<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss'><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089</id><updated>2009-11-02T20:43:10.540+01:00</updated><title type='text'>Franks Unfug</title><subtitle type='html'>Schön, dass es dich hierher verschlagen hat. Nimm Platz und fühl dich wohl in meiner Leselounge. Lass dich zur Happy-Hour von ausgesuchten Worten verführen, lass dich zwischen die Zeilen fallen und vom Blues mancher Texte sonstwohin begleiten. Lass aber von dir hören und komm auf alle Fälle wieder.</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default?start-index=26&amp;max-results=25'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>176</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8157072729184646645</id><published>2009-11-01T09:38:00.001+01:00</published><updated>2009-11-01T10:39:10.768+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>104 | 20 Jahre Mauerfall</title><content type='html'>Natürlich fiel sie nicht, die Mauer; genauso wenig wie es eine „Wende“ gab. Aber Wörter sind Gebrauchsgegenstände (um bei den unstimmigen Bezeichnungen zu bleiben) - je länger man etwas falsch wiedergibt, um so richtiger fühlt es sich an. Das gilt auch für Erinnerungen und für die eigenen Wahrheiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich will jetzt nicht schildern, wie ich am 9. November 1989 am Grenzübergang Bornholmer Straße erstmalig Westberlin betrat. Obwohl es nach all den bewegten Wochen zuvor mit der bedeutendste Moment war. Denn gleichzeitig begann etwas Neues und etwas Gegenwärtiges hörte auf. Etwas so Vertrautes wie die eigene Kindheit vielleicht. Aber ich war achtzehn und es war mir egal. Davon will ich etwas schreiben, vom Aufhören und vom Neuanfang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das meiste von dem, was aufhörte, werde ich nie vermissen: die linkisch zur Schau gestellte Macht provinzieller Kader, ihre vorgeschriebenen Denkmuster und genormten Wege, ihre Restriktionen. Die Uniformität und das lieblose Schulessen. Jeglicher Ostkult ist mir von daher suspekt.&lt;br /&gt;Was ich aber vermisse, zumindest manchmal, wenn ich mir alte Briefe oder Tagebuchaufzeichnungen durchlese, ist die verschworene Gemeinschaft von einst, das Netzwerk Gleichgesinnter aus den Zeiten, als Politik nicht Wahlmüdigkeit, sondern Abenteuer bedeutete. Die Herbst-Demonstranten in Leipzig und Berlin bildeten eine Zweckgemeinschaft, und wir, meine Freunde und ich, waren ein Teil davon. Bilder dazu aus dem Fernsehen berühren mich noch immer.&lt;br /&gt;Mit dem Fall des Systems, mit dem Fall der Mauer zerfiel auch diese Zweckgemeinschaft. Die Masse, die Menschenflut, verspritzte zu Tröpfchen, zu Individuen. Jeder begann nach dem 9. November persönliche Ziele zu verfolgen. Das ist auch gut so, bei Freunden nur eben schade. &lt;br /&gt;Wir waren wie eine Schiffscrew, die gemeinsam Neuland betritt, sich aber schon am Strand aus den Augen verliert. Und traf man in den folgenden 20 Jahren einen von der alten Besatzung wieder, fragte man beim Bier nach diesem und jenem, dann begannen Sätze mit „Weißt du noch?“ oder „Damals“. Satzanfänge der Großeltern.&lt;br /&gt;Selbst wenn sich die gesamte alte Crew heute wieder am Strand versammeln würde, wären doch alle durch ihre Nachwende-Erfahrungen isoliert, jeder von unterschiedlichen Erinnerungen und eigenen Wahrheiten gefangen. Von einem Leben, das sich mit seinen Gewichtungen natürlich nach vorn verschoben hat. Und dennoch: Es lässt einen nicht los, dieses „Damals“.&lt;br /&gt;Das hat im Grunde genommen nichts mit dem Fall der Mauer zu tun. Retrospektive Wehmut gibt es zu fortgeschrittener Stunde bei jedem Klassentreffen. Aber bei uns endete die Schulzeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Darin liegt die Brisanz. &lt;br /&gt;Die Crew an Bord, das waren meuternde DDR-Bürger. Will man sie jetzt wiedersehen, hat man keine Chance, weil es das Schiff mit den DDR-Bürgern nicht mehr gibt. Aus ihnen wurden Einzelkämpfer, private Conquestadoren. Manche blieben auch Strandläufer mit wehmütigem Blick zurück aufs Meer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals. Damals waren wir Freunde auf dem abgetakelten „DDR“-Schiff. Mochten Independent-Musik und Punk. Dass wir auch zu Orgelkonzerten in die Kirche gingen, gehörte zu unserem Selbstverständnis dazu. Genauso wie das Schreiben von Gedichten, das Spielen von Schlagzeug oder Gitarre. Oder nichts dergleichen. Auch das. Aber wir waren Freunde, weil wir dieselben Konzerte besuchten und dieselben Kneipen, weil wir die gleichen Erlebnisse und Träume hatten. Weil wir uns hatten, weil wir ähnlich dachten, als wir träumten: Einmal Paris sehen, sich Kicks auf der Route 66 holen, The Cure live hören. &lt;br /&gt;Wir meuterten, weil kein Wind wehte und kein Land in Sicht war, kein Paris und keine Kicks. Dann kam der stürmische Herbst. Wir fühlten uns wie Freibeuter, waren voller Aufbruch. Wir berauschten uns an nächtlichen Gesprächen und ernüchterten uns morgens mit Ironie und schlechten Witzen. Wir lauschten dem Meer in uns. &lt;br /&gt;Als das Narrenschiff „DDR“ strandete, verlor sich die Crew aus den Augen. Nicht sofort und auch nicht alle. Und irgendwie doch.&lt;br /&gt;Man machte sich auf, Neuland zu entdecken, die Liebe und sich selbst. Man wurde so oder so erwachsen. Heutige Spuren im Internet lassen einiges davon ahnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wenn man sich jetzt trifft, sich beim Bier in den Gesichtern der anderen spiegelt, sieht man vergangene 20 Jahre. Man sieht sie, aber man fühlt sie nicht. Man fühlt noch das Meutern. Und ist erstaunt, wie lange das her sein soll. „20 Jahre“, sagt man sich, „wow“. Es ist ein erstauntes „Wow“. Und eines, das ironisch wirkt. Wie ein plötzlich an Land gespülter Rettungsring mit der Aufschrift: „DDR“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gedichte schreibt schon lang keiner mehr. Die meisten kommen auch kaum noch zum Lesen. Nur einer hat im Selbstverlag Geschichten von damals veröffentlicht. Wow.&lt;br /&gt;Aus dem Gitarristen ist ein Physiotherapeut und Vater geworden, aus dem langmähnigen Schlagzeuger ein Regisseur mit kurzen Haaren. Er inszeniert gerade „Als wir träumten“ von Clemens Meyer. Vor- und Nachwende-Erfahrungen ostdeutscher Jugendlicher. Es lässt einen eben nicht los. Und das ist, was uns noch immer verbindet, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8157072729184646645?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8157072729184646645/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8157072729184646645' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8157072729184646645'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8157072729184646645'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/11/104-20-jahre-mauerfall.html' title='104 | 20 Jahre Mauerfall'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-921712872492170385</id><published>2009-09-27T20:07:00.002+01:00</published><updated>2009-10-04T17:51:18.408+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>103 | Crossover</title><content type='html'>Wahlsonntag. Morgens, halb sieben. Die U-Bahn schüttelt die letzten Säufer raus: Rotäugige Pubertierende, nicht älter als fünfzehn, mit MP3-Autismus oder Handydisco. Am Alexanderplatz stoben Krähen wie Aasgeier auf. Erbrochenes und Zerschlagenes bleibt vorerst liegen. „Schwarz zu blau“ singt Peter Fox. Klingt beinahe nach einem Koalitionsstatement.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach sieben Jahren, hörte ich einmal, sollen alle Atome unseres Körpers durch neue ersetzt worden sein. Keine Ahnung, ob es so eine Rundumerneuerung tatsächlich gibt. Wir altern ja trotzdem. Mit Berlin verhält es sich ähnlich. Nach sieben Jahren bleibt alles anders. Straßen werden aufgerissen und vernarben, Häuser verschwinden und entstehen. Berlins Aasgeier fressen von der Prometheus-Fettleber des Wappentanzbären als wäre es Kavier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittags. Im „Monsieur Vuong“, dem vietnamesischen Restaurant in der Alten Schönhauser, brennt eine der Kellnerinnen für ihre Hausgötter drei Räucherstäbchen an. „Glaubst du ans Schicksal?“, fragt sie den Barkeeper. Der zuckt mit den Schultern. &lt;br /&gt;Es ist nett hier, finde ich. Es ist leer. Aus den Lautsprechern schwoft Tango Argentino in die Kulisse, die wie eine sonnige Erinnerung mit Filmmusik sich selbst feiert.&lt;br /&gt;Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass der Tango aus „Schindlers Liste“ mit dem Tango aus „Der Duft der Frauen“ identisch ist? Ein Tango, den man vielleicht nur wahrhaftig fühlen oder tanzen kann, wenn man die entscheidenden Erfahrungen seines Lebens bereits gemacht hat. Es ist ein Tango Argentino von Carlos Gardel: „Por Una Cabeza“. 1935, als das Stück aufgenommen wurde und Gardel sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand, stürzte er mit einem Flugzeug ab. Bildhafter geht´s nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachmittag. Im „Keyser Soze“ (Tucholskystr. 33) gibt es Frühstück bis 18.00 Uhr, wenn die Wahllokale zur Abendbrotzeit schließen. Alles geht und gilt eben wenig. Alles ist Stilmix, wie die Musik: Sade feat. Carlos Santana (zumindest klingt es so). Oder wie die Bestuhlung: Abgeranztes aus der Kaiserzeit vs. Panton Chairs. Wie wär´s, kommt es mir in den Unsinn, wenn jeder zu wählende Abgeordnete seinen zu ihm passenden Sitz aus dem Vitra-Designmuseum geliehen bekäme? Eben Kayser-Sozen-Stilmix kontra Einheitssoßen-Wahlversprechen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früher, als es noch einen Kaiser und einen Tucholsky gab, hieß die Straße Artilleriestraße. In der Nummer 31 befand sich eine Synagoge, in der Nummer 16 eine Kneipe. Die sich daran noch erinnern, werden wohl immer weniger. &lt;br /&gt;Und der Rest? Berlin sieht nicht so aus, als würde die Stadt sich vom Sommer verabschieden wollen. Man nimmt die Nachmittagssonne so selbstverständlich hin wie die zahlreichen Touristen, die den Hackeschen Markt und die Oranienburger bevölkern.&lt;br /&gt;Im Monbijou-Park, wo einmal ein Schloss stand, sonnen sich sogar noch einige. Andere fotografieren, Einheimische grillen. &lt;br /&gt;Aber das Krähengekrächze wird immer aufdringlicher. Es klingt nach Blätterfall und nach November. Das Kommende ist bekannt. Nach der Wahl ist vor der Wahl. &lt;br /&gt;Ich bin müde und gehe dennoch meine zwei Kreuze machen. Drei wären mir allerdings lieber.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-921712872492170385?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/921712872492170385/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=921712872492170385' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/921712872492170385'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/921712872492170385'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/09/103-crossover.html' title='103 | Crossover'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6621458305518728533</id><published>2009-06-14T15:09:00.001+01:00</published><updated>2009-06-14T15:10:18.804+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>102 | Was kochen</title><content type='html'>Sonntagmittag in Berlin. Durch das gardinenlose Küchenfenster räkelt sich ein sommerlicher Strandhimmel. Blasse Häuser sonnen sich unter Urlaubsfliegern, dazwischen verliebte Linden. Sie swingen zu Van Morrisons „Brown Eyed Girl“: &lt;br /&gt;„Standing in the sunlight laughing, / Hiding behind a rainbow's wall, / Slipping and sliding / All along the water fall, with you / My brown eyed girl, / You my brown eyed girl.“&lt;br /&gt;Der Abend gestern war gut und lang. Der Tag ist schön wie du, denke ich. Morgen ist bis morgen egal.&lt;br /&gt;Ich setze den Pastatopf auf und schneide Fleischwurst in kleine Würfel. Es gibt heute keinen Sonntagsbraten, nichts Aufwändiges. Es gibt Spaghetti. Unser Studentenessen, bei dem jeder Handgriff sitzt und die Gedanken spielen gehen dürfen. &lt;br /&gt;„Laughing and a running hey, hey / Skipping and a jumping ...“&lt;br /&gt;Die Würfel in Olivenöl anbraten, eine gehackte Zwiebel hinterher. Frisch gemörserten schwarzen Pfeffer, eine zerdrückte Knobi-Zehe und getrocknetes Oregano. Und etwas Salz. Und etwas Zucker. Und überhaupt. &lt;br /&gt;„Do you remember when we used to sing, / Sha la la la la la la la la la la te da ...“ Dosentomaten drüber, gefrorene italienische Kräuter rein. Es blubbert im Topf, als wäre da was einverstanden und wolle mitsingen.&lt;br /&gt;„Making love in the green grass / Behind the stadium with you / My brown eyed girl /You my brown eyed girl/ Do you remember when we used to sing / Sha la la la la la la la la la la te da.“&lt;br /&gt;Ordentlich Salz ins Nudelwasser, die Spaghetti aus der Packung hinterhergekloppt. Und die Blubbersoße umgerührt. My brown eyed girl. Du schläfst nebenan und träumst von sommerlichen Strandhimmeln, die uns gehören. Der Abend gestern war lang.&lt;br /&gt;Ich öffne das Fenster, vermenge die Nudeln mit einer Gabel, damit sie nicht wie wir aneinander kleben. Habe ich dir je gesagt, dass ich dich liebe? Dieser Tag ist so wunderbar einfach wie ein guter Song zum Kochen. Die Soße noch etwas nachsalzen und Parmesan reiben. Ich werde dich jetzt wachküssen, my brown eyed girl.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6621458305518728533?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6621458305518728533/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6621458305518728533' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6621458305518728533'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6621458305518728533'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/06/102-was-kochen.html' title='102 | Was kochen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4791092058262659537</id><published>2009-05-31T20:02:00.005+01:00</published><updated>2009-06-04T19:33:46.208+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>101 | Mit Biermann am Alex</title><content type='html'>Heute sah ich mir zum zweiten Mal die Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution von 1989/90“ auf dem Alexanderplatz an. Und traf dort Wolf Biermann. &lt;br /&gt;„Schön, dass Sie da sind, Herr Biermann“, sagte ich im Vorübergehen. Aber ich war irritiert: Kein Kamera-Team, keine Kontroverse, kein Gefolge. Eine nette Frau war im Hintergrund an seiner Seite und machte am Ende ein Foto von ihm und mir, was ich peinlich berührt nett fand. Sie wolle es mir später zumailen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich wollte ich es bei diesem Schön-dass-Sie-da-sind-Satz belassen. Weil ich zwar einiges über ihn weiß und sogar Biermann-Prosa in meinem Regal stehen habe, aber er mich nicht mal ansatzweise kennen kann. Ich hatte große Lust, mich mit ihm zu unterhalten, doch dränge ich mich nur ungern auf. Aufdränger wird es in Biermanns Leben schon genug gegeben haben, dachte ich. Und damit meine ich nicht unbedingt die Herren von der Stasi. Aber dann kamen wir doch ins Plaudern, sprachen über alte DDR-Geister, die weder ihn noch mich loslassen. &lt;br /&gt;Alexanderplatz. Hier fand am 4. November 1989 die Großdemonstration statt, bei der meine Oktober-Demo-Ängste einer November-Euphorie wichen. Biermann durfte an diesem Sonnabend nicht auftreten. Er war zur Ruhe gezwungen. Dabei streitet er doch so leidenschaftlich gern. Überhaupt, sagte Biermann, fühlte er sich bei dem ganzen Wirbel nach seiner Ausbürgerung wie im Auge eines Hurricans, wo Windstille herrscht. Zumindest auf den Aktionsradius bezogen. In ihm wird es jedoch gewaltig gestürmt haben. So sehr, dass die Nachwehen nie ganz aufhören und eine politische Wetterfühligkeit zurückbleibt. &lt;br /&gt;(Ich finde es übrigens sehr sympathisch, dass er auch noch eine Gänsehaut bekommt, wenn das 89er Wendevolk den „Wir-sind-das-Volk!“-Imperativ skandiert.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sprachen über Ursachen von Revolutionen und davon, dass Krenz ´89 nur deshalb kein Remake des Tian‘anmen-Massakers inszenierte, weil die militärischen Einsatzmittel für die Menschenmassen nicht ausreichten. „Die hätten den Fleischwolf verstopft!