen Musik-Festivals träumen und dem Bluesgesang eines Gitarrespielers zuhören. Vielleicht wurde sie von ihrer unterschwelligen Furcht überredet, einen Trip einzuwerfen. Haschisch war inzwischen nichts Außergewöhnliches, aber zu LSD gehörte Mut.&lt;br /&gt;Sie wusste nicht, ob sie allein nach Hause gegangen war oder ob man sie gebracht hatte. Sie wusste nicht, wie lange sie im Dunklen vor ihrer Wohnungstür gestanden hatte, sie wusste nicht einmal genau, wo sie stand. Irgendwann wollte sie zu dem Außenklo, obwohl sie gar nicht musste. Sie war wie ferngesteuert. Wäre ihr der Keller eingefallen, hätte sie sich wahrscheinlich auf den Weg nach unten gemacht. Aber so trugen sie die Treppenstufen des unbeleuchteten Treppenhauses als schwarze Wellen einen Schritt hoch und zwei zurück oder umgedreht. Wie Schritte übers Wasser, nur bergauf. &lt;br /&gt;Nachdem sie es bis in die enge Kammer geschafft hatte und auf dem Deckel des Klobeckens saß, ohne sich die Hose runtergezogen zu haben, sah sie sich erneut um. Durch das winzige Fenster drang kaum Licht vom Hof. Die junge Frau bildete sich ein, in einem Sarg zu sitzen. Einem Sarg mit Klo, wie praktisch, dachte sie kichernd. Dann versuchte sie sich zu entsinnen, wann sie gestorben sei, denn dass sie tot sein musste, stand für sie fest. Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen und hörte das Ächzen einer Frau. Als sie erschrocken aufsah, stand sie wieder unten im Treppenhaus vor der Wohnung. Ihre Augen hatten sich an die Finsternis gewöhnt. Aber immer noch ferngesteuert versuchte sie der Bewegung des Schlüssels zu folgen, der sich am Schloss zu schaffen machte. Da öffnete sich die Tür wie von Geisterhand. Ein kleiner Mann mit Bart erschien und machte Licht im Treppenhaus. Was sucht der in meiner Wohnung, dachte die junge Frau und überlegte, wo sie ihn schon einmal gesehen habe. Als sie erkannte, dass sie die Wohnungen verwechselt hatte, ließ sie sich von ihm wortlos den Schlüssel abnehmen und aufschließen.&lt;br /&gt;Dabei musterte sie ihn, sah ihn aus geweiteten Pupillen an, diesen bärtigen Kind-Mann in seinen altertümlichen Sachen. Sein blasses Gesicht drückte den Überdruss eines vertanen Lebens, aber auch die Bereitschaft zum Neuanfang aus. Er schien auf etwas zu warten. Vielleicht ein erlösendes Lächeln, ein Wort des Dankes, ein Wort überhaupt. Vielleicht war es die absurde Mischung von Tragik und Komik, die dort vor ihr stand, vielleicht war es aber auch nur die Wirkung der Droge, auf jeden Fall begann die junge Frau – statt etwas zu sagen – in ein immer stärker werdendes Gelächter auszubrechen. Wie ein reißender Fluss brach es sich aus ihrem Inneren Bahn und schall durchs ganze Haus. Es stieg ihr als Tränen in die geröteten Augen, dass sie sich festhalten musste, um nicht fortgerissen zu werden. &lt;br /&gt;Dann ebbte ihr Gelächter wieder ab. Sie wischte sich, vom Lachen noch etwas nachbebend, die Augen und sah in das dunkle Treppenhaus, aus dem der kleine Mann wie ein eingebildeter Spuk verschwunden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VII.&lt;br /&gt;In den nächsten Tagen und Wochen geschah nichts, was man als merkwürdig bezeichnen könnte. Nichts ging kaputt oder ängstete. Einzig der Hochsommer machte der jungen Frau zu schaffen und die Fliegen, die sich vor den Schwalben in ihre Wohnung geflüchtet hatten.&lt;br /&gt;Tagsüber fuhr sie mit den Freunden, die noch in der Stadt waren, an den See, abends ging sie zu einer dieser WG-Partys. Und manchmal lag sie einfach so mit ihrem Freund auf der Matratze, aß einen Apfel, ließ sich etwas vorlesen oder lauschte dem gleichförmigen Sommerregen, der wie um Einlass ans Fenster klopfte. Dabei waren nur die Fliegen lästig, die sich nicht verjagen ließen, die sich auf dem Kopfkissen landeten, auf dem Buch, selbst auf dem Apfel. Eine hatte sich sogar in ihrem langen, blonden Haar wie in einem Netz verfangen und summte dort wütend herum. &lt;br /&gt;„Fleischfliegen!“, sagte ihr Freund. Und es schienen davon immer mehr zu werden. Vielleicht lag ja irgendwo ein vergessenes Stück Wurst. Denn einen Kühlschrank gab es hier nicht. Der Mann machte sich auf die Suche nach der Ursache dieser Fliegenplage, die aus dem Wohnzimmer zu kommen schien. Denn die „Schlafküche“, wie seine Freundin sagte, hatte er schon abgesucht. &lt;br /&gt;Als er die Wohnzimmertür öffnete, fiel der Lichtschein auf die gegenüber, neben dem Eingang befindliche weiß lackierte Tür, die früher einmal ein Durchgang gewesen sein musste. Die Tür war schwarz übersät von unzähligen Fliegen, von denen sich etliche - vom Lichtschein aufgeschreckt – erhoben und wie ein Schwarm Bienen im Zimmer zu lärmen begannen. Unten, am Türspalt, krochen Maden hervor. &lt;br /&gt;Noch nie hatte der Mann so viele Fliegen auf einmal gesehen. Schnell machte er die Tür wieder zu.&lt;br /&gt;„Tausende von Fliegen!“, sagte er zu der jungen Frau, die sich mit großen Augen im Bett aufgesetzt hatte. „Sie kommen aus diesem Raum da!“&lt;br /&gt;Die beiden beschlossen, die Nacht in der Studentenunterkunft des Mannes zu schlafen, zogen sich schnell an und verließen eilig die Wohnung. &lt;br /&gt;Am anderen Tag kamen sie zurück, um den Hausmeister zu informieren.&lt;br /&gt;Der wollte nicht glauben, dass aus dem kleinen Durchgangszimmer Fliegen kommen sollten. &lt;br /&gt;„Das ist leer!“, sagte er. Höchstens, wenn unter den Dielen mal eine tote Maus liege, aber die gäbe es hier nicht in seinem Haus. Nach dem Krieg habe da die kürzlich verstorbene Frau gelebt, sagte er den jungen Leuten. Aber die sei dann in die andere Wohnung gezogen. Er deutete auf die Nachbartür, während er aus einem mitgenommenen Schuhkarton nach dem richtigen Schlüssel kramte. Jetzt wohne nur noch ihr Sohn da, sagte er. Ein sonderbarer Mensch, fügte er leise hinzu und sah vorsichtig zur Seite. &lt;br /&gt;„Es heißt ...“, flüsterte er weiter, unterbrach sich dann aber, als er den passenden Schlüssel gefunden hatte.&lt;br /&gt;Die Tür wollte erst nicht aufgehen, gab dann aber knarrend nach.&lt;br /&gt;Fliegen! Auch hier war alles voller Fliegen. Sie saßen am staubigen, halb offenen Fenster und auf der alten Tapete. Und sie umflogen laut einen kleinen, in der Mitte des Zimmers hängenden Leichnam, dessen Kopf von wimmelnden Maden unkenntlich gemacht worden war und von dem trotz des halb offenen Fensters ein faulig-süßer Geruch ausging. Auf dem Fußboden lag ein aufgeschlagenes Buch, über das eine Made kroch, die keiner sah, und in der Ecke stand eine verdorrte Topfpflanze, die einige grüne Blätter trieb. Mehr war nicht zu erkennen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2779140462142468961?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2779140462142468961/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2779140462142468961' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2779140462142468961'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2779140462142468961'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/06/das-durchgangszimmer.html' title='Das Durchgangszimmer'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3005820793566054498</id><published>2003-06-10T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:14:26.441+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>056 | Pfingsten in Berlin</title><content type='html'>Selbst wenn man Pfingsten nicht das Passende für sich in Stadtmagazinen wie „Tip“ oder „Zitty“ finden sollte, lässt sich in Berlin und Umland einiges unternehmen. Vor allem Altbewährtes. Museen und Kinos verbieten sich bei Sommerwetter irgendwie von selbst. Im Grunde will man nur irgendwo gemütlich sitzen und mit angenehmen Menschen Gaumenfreuden und Neuigkeiten teilen. Zum Beispiel im Kreuzberger „Abendmahl“ in der Muskauer Straße 9. Das Besondere ist dort nicht das Interieur (oder die bunten Lampions draußen an der Markise), sondern das Essen mit Event-Charakter. Zur Zeit gibt es Krimi-Menue-Abende. Dem entsprechen auch an normalen Tagen die Namen der Gerichte. Wer vermutet da schon hinter „männlich, versoffen, böse sucht ...“ Seeteufelfilet auf Portweinlinsen? Oder hinter „Flammendes Inferno“ ein scharfes thailändisches Fischcurry?! Doch irgendwie machen die Namen nicht nur Spaß, sondern auch Sinn. Ich bestellte mir für 15,50 € einen „Mord im Aquarium“ - eine gebratene Dorade, die offenbar aber an Vernachlässigung gestorben war. Bei 3 kleinen halben Rosmarinkartoffeln und 5 Mini-Zuccinischeiben wunderte es mich nicht, dass selbst beim Würzen gegeizt wurde. Selbst die berühmt-berüchtigten Eiskreationen waren fast ausschließlich für das Auge bestimmt. Und weil alles trotz spärlicher Kundschaft lange auf sich warten ließ, kam ich zu dem Schluss: Wer im „Abendmahl“ speist, sollte bereits satt hingehen, viel Zeit und mehr als 30 Silberstücke haben. Denn mögen Küchenkreationen auch ihren Preis rechtfertigen – aber 5,-€ für eine Flasche Wasser und 25,-€ für eine Flasche Prosecco ist schon recht unchristlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann lieber volkstümlich in Friedrichshagen, direkt neben dem Spreetunnel. Wer einen Spaziergang am (Müggel-)See mit netter Biergartenatmosphäre verbinden möchte, ist dort genau richtig. Mit Blick aufs Wasser lässt sich die Bratwurst oder das Eisbein mit Sauerkraut genießen und mit frisch Gezapftem oder Berliner Weiße runterspülen, bevor man sich zum Kaffeetrinken auf den Weg zur Gaststätte „Rübezahl“ begibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer auf Speisen und Getränke verzichten kann, sollte am südöstlichsten Zipfel Berlins auf der Pfaueninsel lustwandeln, weil beides dort nicht erhältlich ist. Für 1,-€ fährt man nach langer Autofahrt und kurzem Fußmarsch mit der Fähre einen Steinwurf weit über die Havel, und schon befindet man sich in einer Art Reha-Park mit Ufa-Kulisse und Rentnern, denen der Starnberger See zu weit war. Haben die Bayern dort noch ihr Neuschwanstein, steht man hier auf der Pfaueninsel vor der preußisch-sparsamen Variante eines Schlösschens mit Ruinenflair. Das erste Fertighaus, möchte man meinen und seine baugeschichtliche Bildung darauf verwetten, dass die grau-weißen Brettertürme nie und nimmer über 200 Jahre alt sind. Und wenn - schon nach der ersten stürmischen Nacht hätte sich das Liebesnest Friedrich Wilhelms III. in eine echte der damals angesagten Ruinen verwandeln müssen ... Aber wer weiß, wie er es mit der Leidenschaft und mit der Treue hielt. Die zu seiner Hochzeit gepflanzte Platane steht schließlich auch noch – am Potsdamer Platz, bei der Staatsbibliothek. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die restlichen Gebäude und Bäume der Insel können den ersten müden Eindruck genauso wenig revidieren wie die trompetenden Pfauen. Egal, ob Schinkel oder Lenné mit am Werke waren. Und dass selbst hier der Zahn der Zeit in Form der Minier-Mottenbrut am Kastanienlaub nagt, ließ mich ganz desillusionieren. In den Prospekten klingt der Ton natürlich anders: „eines der schönsten Ausflugsziele Berlins“, „bezaubernd“, „romantisch“, „idyllisch“, „preußisches Arkadien“ ... Preußisch auf jeden Fall, wenn ich an die „Wege nicht verlassen!“-Schilder denke. Aber auch hier sollte wohl jeder nach seiner Facon empfinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Globaler und deshalb hauptstädtischer ging es sonntags am Blücherplatz zum „Karneval der Kulturen“ zu. Der Umzug war eine Mischung aus Fasching, Love Parade und Christopher Street Day. Während andernorts die südliche Welt bei 34 °C Siesta machte, begann die Fiesta hier schon mittags. Wer in der Hitze Caipis schlürfte, war selbst dran schuld. Die Promoter von „Jägermeister“ ließen an Volljährige orange Sonnenhütchen verteilen. Dabei waren es vor allem Kinder, die welche nötig hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben dem offiziellen Umzug machte es Spaß, den Umzug der Besucher zu beobachten. Wie sich alles schwitzend an den Imbiss-Buden vorbeischob! Viele Deutsche waren bunter angezogen als die Exoten auf den Umzugswagen: grüne Streifenbluse über rotbraun karierter Dreiviertelhose, den Rucksack wegen der Diebe vor die Brust geschnallt, und natürlich das orange „Jägermeister“-Hütchen obenauf ... Wie bei „Haderers Wochenschau“, nur als Endlos-Animation. „Stern“-Leser wissen, was ich meine. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach 4 Stunden war ich geschafft und sehnte mich nach der Reha-Pfaueninsel zurück. Die weitaus bessere Alternative war aber die zur Zeit angesagte „Strandbad-Mitte". Irgendwelche findigen Leute haben hinter dem Hackeschen Markt beim Monbijou-Park feinsten Sand vor das Spreegeländer gekippt, Liege- und Strandkörbe aufgestellt und eine Strandbar für den Umsatz gebaut. Urlaubsfeeling vor der Museumsinsel – optisch ein reizvoller Bruch, und absolut berlintypisch. Selbst als sich abends die Gewitterwolken zusammenschoben, war der Andrang groß. Bis der Sturm losbrach. Und dafür sorgte, dass es am Pfingstmontag keinen „Karneval der Kulturen“ mehr gab: 3 Leute wurden am Blücherplatz von einem umgestürzten Gerüst schwerstverletzt. &lt;br /&gt;Hoffentlich werden sie wieder und können sich bei besserem Wetter erholen. Ich wüsste sogar schon, wo.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3005820793566054498?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3005820793566054498/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3005820793566054498' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3005820793566054498'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3005820793566054498'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/06/056-pfingsten-in-berlin.html' title='056 | Pfingsten in Berlin'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1733438007179572574</id><published>2003-06-02T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:12:43.410+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>055 | Angeltour</title><content type='html'>Letzte Woche Dienstag fuhr ich mit meinem alten Angelfreund Peter zur Mecklenburger Seenplatte. Nach Jahren des Wir-müssten-mal-wieder-angeln-fahren-aber-gerade-passt-es-nicht hatten wir sogar ein Kanu dabei, selbstaufblasbare Iso-Matten und ein Zelt, das sich fast von alleine aufbaut. Wir brauchten uns also nur um die Fische zu kümmern. Bei 10,-€ pro Tag auf legale Weise, wenn man die Preise legal nennen möchte. &lt;br /&gt;An der Einsatzstelle Klenzsee – zwischen Wesen- und Rheinsberg - ließen wir abends gleich das Boot zu Wasser und köderten mit Würmern, Mais und aromatisiertem Teig zwischen halb geöffneten weißen Seerosen. Peters kleine Match-Rute war meiner alten Stippe dabei bei weitem überlegen: Schon als die erste Rotfeder bei mir am Haken zappelte, stukte hinten die Stippe im Wasser. Also griff ich besser auch zur Teleskoprute. &lt;br /&gt;Unter Nichtanglern kursiert immer noch der Irrglaube, Angeln sei deshalb langweilig, weil man stundenlang auf seine Pose stiere. --- Kaum hatten wir die Schnur im Wasser, wurde auch schon angebissen. Plötzen, auch eine Güster, Barsche und eben Rotfedern. Darunter sogar ein paar größere Exemplare, die wir trotzdem allesamt freiließen. Und selbst wenn es mal nicht so gut klappt – langweilig wird es nie. Irgendwann sieht man nach dem Köder, irgendwann verhakt oder verheddert sich was und irgendwann hängt der Erfolg am Haken. Falls nicht, bleibt die Natur als Anti-Stress-Programm. Back to Basics! Wasserläufer auf der glatten Oberfläche, poppende Libellen, ein Buntspecht, Haubentaucher, Blässhühner, kleine Ringelnattern, Bussarde, Graureiher und einmal auch ein Fischadler. Hier kann man sich wieder den Unterschied zwischen Stille und Ruhe bewusst machen, zwischen kennen und wissen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag über einen schmalen Zulauf in den Gabenowsee und über den Drosedower Bach in den Rätzsee. An einigen Stellen ist die Natur so üppig mit Farnen bestückt, dass sie sich als prähistorische Kulisse vorstellt. Ringsum mangrovenartiges Unterholz und über einem der miauende Ruf des Bussards. Indian Spirit in MeckPomm! &lt;br /&gt;Dass wir uns bei dem herrlichen Wetter leichte Sonnenbrände zugezogen hatten, bemerkten Peter und ich erst abends am Lagerfeuer, irgendwo an einer menschenleeren wilden Badestelle. Dass vom Paddeln und stundenlangen Sitzen Rücken und Hintern schmerzten, bemerkten wir schon vorher. Doch zur Naturburschenidylle gehört auch das Einsteckenkönnen. Ein lauwarmes Flaschenbier, ein „Westerntopf“ aus der Dose im Liegen und das Leben kann kaum besser sein. Marlboro-Feeling, nur ohne Zigaretten. &lt;br /&gt;In der Nacht - kurz vor dem Einschlafen - dann der Überfall. Nur keine Indianer, die wären leiser gewesen. Rascheln draußen, Rascheln im Vorzelt. Ratten? Im Taschenlampenkegel ein Waschbär. Rotzfrech riss er eine der Verpflegungstüten um und krallte sich die Brotpackung. Später kam ein zweiter Waschbär dazu. Sie fauchten sich an, tobten im Kanu herum und fraßen, was sie dort finden konnten: Müsliriegel, übriggebliebene Haribos und eine Tüte Haferflocken zum Anfüttern. &lt;br /&gt;Etwas unausgeschlafen am nächsten Morgen. Beim heißen Kaffee aus der großen Stahltasse: „Mensch! Alles Gute zum Vatertag!“ &lt;br /&gt;Auf den Seen tummelten sich von Stunde zu Stunde immer mehr Leute im Kanu, Paddel- und Faltboot. Die meisten hatten Bierfässchen an Bord, einer sogar eine schwarze Johny-Walker-Fahne am Heck. Bei der Hitze und dem Durst war es nur gut, dass die meisten Gewässer dort für Motorboote gesperrt sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Abends wieder Ruhe einkehrte, verlegte sich Peter aufs Blinkern und fing prompt zwei Hechte. Einer war maßig und musste dran glauben. Peters &amp; Petri Heil! Weidgerecht erlegt und ausgenommen. Und ich? &lt;br /&gt;An unserem letzten Angelmorgen fing ich an gleicher Stelle einen etwa gleich großen Hecht. Somit war nicht nur Anglerpatron Petrus gerecht, der Fang krönte auch die ohnehin perfekten 3 Tage. Dass Peter zum Schluss aus meinem Unterfangkescher einen Untergangkescher machte, fiel nicht ins Gewicht, nur ins Wasser. Aber ein schöner Grund, um den anderen aufzuziehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor der Heimfahrt hielten wir noch um zu baden und um Räucherfisch zu kaufen. Den allerdings nicht in Canow, sondern in Rheinsberg, denn das ist Kult. Rauchwarme Maränen! Besser als jede Marlboro-Werbung!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1733438007179572574?