“, sagte Biermann. Er liebt drastische Bilder. Außerdem hatte die Parteiführung bekanntlich keine Rückendeckung von den Russen: Wenn auch nur ein NVA-Panzer auf Demonstranten geschossen hätte, hätten die Russen ihrerseits den Panzer unter Beschuss genommen. „Ohne die Russen“, so Biermann, „wäre alles noch mindestens 20 Jahre so weitergegangen“. &lt;br /&gt;Wo stünde ich dann heute? Hätte ich mich wie so viele mit den Verhältnissen abgefunden? Hätte ich weiter aufbegehrt? Meinen Jahrgang erlöste die Wende genau im richtigen Augenblick. Rückblickend fiel bei uns politisches Erwachen und erfolgreiches Aufbegehren zusammen. Wobei die einen mehr und die anderen weniger aufbegehrten. Nachdem auch noch die Mauer dem Überdruck eines willensstarken Volkes nachgab, schien alles möglich. Zumindest in den Augen eines 18-Jährigen. Zeit des Aufbruchs. Erst später ging mir auf, dass Aufbruch immer auch Abschied bedeutet. Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten und Menschen.&lt;br /&gt;„Kuck mal“, sagte Biermann ernst vor einem großen Foto, das ihn ernst zwischen Jürgen Fuchs, Gerulf Pannach und Christian Kunert im August ´77 auf einem West-Berliner Balkon zeigt. Die drei waren nach ihm abgeschoben worden. „Zwei von ihnen sind bereits tot.“ &lt;br /&gt;Aber nicht Biermann. Er kam mir wie ein sehr lebendiger Wiedergänger zwischen den als Mauerzitat errichteten Ausstellungswänden vor. Um alles zu sehen, musste er mehrfach die Seiten wechseln. Als lebendes Sinnbild. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Beste an dem Gespräch mit dem Dichter war, dass er mich ernst nahm. Dass er sich aus Interesse mit mir, einem unbedeutenden Ausstellungsbesucher, unterhielt. Er tat es nicht nur, weil er Volksnähe demonstrieren wollte oder Werbung machte für seinen späteren Konzert-Auftritt im Deutschen Historischen Museum. Denn Heuchelei liegt ihm nicht, dagegen singt er sein Leben lang an.&lt;br /&gt;Ich wünschte ihm und seiner Begleiterin schließlich alles Gute und schlenderte Unter den Linden entlang, um meine Eindrücke zu sortieren. &lt;br /&gt;Unter den Linden. Wie selbstverständlich großstädtisch alles wirkt nach 20 Jahren. Überall kann ich Dinge, die man früher nicht kaufen konnte, in Restaurants essen. Kann an den Bücherständen der Humboldt-Universität Gedanken erwerben, die früher verboten waren. Ich kann sogar die Szenerie wechseln und das Land westwärts verlassen. Ganz selbstverständlich.&lt;br /&gt;Vor der Humboldt-Universität, wo auch Biermann in ganz und gar nicht selbstverständlichen Zeiten studiert hatte, entdeckte ich seinen aktuellen Lyrik-Band „Heimat. Neue Gedichte“. Inzwischen bei Hoffmann und Campe verlegt, nicht mehr bei Kiepenheuer. Bei Campe veröffentlichte auch Heine seine neuen Gedichte. Und seinen Heimkehr-Zyklus.&lt;br /&gt;In „Heimkehr nach Berlin Mitte“ schreibt Biermann „Ich bin Legende ohne Totenschein“. In „Biermanns Bilanzballade im elften Jahr“ heißt es am Ende: „Ich lebe und stehe nun splitternackt / Mal wieder am Anfang und weine beim Lachen.“ &lt;br /&gt;Manchmal schreibt er mir aus dem Herzen, klingt ein Vers lange nach. &lt;br /&gt;Ich zahlte 8,-€ dafür und ging mehr als reich beschenkt in den Tag.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4791092058262659537?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4791092058262659537/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4791092058262659537' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4791092058262659537'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4791092058262659537'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/05/101-mit-biermann-am-alex.html' title='101 | Mit Biermann am Alex'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-7967867416726839435</id><published>2009-04-11T19:56:00.006+01:00</published><updated>2009-04-15T21:25:19.102+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>100 | Usedom vor Ostern</title><content type='html'>Karwoche. Endlich Urlaub. Nach öfter Rügen einmal Usedom. Und das bei bestem Aprilwetter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Schwäne mit dem Sonnenaufgang ihre Nachtquartiere verlassen und rauschend auf der Ostsee landen, jogge ich zwischen den Seebrücken der drei Kaiserbäder, zwischen hochfahrenden Möwen, vertäuten Kuttern und stöckelnden Nordic-Walkern. An manchem Morgen kreuzt auch ein Nacktbader meinen Weg, wird ein toter Fisch oder Kormoran von prustenden Wellen angespült. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZWVyDIbI/AAAAAAAAAJc/pb22DPlQvqk/s1600-h/100_1970b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZWVyDIbI/AAAAAAAAAJc/pb22DPlQvqk/s200/100_1970b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324619637286183346" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Nachmittags fotografiere ich im flaumgrünen, naturgeschützten Hinterland Tagpfauenaugen, Spechte, Falken und Hasen. Und uralte, gebrochene Bäume. Trügerische Oasen der Stille. Denn Touristen sind ganzjährig vor Ort, wenn auch noch erträglich. Und Verkäuferinnen, Restaurant- und Gutshofladenbetreiber, die von ihnen leben. So gut, dass sie es nicht nötig haben, freundlich zu sein oder ihr Preis-Leistungsverhältnis zu überdenken. Natürlich gilt das nicht für alle. Leckeren fangfrischen Fisch zum fairen Preis kann man beispielsweise im Restaurant „Fischstübchen“ in Neeberg lächelnd serviert bekommen. Obwohl gerade Usedomer Heringswoche ist, bestelle ich dort einen Ostseeschnäpel, den Steinlachs, der nur vor der Insel gefangen wird. Er schmeckt wie eine Kreuzung aus Zander und Lachs. Dazu ein Lübzer vom Fass.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den Koserower Salzhütten, wo früher die Heringe am Strand in Fässern konserviert wurden, kann man wohl den besten Räucheraal der Insel kaufen. Mir schmeckt er zumindest besser als der aus Rankwitz, dem „Geheimtipp“ für Busladungen voller Pauschalurlauber. Dazu ein böhmisches Schwarzbier und ofenfrisches Schwarzbrot, mehr braucht es nicht. Allerdings steigt der Genuss mit einem Gang auf den benachbarten Streckelsberg noch einmal ordentlich an. Von der Steilküste aus versuche ich kauend Vineta zu entdecken, die vor Koserow versunkene Sagenstadt. Fischern von hier ging einmal ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert ins Netz, das „Vineta-Kreuz“. Heute befindet es sich in der Koserower Dorfkirche. &lt;br /&gt;Alle hundert Jahre, heißt es, soll Vineta am Ostermorgen auftauchen, um von einem Sonntagskind erlöst zu werden. Jetzt ist zwar Karwoche; doch wurde ich an einem Montag geboren. Also kein Vineta. Nicht mal seine silbernen Glocken läuten herauf. &lt;br /&gt;Da sich die Bernsteinhexe ebenfalls nicht zeigt und der Aal verzehrt ist, wandere ich durch den Buchenwald in Richtung Kölpinsee.&lt;br /&gt;Aber bald schon zieht es mich zur Südspitze des Gnitz, wo es am Rande eines weiteren Naturschutzgebietes einen weiteren Berg gibt - den weißen. Die 32 Meter hohe Kliffwand soll vom Achterwasser aus gut zu sehen sein, wie ein Rügener Kreidefelsen, nur kleiner. Unten die schweren Findlinge, oben leichtes Vogelgezwitscher. Die Leichtigkeit setzt sich mit dem Abstieg nach dem Wald fort: Über hügelige Magerrasenflächen geht es an Salzwiesen und Moorlandschaften vorbei. Das Auge blickt weit. Das Ohr lauscht den Hummeln in vereinzelten Bäumen.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZ4A2EdLI/AAAAAAAAAJk/hMYKI924owU/s1600-h/100_1961b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZ4A2EdLI/AAAAAAAAAJk/hMYKI924owU/s200/100_1961b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324620215781455026" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Dann fahre ich auf eine Stippvisite nach Wolgast, der kleinen und vielleicht beschaulichen Stadt an der Peene; mit gemütlichen Anglern am Hafen, die vorleben, dass man Zeit verschwenden muss, um viel von ihr zu bewahren. &lt;br /&gt;Den besten Kuchen soll es in der „Conditorei“ und dem „Café Arthur Biedenweg“ geben. Conditorei mit „C“ und Arthur mit „h“. Das deutet auf das fast 100-jährige Bestehen hin. Darauf ruht sich die Bedienung offenbar aus, als ich modernen Service einfordere: Sie kommt einfach nicht, obwohl ich längst zahlen will. Vielleicht ist sie auch zum Angeln am Hafen, denke ich. Aber immerhin stimmt das mit dem Kuchen, der ist hier sehr gut.&lt;br /&gt;Dass niemand kommt, genieße ich wenig später allerdings im Heimatmuseum. Ungestört schlendere ich durch die drei Etagen des ehemaligen Lagerhauses aus dem 17. Jahrhundert, das vor 200 Jahren auch als Wirtschaft genutzt wurde. Ich lese von Stadtbränden und Zerstörungen im dreißigjährigen Krieg. Hier und da liegen neuzeitliche Grabungsfundstücke oder Hausrat von diversen Dachböden aus. Am meisten interessieren mich die Bilder des 1777 in Wolgast geborenen romantischen Malers Philipp Otto Runge, der wie ich gern Usedom und Rügen durchstreift hatte. Für die Brüder Grimm schrieb er das Märchen „Vom Fischer und syner Fru“ auf, bevor er mit Anfang dreißig an einer Lungentuberkulose starb. Im nächsten Jahr wiederholt sich sein Todestag zum zweihundertsten Mal.&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTaaRDyX5I/AAAAAAAAAJs/9iTZT2XwR3w/s1600-h/100_1698b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTaaRDyX5I/AAAAAAAAAJs/9iTZT2XwR3w/s200/100_1698b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324620804249509778" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Nicht weit vom Museum entfernt steht die Petri-Kirche, auf dessen 40 Meter hohen Turm ich steige, um mir Wolgast und seine Werft einmal von oben zu besehen. Da dort aber ein ordentlicher Wind weht, halte ich es nicht lange aus und steige über die enge Wendeltreppe wieder zum Kirchenschiff hinab. Erstaunlich, dass man dort von den letzten großen Stadtbränden, bei denen auch die Kirche brannte,  keine Spuren mehr findet: Wandmalereien an Decken und Wänden, ein zweitklassig gemalter Totentanz-Zyklus und eine eingemauerte heidnische Steinplatte, der man als Gegenzauber ein Kreuz eingeritzt hatte. &lt;br /&gt;Unter dem Altar befindet sich die Herzogengruft, wo der letzte Pommernherzog aus der Wolgaster Linie 1625 mit edelsteinbesetztem Goldschmuck beigesetzt worden war. Den großen Brand drei Jahre später hat er dort unbeschadet überstanden. Bis zum Ende des dreißigjährigen Krieges wurden in der Gruft sogar noch weitere Familienangehörige bestattet. Aber gut vierzig Jahre darauf kamen 1688 die Grabräuber und brachen Zugang und Särge auf. Sie durchwühlten sie derart, dass die sterblichen Überreste ordentlich durcheinander gerieten und der Schmuck schnell vergriffen war. Weil anderntags der Küster und der Totengräber von Wolgast nicht auffindbar waren, kam man ihnen und ihren Greifswalder Hehlern schnell auf die Schliche. Man setzte sie bald in Hamburg oder Danzig fest. Nur die kostbaren Grabbeigaben waren auf immer verschollen.&lt;br /&gt;Die sanierten Särge aber kann man in der Gruft hinter einer Glastür besichtigen, was - wenn man sich allein in der Gruft befindet - fast ein wenig gruselig ist. Als ich mich zum Gehen abwende, entdecke ich an der linken Wand hinter den Särgen eine wie mit Ruß angebrachte Nachricht: „CE 1587“ steht zuoberst. Darunter: &lt;br /&gt;„ICH CHRISTOFFEL EIRICH&lt;br /&gt;HA TAS FIRSCHLICH&lt;br /&gt;BEKREWIS GEMIE“&lt;br /&gt;Demnach hat ein Christoffel Eirich die fürstliche Gruft erbaut, also das „Begräbnis gemacht“. Aber dass er es so an die Wand schreiben durfte ... Was sollte er auch machen? Anders als bei guten Malern, Musikern und Schriftstellern nimmt die Nachwelt von Maurern mit Architektur-Ambitionen nur dann Notiz, wenn man ihr selbige derart hinterlässt. Vielleicht hatte man Herrn Eirichs Versuch, nicht vergessen zu werden, zuerst überpinselt, bis es jetzt als historisches Kuriosum wieder lesbar gemacht wurde; selbst wenn es die Totenwürde fürstlicher Särge mit dem Wunsch nach Unsterblichkeit zu überschreien droht. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTa6WgFz-I/AAAAAAAAAJ0/YuNAODw0epA/s1600-h/100_1661b.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px; height: 150px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTa6WgFz-I/AAAAAAAAAJ0/YuNAODw0epA/s200/100_1661b.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5324621355466215394" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Karwoche. Bei dem Anblick der Särge wird mir immer mehr nach innerlicher Auferstehung zu Mute. Also fahre ich zum Ausgangspunkt meiner Wochenreise auf die Insel zurück, miete mir in Heringsdorf einen Strandkorb und staune, wie viele Urlauber dort vor dem Wasser inzwischen unterwegs sind. Sie scheinen aus dem Nichts zu kommen und selbst am Ziel ihrer Reise noch immer voller Unrast zu stecken. Der Anblick, über den die Möwen dümmlich lachen, gleicht mehr einer Völkerwanderung als einem Osterspaziergang. Es wogt vor den Wellen. Jeder scheint auf dem Weg zur nächsten Mahlzeit zu sein und verdeckt mir den Blick auf die See, auf die Ruhe, auf das Wesentliche. Da wird es auch für mich Zeit, äußerlich aufzuerstehen und wieder heimwärts aufzubrechen. Mit Staus in Richtung Berlin ist nicht zu rechnen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-7967867416726839435?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/7967867416726839435/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=7967867416726839435' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7967867416726839435'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/7967867416726839435'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/04/100-usedom-vor-ostern.html' title='100 | Usedom vor Ostern'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_ZNqfIG5j4sE/SeTZWVyDIbI/AAAAAAAAAJc/pb22DPlQvqk/s72-c/100_1970b.jpg' height='72' width='72'/><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-898446952325954547</id><published>2009-03-31T19:05:00.001+01:00</published><updated>2009-03-31T19:06:46.419+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>099 | „Waiting for the sun“</title><content type='html'>„At first flash of Eden we raced down to the sea / Standing there on freedom´s shore“&lt;br /&gt;(Jim Morrison)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin, Alexanderplatz. Die Sonne blendet. Erster Lichtblick des Jahres.&lt;br /&gt;Ein Trommler mit Bob-Marley-Mütze sitzt schattenlos unter dem Fernsehturm wie unter dem Baum der Erkenntnis. Er gibt den Rhythmus des Frühlings vor. Die Klarinettistin neben ihm seine Fernweh-Melodie. Das eine fährt in die müden Knochen, das andere ins Herz der Erinnerung. &lt;br /&gt;Aber der größte Zauber geht von der Sonne aus. Die Wartenden an der Straßenbahnhaltestelle wirken überrascht, selbst wenn sie ihre Augen geschlossen halten: Noch trägt keiner seine Sonnenbrille. Sinne sind offen; Masken bekommen menschliche Züge.&lt;br /&gt;Eine Bacchantin in engen Bluejeans lächelt vorüber. Sie weiß die Blicke vieler Wartender auf ihrem Hintern. Blicke von Männern und Blicke von Frauen. Blicke von Genießern.&lt;br /&gt;Niemand sieht die vier Fassadenkletterer am Fernsehturm, die 70 m über der Bacchantin wie Raupen des Eichenprozessionsspinners hängen. Vielleicht sind es auch Satyrn. Vielleicht ein Reinigungskommando. Oder Greenpeace-Aktivisten, die ein Transparent entrollen wollen. Doch niemanden würde es interessieren. Nicht heute. Denn nach all dem Medienwinter ist heute die Sonne aufgegangen. Und alles drängt raus.&lt;br /&gt;(„Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge / Durch die Gärten und Felder zerschlägt“ echot es durch zu schließende Schulen.)&lt;br /&gt;Tram und Schritte werden magnetisch von Parks und Straßencafés angezogen. Alles lächelt und bestaunt das Sonnenwunder, als wäre Bacchus persönlich in der Stadt, um sein Evangelium der Lebenslust zu verkünden.&lt;br /&gt;Bloß auf dem Wochenmarkt welken rote holländische Tulpen in der Blüte ihrer Tage. („Die heiß´n ´Pretty Woman`. Brauch´n nua etwas Wassa, dann werd´n se wieda.“) Weißer Spargel liegt aus. Und Erdbeeren gibt es noch vor der Zeit zum Schleuderpreis. &lt;br /&gt;Im Park jagen losgelassene Hunde vom Winterbrot fett gewordene Enten. Aus krustiger Wurzelrinde quellen lava-artig Feuerkäfer hervor und erstarren im Licht. Weiter oben durchbrechen Kastanienblätter klebrigbraune Knospen.&lt;br /&gt;Darunter sitzen die Mädchen auf Bänken. Sie lesen oder schreiben Gedichte. Auf der Wiese zu ihren Füßen liegen die Männer im T-Shirt, gehen die Kroküsschen auf. &lt;br /&gt;Als hätte Amor mit tausendfachem Beschuss Land &amp; Leute befruchten wollen, ragen zig Frühblüher wie die Befiederung der Liebespfeile aus dem Boden. So keimen auch die Gefühle, so blühen die Blicke. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin ist berauscht. Und du? Wie war dein Tag?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Can´t you feel it, now that spring has come / That it´s time to live in the scattered sun“&lt;br /&gt;(Jim Morrison)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-898446952325954547?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/898446952325954547/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=898446952325954547' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/898446952325954547'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/898446952325954547'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/03/099-waiting-for-sun.html' title='099 | „Waiting for the sun“'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8023113272398035664</id><published>2009-03-15T21:51:00.003+01:00</published><updated>2009-03-24T05:55:04.306+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>098 | Kaminer im KNOTONI</title><content type='html'>„Mit ironischem Augenzwinkern“, heißt es auf der Homepage des Kinos Toni, „liest und erzählt Wladimir Kaminer Geschichten aus dem Leben.“ Sonnabend, 20.00 Uhr. Ich stellte mir Kaminer mit so einem nervösen Augenzucken wie bei Harald Schmidt vor und wollte vor allem sehen, wie er damit lesen kann. Also fuhr ich gestern zum Weißenseer Antonplatz.&lt;br /&gt;Die neonroten Leuchtbuchstaben des Kinos waren schon von der Straßenbahn aus zu sehen. Aber nicht alle. Das „I“ von KINO hatte sich verabschiedet und das „O“ sah angebissen aus. KNO TONI stand über dem Eingang. Knotoni, klingt wie ein Pastagericht.&lt;br /&gt;Darunter hatte sich eine Schlange gebildet, für vorbestellte, aber nicht abgeholte Karten. Ich hatte meine bereits ein paar Tage zuvor gekauft und ging entspannt an den Wartenden vorbei.&lt;br /&gt;Weil im Saal bereits um 19.30 Uhr alle Plätze besetzt waren, musste ich auf die Galerie ausweichen. Von dort oben konnte ich nur mit gerecktem Kopf in weiter Ferne ein Caféhaus-Tischchen mit Stuhl und grüner Nachttischlampe vor rotem Samtvorhang ausmachen. Die Leute hinter mir sahen bloß den Kinovorhang. Dann kam der Schriftsteller. Auf seinem T-Shirt stand programmatisch „Russendisco“. Darüber glitzerte ein roter Stern. Russendisco und Kaminer gehören zusammen wie früher der Kreml mit seinem roten Stern. Aber das war einmal. &lt;br /&gt;Der seit 19 Jahren in Berlin („am Mauerpark“) lebende Schriftsteller hatte ein Herz für uns Zwangsgaleristen und setzte sich nicht. Er stand die ganze Stunde lang vor einem Mikrofonständer und sorgte durch seine vorgelesenen Geschichten und Stegreif-Anekdoten genauso für gute Unterhaltung wie durch seine bodenständige, humorvolle Art („Möchten Sie mich etwas fragen?“). Das ironische Augenzucken konnte ich trotzdem nicht erkennen. Den Tisch nutzte er nur zum Abstellen seines Sekt- und Wasserglases.&lt;br /&gt;Aus seinem neuen Buch „Es gab keinen Sex im Sozialismus“ las er kaum was („Das können sie schließlich selbst tun.“), dafür dieses und jenes von Computerausdrucken. „Möchten Sie jetzt etwas Altes oder Neues hören?“ - „Beides!“ kam die einhellige Antwort aus dem Publikum. Das war übrigens gemischt. Von Studentinnen über ältere Biedermänner war alles vertreten. Darunter auch eine Nervensäge, die genau hinter mir saß. Sie erklärte ihrer Freundin Pointen und schien mich mit ihrem lauten Lachen genickschussartig exekutieren zu wollen. Kaminer verriet in der Ferne, wie er auf den Titel seines neuen Buches kam. Anschließend las er einen aktuellen Text, der sich wie andere auch mittelbar auf die weltweite Finanzkrise bezog. Darin ging es um einen Alten, der sich regelmäßig zur Sparkasse schleppte, um sich von einem Filialmitarbeiter sein Schließfach öffnen zu lassen. Einmal bat er den auch, die enthaltene Kiste herauszuheben; ihm sei sie inzwischen zu schwer. Der nette Banker durfte sogar einen Blick in die Kiste werfen. Sie war randvoll mit Goldmünzen gefüllt.&lt;br /&gt;„Nehmen Sie eine!“, forderte der Alte den Angestellten auf. Als der zögerlich zugriff, hielt er einen ALDI-Schokoladentaler in der Hand und der Alte freute sich. In der ganzen Kiste war nur Schokolade. Und eine Metallplatte darunter, wegen des Gewichts. &lt;br /&gt;„Ich habe zwei Kinder“, sagte der Alte, „die sich nicht um mich kümmern. Deren Gesichter werden sicherlich wie Ihres aussehen, wenn sie einmal das hier erben werden ...“&lt;br /&gt;Das Lachen der Nervensäge schreckte mich auf. Dann wurde geklatscht. Dann eilte alles zum Buchsignieren. &lt;br /&gt;Ich ging entspannt an den Wartenden vorbei nach draußen, während das angebissene „O“ von KNOTONI ironisch in den verregneten Frühlingsabend zuckte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8023113272398035664?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8023113272398035664/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8023113272398035664' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8023113272398035664'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8023113272398035664'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2009/03/098-kaminer-im-knotoni.html' title='098 | Kaminer im KNOTONI'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5171162438977076052</id><published>2008-11-09T21:45:00.001+01:00</published><updated>2008-11-09T21:47:41.905+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>097 | Rain Dogs in the Downtown Train</title><content type='html'>für Finni&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Im traurigen Monat November war´s (...)“&lt;br /&gt;Mit der U 8 fahren wir durch den kühlen Rest eines verregneten Tages. Sitzend, wie die anderen Fahrgäste, Weddinger Migranten zumeist. Junge Männer mit  Fremdenlegionärshaarschnitt, Frauen mit schokobraunem Haar oder zartbitterem Kopftuch. Jeder von ihnen hockt in seiner kleinen Welt. Isoliert und gelähmt von der Arbeit, von alltäglichen Teufelskreisen, die sich wie eiserne Bande um ihre Herzen legen.&lt;br /&gt;„the downtown trains are full with all the brooklyn girls / they are try so hard to break out of their little worlds“ &lt;br /&gt;Aber wir, wir haben uns gefunden, zwischen all diesen Paralleluniversen. Frag mich nicht, wie. Wir hatten wohl Glück, obwohl wir dabei zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Aber wir erkannten uns und das, was mit uns geschieht. Es gibt sie vielleicht ja doch, die richtige Zeit in der falschen, das Märchen im Lokalteil der Zeitung. Jetzt lauschen wir der Stimme unseres Erzählers und schweigen irgendwie anders als der prosaische Rest.&lt;br /&gt;Pankstraße. Die U-Bahn hält. Aber keiner geht, keiner kommt. Nur aus einigen Ohrhörern zischt und stampft leise Musik, Sountracks wie nahende Gegenzüge. Jemand nickt dazu im Takt; eine Frau hält ihre Augen geschlossen. Als stünde sie zwischen den Geleisen. Einer der Fremdenlegionäre sieht zu ihr rüber. Sieht ihr Make-up, die gezupften Brauen, ihren schlanken Körper. Den nahenden Zug sieht er nicht. Er kaut mechanisch auf seinem Kaugummi herum, wie ein angeketteter Hund auf seinem Knochen. Die anderen Fremdenlegionäre sind ebenfalls mit Kaugummis bewaffnet. Brothers in Arms ohne Auftrag und ohne Heimat. Rain Dogs, denke ich. &lt;br /&gt;Da zischt und stampft es auch in mir, durchfährt mich Tom Waits heisere Stimme „with all the Rain Dogs“. „For I am a Rain Dog, too“, hallen alte Zeiten nach. Aber du bist bei mir, denke ich. Ich habe also wirklich Glück. Mir ist in dem Moment, als erklärten sich so alle einsamen Fahrten vergangener Jahre. Einsam gegangene Wege und Straßen, durchwachte Nächte. Als das Herz krampfte und sich meine kleine Welt fenster- und türenlos gab. Vielleicht muss man sich ja oft krank und elend fühlen, um irgendwann unerwartet sein Glück zu erkennen, tief zu fühlen und zu gesunden. &lt;br /&gt;Oh, wie schön du bist, denke ich. Ich ...&lt;br /&gt;„Nächster Halt: Gesundbrunnen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Komm, lass uns rausgehen in den Abend, der sich längst als Nacht verkleidet hat. Wie ein Kind zu Halloween, das uns nicht erschrecken kann. Auf dem Bahnsteig hören wir, wie es hinter uns kracht. Als wäre etwas zerbrochen.&lt;br /&gt;„Heinrich, der Wagen bricht“, flüsterst du verschwörerisch lächelnd. „Nein“, lächle ich zurück und küsse dein magnetisches Gesicht, ohne mich noch einmal umzudrehen. Hand in Hand fliegen wir die glitzernden Treppen hinauf. Wie zum Hochzeitsball des Prinzen.&lt;br /&gt;„Oh, how we danced and we swallowed the night“&lt;br /&gt;In den Pfützen erzittern die Lichter des Gesundbrunnen-Centers von unserem Gekichere. &lt;br /&gt;„Oh, how we danced away all of the lights“&lt;br /&gt;Wir erfreuen uns kindisch an der kitschigen Weihnachtsdeko der Geschäfte. Und in unseren Augen spiegelt sich dabei das Glück der Besitzlosen wider. Wir sind Ausbrecher und Selbstläufer. Gefühle jonglieren Gedanken, die einmal so schwer waren, dass sie uns an solchen Abenden runtergezogen hätten wie der übersättigte Nebel die Schwärze des Himmels.&lt;br /&gt;„We´ve always been out of our minds“&lt;br /&gt;Bei Kaiser´s kaufen wir übermütig eine Flasche goldbraunen Tequila. &lt;br /&gt;„Golden brown texture like sun (...)“&lt;br /&gt;Die Kassiererin grinst uns an, als hätte sie unseren Plan durchschaut oder könne uns in die geöffneten Sonnen-Anbeter-Herzen blicken.&lt;br /&gt;Oh, wie schön du bist, denke ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Your „long hair black as a raven.&lt;br /&gt;Oh, how we danced and you&lt;br /&gt;Whispered to me&lt;br /&gt;You´ll never be going back home,&lt;br /&gt;You´ll never be going back home.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn später werden wir die Einzigen sein, die sich an diesen Abend erinnern können, an diesen vernieselten Abend, irgendwo im Wedding, irgendwann im November.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5171162438977076052?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5171162438977076052/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5171162438977076052' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5171162438977076052'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5171162438977076052'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/11/097-rain-dogs-in-downtown-train.html' title='097 | Rain Dogs in the Downtown Train'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2924696731571760958</id><published>2008-09-28T17:31:00.004+01:00</published><updated>2008-09-28T21:03:24.091+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>096 | Es gibt so Tage</title><content type='html'>Es gibt so Tage, da scheint die Sonne schon am Morgen zeitlos ruhig. Man ist müßig, macht sich einen Tee und liest die Sonntagszeitung, als würde man ein Entspannungsbad nehmen.&lt;br /&gt;Dann gibt es so Tage, da weiß man hinterher nicht einmal, ob die Sonne überhaupt aufgegangen war. Also man macht sich über alles Mögliche Gedanken, nur nicht über die Sonne. Aber eigentlich machen die Gedanken alles Mögliche mit einem selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man geht wie ein Geist durch die Straßen seiner Kindheit. Befinden sich diese Straßen wie bei mir in Berlin und ist die Kindheit schon ein viertel Jahrhundert her, gibt man es nach einer Weile sogar wieder auf, jemand Vertrauten erkennen zu können. Sogar die Namen am Hauseingang, dem Eingang zum Ort der Geburt &amp; Geborgenheit, sind fremd. Die Tür ist verschlossen. &lt;br /&gt;„Aber wenn die Laternen angehen“, flüstern die Gedanken, „kommst du wieder hoch.“ Die Laternen gehen nicht an, und mich bringt so schnell gar nichts hoch. &lt;br /&gt;„Wer in Berlin wehmütig wird, hat verloren“, flüstert es weiter. „Weiter!“, flüstere ich echohaft zurück.&lt;br /&gt;Ecke Choriner / Schwedter sitzen drei Typen vor einer Kneipe. Einer mit Glatze, Anzug und Zuhälterbrille ruft mehrfach in sein Handy: „Hier spricht Gürgen Mengele! Gürgen Mengele!!" Er sagt nicht Jürgen, auch nicht Josef. Die beiden anderen kichern.&lt;br /&gt;Ich frage nicht nach Sinn und Unsinn, suche keine Zusammenhänge.&lt;br /&gt;„Weiter!“&lt;br /&gt;Im „Mauersegler“, der Terrassen-Kneipe am Mauerpark, gibt es eine Hochzeit. Aber keiner sieht nach Hochzeitsgesellschaft aus. Eine angetrunkene Band rockt „Sah ein Knab ein Röslein steh´n“. Das „Röslein! Röslein!“ klingt nach Lindenberg. Und nach „Gürgen Mengele!“&lt;br /&gt;Nebenan in der Bernauer eine Mauergedenkstätte: große Schwarzweißbilder an der Hausfassade, mit hölzernem Aussichtsturm. Von diesem Westberliner Aussichtsturm aus winkten meine Großeltern meiner Mutter zu, die mich im Kinderwagen auf der anderen Seite hin und her schob. Sie wagte nicht zurückzuwinken. Sie weinte nur leise. &lt;br /&gt;Hier sah ich später mit meinem Cousin verstohlen in den Westen rüber. Aus einem Flurfenster, zu dem wir uns nachts geschlichen hatten. Jetzt ist die Mauer genauso verschwunden wie meine Großeltern. Und meinen Cousin sehe ich auch nur noch selten.&lt;br /&gt;„Weiter, immer weiter!“&lt;br /&gt;Auf dem Aussichtsplateau des Wasserturms wirken die Leute wie geisterhafte Besucher einer Gartenparty. Einige haben ihre Kinder mitgebracht, andere spielen Boule. Aber jedes Grüppchen sieht durch die anderen hindurch. Denn Geister können einander nicht erkennen. Selbst die Kinder blicken nur dem Gummiball nach, der dem Abhang zurollt. &lt;br /&gt;Da denkt es in mir, dass ich selbst nur ein Geist bin. So wie Dr. Crowe in „The Sixth Sense“, der gar nicht weiß, dass er bereits tot ist.&lt;br /&gt;„Du bist einer von ihnen“, flüstert es in mir.&lt;br /&gt;„Aber ich kann sie sehen“, flüstere ich zurück.&lt;br /&gt;Sogar den Wind, der durch die sich verfärbenden Blätter geht, kann ich sehen. Und die Wolken, die noch vor ein paar Wochen am Himmel trieben. Dann lassen mich meine wirren Gedanken, die mich hergeführt haben, im Stich. &lt;br /&gt;Und so warte ich mit den anderen Geistern am Wasserturm. Wir warten auf die vermeintlich fehlenden Gäste. Wir warten dort noch, wenn längst keine Gartenpartys mehr stattfinden. Wenn die Wintersonne die Sehenden blendet, bis sie ihre Augen geschlossen halten. Bis sie von wärmeren Tagen träumen. Falls die wirren Gedanken sie lassen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2924696731571760958?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2924696731571760958/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2924696731571760958' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2924696731571760958'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2924696731571760958'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/09/095-es-gibt-so-tage.html' title='096 | Es gibt so Tage'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1466067507890539136</id><published>2008-09-01T22:49:00.003+01:00</published><updated>2008-09-01T22:57:42.234+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>095 | Thightrope Walkers im Mauerpark</title><content type='html'>Gestern, am Sonntag, überspannte ein knallig blauer Himmel den Mauerpark wie eine Picknickdecke aus Latex. Für Szene-Fetischisten so gut wie für Romantiker. Ich kam mir vor wie am Venice Beach, wo ich noch nie war ... Nur der Strand fehlte, sonst gab es alles, aber ins Berlinische übersetzt: Basketballspieler, Jongleure, Zuschauer, Leute mit Drachen, ein Dutzend Trommler, Sonnenbrillenträger, Tattoos &amp; Graffiti. &lt;br /&gt;Viele waren keine Freaks, sondern Drahtseiltänzer, Grenzgänger im ehemaligen Grenzland. Thightrope Walkers im sozialen Netzwerk konträrer Überzeugungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mauerpark ist bei gutem Wetter ein lebendiger Quilt. Ein Ort voll mit poetischen Bildern in Video-Clip-Ästhetik. Und im Stil absurden Theaters. &lt;br /&gt;Da saß beispielsweise jemand im Gras und aß vom Plastikteller, der auf einem windschiefen vergoldeten Stuhl stand. Einem vom Flohmarkt, der in der Sonne blinkte, während ein Flugzeug lautlos darüber an Höhe gewann ... Der zerbrechliche Stuhl war zum Sitzen völlig ungeeignet, aber als Stand-Bild einfach nur göttlich. &lt;br /&gt;Die Leute drum herum: bunt &amp; expressiv. Wie die Komparsen aus „Easy Rider“, „Hair“, und Fatih-Akin-Filmen auf einem Haufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das kreative Potential im Mauerpark ist enorm, die Lässigkeit wirkt echt. Dafür liebe ich Berlin. Und für diese Toleranz: Da tanzen blonde Rastafari so selbstverständlich neben bürgerlichen Flohmarktgängern wie diese neben alternativen Muttis zu coolen Crossover-Rhythmen. Lachende Gesichter nicht nur bei den Kindern. &lt;br /&gt;Der zeitgemäße Hippie trail geht also unbedingt durch die Oderberger Straße. Hight-Ashbury am verschwundenen Nordbahnhof.