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1733438007179572574/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1733438007179572574' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1733438007179572574'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1733438007179572574'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/06/055-angeltour.html' title='055 | Angeltour'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8999000754086780966</id><published>2003-05-18T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:11:25.746+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>054 | Tischgespräch</title><content type='html'>Freitagabend entspannte ich vor dem „Anita Wronski“ (Knaakstraße 26) bei einem Wernesgrüner. Geradeaus der Blick in die Diedenhofer Straße, links - hinter einer üppigen Grünkulisse – der dicke Wasserturm, rechts die ersten Lichterketten-Kneipen vom Kollwitzplatz. Schön. Es kamen gerade so viele Leute vorbei, dass es nicht langweilig wurde oder nervte. Die Stimmung erinnerte mich ein wenig an Van Goghs „Straßencafé“, nur dass es dort bereits Nacht war. &lt;br /&gt;Hinter mir hatte ein Paar Platz genommen, das keines war, er sich aber darum zu bemühen schien. Ich bekam sie kein einziges Mal zu Gesicht, lauschte nur der Stille und ihrem Gespräch. Er - offenbar ein Arzt um die 40 – erzählte zuerst sachlich von krebskranken Kindern, denen nicht mehr zu helfen war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er: ... bei dem hatte man einen Tumor festgestellt, der auf die Sehnerven drückte. Es war... &lt;br /&gt;Sie: Hör´ auf! &lt;br /&gt;Er (flüsternd): Es war erschütternd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir wurde einige Schlucke Bier später klar: Er wollte sich nicht nur interessant machen, er wollte auch ihr Herz über ihr Mitleid erobern. Aber Mitleid für das, was hauptsächlich ER durchgemacht hatte. Aber sie war eine angezickte Spröde um die 20, die sich nichts vormachen ließ. Noch ehe sie die Karte überflogen hatten, stand die Kellnerin bei ihnen. &lt;br /&gt;Sie: Ich nehme ein Desperados. &lt;br /&gt;Kellnerin: Haben wir nicht. &lt;br /&gt;Er: Desperado heißt „verzweifeln“, also nimm es lieber nicht. &lt;br /&gt;Sie: Ich KANN es auch nicht nehmen, weil sie keines haben! &lt;br /&gt;Er: Was ist denn ein Desperado? &lt;br /&gt;Kellnerin: Ähm, Bier mit – Tequila. (dabei das „l“ mitsprechend) &lt;br /&gt;Sie (korrigierend): Mhm, mit Tequila. (dabei das „l“ als „j“ aussprechend) &lt;br /&gt;Er: Ja, dann nimm doch ein Bier, das werden sie doch wohl haben. &lt;br /&gt;Kellnerin: Wir haben ... &lt;br /&gt;Sie: Nein, Bier ist mir zu banal. &lt;br /&gt;Er: Oder Obstbrand! &lt;br /&gt;Sie: Nein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kellnerin entfernte sich vorerst auf Wunsch, weil die beiden nun doch gründlicher in die Karte sehen wollten. &lt;br /&gt;Sie (maulend): Ich will, dass sie da haben, was ich trinken möchte! (lachte etwas, um nicht als die verwöhnte Göre zu erscheinen, die sie offenbar ist) In jeder Kneipe gibt es heutzutage Desperados! &lt;br /&gt;Minuten später – sie hatte sich vorerst für KiBa entschieden und gab sich gut gelaunt – mokierten sie sich über einige ihnen bekannte Personen und bezeichneten sie als „Schmock“, was im Jiddischen „Idiot“ bedeutet. Weil wohl einer dieser Schmocks stottert, versuchte er sich ihr neben der wissenden auch noch von der humorigen Seite zu nähern: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er: Wusstest du, dass Moishe beim Auszug aus Ägypten eigentlich nach Kanada wollte? &lt;br /&gt;Sie: Was? &lt;br /&gt;Er: Ja, Moische war ein Stotterer. Er sagte: Folgt mir nach Kann... – nach Kanaa... – nach Kanaan... --- Und alles lief nach Kanaan! &lt;br /&gt;Sie: Hm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offenbar waren er oder beide Juden. Denn er wünschte einem Freund, den er über das Handy anrief, noch einen guten Shabbes. Schließlich sprachen sie über einen, der nicht stottert. Und er fand – und bog das Gespräch in eine gewünschte Richtung -, dass dieser Typ zu ihr passen könnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er: Wie alt wird er sein? &lt;br /&gt;Sie: Etwa 30. Aber der ist bestimmt verheiratet oder sonst irgendwie scheiße. &lt;br /&gt;Jetzt bot sich ihm die Gelegenheit in die Offensive zu gehen. &lt;br /&gt;Er: Einige sagen, WIR würden ganz gut zusammenpassen. &lt;br /&gt;Sie: Hör auf! &lt;br /&gt;Er (um Objektivität bemüht, als würde er zwei Einzeller mikroskopisch analysieren): Ich meine SYMBIOTISCH. &lt;br /&gt;Sie (es zur Rettung ins Lächerliche ziehend): Du meinst, meine Beine und dein Bauch?! &lt;br /&gt;Er: Wir verstehen uns doch ausgezeichnet. &lt;br /&gt;Sie: Also ich finde meine Beine hässlich. &lt;br /&gt;Er: Du hast sehr schöne Beine. &lt;br /&gt;Sie: Nun hör´ aber endlich auf. &lt;br /&gt;Er: Nein, im Ernst. Dass Frauen immer was an sich auszusetzen haben ... Selbst Claudia Schiffer. Also nicht, dass ich Claudia Schiffer gut finden würde, aber schlecht sieht sie auch nicht aus; und so wie die in einem Interview gesagt hat, was ihr an ihr selbst nicht gefällt, hätte man glauben müssen, da spricht eine Hexe. &lt;br /&gt;Sie: Ich müsste mit meiner Freundin so eine Symbiose eingehen. Sie findet sich zu groß und zu dürr, und ich bin zu klein. Außerdem ist mein Hintern zu dick. &lt;br /&gt;Er: Du bist nicht zu klein, und dein Hintern ist genau richtig. &lt;br /&gt;Sie (den Fluchtweg betretend): Ich werd´ sie mal anrufen. Vielleicht hat sie ja Zeit und kann mit herkommen. &lt;br /&gt;Er (den Entspannten mimend): Gute Idee! &lt;br /&gt;Sie: Aber erst mal muss ich für kleine Schicks. &lt;br /&gt;Er: Lass uns am besten gleich reingehen. Hier draußen wird es schon ziemlich kühl. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und weg waren sie. &lt;br /&gt;Ich bestellte noch ein Wernesgrüner, schlug meinen Strickjackenkragen hoch und sah zu den Lichterketten-Kneipen rüber.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8999000754086780966?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8999000754086780966/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8999000754086780966' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8999000754086780966'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8999000754086780966'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/05/054-tischgesprch.html' title='054 | Tischgespräch'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4391766706092377249</id><published>2003-05-14T19:43:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T22:00:13.554+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Irritation</title><content type='html'>Der Geruch frischer Waldpilze&lt;br /&gt;An einem Frühjahrsmorgen in einer Stadt&lt;br /&gt;Wonach ich mich drehe&lt;br /&gt;An einer Ampelkreuzung&lt;br /&gt;Zwei Menschen / Ein Gegenüber&lt;br /&gt;Ein Warten darauf&lt;br /&gt;In der Richtung des anderen&lt;br /&gt;Zu verschwinden und zu erinnern&lt;br /&gt;Was ausbleiben wird.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4391766706092377249?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4391766706092377249/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4391766706092377249' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4391766706092377249'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4391766706092377249'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/05/irritation.html' title='Irritation'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7171682646531182061</id><published>2003-05-04T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:09:37.543+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>053 | Szenenwechsel</title><content type='html'>Noch von meinem kurzen Mallorca-Urlaub angetan ging ich am letzten Apriltag ins Berliner „Yosoy“, einer Tapas-Bar in der Rosenthaler Straße 37. Obwohl ich die Rosenthaler ziemlich oft langschlendere, war ich vorher noch nie dort. Wohl weil es meistens sehr voll ist und – von den Zigarren á la Carte – ziemlich verraucht. Nicht so am Mittwochabend. Durch die offene Tür schien noch eine beinahe spanische Sonne und an den Tischen saßen ebenso interessante Leute wie im „L´Oriente“ Capdeperas. Wer die Homepage (www.yosoy.de )öffnet, kann sich neben den aufgelisteten Speisen einige Fotos ansehen und das Flair denken. Alles ist liebe- und stilvoll eingerichtet. Hinter dem dunklen Tresen ein Wandmosaik im maurischen Stil, darüber ein Arte-noven-Leuchter und schwere Deckenventilatoren gegen den Rauch der Puros. &lt;br /&gt;Die „nach Geheimrezept“ eingelegten Oliven sind so gut, wie ich sie auf der Baleareninsel nie bekam, und die frittierten Kartoffelstücke mit Alioli – köstlich! Dazu ein junger Rioja und alles wird gut! &lt;br /&gt;Am nächsten Tag Kontrastprogramm ganz in der Nähe: „Mia“ gaben ein Konzert am Rosa-Luxemburg-Platz. Neopunk in bester „Ideal“-Manier. Der Soundtrack zur Mai-Demo. Früher spielten „Ton Steine Scherben“ zum klassenpolitischen Tanz auf, aber sonst hat sich bekanntermaßen nicht viel geändert: Polizisten durchsuchten die potentiellen Chaoten, es wurden Flyer verteilt und man sammelte sich äußerlich und innerlich vor dem langen Marsch gegen das Establishment und gegen rechts. &lt;br /&gt;Der Inhalt der Flyer ist auch noch der gleiche. Da wird nachvollziehbar gegen Sozialabbau, Ausgrenzung, staatliche Gewalt und die Räumung besetzter Häuser zum Widerstand aufgerufen („rigaer94 bleibt!“), da wird aber auch offen Anarchie proklamiert: „Gegen Sparmaßnahmen hilft die direkte Aneignung. Nehmt euch, was ihr benötigt: im Supermarkt, in der U-Bahn, im Kino, im Restaurant, im Schwimmbad.“ Während ich noch darüber nachdachte, wie das mit dem Schwimmbad gemeint sein könnte, zerknüllte jemand vor mir bereits seinen Zettel. &lt;br /&gt;Es sahen übrigens nicht alle nach Straßenkämpfern aus, viele eher wie Szenetouristen. Irgendwie passend zum Litfaßsäulenplakat von Madonna, die mit Che-Guevara-Revoluzzerblick auf alle herabsah. Da gab es zwar noch die Gymnasiasten mit den Mao-Aufnähern und den „Nazis raus!“-Ansteckern auf ihren Gasmaskentaschen, aber eben auch hippe Girls mit Sony-Handy und Calvin-Klein-Sonnenbrille. Also doch: The Times they are a-changin´. &lt;br /&gt;Stunden vorher ein Picknick mit Freunden im Volkspark Friedrichshain. Wasser &amp; Wein, Kuchen &amp; Quiche. Von überall her kamen junge Leute und ließen sich in kleinen Grüppchen nieder. Mit Bällen, Frisbeescheiben, Trommeln, Minigrills, Bierkästen und auch schon mal einem Zelt. Wegen des angekündigten „vereinzelten Regens“. Der kam, kurz, aber heftig. Also Flucht nach Hause und später eben zu „Mia“. &lt;br /&gt;Nach Festnahmen im Mauerpark und gelöschten Autos in Kreuzberg - jede Menge Flaschenscherben auf den Bürgersteigen am Freitagmorgen. Und Pflastersteine am Straßenrand der Skalitzer, vom Schlesischen zum Hallischen Tor. „Deutschland halt´s Maul!“-Aufkleber von der Antifa an Haltestellen. Das zum Thema Dialog, Präventivmaßnahmen und Steuergelder. &lt;br /&gt;Freitagabend mit Freunden wieder unter ganz anderem Publikum: unter Designern. Das Vitra Design Museum hatte versteckt zur Party geladen, weil vom 3. bis zum 18. der „Designmai Berlin“ stattfindet (www.designmai.de) . In der Kopenhagener Straße 58, Nähe S- und U-Bahnhof Schönhauser Straße, wurde in dem alten Abspannwerk nicht nur die Berliner Architekten- und Designerszene vorgestellt, es gab auch Freidrinks wie in besten Multimediazeiten. &lt;br /&gt;„Designing Berlin“ heißt die Ausstellung und zeigt Möbelentwürfe, Großwandbilder von ausgebauten Fabriketagen und so merkwürdige Dinge wie eine Art Astronautenliege, die sich bei fehlendem Balkon über einen Eisenträger aus dem Fenster schieben lässt. Um unliebsame Gäste loszuwerden, dachte ich. Ähnlich die Kinderrutsche ohne Seitenbegrenzungen. Hier kann sich der Zwerg offenbar aussuchen, ob er nach links oder rechts runterfallen möchte. &lt;br /&gt;Vor den zwei Toiletten im dunklen Backsteinbau dichter Andrang wie auf jeder überladenen Party. Im Hof standen zwar Dixi-Klos, aber wer benutzt schon sowas! Vor den Haustoiletten kommt man wenigstens ins Gespräch, sieht Augen und Schweißtropfen rollen und overdressede Damen auf dem Herren-WC verschwinden. Anarchie gibt es eben nur in tatsächlichen Notzeiten. &lt;br /&gt;Gestern ließ ich die kurzweilige Woche in einer Prenzlauer Berger Kneipe mit subversiv-gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre austrudeln. Bei Afri-Cola und Passivrauchen. &lt;br /&gt;Und heute geht’s ab ins Grüne. Blühende Kastanien genießen, bevor die Miniermotte wieder zuschlägt und einem schon jetzt den Herbst vorgaukelt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7171682646531182061?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7171682646531182061/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7171682646531182061' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7171682646531182061'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7171682646531182061'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/05/053-szenenwechsel.html' title='053 | Szenenwechsel'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7611218829328454916</id><published>2003-05-02T20:54:00.000+01:00</published><updated>2007-01-04T21:17:58.913+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Besucherin einer Ausstellung</title><content type='html'>Sie geht&lt;br /&gt;Mit der Anmut eines Mädchens,&lt;br /&gt;Das sich in den Mai hinausträumt.&lt;br /&gt;Zärtliche Schritte. Voll Liebe&lt;br /&gt;Das Auferstehungsauge&lt;br /&gt;Für den toten Künstler,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der zeigt, was sie fühlt,&lt;br /&gt;Was sie sah, damals &lt;br /&gt;als Mädchen, damals danach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie geht. &lt;br /&gt;Weiter&lt;br /&gt;Irren Schülerinnen &lt;br /&gt;Durch die Gänge, sieht ein Wachmann&lt;br /&gt;Auf die Uhr. Im Foyer&lt;br /&gt;Schreit ein Baby.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7611218829328454916?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7611218829328454916/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7611218829328454916' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7611218829328454916'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7611218829328454916'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/05/besucherin-einer-ausstellung.html' title='Besucherin einer Ausstellung'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1362954012349779903</id><published>2003-04-29T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:07:34.097+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>052 | Mallorca</title><content type='html'>Dass man sich in bestimmten Kreisen für einen Mallorca-Urlaub schämen muss, ist schon lang passé. Zu Fuß, mit dem Rad oder Mietwagen im April die mohndurchglühte Landschaft erkunden – wunderschön! Und wer es schafft, fernab der Touristenhochburgen in einer Finka unterzuschlüpfen, ist tatsächlich der König von Mallorca. &lt;br /&gt;Ich hatte nicht das Glück, wohnte vasallenhaft sechs Tage in einem Drei-Sterne-Hotel in Cala Ratjada, aber immerhin. &lt;br /&gt;Wenn die Insel aus dem Winterschlaf erwacht, zählt der Frühling schon als deutscher Sommer. Durch braune oder rosarote Sonnenbrillen sieht man alles klarer und verklärt zugleich. Wünsche stellen sich ein oder werden eingestellt. Menschen therapieren sich vom Alltag. Eine Möwe weist jedem den Weg zum Strand. &lt;br /&gt;Das Meer war hellblau und hatte dunkle Algenfelder zusammengespült. Den fischigen Geruch inhalierte ich andächtig und erinnerte mich verflossener Momente. &lt;br /&gt;Gleiche Momente an anderen Meeren, das gleiche Meer zu anderen Zeiten. Am Anfang ein Mehr, am Ende ein Weniger. So gleicht sich die Natur still und weise aus. &lt;br /&gt;Von einem Leuchtturm aus lichte Rundumblicke wie vom Rügener Kreidefelsen. Die Spielzeugboote da unten spiegelten Flugzeuge unterm Himmel wieder und zogen weiße Spuren hinter sich her. Und ich befand mich im Fahrwasser der höchsten Entspannung. &lt;br /&gt;Nach einem Strandtag und einer Radtour wanderte ich zum Markt nach Capdepera , dem Nachbarort, und besichtigte dort die mittelalterliche Burganlage. Geländer fehlen an den Mauergängen, in Deutschland undenkbar. &lt;br /&gt;Dann weiter zu den Höhlen von Artá. Direkt an der Küste scheint der gigantische Eingang antiken Exil-Titanen Unterschlupf gewährt zu haben. In Wahrheit hausten dort einst berüchtigte Piraten, was jedoch spektakulär genug ist. Die oberen Felsen sind noch ganz schwarz von ihren rußenden Fackeln und Signalfeuern. &lt;br /&gt;Auf dem Rückweg entdeckte ich in Capdepera einen Geheimtipp: das „Café l’Oriente“ am gleichnamigen Platz. Hier lässt es sich in dem sonst unscheinbaren Städtchen wunderbar ausruhen. Tapas und kalter Weißwein am warmen Nachmittag, dazu sehr freundliche Bedienung und – keine Touristen! Was will man mehr. (Dass ich selbst ein Tourist war, wollte ich natürlich nicht wahrhaben.) &lt;br /&gt;Abends entpuppt sich das Café als gepflegte Jazz-Kneipe. Einheimische Intellektuelle reisen von allen Enden der Insel an, um der Musik zu lauschen, der ich selbst nichts abgewinnen kann. Ich habe es bei einem halben Liter Roten dennoch ganz gut aushalten können. &lt;br /&gt;Der mallorquinische Wein ist allerdings nicht so berühmt. Einzig in Palma, im „La Drassana“ (am Placa de la Drassana) hat er mir geschmeckt. Auch ein Geheimtipp. Und auch keine Touristen. &lt;br /&gt;An anderen Abenden joggte ich durchs Unterholz und immer auch die Strandpromenade entlang, um mich für das viel zu üppige Hotelessen fit zu machen. So gefiel mir der Urlaub. Zum Schluss war es jedoch gut. Ich war braungebrannt, hatte ein paar Herzenssteine auf die Feldmauern abgewälzt und mich mit Leichtigkeit erfüllt. Somit freute ich mich auf Berlin, hatte Sehnsucht nach meinem Alltag, meinem Rhythmus und dem der Großstadt. Zu viel Müßiggang lässt einen nur aus dem Tritt kommen, statt die Monotonie im Lauf der Dinge neu zu definieren. Und sich auf große Sprünge vorzubereiten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1362954012349779903?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1362954012349779903/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1362954012349779903' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1362954012349779903'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1362954012349779903'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/04/052-mallorca.html' title='052 | Mallorca'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8919521108265145726</id><published>2003-04-06T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:05:36.784+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>051 | Als wär alles gut</title><content type='html'>In Berlin soll es heute schneien, aber draußen scheint die Sonne. April, klar. Ein Wetter so unbegreiflich wie das, was im Irak passiert, ursächlich: in amerikanischen Regierungskreisen. Aber davon will ich nicht auch noch reden. Ein klares „Nein!“, eine für die Alliierten langwierige Diskreditierung und erst mal Punkt. Denn das Ganze ist größer als dieser Krieg und wird noch Jahre dauern. &lt;br /&gt;Also Kräfte sammeln für kommende Ausrufezeichen. Wie Freitagabend in der Mulackstraße. - &lt;br /&gt;Ein winziges vietnamesisches Bistro im einstigen Berliner Spelunkenviertel. „Chez de Nhad“ – was immer das heißen mag; Restfranzösisch aus der letzten Indochina-Zeit. Im Raum für 10 Gäste jedoch nichts kolonial Verklärtes: Ein Tresen mit zwei ausgelegten Büchern und Prospekten vom kleinen zähen Land, dahinter 4 Kartons mit „Saigon“-Bier. An den blutroten Wänden schwülstige Erotikkunst und eine für 100,-€ wohlfeile handgefertigte Kitschvase davor. &lt;br /&gt;Zuckersüße Asia-Schlager stimmen auf die angenehm scharfen Speisen ein. Das meiste gibt es für 5,-€. Die Wan-Tan-Suppe ist mehr als bloße Vorspeise - klare Bouillon mit frischem Gemüse und von einem Schuss Sesamöl abgerundet. Im Inneren der Nudeltäschchen eine zitrusartige Hackfleisch-Ingwer-Mischung. Dazu ein schaumiger Cocktail aus Kokosmilch, Ananassaft, Banane und weißem Rum auf Eis. Eben die Mixtur, die meine europäische Zunge für Exotik hält. Der Hauptgang: Chicken-Sate. - Kurkumagelbe Hähnchenbrustspieße mit Erdnuss-Dip, dazu vom Dressing abgekühlte Reisnudeln. Und zu meiner Freude ohne Koriander! &lt;br /&gt;Aber erst das Dessert zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht: Warmer Bananenpudding mit angerösteten Erdnuss-Splittern! Genug. Und satt! &lt;br /&gt;Serviert bekam ich alles im zuweilen leeren Raum von einer bezaubernden kleinen Vietnamesin, während draußen dunkelkalter Wind ging. &lt;br /&gt;Sie besitzt neben der für Asiaten typischen zurückhaltenden Höflichkeit eine naive Liebenswürdigkeit, wie sie sonst nur kleinen Kindern eigen ist. Deshalb freute ich mich über ihr „Hat smacked it?!