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vom Steinkreis her wehte der aktuelle Soundtrack herüber: „fairy“, eine neue Berliner Band, spielte gerade den Song „Tightrope Walkers“. &lt;br /&gt;Fairy hat nichts mit Ultra zu tun, sondern heißt „Fee“ übersetzt. Wie die Sängerin und Gitarristin Fee Klauser, die mit dem Drummer Ferdi Grall und dem Bassisten Moritz Jansen zu Orgelklängen vom Laptop „englischen Gedankenpop“ vom Feinsten spielte. &lt;br /&gt;Weil sie nicht zur PopKomm eingeladen wurden, rockten sie dort vom Laster und fanden mitlerweile Gefallen daran. Sympathisch sind sie sowieso; vertreiben ihre neuste CD „Spitting Butterflies“ ohne jegliches Anbiedern. Das Layout wirkt so professionell wie ihr lyrischer Gitarren-Rock. Da darf jetzt gern Radio Eins auf die Ex-Tübinger aufmerksam werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ ... do you remember when we were walking the tightrope / from the top of the church to the roof of my house / we where dancing ...“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1466067507890539136?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1466067507890539136/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1466067507890539136' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1466067507890539136'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1466067507890539136'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/09/095-thightrope-walkers-im-mauerpark.html' title='095 | Thightrope Walkers im Mauerpark'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-6180492970239535472</id><published>2008-08-14T11:31:00.003+01:00</published><updated>2008-08-14T11:40:44.626+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>094 | Die volle Packung Kultur ...</title><content type='html'>... kann man bei Radio Eins gewinnen. Ein Wochenend-Gutschein-Paket für zwei Personen im Kultur-Eldorado Berlin. Augenzwinkernde Bedingung dabei: Das Wochenende muss sexfrei bleiben („Gelübde der sexuellen Enthaltsamkeit“). &lt;br /&gt;Da ich nie beim Radio anrufe und auch nicht viel von Gelübden halte,  stellte ich mir meine Packung Kultur für die letzten Tage selbst zusammen:&lt;br /&gt;Als erstes war ich wieder einmal in der Alten Nationalgalerie, um mir die Ölbilder der Romantiker und Impressionisten anzusehen. Und natürlich Schadows süße Prinzessinnengruppe aus Marmor. Anschließend fuhr ich zum Hauptbahnhof, wo davor jeden Sommer weniger zeitlose Skulpturen als „Sandsation“ ausgestellt sind. In einer Sandoase des Großstadtdschungels.&lt;br /&gt;Abends ging es ins Chamäleon-Varieté der Hackeschen Höfe, zu „My Life“, einer seit Mai laufende Akrobatik-Show. Eigentlich nicht mein Fall, aber hier war ich begeistert. Sechs junge internationale Künstler traten mit einer selbst choreografierten Darbietung aus Luftakrobatik, Jonglage, Gesang und Tanz auf. Das Ganze auf einer sich zentral im Raum befindlichen Bühne. Da war so viel Dynamik, Berlinlässigkeit und Können, dass am Ende der ganze Raum rockte. Die Darsteller verzichteten auf glitzernde Show-Kostüme und wirkten anfangs wie ganz normale Berlin-Touristen aus dem Publikum. Nur, dass sie sich am Seil wie Spiderman bewegen konnten oder wie Neo aus „Matrix“ durch die Luft zu rennen schienen. Musikalisch gab es dazu unter anderem Big Beat, der mich an „Spybreak!“ von den Propellerheads erinnerte. Im Hintergrund Zeitraffer-Clips Berliner Locations vom Beamer. Wow!&lt;br /&gt;Dann war ich in den Neuen Kammern von Sanssouci. Rokoko als Kontrastprogramm. Blöd nur, dass in dem ehemaligen Gästehaus ebenfalls auf Kontrastprogramm gesetzt wurde: In allen Räumen hatte man „Gegenwartskunst“ untergemogelt. Auf den steinernen Fußbodenrauten der Ovidgalerie lagen zur Irritation (oder wozu auch immer) Glasfliesen, welche sich tarnten, indem sie die Muster der Fugen wieder aufgriffen. Trat ein in die Stimme des Audioguides vertiefter Besucher versehentlich darauf, gab es Ärger mit der Aufsicht. Die war auch hinterher, wenn sich jemand auf einen der bereit stehenden Stühle setzte. Denn das sei zwar erlaubt, aber nicht das Anlehnen. Schließlich waren einige Besucher nur noch damit beschäftigt, weder in den Räumen noch beim Personal anzuecken. &lt;br /&gt;Ich dachte währenddessen über Doppelmoral vergangener Zeiten nach, angelockt vom Gold der Metamorphosen-Darstellungen in der Ovidgalerie. Dort ist nämlich einmal mehr Leda unterm Schwan zu sehen. Also Sodomie. Am anderen Ende des Parks, im Neuen Palais, hängen „Loth und seine Töchter“ an der Wand. Die Töchter wiederum hängen so sehr an ihrem Vater, wie es verbotener nicht geht. Also Inzest. Derartige Darstellungen mythologischer und alttestamentarischer Szenen waren gesellschaftlich sanktioniert. Nicht aber, seine hübsche Nachbarin nackt zu malen oder eine hübsche Herrscherin wie die Kaiserin von Österreich: Elisabeth. &lt;br /&gt;Das gleichnamige Musical sah ich mir am Ende meiner vollen Kulturpackung an. Mein erstes Musical! Und es war alles perfekt, sofern ich das beurteilen kann: Inszenierung, Gesang, Kostüme ...&lt;br /&gt;Aber ich wusste es schon immer: Musicals sind nicht für mich gemacht. Opern wohl auch nicht.&lt;br /&gt;Nachdem sich meine Kulturpackung wie eine Tüte mit süßem, salzigem und geschmacksneutralem Popcorn geleert hatte, wollte ich nur noch eines: die Füße hochlegen. Und das geht am besten zu Hause. Hin und wieder ist so ein Fernsehabend ja auch nicht zu verachten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-6180492970239535472?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/6180492970239535472/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=6180492970239535472' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6180492970239535472'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/6180492970239535472'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/08/094-die-volle-packung-kultur.html' title='094 | Die volle Packung Kultur ...'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8268360534297135810</id><published>2008-08-09T08:53:00.003+01:00</published><updated>2008-10-03T16:19:39.979+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Hälfte des Lebens I. und II.</title><content type='html'>Ich hoffe nicht, dass ich bereits die Hälfte meines Lebens hinter mir habe. Aber ich bin jetzt 36, und da schielt man schon mal wehmütig zur ersten Hälfte rüber, zur Kindheit und Jugend. Manches davon lässt sich erinnern, anderes kann rekonstruiert werden. Oft bleibt nicht viel mehr übrig als eine Handvoll Bilder, Songs und Gefühle, die im kollektiven Gedächtnis aufgehen ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1971&lt;br /&gt;Joe Frazier besiegt Muhammad Ali in New York. Jim Morrison stirbt in Paris und mit ihm die 60er. In Hamburg wird ein Polizist von der RAF erschossen, während Mc Donald´s seine erste Deutschland-Filiale in München eröffnet. &lt;br /&gt;Die Stones bringen „Sticky Fingers“ heraus, Jethro Tull „Aqualung“. Zum Ende des Jahres spielen sich die Pop Tops mit „Mamy Blue“ auf Platz 1 der deutschen Charts. Zu dieser wehmütigen Soulmusik werde ich geboren. Und bis unser Haus saniert wird, wachse ich im gemütlich grauen Bezirk Prenzlauer Berg auf, in einer Wohnung, aus der 30 Jahre zuvor die jüdische Familie Fingerhuth deportiert wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1972&lt;br /&gt;Die erste Folge von „Raumschiff Enterprise“ wird im deutschen Fernsehen gezeigt. Am längsten hält sich Wums Gesang in den Charts: „Ich wünsch´mir ´ne kleine Miezekatze“. Dabei bringen Deep Purple das Album „Machinehead“ mit „Smoke on the Water“ heraus. Bei mir um die Ecke gründen sich City. Zu ihrem „Am Fenster“ werde ich später stets mit geschlossenen Augen tanzen. „Am Fenster“ ist auch das Lied, welches ich mir unmittelbar vor und nach meinem Wehrdienstjahr anhören werde, um die Zeit dazwischen auszublenden, was natürlich nicht gelingt. Aber noch bin ich nicht bloß naiväugig, sondern auch blond und habe zum Glück von all dem keine Ahnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1973&lt;br /&gt;George Foreman besiegt Joe Frazier. Das World Trade Center wird eröffnet und im „kapitalistischen Deutschland“ Pornografie erlaubt. Mich interessiert die in der ARD anlaufende „Sesamstraße“ und die „Rappelkiste“ des ZDF in den nächsten Jahren jedoch mehr. &lt;br /&gt;„Die Legende von Paul und Paula“ kommt in die Kinos, wird von mir aber erst am 7. Oktober 1989 gesehen, als hinter dem Kino „Babylon“ der erste Berliner Wende-Demonstrationszug Dampf macht. In Sydney gründen sich AC/DC. The Sweet erobern mit „Blockbuster“, „Hell Raiser“ und „Ballroom Blitz“ die Charts. Suzi Quatro rockt mit „Can the Can“ gegen Bernd Clüvers „Der kleine Prinz“ an. Otto beginnt über deutsche Bühnen zu wuseln. In Ostberlin finden die X. Weltfestspiele, das „Woodstock des Ostens“ statt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1974&lt;br /&gt;Mireille Mathieu singt sich mit dem spanisch beflügelten Titel „La Paloma, ade“ und ihrer deutschen Art französich zu chansonieren in die Herzen der Nation. ABBA sind da („Waterloo“), aber auch Michael Holm („Tränen lügen nicht“). Obwohl: Michael Holmes „Wart´auf mich“, das er ein Jahr später herausbringt, ist Kult. Jeden Sonntag seit 1998, wenn auf Radio Eins die Show Royale von Grissemann und Stermann mit dem „modernen Gute-Nacht-Dialog“ beendet wird („Schlaf gut!“ – „Du auch!“ – „Ich liebe dich!“ – „Du auch!“), dann wird dieses Lied gespielt.&lt;br /&gt;Am 7. Juli ist Deutschland Fußball-Weltmeister. Und ich laufe im Sommer am liebsten mit meinem „Tip &amp; Tap“-WM-Maskottchen-T-Shirt (Nikki!) herum.&lt;br /&gt;Im Oktober holt sich Muhammad Ali den Box-Weltmeistertitel von George Foreman zurück.&lt;br /&gt;Mein erstes Lieblingslied heißt „Kung Fu Fighting“ und bringt den Jamaikaner Carl Douglas für 7 Wochen auf Platz 1. Die musikalische Eintagsfliege Terry Jacks hielt sich genauso lange an der Spitze. Sein „Seasons in the Sun“ wird 14 Jahre später der melo-kitschige Soundtrack meiner Jugendliebe werden. In New York gründen sich die Ramones. Das „Autobahn“-Album von Kraftwerk erscheint. Das häusliche Tonbandgerät spult Vicky Leandros´ „Theo, wir fahr´n nach Lodsz“ ab. Im Fernsehen sehe ich „Wickie und die starken Männer“&lt;br /&gt;An meinem 3. Geburtstag wird Ulrike Meinhof wegen Mordversuchs zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1975&lt;br /&gt;In den deutschen Charts glittert es sich mit The Sweets „Fox on the Run“ langsam aus. Dafür gehen immer mehr Disko-Hits an den Start und an die Spitze: Zu Penny McLeans „Lady Bump“ wird auf Familienfeiern derart getanzt, dass die Erwachsenen sich mit ihren Hüften anstoßen, was ich lustig finde. Am längsten hält sich die George Baker Selection mit „Paloma blanca“ auf Platz 1. Lieder mit Tauben mögen die Deutschen eben. Im Kindergarten lerne ich „Kleine weiße Friedenstaube“ auswendig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1976&lt;br /&gt;Ulrike Meinhof erhängt sich in ihrer Gefängniszelle. Mao Tse-Tung stirbt exakt 4 Monate später. Von Juli bis August bin ich in der Zwischenzeit in Ernstthal am Rennsteig 4 Wochen ohne Eltern zur Kur. Wegen meiner wiederkehrenden Bronchitis. Ein Foto zeigt mich inzwischen dunkelhaarig und mit traurigen Augen. Für gutes Verhalten gibt es dort rote Punkte, für schlechtes, schwarze. Ich habe schnell 5 schwarze zusammen. Das kleine Glastier aber, welches ich von meinen 10,- Mark Taschengeld für 1,90 Mark gekauft habe, schreibt die Erzieherin Frl. F., darf ich nur mit nach Hause nehmen, wenn ich „jetzt viele rote Punkte sammle“.&lt;br /&gt;An Maos Sterbetag wird erstmalig die „Biene Maja“ im westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Musik-Sommerhit kommt aus Schweden, aber nicht von ABBA; wenn auch Agnetha und Anni-Frid im Hintergrund zu hören sind. Harpo heißt der Mann, der sein Chaplin-Stöckchen in Ilja Richters Disco herumwirbelt und „Moviestar“ barfuß singt. Der Sommer-Schlager ist „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews.&lt;br /&gt;Frank Farian bringt Boney M. mit „Daddy Cool“ raus und singt sich mit „Rocky“ nach oben. Bobby Farrell, den Tänzer und falschen Boney-M.-Sänger finde ich unheimlich. Er ist dunkel, lacht nicht und macht komische Verrenkungen. Der DDR-Regierung ist Wolf Biermann unheimlich, eben weil er singt. Er wird kurzerhand ausgebürgert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1977&lt;br /&gt;Aus Westberlin gibt es ein rotes aufblasbares Indianerkanu, das so herrlich nach Sommerurlaub riecht, vor allem im Winter, wenn mein Vater es im Kinderzimmer aufbläst. &lt;br /&gt;Sylvester Stallones „Rocky“ gewinnt 3 Oscars. Die erste Stimme, in die ich mich verliebe, gehört Jeanette. Mit „Porque te vas“ steht sie eine Woche lang auf Platz 1. Auf eine vom Vater ausrangierte Brieftasche schreibe ich jedoch mit Filzstiften „I love Smokie“. Und das, noch bevor ich eingeschulte werde. Das kann auf frühkindliche Begabung deuten, muss es aber nicht: Später werde ich froh sein, in Englisch die Drei zu halten. Smokie haben in diesem Jahr gleich zwei Nr.-1-Hits: „Living Next Door To Alice“ und „Lay Back In The Arms Of Someone“. Aus diesem Jahr ist mir noch eine Kassette mit weiteren Hits erhalten: „Magic Fly“ von Space, Baccaras „Yes Sir, I Can Boogie“ und Oliver Onions´ „Orzowei“. Obwohl das Jahr musikalisch gesehen Besseres zu bieten hat, sind es genau diese Lieder, die ich als Kind hauptsächlich höre. Und sie klingen für mich im Nachhinein alle wehmütig, weil sie Gefühle transportieren, für die ich kaum Bilder habe. Ich weiß nur, dass sich im Jahr darauf meine Eltern scheiden lassen werden. Aber jetzt tanzt noch alles.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1978&lt;br /&gt;Ich werde eingeschult. Vorher fahre ich aber noch nach Binz zur 2. Kur, wieder ohne Eltern. Zum 1. Mai basteln wir Kinder dort Maistöcke aus Krepp-Papier, Friedenstauben und Mai-Nelken. Dass mein Vater sich in der Zeit einen Vollbart wachsen ließ, fällt mir kaum auf. Gesichter verblassen eben irgendwann. &lt;br /&gt;Nach den ersten 3 Wochen Eingewöhnung in der Schule, gehe ich mit meiner Klasse und einem DDR-Fähnchen in der Hand rüber zur abgesperrten Schönhauser Allee: Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist zurück. „Sagt mal, wo kommt ihr denn her?“, fragt Vader Abraham zeitgleich seine Schlümpfe. Die antworten „lal-al-lallalalall“ mit Helium-Stimmen. Von der neuen Oma gibt es jetzt immer einen kleinen Schleich-Schlumpf, wenn sie im Westen war. Die Village People finde ich mit „YMCA“ genauso lustig wie später die Gruppe Dschinghis Khan. Die scheinen alle ständig Fasching zu feiern. Von John Travoltas „Grease“ bekomme ich nichts mit. Sein „You´re The One That I Want“ ist mir hauptsächlich als „Die Wanne ist voll“ von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen vertraut. Wenn ich Andrea Jürgens´ „Und dabei liebe ich euch beide“ hören will, verbietet es mir meine Mutter, weil Vater gerade ausgezogen ist. Jetzt bin ich „Scheidungskind“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1979&lt;br /&gt;Die Grünen gründen sich. Zwei Familien aus der DDR fliehen mit einem Heißluftballon. In der Wuhlheide wird der Pionierpalast „Ernst Thälmann“ eingeweiht. Ich will da unbedingt ins „Kosmonautentrainingszentrum“, jedes Mal, wenn ich dort bin. Aber das klappt erst im Jahre 2001. Der Pionierpalast wird dann schon längst FEZ heißen (Freizeit- und Erholungszentrum), aber ich kann endlich alle Geräte ausprobieren, vor allem das Rhönrad. &lt;br /&gt;Blondies „Heart Of Glass“ klingt für mich nett wie jedes Disko-Lied. Erst später werde ich die Gruppe für mich richtig entdecken und Debbie Harry für ihre coole Schönheit lieben. Deutschland hört „Born To Be Alive“ von Patrick Hernandez, als gäbe es nichts Besseres. Das neue Clash-Album "London Calling" zum Beispiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1980&lt;br /&gt;Solidarnosc wird in Polen gegründet und verboten, dafür das Kriegsrecht verhängt. &lt;br /&gt;Von Mike Krügers „Nippel“ kann ich den Refrain schnell auswendig. Meine Mutter hört lieber Roland Kaisers „Santa Maria“, das ich mit meinem Cousin parodiere.