“ ohne jeden Anflug von Belustigung und versprach wiederzukommen. &lt;br /&gt;Gestern dann durch den Friedrichshain. Die „Em-Bar“ in der Gabriel-Max-Straße war auch nach der Happy-Hour recht voll. Kleine Gesellschaften, die um die Wette rauchten, lachten, sich genügten oder vergeblich hofften, zu erobern oder erobert zu werden. Am Ende blieb für einige nur ein weiterer Cocktail und ein Ausdruck im Gesicht, als hätte der Winter gerade begonnen oder würde noch lange bleiben. &lt;br /&gt;Egal wie - gleich werde ich durch den Volkspark Friedrichshain joggen, meine Runden um die neue Sportanlage drehen, über die letzte Woche ein auswärtiger Skater bemerkte, man sehe ihr die typische sozialistische Bauweise an ... &lt;br /&gt;Letzte Woche lagen da auch die sportiven Sonnenjunkies um den Beach-Volleyball-Pool wie um einen ausgetrockneten Sommersee, als warteten sie auf die Wiederkehr des Wassers. Mal sehen, was sich da heute tut. Vielleicht eine Schneeballschlacht. Wenn das in Kriegszeiten zulässig ist. Und Punkt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8919521108265145726?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8919521108265145726/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8919521108265145726' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8919521108265145726'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8919521108265145726'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/04/051-als-wr-alles-gut.html' title='051 | Als wär alles gut'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-836437072438766602</id><published>2003-03-24T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:04:00.134+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>050 | Italien</title><content type='html'>Lange nichts mehr geschrieben. Aber es gab auch kaum Erwähnenswertes. Ich versuchte die Winterzeit wie Unkraut totzuschlagen, besuchte alte Bekannte, die ich fast vergessen hatte, stöberte in meiner vergilbten Briefsammlung rum und hielt geisterhaft sonnige Stunden bereits für den Frühling. &lt;br /&gt;In der letzten Woche beschloss ich, den besseren Tagen entgegenzureisen, nach Italien! Für das innere Hochgefühl eine Schillerbiographie im Gepäck, wenn auch der Schwabe selbst nie im Land der blühenden Zitronen war. &lt;br /&gt;Sonnenaufgänge in den Alpen sind vollkommene Anblicke. Das erste göttliche Morgenlicht leuchtete die schneebedeckten schroffen Spitzen und Kämme der Felsriesen aus. Eine optische Sinfonie! Darunter, im Schatten, standen die braunweißen Gehöfte wie demütige Kirchgänger. &lt;br /&gt;Um Bozen war an einigen Bäumen und Sträuchern erstes Gelbgrün erkennbar. Ein zarter Flaum im Gesicht der Südtiroler Landschaft. Nur die zahlreichen Reben verweigerten sich noch der Sonne. Im Gegensatz zu den Menschen: Jogger und Radfahrer an den Straßenrändern. In der Luft sogar ein Ballon. Poesie am Spätvormittag. &lt;br /&gt;Dann schrumpften die Berge wie Eis, schoben sich vorhangartig zur Seite. Irgendwo dahinter wird mich der Frühling empfangen, dachte ich. Und der Gardasee lag bei Torbole wie ein Ziel vor mir. &lt;br /&gt;Torbole ist ein Surferparadies. Wer den scharfen Frühjahrswind einen halben Tag ertragen musste und sich nicht für den ganztägigen Goetheaufenthalt interessiert, fährt weiter. Vielleicht zum wohl schönsten Ort am Gardasee, nach Malcesine. Alles dort ist malerisch. Das Zeitlose: die orangegelben Häuser, die Zypressen und Olivenbäume, der See, die weißen Felsen dahinter. Die reinsten Bildmotive, aber gemalt wäre es nur kitschig. Die Gegenwart: Aus vielen Fenstern hängen Friedensfahnen – „PACE“ auf Regenbogenstreifen, hier wie überall. &lt;br /&gt;Die Vergangenheit: Goethe wurde 1786 irrtümlicherweise als Spion festgenommen, während Schiller in Weimar auf ihn wartete, um ihn überhaupt erst kennen zu lernen. &lt;br /&gt;Die Zukunft: ein Blick in den Himmel und nach vorn. &lt;br /&gt;Über Torri de Benaco fuhr ich nach Sirmione weiter; ein Ort im Süden, der sich auf einer Landzunge frech in den See rausstreckt. Die Höhlen des Catull sah ich nicht. Seine lokalpatriotischen Verse aus dem Reiseführer fand ich auch ziemlich dürftig: „Mein Sirmio, Juwel du aller Halbinseln ...“ usw. Gähn. Dass er unglücklich in eine skrupellose Frau, die er Lesbia nannte, verliebt war, nicht älter als 30 wurde und auch Spottgedichte und Trinklieder schrieb, machte schon eher Lust, sich mit dem Zeitgenossen Cäsars zu befassen. Die skrupellose Dame hieß übrigens Clodia und war nicht lesbisch. Aber so genau hat man das in der Antike ja nicht genommen. Doch genug damit. Zu viel antiquierte Bildung lässt einen nämlich gern vergessen, dass man selbst noch unter den Lebenden weilt. &lt;br /&gt;In Verona stand ich im drittgrößten Amphietheater Italiens, in der Arena. Die Akustik ist beeindruckend, die Optik soll es bei sommernächtlichen Operaufführungen auch sein. Bloß werden dort bei Tage in bester Gladiatorentradition unzählige Schulklassen auf einen losgelassen, die den wehrlosen Touristen – wie schon vom Hof der Julia aus – in die Flucht schlagen, also in eines der Straßencafés. &lt;br /&gt;Am Piazza Bra fragte ich mich vor meinem Latte Machiato, ob all die Teenager, die in Julias Hof die geheimen Namen ihrer Liebsten wie Bittbriefchen mit Kaugummi an die Graffiti-Wände kleben, ob all die vielen auch an ihr Tun glauben. Julias Bronzestatue steht wie eine Liebesgöttin mit goldig abgegriffener Brust davor. Und betrachtet die merkwürdige Vereinigung heidnischer und katholischer Bräuche. Geheiligte Weltlichkeit und weltliche Gebete. &lt;br /&gt;Kontrastreich war auch mein Aufenthalt in Mailand: Gelbe Flecken vor dem Dom, wie Löwenzahnblüten von weitem. Von nahem entpuppten sie sich als bierbäuchige Borussenfans im XXL-Vereinstrikot. Dortmund spielte – und gewann 1:0 – gegen den AC Mailand. Welch ein Bild: tumbe Deutsche mit Bierbüchsen zwischen smarten Mailändern in Gucci-Anzügen. &lt;br /&gt;Vor dem Dom polizeiliche Taschenkontrollen, auch für mich. Im Dom das Staunen über die gigantischen Auswüchse vergangener Baukunst. Die dicken Säulen fallen als erstes ins Auge, Säulen wie Mammutbaumstämme! Dann der Fußboden – Ornamente aus weißem, schwarzem und rotem Marmor. Und immer wieder tappst auch ein wenig Borussengelb darüber. &lt;br /&gt;Touristisch gefällig schien mir Mailand nicht zu sein, denn ich suchte mittags recht aussichtslos nach einer einfachen Pizzeria. Stattdessen fand ich viele bessere Restaurants oder Caffeteria-Bars. Weil mir die wenigen Pizzerias zu gelblastig waren, entschied ich mich in der Via Santa Maria Segreta für das „Livio Pavese“, einem klitzekleinen Café mit klitzekleinen Tischchen. Daran aß ich aber auch das leckerste getoastete Sandwich seit langem – mit Roastbeef con rucola, pomodorini e grana. Molto bene! nickte ich kauend. &lt;br /&gt;Dieses Sandwich machte auch den merkwürdigen Gang zur Toilette wett, bei dem man erst irgendwo im Keller landet und dann garantiert nur über das Nachbarhaus wieder rauskommt. Dass dort wie fast überall in Italien weder Flüssigseife noch Papierhandtücher auf dem Klo vorrätig sind, verstand sich von selbst. &lt;br /&gt;Nun bin ich zurückgekehrt in die Stadt, in der ich unbedingt den mitgebrachten Frühling erleben möchte, auch wenn der Irak-Krieg sein erstes Opfer in der weltweiten Unbeschwertheit fand und warme Frühlingsgedanken jetzt gerade einer winterlicher Gefühlskälte gleichen. &lt;br /&gt;Beides lässt sich vereinbaren: der Blick in die Nachrichten, der Blick in den Himmel und immer auch nach vorn.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-836437072438766602?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/836437072438766602/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=836437072438766602' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/836437072438766602'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/836437072438766602'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/03/050-italien.html' title='050 | Italien'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-154617665283585543</id><published>2003-02-04T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:02:26.955+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>049 | Schlendrian &amp; Crossover</title><content type='html'>Gestern Vormittag hatte ich Zeit und gönnte mir den Luxus, ziellos durch Berlins Mitte zu schlendern. Details der Ereignislosigkeit fielen mir in die Sinne: die Sonne oben, der Schneematsch unten, ein radfahrender Postbote vorneweg, Müßiggänger wie ich hinterher. &lt;br /&gt;An einem Dönerstand die ersten Kunden. Auf einer Straßenlaterne eine Möwe, keifend, bis das metallene Kurven-Kreischen einer S-Bahn sie sprachlos macht. &lt;br /&gt;Vor elf sind die wenigsten Geschäfte rund um den Hackeschen Markt auf, also gehe ich ins „Barcomi´s Deli“ (Sophienstraße 21, Hinterhof) und setze mich ans Fenster zum Hof. &lt;br /&gt;Die Gäste sind übersichtlich: Zwei Singles, zwei Britinnen – dem Aussehen nach aus London -, zwei Paare, eine Kleinfamilie und eine kleine Gruppe. Alle entspannt, beim späten Frühstück, Zeitungslesen oder Klönen. Sorglosigkeit als unaufdringliches Statussymbol. Leise Jazzmusik und die Solistengeräusche des italienischen Kaffeeautomaten: mal schnurrt er wie ein Filmprojektor, mal heult und röchelt er, bis wieder eine der großen weißen Schalen gefüllt ist. Mit dem leckersten Milchkaffee weit und breit! Der Schaum ist cremig dick und erinnert an Marshmellows. Beim Unterheben des Zuckers marmoriert er beige und hält sich noch, wenn der Kaffee längst weggetrunken ist. Wie Wolken löffle ich diesen Schaum langsam in meinen Mund, während sich Berlins Himmel über dem Hof grau zuzieht. Soll er. Zwischen Himmel und Erde ein an zwei Drahtseilen fixierter Betonzeppelin. Für die darunter Stehenden: Vorsicht Kunst! &lt;br /&gt;Tageszeitungen werden im „Barcomi´s“ liebevoll präpariert. Damit sie sich beim Lesen bändigen lassen, ist der Innenrand heftartig getackert. Überhaupt die Details. Wie das Glas Wasser zum Kaffee. Leider noch immer kein Selbstverständnis in der Hauptstadt. &lt;br /&gt;Die Schlagzeilen des „Tagesspiegels“: „Doppeltes Debakel für Schröder“ – nach dem CDU-Wahlsieg in Hessen. Koch kann allein regieren, neue Süppchen einbrocken oder auslöffeln; Schmalhans bleibt jedoch Küchenmeister. Und ein anderer Meister – diesmal keiner aus Deutschland – wetzt im Orient nicht nur Küchenmesser. &lt;br /&gt;Was noch? „Defekter Hitzeschild führte zum Absturz der Columbia“. Der Betonzeppelin erstarrt zum Mahnmal. Der Himmel bedeckt sich zu Recht. &lt;br /&gt;Gegen Mittag Lokalwechsel. Das erste Mal zu „Monsieur Vuong“, dem „Indochina-Café“ (Eigenwerbung) in der Alten Schönhauser 46. „Vietnamesisches Restaurant“ klingt passender und nicht so kolonialistisch. Aber auch fader. Gut besucht ist es allemal, vielleicht wegen seiner Mischung aus traditioneller Küche, designtem Interieur und untypischer Musik: „Buena Vista Social Club“! Modernität trotz Buddha-Statuen, Räucherstäbchen und Aquarium. &lt;br /&gt;Das Essen ist bei „Monsieur Vuong“ sicherlich gut. Doch weil einmal mehr Warnschilder wie „Vorsicht! Frischer Koriander!“ fehlten, ging mir der Genuss erheblich ab. &lt;br /&gt;Nach so viel mondäner Dekadenz brauchte ich heute Mittag ein Kontrastprogramm. Mit einem Kollegen machte ich eine Mountainbiketour durch den Grunewalder Forst. Zwei Stunden über vereiste Schneisen und Trampelpfade. Bevor die Nase zu laufen begann, atmete ich den würzigen Duft frisch geschlagener Kiefern ein und den Ofenrauch der Waldarbeiter. &lt;br /&gt;Auf den Steigungen des Haveldamms kam ich ordentlich ins Schwitzen, und es tat gut. Nur die Füße wurden immer kälter und sehnten sich nach einem heißen Bad. Wie reizlos erschien da das Gewässer zu meiner Linken. Deshalb zurück. &lt;br /&gt;Auf den Wegen taute es. Jeder Jogger, der mir entgegenkam, erinnerte mich daran, dass ich nach meiner Meniskus-Operation im Dezember keinen Marathon mehr laufen werde. Aber ich kann Sport treiben, also bin ich. Denke ich. Und das ist wieder eine Hauptsache mehr.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-154617665283585543?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/154617665283585543/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=154617665283585543' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/154617665283585543'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/154617665283585543'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/02/049-schlendrian-crossover.html' title='049 | Schlendrian &amp; Crossover'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6353304442800073592</id><published>2003-01-22T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T15:00:17.788+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>048 | Dresdener Bilderflut</title><content type='html'>Vor kurzem war ich im Alten Museum zur Gemäldeschau. Dort ist nämlich und noch bis zum 28. Februar das, was an bildhaftem und standfestem Kulturgut vor der Sommerflut gerettet wurde, zu sehen: Bilder und Skulpturen alter europäischer Meister, wie Caneletto mit seinen berühmten Stadtansichten – von Dresden in dem Fall. Daneben einige klassische Ideallandschaften mit Schäferidylle, viele Porträts á la Rembrandt mit Lichteffekten vor dunklem Grund oder welchen wie mit dem Weichzeichner bearbeitet – von Tintoretto, Tizian und Pesne. &lt;br /&gt;Interessant fand ich die Jagdmotiv-Stilleben. Was im 17. Jahrhundert so alles gefangen (und gegessen) wurde! Beispielsweise Singvögel: Finken, Stieglitze und Amseln, aber auch Sperlinge und Eisvögel. Der Rest blieb für Kinderlieder, Vogelhochzeiten und die Katz. &lt;br /&gt;Rund 140 Gemälde und doppelt so viele Besucher sah ich mir an. Mindestens. Vornehmlich Antiquitäten aus Reisebussen, die man ausgekippt zu haben schien. Entweder waren die Rentner zu langsam, zu orientierungslos oder mit ihren Köpfen viel zu dicht vor den Dresdener Spezialitäten. &lt;br /&gt;Wenn dadurch der erhabene Eindruck nach dem dreißigsten Bild nachzulassen droht, macht es mir oft Spaß, die Bilder mit ganz anderen Auge zu betrachten. So auch im Alten Museum (im Alten-Museum!). Die Ölgemälde der schönen polnischen Damen zum Beispiel. Hat der Maler mit der Gräfin von Orginska geflirtet? Oder mit der Fürstin Lubomirska? Haben die Perückenträgerinnen bei den Sitzungen rumgezickt? Gab es damals schon Windmaschinen im Atelier oder warum flattern die Gewänder so luftig? (Natürlich weiß ich, dass das mit den Windmaschinen Blödsinn ist.) &lt;br /&gt;Oder ich achte auf Unstimmigkeiten (wie beim Film – ob das Mikro ins Bild hängt). Rubens pralle Meeresnymphen bleiben beispielsweise im tosenden Sturm so trocken auf ihren Wellen sitzen wie die Modelle auf dem Kanapee des Künstlers. Kein Tropfen Salzwasser - kein Special-Effect. Nun könnte jemand sagen, das sei gewollt, aber da bin ich auch schon weiter, stehe vor dem „Großen Stilleben mit Hund und Katze“ (Utrecht 1647) und stelle mir eine richtig barocke Party vor. Ist ja alles da: Ein üppig gedeckter Tisch in leuchtenden Farben, kostbares Silbergeschirr, Obst und Schalentiere, Musikinstrumente, ein großer Käse, ein Braten, ein Korb mit Weinflaschen. Und die fehlenden Menschen amüsieren sich bereits in Nebenräumen miteinander. &lt;br /&gt;Oder ich stelle mir den Maler als Pedanten vor, der alles autistisch arrangiert, was seine Frau frisch auf dem Markt kaufen musste. --- Weil er ihren Shoppingstress nicht zu würdigen versteht, macht sie ihm eine Szene, während ihr Jüngster sich heimlich was vom Braten stibitzt ... &lt;br /&gt;Manche Bilder bekommen ihren wahren Wert auch erst mit der hinter- oder vordergründigen Symbolik. Vanitas als Stichwort: Vergänglichkeit in Form angeknabberter Äpfel, Tod und Wahnsinn als Fliegen, irdisches und überirdisches Leben als Raupe und Schmetterling. Aber auch das kann mit der Zeit zu ernst und langweilig werden. Dann kommen Bilder wie das des „Vogelverkäufers“ gerade recht. Da bietet ein alter Sack einem zarten Mauerblümchen einen Hahn zum Verkauf an. Ja und? Man deutete (und deutet) Derartiges immer als eindeutiges Angebot, als unanständigen Antrag. Weil der Hahn Potenz verkörpert. Sieh an! &lt;br /&gt;Überhaupt die eindeutig doppeldeutigen Bildaussagen! Lauter Lust in antiken Götterszenen. Und von der Zensur abgesegnet. Von der Zensur! Dabei sollte so viel Sinnlichkeit ausgereicht haben, nicht nur die Renaissance hervorzubringen, sondern auch das keusche Christentum abzuschaffen. Jawoll! --- Ich muss nur an das Bild denken, wo drei spitz- und schlitzohrige Satyrn beim Anblick der Jagdgöttin vor Geilheit beinahe vergehen. Und wie hat wohl die Fürstin von sowieso auf ein solches Bild, mit dem ihr Hausherr eines Tages ankam, reagiert? Sagte sie: &lt;br /&gt;a) Ich verstehe eh nichts von Kunst. &lt;br /&gt;b) Typisch Mann! &lt;br /&gt;c) Ja, ja, die Griechen ... &lt;br /&gt;Oder wurde ihr heiß unter dem Korsett - oder war sie es gar, die das Gemälde in Auftrag gegeben hatte?! Wahrscheinlich ist, sie kaufte eines der kleineren Bilder, in denen Liebespaare in Parklandschaften sitzen. Und wo die Männer immer eher pausbäckigen Knaben als feurigen Lovern ähneln. Dann saß die Fürstin bei einer Tasse Tee davor, blätterte in einem Buch mit anakreontischer Lyrik und seufzte, weil sie an ihren Vernunftsehegatten dachte, der gerade bei der Vogeljagd war. - Um die Beute später der Köchin zum dünsten und deuten zu geben. Naja, man weiß es nicht. &lt;br /&gt;Wenn übrigens mal eine Ausstellung nichts hermacht, lohnt es immer noch, sich der(un)artige Gedanken über die Besucher zu machen oder das Aufsichtspersonal herauszufordern. - Man muss ihnen bloß sein „Lieblingsbild“ zeigen, indem man begeistert mit dem Finger drauftippt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6353304442800073592?