&lt;br /&gt;Das ZDF beginnt die Zeichentrickserie „Captain Future“ auszustrahlen, nach der ich süchtig werde. Genauso süchtig bin ich nach „Adolars phantastische Abenteuer“. In der Zeichentrickserie reist ein Junge mit seinem Hund in einer aufblasbaren Rakete zu fremden Planeten. Ich reise im Juli nur ins Kinderferienlager, nach Wusterhausen an der Dosse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1981&lt;br /&gt;Meine nette Nachbarin, Frau Tschirner, bekommt wieder ein Kind. Als ich einmal in ihrer Wohnung bin, sieht es dort so ganz anders aus als in den Wohnungen, die ich kenne: viele Bücher und komische Bilder. Meine Mutter meint, Herr Tschirner macht irgend etwas mit Dokumentarfilmen. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter Nora Tschirner zieht die nette Familie nach Pankow. Nora sehe ich erst im Film „Soloalbum“ wieder.&lt;br /&gt;Ich gestehe: Fred Sonnenschein und seine Freunde höre ich mit „Ja wenn wir alle Englein wären“ und meinen 9 Jahren lieber als „Tainted Love“ von Soft Cell. Dazu tanze ich erst ein paar Jahre später. Und zu Gottlieb Wendehals´ „Polonäse Blankenese“ konnte man nach Erwin und Heidi so herrlich „Titten!“ schreien. Subtiler Humor eben. In Hauseingängen steht mit Kreide „Queen“ und „AC/DC“ geschrieben. Als ich das AC/DC-Zeichen in der Schule nachschreibe, bekomme ich wegen des Runen-Blitzes Ärger: Es ist ein halbes SS-Zeichen oder so sagt man mir. Ich verstehe nur: Verboten! Mehr Freiheiten gibt es wieder im Wusterhausener Ferienlager.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1982&lt;br /&gt;Schwer verboten klingt auch „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang. Weil man jetzt sogar „Nutten!“ schreien kann. NDW heißt der große Topf, in den jeder Hitparaden-Titel geschmissen wird, der nicht gerade nach Nicoles „Ein bisschen Frieden“ klingt. Falco kommt mit dem „Kommissar“ groß raus, Markus will „Spaß“. OMDs „Maid Of Orleans“ hätte sich für meinen Geschmack noch länger behaupten dürfen, stattdessen schmachtete F. R. David mit „Words“ 11 Wochen auf Platz 1. Besser gefiel mir „Do You Really Want To Hurt Me“ von Culter Club. Mein Stiefvater hatte es auf eine graue 60er BASF-Kassette aufgenommen, genau wie Peter Schillings „Major Tom“. Als er meine Mutter und mich ein Jahr später verlässt, bleibt seine Musik zurück. Wieder so eine Kassette. Von nun an beschließe ich, Kassetten selbst aufzunehmen.&lt;br /&gt;ABBA trennen sich. Die toten Hosen &amp; die Ärzte werden gegründet.&lt;br /&gt;In diesem Jahr liegt das Ferienlager im sächsischen Greiz. Danach geht’s nach Ahrenshop an die Ostsee. Ich schlafe in einem Zeltplatz-Wohnwagen mit Fernseher und bin nach heißen Badetagen am FKK-Strand davon begeistert, am „Getränkestützpunkt“ Pepsi Cola kaufen zu können, die in Rostock abgefüllt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1983&lt;br /&gt;AIDS, Atomkrieg und  saurer Regen relativieren das Bild von der fröhlichen Zukunft mit aufgehender Sonne. Mädchen werden immer interessanter und die Gefühle entwickeln ein Eigenleben. Die Musik des Jahres scheint Auslöser für Sehnsüchte und erste Liebeskümmernisse zu sein: Gazebo „I like Chopin“, Kajagoogoo „Too Shy“, Robin Gibb „Juliet“, Rod Stewart „Baby Jane“, Laid Back „Sunshine Raggae“, Paul Young „Come Back And Stay“ ... Geier Sturzflug mit „Bruttosozialprodukt“ kann ich so streberhaft mitsingen wie Oli P. das später in diversen Chart-Shows tut. Nenas „99 Luftballon“ machen mich aber nicht so an. Dann eher DÖF mit „Codo“. Später werde ich das Lied beknackt finden, nur nicht die Stimmen der Humpe-Schwestern (Ideal &amp; 2Raumwohnung). Der 6 Jahre alte Klassiker im Ferienlager – diesmal im Mecklenburger Malchow – bleibt „We Will Rock You“ von Queen. Wir bilden auf dem Turnhallenfußboden einen Kreis und schlagen unsere Handflächen zum Takt rot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1984&lt;br /&gt;„Only You“, dieses A-cappella-Stück der Flying Pickets finde ich bewundernswert, aber irgendwie nervig. Noch schlimmer ist Stevie Wonders „I Just Called To Say I Love You“. Da klingt „Relax“ von Frankie Goes to Hollywood cooler. Selbst noch, als es heißt, der Sänger sei schwul. Noch besser, vielleicht auch wegen des Videos, gefallen mir Duran Duran mit „Wild Boys“. Und „People Are People“ von Depeche Mode braucht noch nicht mal ein Video, um bei mir einen coolen Eindruck zu hinterlassen. Zu Laura Branigans´ “Self Control“ spiele ich auf meinem alten Federballschläger Luftgitarre. Erst mit 16 Jahren werde ich feststellen, dass mir die Gitarre nicht so liegt. Andere Instrumente natürlich auch nicht.&lt;br /&gt;Im Sommer bin ich wieder in Malchow, an der Ostsee, aber auch in Polen und verliebe mich mit meinen „fast 13“ Jahren in eine 16-Jährige aus Warschau: Renata. Nach ihrem Gute-Nacht-Kuss bin ich beseelt. &lt;br /&gt;Ich lasse mir von einem Rentner aus dem Haus gegen das wertvolle Westgeld der Oma die Bravo rüberschmuggeln und hänge Poster in mein Zimmer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1985&lt;br /&gt;Ende Mai sterben in Brüssel bei einem Krawall-Gedränge im Fußballstadion 39 Personen. Darüber wird auch auf dem neuen Privatsender Sat.1 berichtet. Meine West-Berliner Cousine besorgt mir ein Walkman und macht mich damit überglücklich. Ich höre Tears for Fears mit „Shout“, „19“ von Paul Hardcastle, Harold Faltermeyers „Axel F.“, „Rock Me Amadeus“ und „Take On Me“ von a-ha, am liebsten aber Depeche Mode. Ich bezeichne mich sogar als Fan von ihnen. Auf Modern Talking lasse ich mich nicht ein, höchstens in der Tanzschule, da muss ich. &lt;br /&gt;Im Kiez-Park läuft Opus´ „Live Is Live“ in der Endlosschleife.&lt;br /&gt;Klassendiscos werden als langweilig empfunden, private Feten als geheimnisvoll. Manchmal kümmere ich mich um die Musik. Ich sehne mich nach Urlaubserlebnissen, gerade nach meinem letzten Ferienlageraufenthalt und dem im FDJ-Schulungslager Biesenthal. Politik ist lästige Pflicht, in der Erinnerung bleibt die Kür: „Moonlight Shadow“ von Mike Oldfield und Herzschmerz nach der Freiluftdisko, weil die Auserwählte mich nur „urst okay“ findet. Aber es gibt ein Abschiedsküsschen, immerhin. Im Kino läuft „Der Garten Eden“, ein Film, den ich „sehr gut“ finde. Vor allem, weil er mit erotischen Szenen gespickt ist.&lt;br /&gt;Den restlichen Sommer verbringe ich mit gebrochenem Arm in Thüringen. Nachdem der Gips wieder ab ist, schnappt mir ein Mitschüler Djamila, die neue heimliche Liebe, weg. Die ganze Welt scheint schlecht zu sein. Erst drei Jahre später wird Djamila sich für mich interessieren. Aber da ist sie mir mitlerweile zu dick geworden.&lt;br /&gt;Im Herbst ziehe ich nach Hellersdorf um, nutze aber jedes freie Wochenende, um in die alte Heimat zurückzukehren. Unter der Woche hänge ich mit meiner neuen Clique rum. Neun Tage vor meinem 14. Geburtstag tritt mit dem Ableben meiner Großmutter der Tod in mein Bewusstsein. Ende der Kindheit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1986&lt;br /&gt;Tschernobyl. Ich frage mich, ob ich jemals wieder Waldpilze essen kann, weil die auch nach Jahrzehnten radioaktiv sein sollen. Nach der Kinderferienlager-Ära fahre ich im Sommer ins (Zelt-)Lager für Arbeit und Erholung. Für 250 Ostmark stehe ich um 6.00 auf und arbeite bis mittags. Nachmittags gehe ich auch schon mal nackt baden. Und am Wochenende wird zur Musik eines Dorf-Djs getanzt. Er spielt den „Holiday Rap“ von MC Miker G. &amp; Deejay Sven und „Geil“ von Bruce &amp; Bongo. Eigentlich ein doofes Lied, aber da man „geil“ nicht sagen soll, hat das Lied etwas Befreiendes. Vor allem, wenn es vom Rundfunk boykottiert wird, so wie Falcos „Jeanny Part I“. Von den Ärzten, die ich auch gerne höre, dürfen einige Songs gar nicht erst verkauft werden. Aber darüber brauche ich mir im Osten keine Gedanken zu machen. Rio Reisers „König von Deutschland“ ist offenbar nur an meiner Schule nicht erwünscht. Das klingt der Schulleitung zu monarchistisch. Mit Satire hat man es nicht so. Dass die B-52´s ihren Bandnamen von den hochtoupierten Frisuren der beiden Sängerinnen ableiten und keine imperialistischen Kampfbomber verherrlichen, geht auch keinem auf.&lt;br /&gt;Freiheit bedeutet 1986 für mich: Urlaub, Wald, Sonne, Wasser und Mädchen. Daran wird sich auch später nichts ändern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1987&lt;br /&gt;Perestroika in der Sowjetunion. Abrüstungsverträge. Politisches Tauwetter. Auch die Winter werden wärmer. Mathias Rust landet am Tag der sowjetischen Grenztruppen mit einer Cessna neben dem Roten Platz. Honecker besucht den Westen. Im Fernsehen wird „La Boum – Die Fete“ mit der hübschen Sophie Marceau erstmalig gezeigt. Der Schmuse-Hit zum Film: „Reality“ von Richard Sanderson. Ich bin 15 und kann die pubertierende 13-jährige Vic nur zu gut verstehen. Ihre Eltern hingegen nicht. Jahre später sehe ich den Film noch einmal, als Vater, und denke: „Dass die Eltern da so ruhig bleiben können ...“ Eine Mitschülerin erzählt mir vertraulich von ihrem Schwangerschaftsabbruch und ich frage mich, wann ich wohl endlich Sex haben werde. Ich bin für Grundschüler Handballübungsleiter, werfe aber nach einem Jahr das Handtuch. Ansonsten gebe ich mich cool und rauche Pfeife. Im Lager für Arbeit und Erholung bin ich ein „alter Hase“, dusche nackt mit den „Girls“ und tanze mit meinem „big Kumpel“ Tom Pogo zu Billy-Idol-Hits. Das funktioniert auch bei den alten Sweet-Songs aus den 70ern, stelle ich fest. Neben NDW, Punk &amp; New Wave entdecke ich also auch die Oldies. Für Rick Astley &amp; co haben Tom &amp; ich nur Verachtung übrig. Dem Massengeschmack, sagen wir, könne man sich nur verweigern. Und so sitze ich auch noch im nächsten Jahr betont angewidert in der Schuldisco, bis meine mitgebrachte Billy-Idol-Kassette vom Dj eingelegt wird.&lt;br /&gt;Insgesamt finde ich das Leben „beschissen“, bin aber „auf die Zukunft gespannt“.&lt;br /&gt;Nach der 10. Klasse gehe ich aufs Gymnasium, der Erweiterten Oberschule.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1988&lt;br /&gt;Zeit der Jugendliebe. Man kann gar nicht groß und oft genug „Ich liebe dich!“ in Briefen schreiben. Man tauscht erst Küsse, dann Ringe aus und fordert Wochen später zumindest die Ringe wieder zurück. Man ist anfällig für Schnulzen wie „Bright eyes“ von Art Garfunkel, das nach 9 Jahren mit der Valensina-Werbung wieder eingeschenkt wird. Die Charts interessieren mich nicht. Die bestehen ohnehin nur aus Milli Vanilli, den Pet Shop Boys, Whitney Houston und Kylie Minogue. Kylie finde ich erst später, ab ihrer Zusammenarbeit mit Nick Cave (1995 „Where the Wild Roses Grow“),  beachtenswert und sexy. &lt;br /&gt;Am 7. März bin ich bei dem Depeche-Mode-Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle dabei. Ein Glücksfall, obwohl ich ja jetzt Billy-Idol-Fan bin ...&lt;br /&gt;Auf dem Gymnasium entdecke ich neben den alten Punk-Stücken der Ramones und The Clash meine wahre musikalische Heimat: die „anderen Bands“ aus dem Osten. Ich gehe zu Konzerten von Sandow, Feeling B., den Skeptikern, Big Savod und die Art. Es muss rocken und möglichst politische Sprengkraft haben.&lt;br /&gt;Unter Freunden bin ich aber vor allem für meine Liebe zur 60er-Jahre-Musik bekannt. Ich höre die Kinks, Janis Joplin, The Who, aber auch Cat Stevens.&lt;br /&gt;Endes des Jahres wird die übersetzte sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ verboten. Weil die Perestroika-Sowjets Geschichte jetzt kritisch aufarbeiten, die Ostberliner Regierung aber nicht mitziehen möchte. Dabei wird es Zeit für Veränderungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1989&lt;br /&gt;Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking. Wie kann man da Bobby McFerrins „Don´t Worry, Be Happy“ hören? Oder – schlimmer noch – Roxette und  David Hasselhoff? Ich nehme bei „Parocktikum“ auf DT64 meine alternative Musik auf. Die aus dem Osten, aber auch Westgruppen wie Fehlfarben, Einstürzende Neubauten, Ton Steine Scherben, Aktuelles von den Sugarcubes (mit Björk), den Pixies und Pogues, Punk &amp; New Wave von den Sex Pistols, Joy Division, The Cure und The Clash. Crossover-Impulse und Altbewährtes erschließen sich mir teilweise als Neuland, auf dem ich für den kommenden Herbst richtig Tritt fasse.&lt;br /&gt;Aber erst trampe ich im Sommer allein zur Ostsee und fliege mit Freunden ( und mit Rückflugticket!) nach Budapest. Dort lasse ich mir in einem Plattenladen das Album „Flowers“ von den Stones und eine Live-Platte der „Doors“ überspielen. Die Doors werden „meine Band“. In den nächsten Jahren kaufe ich mir alle Platten von  ihnen und alle Bücher über sie. Vor allem die Gedichte Morrisons haben es mir angetan. Oft bedaure ich, Woodstock um 20 Jahre verpasst zu haben. Ich versuche jetzt, intensiv zu leben, weiß aber oft nicht, wie. Dann rollt der Stein auch schon ins Wasser, verursacht die Ausreisewelle, setzt Massen und mich für die Wende-Demonstrationen in Bewegung, reißt die Mauer ein.&lt;br /&gt;Von meinen 100,-DM Begrüßungsgeld kaufe ich mir die LPs „If I Should Fall from Grace With God“ der Pogues und „Doolittle“ der Pixies. Die Deutschen aus Ost und West versuchen währenddessen hüftsteif „Lambada“ (von Kaoma) zu tanzen. Als Vorspiel auf die Wiedervereinigung. Ich bin 18 und habe das Gefühl, es genau im richtigen Augenblick zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;II.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit seiner Schulzeit im Tübinger Stift beschäftigte sich Friedrich mit philosophischen Ideen. Sie sollen ihm helfen, das Dasein zu begreifen und Zeiten der Ratlosigkeit mit Gewissheit zu durchstehen. Wie die Zeit der Armut, die ihn zwingt, Hauslehrer bei einer Bankiersfamilie in Frankfurt zu werden. Dort verliebt er sich in die Hausherrin, über die er auch Gedichte schreibt. Es bahnt sich ein Verhältnis an, das jedoch entdeckt wird. Friedrich muss Frankfurt verlassen. Vier Jahre später erfährt er in Bordeaux vom Tod der Geliebten und kehrt krank und geistesgestört zu Fuß nach Frankfurt zurück. &lt;br /&gt;In den kommenden Jahren erholt er sich nur scheinbar. Er beschäftigt sich aber weiterhin und existentieller denn je mit Philosophie und Dichtkunst. Friedrich versucht, beides zu vereinbaren, denn Vernunft muss für ihn in Schönheit gipfeln und Gedichte sind in seinen Augen am besten geeignet, Ideen zu transportieren. Also versucht er auch jetzt ein Gedicht zu schreiben, das seine philosophischen Gedanken aufnehmen kann. &lt;br /&gt;Der Titel steht schon fest und klingt nach der Bestandsaufnahme seines Daseins. Friedrich ist inzwischen Mitte Dreißig, hat also die Hälfte seines Lebens bereits hinter sich. Er schaut zurück und fürchtet den Blick nach vorn. Dann macht er sich an die Arbeit: Zwei Strophen müssen genügen, denkt er, eine für das Gewesene, eine für das Kommende. Eine für die ideale Welt der Innerlichkeit, die andere für die raue Wirklichkeit. &lt;br /&gt;Das Gedicht ist bilderreich und steckt voller Symbole. Formal ist es aber streng und bedurfte keiner überflüssigen Worte. Denn es drückt das Gegensätzliche so klar aus wie der Anblick eines halb leeren / halb vollen Glases „heilignüchternen“ Wassers.&lt;br /&gt;Im Jahre 1805, als das Gedicht erscheint, wird Friedrich in Tübingen vollends für geisteskrank erklärt und einem Tischler in Pflege gegeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Friedrich Hölderlin:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hälfte des Lebens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit gelben Birnen hänget&lt;br /&gt;Und voll mit wilden Rosen&lt;br /&gt;Das Land in den See,&lt;br /&gt;Ihr holden Schwäne,&lt;br /&gt;Und trunken von Küssen&lt;br /&gt;Tunkt ihr das Haupt&lt;br /&gt;Ins heilignüchterne Wasser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weh mir, wo nehm ich, wenn&lt;br /&gt;Es Winter ist, die Blumen, und wo&lt;br /&gt;Den Sonnenschein,&lt;br /&gt;Und Schatten der Erde?&lt;br /&gt;Die Mauern stehn&lt;br /&gt;Sprachlos und kalt, im Winde&lt;br /&gt;Klirren die Fahnen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8268360534297135810?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8268360534297135810/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8268360534297135810' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8268360534297135810'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8268360534297135810'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/08/hlfte-des-lebens-i-und-ii.html' title='Hälfte des Lebens I. und II.'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3040683876525148209</id><published>2008-06-28T18:28:00.005+01:00</published><updated>2008-06-28T20:28:22.728+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>093 | Sinn des Lebens</title><content type='html'>Regen. Endlich Regen. Er spült das Fieber aus der Luft und wischt den klebrigen Schweiß von den Blättern der Bäume. Mein Kopf atmet wieder kühlen Verstand. Kein hitziges Verzetteln mehr, keine Maßlosigkeit, nur der barfüßige Gang zur wiedergefundenen Mitte.&lt;br /&gt;Ich versuche in den Zufälligkeiten, die um mich her passieren, Zusammenhänge zu erkennen, glaube aber, dass diese Zusammenhänge Trugbilder sind:&lt;br /&gt;Ein liegen gebliebener Murakami-Roman, der mich eigentlich begeistert, zwei sich eines Mittags neben der Haustür paarende unbekannte Großfalter, die von einem anderen Planeten zu stammen schienen und hier ihre Flitterwochen verbrachten. (Abends paarten sie sich immer noch neben der Haustür.)  Ein runtergefallenes Weinglas, das ganz blieb, um später beim Abtrocknen zu zerbrechen. Ein Anrufer, der nichts zu sagen hat, ein E-Mail-Kettenbrief, der zum Nachdenken über die Vergänglichkeit einlädt. (Wer ihn wohl verfasst hat?) Aufhänger darin ist der Tod einer jungen Frau. Stunden später kommt von einem Bekannten ebenfalls die Nachricht vom Tod einer jungen Frau, seiner Freundin. &lt;br /&gt;Und mit dem Regen kommt immer auch die Schwermut.&lt;br /&gt;Wie gut erinnere ich mich an die Frau, die ich schon als Mädchen kannte? Wie gut habe ich sie überhaupt gekannt? Wer geht als nächstes? Ungeduldig trommelt der Regen ans Fenster.&lt;br /&gt;Eine zur Phrase verkommene Weisheit fällt mir ein: &lt;br /&gt;„Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.“ Für die Hinterbliebenen der jungen Frau so tröstlich wie die Mär vom gerechten Gott. &lt;br /&gt;Menschen, die in mein Leben traten oder ich in ihres, sehe ich vor mir. Auch Menschen, die schon immer dagewesen zu sein schienen und es plötzlich nicht mehr sind. Menschen, die lästig wurden oder bedeutsam, als es zu spät war. Was war, was bin ich ihnen?&lt;br /&gt;Da tut es einen Schlag gegen die Tür, wie wenn jemand anklopft oder ein später Vogel dagegenfliegt. Liegt er jetzt mit gebrochenem Genick davor wie die toten Fliegen auf dem Fensterbrett, das ich längst abwischen müsste? Spuren beseitigen, wie der Regen.&lt;br /&gt;Aber sobald die Sonne durchbricht, werde ich rausgehen, den Kopf freilaufen, weil ich lebe. Und weil das mit dem Verstand bei geistiger Kurzatmigkeit auch nicht immer so klappen will. &lt;br /&gt;Wer weiß, vielleicht besteht der Sinn des Lebens auch nur darin, das Beste aus allem zu machen. Und manchmal ahne ich da draußen auch, wie ich es für mich anstellen kann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3040683876525148209?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3040683876525148209/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3040683876525148209' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3040683876525148209'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3040683876525148209'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/06/093-sinn-des-lebens.html' title='093 | Sinn des Lebens'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-9116200345904757689</id><published>2008-05-25T19:05:00.000+01:00</published><updated>2008-05-25T19:08:34.053+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Auf dem Weg</title><content type='html'>Morgens an einer Landstraße mit uralten Linden zu beiden Seiten, an einer Allee, die nach Norden führt. Keine Ahnung, wie ich dort hingekommen bin. Aber ich bin da und ich bin allein. Kein Gepäck dabei, nur ein Lied im Kopf.&lt;br /&gt;“Are you going to Scarborough Fair?”&lt;br /&gt;An dieser Landstraße hört meine Flucht auf, beginnt die Hinbewegung zum Ersehnten. Keine Stagnation mehr, kein bloßes Durchspielen von Möglichkeiten, sondern tun, gehen, loslassen. Und vorwärtsträumen:&lt;br /&gt;Durch Mecklenburg zur Ostsee, wo das Meer sich teilen wird. Dann durch Schwedens literarische Wälder. Dort lege ich mich ins Moos - und träume mich weiter.&lt;br /&gt;“Parsley, sage, rosemary and thyme”&lt;br /&gt;Meine Reise ist geradlinig und durchbricht den Kreislauf, welchen die Vernunft gern aufzwingt, den Gefängnishof-Kreislauf, der mich träge machte und schwindeln ließ. Mein Weg geht durch Mauern und  Zeiten. Er ist alt wie der älteste Traum. &lt;br /&gt;“Remember me to one who lives there”&lt;br /&gt;Und du? Du lachst? Nennst es abfällig „Romantik“? Ich nenne es „wahres Leben“. Du sagst, es sind nur Worte. Aber es sind Samen, aus denen ein Zentaur aus Dichtung &amp; Wahrheit erwachsen kann. Wer ihn streckenweise reitet, erkennt sich selbst und verliert die Angst davor, etwas verlieren zu können. Die Angst, verletzt zu werden. Die Angst. &lt;br /&gt;Sieh, wie es übermütig durch ironisches Unkraut geht, das aus deiner Bodenständigkeit sprießt. Unkraut! Keine Linden, keine Alleen und keine Zentauren.&lt;br /&gt;Aber Ironie ist gefühllos. Und bloße Bodenständigkeit zieht den Geist herunter, in Grabestiefe. Den Geist, der sich aufschwingen möchte. Aufschwingen zum Gesang der Lerche, zu den Erinnerungen, die einem einflüstern, wohin der Weg führen sollte. &lt;br /&gt;“For she once was a true love of mine.”&lt;br /&gt;Kennst du den Ort, wo die besten Gefühle der besten Menschen unsterblich sind? Das ist das Ziel meiner Reise.&lt;br /&gt;Und du? Reicht dir, gut zu essen, guten Sex und keine Schmerzen zu haben? Reicht es, lange zu schlafen, ohne wahrhaftig zu träumen?&lt;br /&gt;Falls du mich eines Morgens suchen solltest, weißt du, wo du mich finden wirst. Ich bin auf dem Weg.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-9116200345904757689?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/9116200345904757689/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=9116200345904757689' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9116200345904757689'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/9116200345904757689'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/05/auf-dem-weg.html' title='Auf dem Weg'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-8293276876170081884</id><published>2008-05-04T20:54:00.003+01:00</published><updated>2008-05-05T13:34:09.659+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Junges Glück</title><content type='html'>Sie gehn auf Sonnenwegen,&lt;br /&gt;Spazieren Hand in Hand.&lt;br /&gt;Sie war direkt verlegen,&lt;br /&gt;Als er ihr Blümchen fand.&lt;br /&gt;Sie will nur diesen Einen:&lt;br /&gt;Er warnt vor Stolpersteinen,&lt;br /&gt;Er warnt vor tiefen Pfützen.&lt;br /&gt;Als würde es was nützen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ruft sie täglich an&lt;br /&gt;Und nennt sie „kleine Maus“.&lt;br /&gt;Sie sagt nur noch „mein Mann“&lt;br /&gt;Und „unser schönes Haus“.&lt;br /&gt;Für andre sind sie blind.&lt;br /&gt;Selbst wenn sie Rentner sind,&lt;br /&gt;Wolln sie einander stützen.&lt;br /&gt;Als würde es was nützen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er lässt sie nie im Stich.&lt;br /&gt;Wenn er zur Arbeit fährt,&lt;br /&gt;Sagt sie: „Ich liebe dich!“&lt;br /&gt;Und wenn er wiederkehrt,&lt;br /&gt;Geschwächt und etwas kühl,&lt;br /&gt;Gibt sie ihm das Gefühl,&lt;br /&gt;Er könne sie beschützen.&lt;br /&gt;Als würde es was nützen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-8293276876170081884?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/8293276876170081884/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=8293276876170081884' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8293276876170081884'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/8293276876170081884'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/05/junges-glck.html' title='Junges Glück'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-864272315684579657</id><published>2008-04-29T19:44:00.002+01:00</published><updated>2008-04-29T19:53:46.144+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Der getigerte Schmetterling</title><content type='html'>Der getigerte Schmetterling&lt;br /&gt;Will keine Tigerente sein&lt;br /&gt;Und auch kein Schwein&lt;br /&gt;Mit schwarzen Streifen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der getigerte Schmetterling&lt;br /&gt;Ist kein Trauermantel oder – ärmer:&lt;br /&gt;Ein Totenkopfschwärmer.&lt;br /&gt;Er ist nicht bloß Seele.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist das Leben.&lt;br /&gt;Er fällt gern auf&lt;br /&gt;Und nimmt in Kauf,&lt;br /&gt;Dass seine Tarnung keine ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jagen will er jedes Ding,&lt;br /&gt;Das flieht, wenn er schreit.&lt;br /&gt;Fliegen will er, wenn es schneit.&lt;br /&gt;Er möchte nicht nur flattern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er will Unsterblichkeit&lt;br /&gt;Für letzte Wochen.&lt;br /&gt;Jetzt wird nicht mehr gekrochen,&lt;br /&gt;Jetzt hat er Biss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-864272315684579657?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/864272315684579657/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=864272315684579657' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/864272315684579657'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/864272315684579657'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/04/der-getigerte-schmetterling.html' title='Der getigerte Schmetterling'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3102427480640621812</id><published>2008-04-28T18:56:00.001+01:00</published><updated>2008-04-28T19:01:42.384+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Prosa'/><title type='text'>Terrassenschach</title><content type='html'>„The same procedure as last year?” – “The same procedure as every year.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein warmer Maitag. Weiß beginnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der blasse Läufer holt Bier aus dem Kühlschrank, der blasse Springer holt Gläser.&lt;br /&gt;„Ich trink´ aus der Flasche“, sagt der Läufer und trinkt.&lt;br /&gt;„Wusst´ ich doch nicht“, mault der Springer und gießt sich das Bier schnell ins Glas.&lt;br /&gt;„Ich trink´ immer aus der Flasche“, sagt der Läufer und trinkt.&lt;br /&gt;Dem Springer läuft Schaum über den Glasrand auf den Tisch.&lt;br /&gt;„Huch!“, sagt der Springer und trinkt etwas Schaum ab.&lt;br /&gt;„Wär´ dir so nicht passiert“, sagt der Läufer und trinkt.&lt;br /&gt;„Ich hol´ schnell einen Lappen“, sagt der Springer und springt in die Küche.&lt;br /&gt;Dann sitzen sie wieder zusammen und trinken gemeinsam Bier. Der Springer sieht zur Nachbarterrasse rüber.&lt;br /&gt;Dort löst der blasse König ein mittelschweres Sudoku. Er sagt kein Wort.&lt;br /&gt;Die blasse Dame sitzt daneben und sieht geradewegs zum dunklen Turm von vis-à-vis. Zwischen ihnen toben ein paar kleine Bauern.&lt;br /&gt;Die Dame spricht über grüne Bäume und Discounter-Angebote. Dabei lächelt sie dem Turm zu. Der lächelt zurück.&lt;br /&gt;Der König sagt kein Wort. Er probiert jetzt ein leichtes Sudoku.&lt;br /&gt;Die Dame beschwert sich leise über die lauten Bauern. Und lächelt dabei.&lt;br /&gt;Der Springer sieht, wie der Turm der Dame zuzwinkert.&lt;br /&gt;"Gardez!", flüstert der Springer dem Läufer zu und stößt ihn mit dem Ellenbogen an.&lt;br /&gt;Da bekleckert sich der Läufer, der gerade aus der Flasche trinken wollte, und flucht.&lt;br /&gt;Der König sieht auf und erhebt sich. &lt;br /&gt;Er wolle reingehen. Das Wetter. Zu warm. Er fühle sich matt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3102427480640621812?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3102427480640621812/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3102427480640621812' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3102427480640621812'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3102427480640621812'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/04/terrassenschach.html' title='Terrassenschach'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2303798736017290731</id><published>2008-03-29T09:53:00.002+01:00</published><updated>2008-03-29T09:57:13.004+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>092 | In ein paar Tagen</title><content type='html'>Sicher, in ein paar Tagen, spätestens Wochen, sitzen wir sonnenverwöhnt im Straßencafé und genießen das wie erste kulinarische Genüsse der Saison. Dann tragen wir fast beiläufig unsere Sonnenbrillen und unsere Wirkung auf andere zur Schau. Sind voller Selbstwert- und Frühlingsgefühl, voller Sinnlichkeit und Pheromonen.&lt;br /&gt;Aber jetzt? Sind wir Wartende, denen man es nicht ansieht. Wir laufen im blinden Aktionismus durch windige Straßen, fühlen das kaum noch auszuhaltende Bedürfnis, uns verlieben zu wollen wie Tom Hanks und Meg Ryan. Genau so. &lt;br /&gt;Aber wir gleichen Hugh Grant in „Notting Hill“, der zu Bill Withers „Ain't No Sunshine” und Al Greens “How Can You Mend a Broken Heart?” durch London irrt. &lt;br /&gt;Wir zweifeln, sind auf der Suche nach dem, was wir nicht festhalten konnten, in Berlin, Stuttgart oder Osnabrück. Wir wollen vergessen und leiden darunter, dass wir es nicht können; warten auf die Zeit, die uns dabei helfen muss.&lt;br /&gt;Wir haben die Aura von Unberührbaren und suchen unser Heil im Chat. Oft sind wir bereits morgens müde, zählen abends Jahre und vertane Chancen durch und stellen gleich alles in Frage. Nachts gehen wir trotzdem viel zu spät ins Bett. Wer kann auch schon schlafen, wenn er wie Hugh Grant leidet.&lt;br /&gt;Aber ganz sicher: In ein paar Tagen, spätestens Wochen, sind wir voller Frühlingsgefühl. Dann wird alles anders. Wie jedes Jahr.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2303798736017290731?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2303798736017290731/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2303798736017290731' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2303798736017290731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2303798736017290731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/92-in-ein-paar-tagen.html' title='092 | In ein paar Tagen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-3918889195394025651</id><published>2008-03-26T08:39:00.001+01:00</published><updated>2008-03-26T17:43:25.906+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Damals, als ich glücklich war</title><content type='html'>Damals, als ich glücklich war,&lt;br /&gt;Kam der wilde Wein&lt;br /&gt;Uns in den Sinn,&lt;br /&gt;Fielen die Gedanken&lt;br /&gt;Wie wertlose Groschen&lt;br /&gt;Zum Tanz der Moleküle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir lachten über Clowns,&lt;br /&gt;Die es ernst meinten,&lt;br /&gt;Erfanden uns&lt;br /&gt;Eigene Götter,&lt;br /&gt;Bauten ein Haus&lt;br /&gt;Für sie und uns&lt;br /&gt;In erfüllten Räumen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bücher wurden unlesbar,&lt;br /&gt;Maltest du mit Himbeereis&lt;br /&gt;Ein Herz ans Fenster.&lt;br /&gt;Wir tasteten Horizonte ab&lt;br /&gt;Und entdeckten uns dahinter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Herbst kultivierten wir&lt;br /&gt;Den wilden Wein&lt;br /&gt;Für eine bessere Ernte,&lt;br /&gt;Weil die Bienen,&lt;br /&gt;Die wir streicheln wollten, &lt;br /&gt;Noch für uns schwärmten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch grünte der Ahorn,&lt;br /&gt;Noch bäumte sich die Sonne auf.&lt;br /&gt;Wir waren geblendet wie Ikarus,&lt;br /&gt;Damals, als ich glücklich war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute fällt die Erinnerung&lt;br /&gt;Allabendlich ein,&lt;br /&gt;Schließt mit jedem Glas Wein&lt;br /&gt;Leise eine Tür,&lt;br /&gt;Dreht sich der Raum&lt;br /&gt;Langsam zur Neige.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-3918889195394025651?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/3918889195394025651/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=3918889195394025651' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3918889195394025651'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/3918889195394025651'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/damals-als-ich-glcklich-war.html' title='Damals, als ich glücklich war'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4059332039409755801</id><published>2008-03-22T18:27:00.003+01:00</published><updated>2008-03-22T23:29:57.834+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Verdrossenheit</title><content type='html'>Der Februar versprach mir das Blaue vom Himmel,&lt;br /&gt;Der März schickte wieder nur Schnee.&lt;br /&gt;Die Landschaft bedeckt sich mit nasskaltem Schimmel,&lt;br /&gt;Damit ich vor Sehnsucht vergeh´.