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6353304442800073592/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6353304442800073592' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6353304442800073592'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6353304442800073592'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/01/048-dresdener-bilderflut.html' title='048 | Dresdener Bilderflut'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3375281850356734950</id><published>2003-01-04T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T14:58:25.850+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>047 | De la Guarda</title><content type='html'>Nachdem ich an genügend „De-la-Guarda“-Plakaten (mit dem fliegenden gelben Männchen) vorübergegangen war und einiges in Zeitschriften über die Luftakrobaten aus Buenos Aires gelesen hatte, sah ich sie mir gestern Abend im PankowPark an. &lt;br /&gt;Atemberaubend schon der Eintrittspreis - zwischen 39,- und 49,- €. Vom selben Kaliber die Restaurant- und Barpreise. Das Fläschchen „Heinecken“ zu 3,50 € . Eigentlich 5 Chips, denn – warum auch immer – eingetauschte Chips waren in der ehemaligen Bergmann-Borsig-Generatorenhalle das einzig akzeptierte Zahlungsmittel (der Chip zu 70 Cent). &lt;br /&gt;Unabhängig vom Preis (oder gerade nicht) hatte alles Stil. Das asiatisch inspirierte Essen im umgebauten Schaltstand der Industriehalle, daneben die Lounge, wo sich auf einer Art Autorücksitzen entspannt Cocktails schlürfen ließen. Vor oder nach der Show. &lt;br /&gt;Das Publikum war gemischt, ein paar Ältere, ein paar Teenager, vor allem jedoch Mittdreißiger. &lt;br /&gt;Nach einem Fotoapparat- und Handyverbot wurde noch vor künstlichem Nebel und Regen gewarnt, dann ging es in den mit rotem Samt verhangenen Showraum. Die Zwischendecke war aus Papier und das Licht plötzlich aus. Ein Gefühl wie im Planetarium. Waberndes Wummern und sphärische Klänge. Geheimnisvolle Schattenspiele. Und jede Menge ausgeworfene Assoziationsköder: Balinesische Schattenspiele – nein, doch ganz anders. Bunt phosphorisierte Tropfen da oben, wie ein nächtlicher Sternenhimmel, ja, aber - doch ganz anders. &lt;br /&gt;Spontaner Beifall, immer als Standing Ovation, der fehlenden Stühle wegen. Luftballons, erst bunt, dann knallig, prasselnde Murmeln, später Konfetti. Kinderparty mit Animateuren im Darkroom für alle. &lt;br /&gt;Schon bekam die magische Butterbrotpapierdecke Löcher und Risse, allerdings ohne die graue Wirklichkeit hindurchzulassen. Im Gegenteil! Die ersten vier verrückten Freeclimber ließen sich zu den eingepferchten Zuschauern herab, entführten auch mal eine junge Frau nach oben. So stand es bereits in der Zeitung. Und immer Lärm. Halbgötter auf Extacy, mit Trillerpfeifen und Trommeln, mit Headset und vom Wasser nassen Klamotten. Sexuelle Energie und drogenfreier Farbrausch, professionell verwirrend. Die Halbgötter drehten sich in der Luft an Seilen, schwangen wie Tarzan von hüben nach drüben und rannten wie Pipi Langstrumpf die Wände lang, trampelten aggressiv und aufreizend, rissen aus der Luft nass, aber feurig die geerdeten Zuschauer mit, die es nach Ablenkung, Spaß oder Erlösung verlangte. Von den beiden, die sich gegen Wasserspritzer einen mitgebrachten Müllsack über die Köpfe hielten, einmal abgesehen. Jeder schnappte nach den Assoziationsködern, danach, was sich letztlich nicht zum Ganzen fügte. Kein Konzept, so stand es im „Spiegel“, glaube ich. Aber das machte nichts. Einerseits. Wozu aber die inszenierten Bilderrätsel, die nicht nur nach Spaß, sondern auch nach Interpretation aussahen? Wie ein Zirkus-Gemälde von Hieronymus Bosch. &lt;br /&gt;Vor vielen Jahren war ich mit einer guten Bekannten im Theater, hatte das Stück aber nicht verstanden. Meine gute Bekannte dagegen schon. Auf die Frage, ob sie mir das Ganze erklären könne, lächelte sie und meinte, das könne man nicht. --- Daran musste ich gestern denken. Ich glaube, man kann das, was man verstanden hat, immer erklären. Nur macht es nicht immer Sinn, das auch zu tun. Nicht sofort. Für sofort reicht im besten Fall ein beseeltes Lächeln. Im Nachhinein war die Show für mich eine Patchwork-Parabel auf das Leben. Die Konzeptlosigkeit als Konzept. Weil – im doppelten Sinne und im sinnlosen Chaos – alles geht. Chaos, in das jeder für sich Ordnung reinbringen kann – oder es sein lässt. De la Guarda – Anarchie, um mit dem Verstand zu fühlen und mit dem Herzen zu denken. De la Guarda - Faszinationen &amp; Urängste, Stille in Momenten, die sich nur ansatzweise fassen lassen &amp; viel Lärm um alles oder nichts. Jeder sah, was Erfahrung und Bildung hergaben: ein Verlassener im Regen, geknechtete Seelen im Fegefeuer, ein Läuferpaar im Geiste Sissyphos’, die Wiederholung als Fluch und Segen, der Lauf, die Bewegung überhaupt, als Selbstzweck. Formelhaft: Leben ist Energie ist Bewegung ist Tanz ist Extase. &lt;br /&gt;Der Zuschauer gespalten: der eine steht und deutet, der andere deutet bewegt an: &lt;br /&gt;„Halt die Klappe, Klugscheißer!“ &lt;br /&gt;Und zwischen den gespaltenen Zuschauern konfrontierten die Akteure ihre betrachtenden Statisten mit sich als Projektionsflächen, forderten zum Tanz auf, machten glauben, dass jeder fliegen könne, wenn er es nur wolle. &lt;br /&gt;Ihre aufwendig inszenierte, wenn auch simple Philosophie: Leben ist, was du daraus machst. &lt;br /&gt;Und nach 70 Minuten war der Spaß zu Ende. Applaus und Hochachtung für die magischen Motivationstrainer aus Argentinien. Dann zurück nach Deutschland.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3375281850356734950?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3375281850356734950/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3375281850356734950' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3375281850356734950'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3375281850356734950'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/01/047-de-la-guarda.html' title='047 | De la Guarda'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-9154411618569573834</id><published>2003-01-02T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T14:56:44.122+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>046 | Silvester in Hamburg</title><content type='html'>Innerhalb der letzten 3 Tage mit dem Auto 1300 km zurückgelegt. Bei Sonnenschein, Regen, Schnee und – gestern – Blitzeis. Reicht erst mal. Das neue Jahr will ich nun etwas ruhiger angehen. Das alte ließ ich in Hamburg ausklingen, in einem großen Atelierraum eines ehemaligen E-Werks. &lt;br /&gt;Wenn man bei 10 Leuten von einer Party sprechen kann, dann war es eine. Sehr entspannt und irgendwie das Beste, was ich von Silvesterpartys kenne. In den Fenstern standen unzählige brennende Kerzen. Es muss von den vorbeifahrenden S-Bahnen da draußen wunderschön ausgesehen haben; und ich war froh, auf dieser Seite der Fenster zu sein, an einer langen Tafel zu sitzen, umgeben von netten, jungen Menschen. Malern, Architekturstudenten, Designern, Fotografen ... &lt;br /&gt;Es gab eine Minestrone, ein Fischcurry, eine Frucht-Mousse zum Dessert und natürlich jeder Menge Prosecco („Frivolino“!). Die Gastgeber hatten alles bis ins kleinste Detail liebevoll vorbereitet, von blühenden Deko-Zweigen bis hin zum Zigarrentischchen. Übrigens kommt es mir gar nicht mehr so befremdlich vor, wenn Frauen Zigarren rauchen. Nur küssen möchte ich sie nicht. &lt;br /&gt;Dass Mitternacht immer näher rückte, war mir im Grunde egal; so wie mir irgendwann das Feuerwerk oder „Dinner for one“ egal wurde. Hauptsache Silvester eine Party und ab Weihnachten nicht allein. Der Rest findet sich. Bloß keine geklonten Rituale! &lt;br /&gt;Zwischen den Menü-Gängen und verdaulichem Smalltalk bei Morcheeba-Musik hörte ich, wie eine spröde Blondine, die seit ein paar Jahren in Barcelona wohnt, über spanisches Essen sprach. Es ging gerade um eine helle Soße: &lt;br /&gt;„Die sieht aus wie Sperma“, sagte sie. „Aber schmeckt eigentlich ganz gut.“ &lt;br /&gt;Dabei ihr etwas nüchternes Gesicht. &lt;br /&gt;„Ach so“, entfuhr es ihrem irritiert schluckenden Tischnachbarn. &lt;br /&gt;Dann fuhr die nächste S-Bahn vorüber. &lt;br /&gt;In einer Atelierecke stand ein gelb-grünes Bild auf einer Staffelei. Es zeigte vier Knaben im Schlüpfer mit Sonnenbrille, die eine Höhlensonne umstanden, also den Prototypen einer Sonnenbank. Das Bild wurde wiederum von einem 50er-Jahre-Strahler angeleuchtet. Merkwürdig worauf Maler so kommen. &lt;br /&gt;Später, bereits im neuen Jahr, durfte sich jeder aus der Schatzkiste des Künstlers ein „Bild“ aussuchen. Abstrakte Abfallprodukte, die jeden, der nicht genügend „Frivolino“ getrunken hatte, ein wenig verschämt dabei wirken ließ. Als wüsste niemand so recht, ob er sich für einen Gewinn oder eine Niete entschieden habe. &lt;br /&gt;Um zwölf stießen wir mit Champagner an. Und ich kann sagen: Der frivole Prosecco hat mir besser geschmeckt. &lt;br /&gt;Zu meinem Glück musste ich diesmal nicht die anderen Gäste umarmen oder vor das Haus, um frierend in den Himmel zu starren. Und als ich auf meinem Platz eingeschlafen war, weckte mich vorerst auch keiner, um mich zu fragen, was ich mir so vorgenommen habe für 2003. Man ließ mich einfach weiterträumen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-9154411618569573834?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/9154411618569573834/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=9154411618569573834' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9154411618569573834'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9154411618569573834'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2003/01/046-silvester-in-hamburg.html' title='046 | Silvester in Hamburg'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3238988472650972430</id><published>2002-12-21T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T14:51:08.838+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>045 | Kino Babylon</title><content type='html'>Nein, ich werde nichts über die (Vor-)Weihnachtszeit schreiben. Hatte ich mir fest vorgenommen. Keinen weiteren Misston in die Alle-Jahre-wieder-Kakophonie unterschiedlicher Standpunkte bringen. Wenn die angezündeten Lichter zu hell leuchten: Augen zu und durch. Motiviert vom Wissen, dass der heutige Tag – obgleich der kürzeste – für Weihnachtsmelancholiker und Dezemberdepressive der bedeutsamste ist: Wintersonnenwende! &lt;br /&gt;Das war mir gestern Anlass, um die längste Nacht im Kino zu verkürzen. Passenderweise mit Kurzfilmen - im „Babylon“ am Luxemburgplatz. &lt;br /&gt;Cut! &lt;br /&gt;Ich war lange nicht mehr dort. Alles neu gestrichen, neue Klappsitze, aber noch das kleine Kassenhäuschen, der barocke Balustradenschwung von den oberen Logen, die mich immer an eine Kellerassel