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was knospet und sprießt, ist der Rede nicht wert.&lt;br /&gt;Der Himmel bleibt wortbrüchig grau.&lt;br /&gt;Und wenn jemand über die Frühblüher fährt,&lt;br /&gt;Dann interessiert´s keine Sau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Frühling ist diesjahr ein einziger Flop.&lt;br /&gt;Nur Kirschblüten leuchten so satt&lt;br /&gt;Wie billigster Kitsch aus dem Asia-Shop,&lt;br /&gt;Den keiner gern kauft, aber hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein klein wenig Sonne, ein klein wenig Liebe -&lt;br /&gt;Und alles wird schön wie vor Jahren:&lt;br /&gt;Die Landschaft, der Kitsch und die hungrigen Triebe;&lt;br /&gt;Selbst die, die wir still überfahren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4059332039409755801?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4059332039409755801/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4059332039409755801' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4059332039409755801'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4059332039409755801'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/verdrossenheit.html' title='Verdrossenheit'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-5373665326720672822</id><published>2008-03-20T19:19:00.000+01:00</published><updated>2008-03-20T19:20:06.726+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'></title><content type='html'>Das Gefühl ist klüger als der Verstand,&lt;br /&gt;Sagtest du, &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich nicht verstand,&lt;br /&gt;Warum du mich verlässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klug erklären konntest du es kaum.&lt;br /&gt;Klug war auch nicht, was ich fühlte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es tat nur weh.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-5373665326720672822?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/5373665326720672822/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=5373665326720672822' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5373665326720672822'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/5373665326720672822'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/das-gefhl-ist-klger-als-der-verstand.html' title=''/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-384396449142462272</id><published>2008-03-16T17:36:00.005+01:00</published><updated>2008-03-16T17:55:59.864+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Bleibende Bilder</title><content type='html'>Sind wie entwertete Briefmarken, mein Freund,&lt;br /&gt;Abgelöste Zeichen &lt;br /&gt;von Ansichtenkarten und Abschiedsbriefen.&lt;br /&gt;Sammlerstücke in weißgepresster Faust,&lt;br /&gt;Die ich hilflos bleibend öffne, wenn der Wind geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klebende Bilder, nicht von der Hand zu weisen&lt;br /&gt;Von verblasener Luft . &lt;br /&gt;Verschwommen und wertlos sind sie;&lt;br /&gt;Vergilbte Antworten winden sich bei Flauten. &lt;br /&gt;Nur die Fragen, mein Freund, bleiben stets frisch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und gehen retour.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-384396449142462272?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/384396449142462272/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=384396449142462272' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/384396449142462272'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/384396449142462272'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2008/03/092-bleibende-bilder.html' title='Bleibende Bilder'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-4034112753611370337</id><published>2007-10-20T13:50:00.000+01:00</published><updated>2007-10-20T17:22:31.191+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>091 | Nehringen</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoISRW0ROI/AAAAAAAAAE8/D5GRUtG8Jys/s1600-h/DSC00129.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoISRW0ROI/AAAAAAAAAE8/D5GRUtG8Jys/s200/DSC00129.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123416636077130978" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Für eine Woche nahm ich mir eine Auszeit. &lt;br /&gt;Da ich meine Idyllen im Norden weiß, mich aber nicht zwischen Mecklenburg oder Vorpommern entscheiden konnte, bezog ich genau an Nordvorpommerns Grenze Quartier, im Winzig-Ort Nehringen an der Trebel. &lt;br /&gt;Nehringen, so entnimmt man es den Beschreibungen, besitzt „das letzte erhaltene Ensemble schwedischen Barocks in Vorpommern“. Aha. Das wird den meisten so viel sagen wie der 2. Hauptsatz der Thermodynamik und wenig Lust machen, dort hinzureisen. Was schade wäre. Denn Nehringen besitzt vor allem Flair.&lt;br /&gt;Es ist ein kleines, malerisches Gutsdorf mit Kirche, Gutshaus und –park, einer Handvoll Katen, Häuschen und Gehöften. Alles wirkt hier zeitlos, entstammt aber augenscheinlich dem 18. und 19. Jahrhundert. Das ist vorstellbarer.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoIoBW0RPI/AAAAAAAAAFE/vC38HFqzFDw/s1600-h/DSC00147.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoIoBW0RPI/AAAAAAAAAFE/vC38HFqzFDw/s200/DSC00147.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123417009739285746" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Weil die Schweden nach dem 30-jährigen Krieg in Vorpommern nun einmal Fuß gefasst hatten, wurde ihnen das Land letztlich auch zugesprochen. Anfang des 18. Jahrhunderts war ein gewisser Graf von Meyerfeldt Generalgouverneur für Rügen und Vorpommern. Der fand Nehringen wie ich bezaubernd und ließ sich 1720 ein Gutshaus und zwei angrenzende „Kavaliershäuser“ bauen, um Besuch unterzubringen. Vielleicht fand er Nehringen allerdings nicht nur bezaubernd, sondern vor allem „strategisch bedeutsam“. Schließlich hatten die letzten 20 Jahre vor seiner Ankunft die Dänen Pommern besetzt. Ein ständiges Hin und Her! &lt;br /&gt;Nicht umsonst stand hier auch einmal eine Grenzfeste, von der bloß noch die breite Ruine des so genannten „Fangelturmes“ im Gutspark übrig ist. Dort steht er seit dem frühen 14. Jahrhundert auf einem Hügel. Und wäre er nicht so baumumwachsen, könnte ich ihn von meinem Stubenfenster aus sehen, so wie die Kirche und das alte Pfarrhaus. &lt;br /&gt;Dicht heran darf man an den Fangelturm derzeit nicht. Er ist abgesperrt, weil er sich offenbar für seinen Zustand schämt und Zudringlinge mit zerbrochenen Backsteinen bewirft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Graf von Meyerfeldt jedenfalls ließ 1721 und in den folgenden sechs Jahren die Andreas-Kapelle von 1350 zur barocken Schlosskirche umgestalten. Dann war es vorerst gut, das Barock-Ensemble perfekt. Das heißt, 1744 musste der 1598 gebaute Kirchturm neu errichtet werden. Irgendwie hört so etwas schließlich nie auf.&lt;br /&gt;1730, als die Arbeiten an der Kirche abgeschlossen waren, wurde übrigens noch ein Pfarrwitwensitz gebaut, eine einfache Kate, die ebenfalls erhalten ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Nehringen, dem zeitweiligen Garnisonsort, ging es wie in ganz Mecklenburg-Vorpommern nicht immer so friedlich zu, wie es den Anschein hat. Die Herzogsfamilien des Nordens machten sich früher das Leben schwer, weil oft viele Familienmitglieder gleichzeitig regieren wollten. Da zerstückelte man dann schon mal seinen Erbbesitz, was die Machtposition natürlich schwächte. &lt;br /&gt;Kein Wunder, dass im 30-jährigen Krieg Wallenstein Regent in Mecklenburg wurde und auch Pommern nach aller Kriegskunst verwüstete. &lt;br /&gt;In dieser Zeit muss die Wehrmauer des Nehringer Kirchhofs mit seinen Schlüsselschießscharten entstanden sein. Ob dort allerdings jemals Flintenläufe rausguckten, weiß ich nicht zu sagen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJAxW0RQI/AAAAAAAAAFM/T3HHi9m8kM4/s1600-h/DSC00128.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJAxW0RQI/AAAAAAAAAFM/T3HHi9m8kM4/s200/DSC00128.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123417434941048066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Dass sich in Nehringen alle zusammengehörigen Barockbauten erhalten haben, ist gar nicht selbstverständlich. Denn die mussten vor allem 40 DDR-Jahre über standhaft bleiben. Und hätte sich der hier ansässige Küster, Herr Bergemann, von dem wohl bereits die Großeltern auf dem Kirchhof liegen, damals nicht so stark für den Erhalt der St.-Andreas-Kirche gemacht, wäre diese wohl mitsamt Mehmel-Orgel, Kanzel, Decken- und Tafelgemälden, Beichtstuhl und Patronatsloge abgerissen worden. &lt;br /&gt;Heute steht die Kirche unter Denkmalschutz und der Herr Bergemann hat für seine gute Tat das Bundesverdienstkreuz erhalten. &lt;br /&gt;Ein zweites Kreuz sollte man im übrigen für denjenigen bereitlegen, der sich für die dringend erforderliche Sanierung des Gutshauses und Fangelturmes stark macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich mir ohne Furcht vor fallenden Steinen die Kirche und den Kirchhof in Ruhe besah, tuschelten die gelben Blätter der verschnittenen Linden über mir bewegt wie alte Leute. Was der Fremde hier wohl tue? Ich antwortete nicht, sondern lauschte in den goldenen Oktober hinein: drei Vögel hielten einen Schwatz, eine Biene brummte wie ein winziger Traktor vorbei, irgendwo kletterte ein Eichhörnchen einen Baum hoch.&lt;br /&gt;Auf dem Boden zwangen Moos und braunes Laub alte Grabplatten zur Ruhe. &lt;br /&gt;Ein mit Zäunchen umfriedetes Grabmal sah ich mir genauer an. Dort liegt ein Carl Freiherr von Pachelbel-Gehag-Ascheraden. Was für ein Name! Ob er mit dem süddeutschen Musiker – einem Bürgerlichen - verwandt war? Wohl kaum. Oder mit dem Rügener Baron von Ascheraden? Schon eher.&lt;br /&gt;Denn geboren wurde er 1859 in Zimkendorf. Das liegt bei Stralsund. Mit 82 Jahren starb er im benachbarten Keffenbrink, drei Jahre vor Kriegsende. Sein Titel ist auf der Grabplatte ablesbar, nicht aber, was er für ein Mensch war. Vielleicht ein pommerscher Stechlin, mit dem das Gute der alten Zeit wegstarb.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJghW0RRI/AAAAAAAAAFU/a0HyxOXT_iM/s1600-h/DSC00136.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJghW0RRI/AAAAAAAAAFU/a0HyxOXT_iM/s200/DSC00136.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123417980401894674" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ein Platz, den der Freiherr vielleicht wie ich besonders in sein Herz geschlossen hatte, ist die 1911 erbaute und von 1983 bis 1990 rekonstruierte Klapp- und Zugbrücke über der Trebel. Auf ihr stand ich oft bei bestem Herbstlicht und blinzelte übers Wasser und bewachsene Moor. Hier war der „Pass von Nehringen“, der sonst schwer zugänglichen Landesgrenze. &lt;br /&gt;Von dieser Holzbrücke aus wanderte ich ins Mecklenburgische, nach Wasdow oder einmal nach Groß Methling:&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJ7BW0RSI/AAAAAAAAAFc/KgAlnBb96Fo/s1600-h/DSC00139.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoJ7BW0RSI/AAAAAAAAAFc/KgAlnBb96Fo/s200/DSC00139.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123418435668428066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Landschaft hatte die Ruhe weg und der Himmel war so weit, dass mein Geist wieder zu fliegen lernte. &lt;br /&gt;Über dem Weg, der wie die Abzugsgräben die Trebelniederung durchschneidet, lagen in Kopfhöhe Spinnfäden. Auf dem Boden krochen Raupen und Käfer, waren Spinnen und Schnecken unterwegs, in der Luft Eintagsfliegen und Schmetterlinge, die wie ich das Wetter für einen Ausflug nutzten. &lt;br /&gt;Ganz in meiner Nähe landete lautlos ein Schwarzer Milan. &lt;br /&gt;Dafür knisterte und flatterte im Gesträuch von den kleineren Vögeln und Phantommäusen. Nur einmal sah ich so eine Maus. Sie lag frisch erlegt vor mir auf dem Weg. Der Milan wird sie zuvor fallen gelassen haben, um mir zu bedeuten, wer der Herr im Revier sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gesamte Natur war beseelt und hielt ihre Andacht. Mir war, als beobachte sie mich mit stockendem Atem, ob ich ihrer auch wirklich gewahr würde. &lt;br /&gt;„Ja!“, schrie der Milan. Ja, dachte ich, ja!&lt;br /&gt;Ein mir entgegenkommendes Auto schunkelte trunken von Schlagloch zu Schlagloch und wirkte dabei recht albern. Nur der Fahrer musterte mich bierernst. &lt;br /&gt;Überhaupt schienen alle Autofahrer sich zu fragen, was einer wie ich hier tue, so allein im Niemandsland. &lt;br /&gt;Ich wusste es.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKTBW0RTI/AAAAAAAAAFk/nUgrVm7wijE/s1600-h/DSC00141.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKTBW0RTI/AAAAAAAAAFk/nUgrVm7wijE/s200/DSC00141.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123418847985288498" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Im angrenzenden Auenwald bemerkte ich neben dem inzwischen befestigten Weg eine Ansammlung von Feldsteinen, die sich von anderen auf Feldern zusammengetragenen Haufen darin unterschied, dass es in der Mitte eine Mulde gab. Vielleicht stand ich vor einem in Vorzeiten geplünderten Hühnengrab. Davon gibt es ja sehr viele in Norddeutschland. &lt;br /&gt;Darüber grünte noch der Ahorn im Schatten der Buchen. &lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKshW0RUI/AAAAAAAAAFs/j7QXAqFWs8M/s1600-h/DSC00150.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoKshW0RUI/AAAAAAAAAFs/j7QXAqFWs8M/s200/DSC00150.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123419286071952706" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Beim Weitergehen hörte ich auf den Herzschlag meiner Schritte, dachte an die fahrenden Romantiker und fühlte mich, so aus der Zeit geworfen, recht wohl. Das Haus, in dem ich untergekommen war, ist übrigens eine alte Bauernkate von 1805, dem Jahr als Schiller starb. Auch daran musste ich unterwegs denken. &lt;br /&gt;Bei ein paar weidenden Kühen, die nicht mal muh machten, blieb ich stehen und lauschte wieder in den Nachmittag. Es war nichts zu hören als die heiseren Rufe einer weiteren Wildgansformation am Himmel, nichts zu sehen außer Himmel und Erde und ein paar Rauchzeichen dazwischen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoLBhW0RVI/AAAAAAAAAF0/zKR3g7py0t4/s1600-h/DSC00143.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoLBhW0RVI/AAAAAAAAAF0/zKR3g7py0t4/s200/DSC00143.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5123419646849205586" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Am Ende meiner Woche sah ich vor der Rückfahrt ein letztes Mal aus dem Stubenfenster zum alten Pfarrhaus über die Straße. &lt;br /&gt;Hier muss der Freiherr von Pachelbel vorbeigegangen sein, um sich die neue Trebelbrücke zu besehen, dachte ich. Die Fenster des Pfarrhauses werden da schon schräg in ihren abgesenkten Fächern gesteckt haben. Aber es gab noch kein Moos auf dem Dach. &lt;br /&gt;Von nebenan, aus einem Fenster des Pfarrwitwensitzes heraus, wird den Freiherrn eine alte Dame beobachten haben. &lt;br /&gt;„Der Herr Carl ...“, hat sie vielleicht gedacht. &lt;br /&gt;Und dann wurde es Herbst. Endgültig. So wie jetzt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-4034112753611370337?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/4034112753611370337/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=4034112753611370337' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4034112753611370337'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/4034112753611370337'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/10/091-nehringen.html' title='091 | Nehringen'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/RxoISRW0ROI/AAAAAAAAAE8/D5GRUtG8Jys/s72-c/DSC00129.jpg' height='72' width='72'/><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-2876543144192873481</id><published>2007-10-11T21:33:00.000+01:00</published><updated>2007-10-11T22:39:55.924+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>090 | Brandenburg ...</title><content type='html'>Letztens war ich in Brandenburg, der Stadt. Dabei hatte ich trotzdem den Ohrwurm von Rainald Grebe im Kopf, der sich nicht auf die „Wiege der Mark“, sondern auf das Land bezieht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt. Was soll man auch machen mit siebzehn, achtzehn in Brandenburg ...