oder einen ausgestorbenen Trilobiten erinnernde Lüftungsanlage der Decke und – der ebenfalls vom Aussterben bedrohte Kino-Gong: Bing – Bang – Bong ... &lt;br /&gt;Bing: &lt;br /&gt;Mit dreizehn hatte ich an der kleinen Kasse einen Pyrrhussieg errungen – den Eintritt zu einem Film ab vierzehn. Es sollte um Wahnsinn und Mord gehen! Draußen in den Glaskästen hingen Szenenfotos in Schwarzweiß; fast immer waren die Szenenfotos in Schwarzweiß. Der Titel lautete: „Das Kabinett des Doktor Caligari“ Das Klang schon so dunkel und gruselig. Aber der Film enttäuschte mich. Er war auch in Schwarzweiß, ein Stummfilm von Anno Zopf. Dass er ein expressionistisches Meisterwerk von Fritz Lang ist, also mehr als Kult, interessierte mich nicht. &lt;br /&gt;Bang:&lt;br /&gt;Am letzten Jahrestag der DDR war ich abends mit einer Freundin im Babylon verabredet. „Die Legende von Paul und Paula“ wurde gezeigt. Als ich vom S-Bahnhof Alexanderplatz kommend die Liebknecht-Straße überquerte, quoll mir eine verbotene Menschenmasse von links entgegen. Von rechts hielten Funkstreifenwagen. Und ich stand für einen Moment wie gelähmt auf der Straße, zwischen dem unbekannten Neuen und denen, die das nicht aufhalten konnten. Ich wusste, wo mein Platz sein sollte, jedenfalls nicht im Babylon. Aber meine Freundin überredete mich, bei ihr im Kino zu bleiben. Fassungslos saß ich vor der Scheinwelt DEFA-realistischer Filmkunst, während draußen geschrien wurde: „Kommt heraus und reiht euch ein!“. &lt;br /&gt;Am nächsten Abend war ich Freiwilliger der Bürgerwehr, doch an diesem nur ein gefühlter Deserteur. Paul liebte Paula und die Revolution kam aus dem Off. Wintersonnenwende schon im Herbst. &lt;br /&gt;Später, in der Nachwendezeit, sah ich viel Progressives im Babylon. Nur einmal, als ich mit einem Freund dort zur „Rocky-Horror-Picture-Show“ wollte („Da kannste mit Reis werfen!“), drehte ich im girlandengeschmückten Foyer wieder um: Eine Gay-Party! Zu viel Horror-Picture-Show für zwei neunzehnjährige Heteros. &lt;br /&gt;Bong: &lt;br /&gt;Gestern war das Publikum gemischt und angenehm überschaubar. Männer Ende zwanzig mit langen Mänteln, Koteletten, Wochenbärten und herausgewachsenem Kurzhaarschnitt. Die Frauen – etwa im selben Alter – waren äußerlich vielfältiger. Und doch kann man sie als typisch für den Friedrichshain und Prenzlauer Berg bezeichnen. Innerlich sind sie wohl alle Einzelkämpfer, wenn auch gemeinsam zwischen entspannter Abgrenzung und etablierter Subkultur beheimatet. Extrovertierte Introvertierte, bei denen jede Schublade klemmt und zu klein bleibt. Obschon vergleichbar mit erdachten entradikalisierte Nachkommen von Uschi Obermeier und Reiner Langhans. &lt;br /&gt;Merkwürdig: Dieser Menschenschlag kreativer Intellektueller zieht mich jedes Mal genauso an, wie er mich voller Skepsis Abstand gewinnen lässt. Da die klugen, neugierigen Augen und da die spöttisch blasierten Blicke. Und hinter mir die liberale kleinbürgerliche Erziehung, die prägt, egal wie oft man sich häutet. &lt;br /&gt;Ab dreißig, habe ich mal gelesen, sind die grundlegenden Wert- und Weltanschauungen festgemacht. Ob das nun gut oder schlecht ist, liegt an der Art der Anschauungen. Und eben an den altersbedingten Blickwinkeln. &lt;br /&gt;Cut! &lt;br /&gt;Die Kurzfilme waren ganz nett, mit Weihnachten als thematischer Klammer. Je nach Anschauung und Blickwinkel kamen die Storys als versalzene Feuerzangenbowle oder Molotowcocktail daher, als verbrannte Plätzchen oder entlaubte Weihnachtsbäume. Und als hübsch verpackte Geschenke Pandoras - mit zum Spielen freigegebener Hoffnung. Wintersonnenwende!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3238988472650972430?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3238988472650972430/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3238988472650972430' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3238988472650972430'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3238988472650972430'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2002/12/045-kino-babylon.html' title='045 | Kino Babylon'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-301415008599636872</id><published>2002-12-01T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T14:48:01.824+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>044 | Schmuddelwetter</title><content type='html'>Wenn es in Berlin nicht regnete, würden die Straßen im Hundekot versinken. Und die Arbeiter auf ihren Baugerüsten schrien sich den ganzen Sonnabend Großstadt-Dschungel-Laute zu. So ziehen sich die Hiesigen aber zurück, quälen die Fernseher, telefonieren mit anderen Zurückgezogenen oder gehen einfach wieder ins Bett. Vorausgesetzt, sie müssen sich nur um sich selbst kümmern. Dort bei einer Tasse Tee oder Kaffee zu lesen, ist für mich der spartanischste Luxus, den ich mir in Winterschlafzeiten denken kann. Überdies ist es manchmal besser, sich aus dem halb wachen Leben da draußen herauszuhalten. So genieße ich zur Zeit drei Bücher: Für die Morgenstunden „Picknick mit Bären“ von Bill Bryson, für den entspannten Nachmittag eine Schiller-Biographie und Buchheims „Die Festung“ für nachts. Zwischendurch nur mal schnell wegen des versäumten Wochenendeinkaufs in den nächsten Supermarkt wie welche, die besser im Regen stehen geblieben wären: Ein langhaariger Bartträger, der inmitten des Konsums mit seinem angegammelten Geruch beinahe prophetisch daherschlurft und penetrant an die Vergänglichkeit allen Seins gemahnt. Er ist die Personifizierung des Spätherbstes, wenn man von seinen nackten Sandalenfüßen einmal absieht. &lt;br /&gt;Ähnlich sonderbar, und auch fast schon ins Surreale gesteigert, war der Anblick eines anderen Mannes, der vor ein paar Abenden auf dem Beifahrersitz eines geparkten Autos saß: Ende sechzig, kurzatmig, und zur braunen Hornbrille passend dick. Unpassend nur – eben surreal – die Musik, welche er bei heruntergeleiertem Fenster hörte: „Sag mir, wo die Blumen sind“. In einer Millva-Interpretation, wie ich im Vorübergehen hörte. Und da glaubt man, die Menschen zu kennen ... &lt;br /&gt;Was mich gestern Abend trotz Dunkelheit und Schmuddelwetters wieder hoch brachte, war eine Einladung von Freunden. Sie wollten etwas ganz Außergewöhnliches kochen. &lt;br /&gt;Ich war schon spät dran, stieg frisch geduscht und mit zwei Flaschen badischen Riesling bewaffnet ins Auto, da stieg im Gegenzug die Batterie beim Anlassen aus. Sehr schön! ADAC angerufen und gewartet. Und gewartet. Draußen nieselte es. &lt;br /&gt;Als die Scheiben beschlugen, stellte ich mich unweit des Wagens vor einen Eckladen unter eine handbreit Markise. Und gewartet. Weil der Laden schon geschlossen war, musste ich auf die einzelnen Passanten, die beim Im-Dunkeln-um-die-Ecke-biegen vor mir erschraken, genauso suspekt gewirkt haben, wie die oben beschriebenen Männer vorher auf mich. Und unbeeindruckt davon, dass die Schuhe mit Wetterschutzcreme behandelt und und mit Imprägnierspray besprüht waren, krochen Kälte und Feuchtigkeit durch Leder und Strümpfe. &lt;br /&gt;Als der ADAC-Mann nach einer dreiviertel Stunde kam, hielt er mir noch ein Referat über Autobatterien, statt endlich die beiden Starterkabel anzuklemmen. Offenbar schrieb er nach der Arbeit an einer Doktorarbeit über das Versagen von Batterien im Allgemeinen und das von PKW-Fahrern im Besonderen. &lt;br /&gt;Um 22.00 Uhr war ich bei meinen Leuten. Da ich vorher durchgeklingelt hatte, war die frische Pasta noch heiß und der Abend noch zu retten. Wir unterhielten uns nach dem Essen über das merkwürdige Verhalten von Großstädtern und aus den Augen verlorene Bekannte, die uns im Grunde nicht mehr wirklich interessierten. Über das Schmuddelwetter aber verloren wir kein Wort.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-301415008599636872?l=frankunfug.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/301415008599636872/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=301415008599636872' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/301415008599636872'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/301415008599636872'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2002/12/044-schmuddelwetter.html' title='044 | Schmuddelwetter'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='24' height='32' src='http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/SHyPpYOlswI/AAAAAAAAAGA/EGzlVxFARmo/S220/Frank_Unfug.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4872730945996485211</id><published>2002-11-24T18:00:00.000+01:00</published><updated>2007-01-03T14:46:27.104+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>043 | Sushi</title><content type='html'>Sushi mag man oder nicht. Für die einen Innbegriff gesunder, bewusster und vor allem ästhetischer Ernährung, für die anderen Synonym mondäner Dekadenz außerhalb Japans. &lt;br /&gt;Ich hingegen mag dieses Fingerfood. Da ich allerdings Gourmet wie gourmand bin, war mir Sushi bisher immer eine Spur zu teuer, um satt zu werden. Bis ich unlängst den Tipp erhielt, vor 18.00 Uhr ins „Sushi Circle“ (Französische Straße 48) zu gehen. Da gäbe es bis 23.00 Uhr Happy Hour und für 14,90 € Sushi satt. Weil ich gestern Abend nichts weiter vorhatte und wegen eines späten Frühstücks das Mittagessen ausfallen ließ, machte ich mich auf den Weg. Bei Swingmusik im Auto wie durch New York am Alex vorbei und Unter den Linden lang, von den merkwürdig illuminierten Bäumen flankiert: Weihnachtliche Lichterketten zeichneten ihre Stämme und Äste nach, nur die dürren Zweige blieben ausgespart. So sehen die ge- und verkappten Linden wie surreale Leuchtkorallen aus und Berlin wie das untergegangene Atlantis. &lt;br /&gt;Aber bereits in der Friedrichstraße ist de