“&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6U1RW0RAI/AAAAAAAAADM/XM9c1F2TQFE/s1600-h/DSC00100_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6U1RW0RAI/AAAAAAAAADM/XM9c1F2TQFE/s200/DSC00100_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120193469279912962" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;So schlimm war es natürlich nicht. Aber dennoch: Selbst Freunden erscheint das erinnerte Brandenburg an der Havel trist und seelenlos. Obwohl es noch diese gefühlte Seele, diese gefühlte DDR gibt. Dort, wo die Stadt im Westen angekommen ist, wo saniert und gebaut wurde, entsteht bei demografischer Rückschrittlichkeit leider bloß der traumhafte Eindruck eines potjomkinschen Dorfes. Beispielsweise vor der wunderschönen Jugendstilvilla Lehmann in der Plauer Straße. &lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VTRW0RBI/AAAAAAAAADU/ZhPQHH0Hdec/s1600-h/DSC00097_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VTRW0RBI/AAAAAAAAADU/ZhPQHH0Hdec/s200/DSC00097_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120193984675988498" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Authentischer wirken irgendwie die zerfallenen Bauten oder gar mutwillig Zerstörtes - wie der Webcam-Monitor auf der Brücke am Domstreng und der Parkautomat davor. Das ist Brandenburger Jugendkultur wie sie im Rufe steht! Da steht sie sogar Berlin in nichts nach. Für den fehlenden wirtschaftlichen Antrieb Brandenburgs springen Fördervereine und Förderprogramme als Ersatzmotoren an. Der Rest ist Schläfrigkeit, trotz der hübschen Beschreibung des „Lebens in der Stadt“ in der Webpräsenz.  &lt;br /&gt;Die Alte Mühle am Mühlendamm illustriert den Zustand Brandenburgs: Ein sanierter und ein ruinierter Gebäudekomplex werden von einer Brücke verbunden. Darunter fließt Wasser, fließt Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter westlich, am Salzhofufer, sitzen die Trinker. Sie haben sich viel Würde im Verborgenen bewahrt und stieren fatalistisch wie Angler auf die Niedere Havel. Als würde dort eines Tages eine Antwort vorbeischwimmen oder ein Schiff anlegen, das sie mitnimmt.&lt;br /&gt;Nach einer Zeitreise ins 11. Jahrhundert wird ihnen wahrscheinlich nicht der Sinn stehen, vielleicht aber der damit verbundene Weg, der aus dem Schlamassel herausführen kann: Auf dem 11.000qm großen Areal direkt hinter ihnen bietet die BAS (Brandenburg an der Havel Arbeitsförderungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft mbH) gestrandeten Existenzen die Möglichkeit dafür. Ganz im Sinne der experimentellen Archäologie entstand und entsteht dort ein Slawendorf, das mehr ist als ein Abenteuerspielplatz für Schülergruppen oder ein Mittelalterfest für Besucher. Hier lernt man über archaische Arbeitsprozesse seinen menschlichen und sozialen Wert kennen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6W5RW0RFI/AAAAAAAAAD0/9mveNoX5JQQ/s1600-h/DSC00086_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6W5RW0RFI/AAAAAAAAAD0/9mveNoX5JQQ/s200/DSC00086_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120195737022645330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der tatsächlich im Mittelalter entstandene Dom („norddeutsche Backsteingotik“) enthält so viele erwähnenswerte Kunstschätze, dass man genügend Leute damit langweilen könnte. Interessanter ist wie so oft, was vielleicht nicht im Reiseführer steht. Da wären die sogenannten Drolerien zu nennen. Das sind im Brandenburger Dom an die Gewölbedecke gemalte Wasserspeier-Köpfe, die allerdings kein Wasser spucken sollen. Denn sabbern die offenen Münder, zeigen sie an den Stellen, wo einzelne Backsteine fehlen, ein undichtes Dach an. Auf Ideen kamen die Leute ...&lt;br /&gt;Überhaupt die Backsteine. Da wurde früher von Tüchtigen eine Bodenfläche ausgehoben und wieder mit Lehm, Ton, Wasser, Sand und Pferden gefüllt. Jawohl, mit Pferden. Die stampften über Wochen alles zu Matsch und gaben Urin als Konservierungsmittel dazu. Der verhinderte Salpeter am späteren Mauerwerk. Darauf muss man auch erst mal kommen!&lt;br /&gt;So ein in Form gebrachter Matsche-Stein wog seine 9 kg. 600 Stück davon musste ein Arbeiter in 12 Stunden pro Tag fertigen, bevor er als Wackerstein ins Bett fallen konnte. &lt;br /&gt;Steine ganz anderer Art befinden sich am Haupteingang des Domes. Dort sieht man erhobenen Hauptes fabelartige Szenen auf Kalksteinkampfern: Ein Fuchs als Priester predigt den Gänsen, bevor er sich auf sie stürzt und dafür letztlich hingerichtet wird. Vis-á-vis spielt ein Affe Schach, daneben lässt sich ein Hebekran erkennen ... Der Sinn erschließt sich nicht überall. Was die Sache für mich spannend macht. Wer hinterließ solche Rätsel?&lt;br /&gt;Und was waren das für junge Männer, welche ihre Namens im 16. Jahrhundert ins Chorgestühl ritzten? „Peter“ steht dort, glaube ich mich zu erinnern, und „Johannes Stabe“. Ob es irgendwo noch mehr Spuren von diesen „Scratchern“ gibt? In einem Archiv, einem Kirchenbuch? Wer waren Peter und Johannes?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor etwa 10 Jahren wanderte ich im Herbst mit einem Freund zwischen Jena und Auerstedt herum. Wir wollten auf den Feldern der Schlacht von 1806 eine Nachlese halten, Patronenhülsen oder Koppelschlösser finden. Außer einem verendeten Bussard fanden wir jedoch nichts. Aber mein Freund, der Hobby-Archäologe, zeigte mir bei sich bereits gefundene Schätze. Da war nichts, was das Denkmalamt auf den Plan rufen könnte: ein paar Scherben von „frisch abgeregneten Äckern“, nicht mehr. Doch eine dieser Scherben war sein ganzer Stolz. Ich konnte nur zuerst nicht erkennen, warum. Sie war terrakottafarben, klein und ohne Muster. „Aber der Fingerabdruck!“, sagte mein Freund. „Vor beinahe 2000 Jahren hat ein römischer Töpfer auf genau dieser Scherbe seinen Fingerabdruck hinterlassen!“ Das beeindruckte mich.&lt;br /&gt;Und es ist wie mit den Namen im Chorgestühl, nur bescheidener, weil zufällig. &lt;br /&gt;Was bleibt insgesamt von menschlichen Spuren im kollektiven Gedächtnis erhalten? &lt;br /&gt;Im Brandenburger Dom hängt das Familienwappen derer von Katt. Es zeigt eine Katze mit erlegter Maus im Maul. Der berühmteste von Katt ist als Katte durch seinen Tod für den geliebten preußischen Thronfolger Friedrich II. bekannt, der mit ihm stiften gehen wollte. Das mit dem Tod weiß man. Wer weiß aber etwas über Kattes Leben? Er bleibt als die Maus aus seinem Familienwappen in Erinnerung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der St.-Petri-Kapelle neben dem Dom hängen an der Empore die Wappen anderer honoriger Familien, zum Beispiel das der von Ribbecks aus dem Havelland. Wie viele Familienmitglieder dieses Namens wird es gegeben haben und geben? Und wie viele ungeschriebene Romane gehen damit einher? Was aber erinnert wird, ist eine Birne, ist ein Gedicht aus der Feder eines ganz anderen „Fon“.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VuRW0RCI/AAAAAAAAADc/4INYxRpjKxU/s1600-h/DSC00083_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6VuRW0RCI/AAAAAAAAADc/4INYxRpjKxU/s200/DSC00083_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120194448532456482" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Petri-Kapelle ist übrigens nur selten zugänglich, zumeist bei Kunstausstellungen. Eigentlich viel gab es auch nicht zu sehen, doch empfand ich die Atmosphäre als äußerst erwähnenswert. Der Gang durch den verwilderten Vorgarten, in dem ein Holzkahn modert, war wie der Eintritt durch eine geheime romantische Pforte. Dazu das stille Herbstlicht ... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WHRW0RDI/AAAAAAAAADk/iLXCRv8yld0/s1600-h/DSC00084_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WHRW0RDI/AAAAAAAAADk/iLXCRv8yld0/s200/DSC00084_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120194878029186098" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der Kapelle roch es nach alten Zeiten, Kirchenbüchern und Familiengruften. Das weiße Zellengewölbe kontrastiert dort alles etwas futuristisch. Die offenen Sakramentsnischen sind leer, wirken aber vollkommen. Und dass der letzte Slawenfürst Brandenburgs unter der Kapelle begraben sein soll, war fühlbar möglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WjBW0REI/AAAAAAAAADs/vO8M9AG_9js/s1600-h/DSC00079_OT.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6WjBW0REI/AAAAAAAAADs/vO8M9AG_9js/s200/DSC00079_OT.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5120195354770555970" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Brandenburg. Brandenburg ist nichts Homogenes, sondern die Summes aus Eindrücken. Brandenburg hat Potential, ist Berlin im Kleinen, nur verwurzelter, weniger sexy, aber genauso arm. Genauso reich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-2876543144192873481?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/2876543144192873481/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=2876543144192873481' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2876543144192873481'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/2876543144192873481'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/10/090-brandenburg.html' title='090 | Brandenburg ...'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_ZNqfIG5j4sE/Rw6U1RW0RAI/AAAAAAAAADM/XM9c1F2TQFE/s72-c/DSC00100_OT.jpg' height='72' width='72'/><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1103520897409235089.post-1109284171649958966</id><published>2007-09-18T20:25:00.001+01:00</published><updated>2007-09-20T21:38:32.217+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tagebuch'/><title type='text'>089 | Wieder in Dresden</title><content type='html'>Am Wochenende befand ich mich bei ungeahnt mildem Wetter in Dresden. Ein liebes Freundespaar heiratete, und die Sonne erwärmte sich ordentlich für sie. &lt;br /&gt;Nach einer Art Polterabend in der Wohnung der Brautleute zog ich vor Mitternacht mit dem Bräutigam und seinen männlichen Gästen zur Junggesellennacht aus. Es ging zur Wiedereröffnung der legendären Kakadu-Bar im Stadtteil Weißer Hirsch. Sogar ein Film wurde vor 3 Jahren danach benannt („Der rote Kakadu“), aber der floppte. &lt;br /&gt;In den 50ern war die Bar ein szeniges Tanzlokal, ein Jazz- und Rock´n´Roll-Keller. Jetzt tanzt dort Schicki mit Micki, paffen Designerbrillen teure Zigarren am Tresen. &lt;br /&gt;Die Inneneinrichtung der Bar ist schon beeindruckend, die Kellner sind perfekt gekleidet und geschult. Da lässt sich nichts sagen. Aber der Kakadu wurde wiederbelebt und auf schwarze Zahlen abgerichtet, womit der Mythos stirbt. Denn der Geldadel bringt selten wahre Rock´n´Roller zum Vorschein. Der Mythos wird von Anzugträgern totgetanzt, die sich steifhüftig vor schönen Frauen bewegen. Als Beobachter kam ich mir wie ein „Englishman in New York“ vor, nur eben umgekehrt. Und trotz der schummrig-warmen Beleuchtung fröstelte es mich deshalb ein wenig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach viel zu wenig Schlaf ging es morgens zum Standesamt der prachtvollen Villa Weigang, in der jeden Sonnabend 20 Paare heiraten. &lt;br /&gt;„Bitte Ruhe! Eheschließung!“ empfängt eines von vielen typisch deutschen Schildern, bevor alle Beteiligten kleinlaut die neu-kurfürstliche Amtsstube betreten. Gerade mal „ja“ durfte das Brautpaar nach einer gewöhnlichen Zeremonie sagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entspannt lief unsere Gesellschaft hinterher an der Elbe entlang zum berühmten SchillerGarten, wo direkt neben dem Blauen Wunder erstklassig gebruncht werden sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schiller war zwischen 1785 und 1787 auf der gegenüberliegenden Elbseite Gast eines Freundeskreises um Christian Gottfried Körner, Vater des dichtenden Befreiungskriegers Theodor. Man kümmerte sich um den mittellosen Schiller. Und Körner wurde für ihn nach dessen Tod nicht nur Verleger der ersten Gesamtausgabe seiner Werke, sondern zu Lebzeiten neben Goethe auch wichtigster Freund. Von der körnerschen Gastfreundschaft begeistert schrieb Schiller seine „Ode an die Freude“. &lt;br /&gt;In der später nach Schiller benannten Schankwirtschaft lernte der Dichter Justine, die anmutige Tochter der Wirtin, kennen, welche ab und zu die Gäste bediente. Sie musste, nachdem sie ihm sein Glas Milch gebracht hatte, mit ihrer schönen Stimme am Spinett vorsingen. Schauspielerin sollte sie werden, befand Schiller enthusiastisch. Aber das schickte sich damals nicht. So wurde sie Anwaltsgattin und Senatorenwitwe, bevor sie 93-jährig verstarb. Schiller machte sie aber zuvor als „Gustel von Blasewitz“ im Wallenstein unsterblich. Und hätte Schiller wie ich das Rührei mit Lachs im SchillerGarten genießen dürfen, hätte er sicherlich eine weitere Ode geschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende einer nachmittäglichen Auszeit fand die eigentliche Hochzeitsfeier auf dem Schloss Nöthnitz statt, was einmal „Viehhof“ bedeutete und nun für Studienzwecke oder Feierlichkeiten zugänglich ist. &lt;br /&gt;Bis heute ist nicht nur der Baumeister des Renaissance-Schlosses unbekannt, sondern für viele Dresdner sogar das Schloss selbst. Obwohl es nur 10 Autominuten vor der Landeshauptstadt liegt, musste der Taxifahrer gelotst werden.&lt;br /&gt;Dabei ist das Anwesen durch Winckelmann berühmt geworden, welcher als erster Kunsthistoriker und Archäologe überhaupt gilt. Der Sohn eines Schusters arbeitete von 1748 bis 1754 in der Bibliothek des Schlosses und durfte die 40.000 Bücher umfassende Sammlung für private Forschungen nutzen. Nach Dienst, versteht sich. Was hieß, dass er sich von 3.00 Uhr bis 7.00 Uhr morgens und ab Feierabend bis weit in die Nacht mit der Antike beschäftigte. Offenbar kam der Mann ohne Schlaf aus. &lt;br /&gt;Später unternahm er Studienreisen nach Italien, verfasste wissenschaftliche Schriften und sorgte dadurch dafür, dass der Klassizismus den Rokoko ablöste. &lt;br /&gt;Mit 50 Jahren fiel Winckelmann einem Raubmörder zum Opfer. Da der Kunsthistoriker schwul war, könnte das bei seinem Tod allerdings auch eine gewisse Rolle gespielt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz klar, dass viele der Schlossräume mit Bücherschränken, Abgüssen römischer Skulpturen und Veduten-Stichen ausgestattet sind. Der Rokoko-Festsaal jedoch atmet ganz den Geist des Ancien Régime: herrschaftliche Ölgemälde vor heller Purpurtapete aus Damast, ein stucküberdachter Kronleuchter in der Mitte des Raumes. &lt;br /&gt;Aber vor allem das Abendmenü sorgte dafür, dass ich mich recht nobel fühlen konnte: Vitello tonnato und andere Antipasti eröffneten nach der Rede des Bräutigams den lukullischen Reigen. Mit Poularde, Rinderragout oder gefüllten Crépes, Weiß- oder Rotwein tanzte die Zunge sich vor zum Dessert. Wahlweise gab es Zuppa inglese, Tiramisú oder Apfeltarte aus Blätterteig. Dazu Crémant und natürlich Prosecco. &lt;br /&gt;Die Gäste rekrutierten sich aus Schauspielern, Musikern und anderen Kreativen. Statt dröger Sättigungsspielchen und vieler Reden wurde am Flügel gespielt und gesungen. &lt;br /&gt;Bevor es um Mitternacht ans Tanzen ging, spielten die zwei engagierten DJ´s Free Jazz. Ich als Banause sah, dass sie ihr Saxophon und Schlagzeug beherrschten, aber hörte es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insgesamt hielten mich meine Begeisterung und die netten Gespräche bis in die frühen Morgenstunden wach. Und die Begeisterung hält noch an. &lt;br /&gt;Diese Hochzeit war nicht nur im eigentlichen Wortsinn ein Fest. Denn ich traf jede Menge Menschen, die nicht nur interessant, sondern vor allem auch sympathisch waren. So wie Dresden, in das ich mich von Besuch zu Besuch mehr vergucke. Nu, nu!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1103520897409235089-1109284171649958966?l=frankunfug.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://frankunfug.blogspot.com/feeds/1109284171649958966/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='https://www.blogger.com/comment.g?blogID=1103520897409235089&amp;postID=1109284171649958966' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1109284171649958966'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1103520897409235089/posts/default/1109284171649958966'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://frankunfug.blogspot.com/2007/09/089-wieder-in-dresden.html' title='089 | Wieder in Dresden'/><author><name>Franks Unfug</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10478132872502266694</uri><email>post@frank-unfug.de</email><gd:extendedProperty xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' name='OpenSocialUserId' value='03875422089130711475'/></author><thr:total xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'>0</thr:total></entry></feed>